Klara May führte von 1902 bis 1916 ein Tagebuch. Das Tagebuch ist ziemlich üngleichmäßig: Alleine schon das Jahr 1902 umfasst 23 Seiten, während z.B. 1910 kaum eine Seite zählt und 1912, 1914 und 1915 ganz ohne Eintragungen sind.
Wer Klaras Buch Mit Karl May durch Amerika« und ihre Beiträge an den Karl-May-Jahrbüchern kennt, weiß, das man nicht allem, was sie schrieb, Glauben schenken darf. Die Eintragungen des Jahres 1902 klingen oft mehr als eine Apologie wie als ein Tagebuch. Doch ist das Tagebuch ein wichtiges Dokument in der Karl-May-Forschung (vorausgesetzt, es wird mit der gebotenen Vorsicht gelesen) und daher habe ich es gewagt, es hier zu veröffentlichen.
Klara hat ihr Tagebuch mit Feder geschrieben; später hat eine(r) das Manuskript getippt und gelegentlich mit Kommentaren versehen. Bis jetzt waren weder das Manuskript noch das Typoskript online veröffentlicht, aber das hat sich ab heute geändert. Was man hier sieht, ist die Veröffentlichung des getippten Dokuments. Auffällig sind die viele orthographischen (und manchmal auch inhaltliche) Fehler, die ich hier rot wiedergegeben habe; besonders auffällig ist das häufige Weglassen des Punktes bei Ordnungszahlen. Ob die Fehler allerdings von Klara May oder von der unbekannten Schreibkraft sind, kann ich nicht sagen. Bestimmte Tippfehler, vor allem bei Namen, lässen vermuten, dass man der Schreibkraft das Tagebuch diktiert hat. Die (ziemlich viele) Fußnoten sind alle von mir (rogerschenk1964 at gmail dot com). Ich habe dabei gemeint, auch die Theatervorstellungen (bis auf dreizehn) länger oder kürzer zusammenzufassen; wer diese Zusammenfassungen nicht lesen will, mag es sein lassen; aber sie bilden zusammen aber ein schönes Kaleidoskop von den Dramen, die Karl und Klara - anfangs auch Emma - sich damals anschauten.
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1902
Das erste neue Jahr, ohne mein Liebstes 1. - - -
Der einzige mich beseelende Wunsch ist Erlösung von der Erde, täglich bitte ich Gott darum.
Am 5ten war März 2 hier 3. Ich hatte eine ernste Auseinandersetzung mit ihm, wegen Karl.
Abends war ich noch mit meinen Lieben im Vereinshaus. Franz. Komponisten Abend 4. Karl war lieb und durch den Vortrag angeregt, wie immer, wenn Hohes an ihn herantritt.
meine Erinnerungen daran stehen auf dem Theaterzettel.
Es sollte Lehrspiel, nicht Lustspiel heißen.
Mittwoch d. 8.1. kam Karl mit dem Vortrag in Elberfeld 7 und daß wir nach Stuttgart reisen möchten.
Donnerstag d. 9 reisen wir nach Stuttgart, ich trage nach, wenn wir heim kommen.
Wir waren im Hôtel Marquardt 8.
Fritz Scharf 9 besucht, wohnt Landhausstr. 12. Baletm.
Die Freude des Wiedersehens war gegenseitig. Er ist noch der liebe, treuherzige Mensch wie ehedem.
Elberfeld d. 12.1. wekte wehmüthige Erinnerungen in mir. Hatte doch mein Liebstes hier gelebt und seine erste Braut da gehabt.
Montag d. 13 Brochure erledigt in Elberfeld 11.
Abends Theater Ein armes Mädchen 12
Eine Posse aus der man ein elendes Dingeldangelstück gemacht hat. Mich empörte es, wie man Edles und Hohes herunterzog um ein Olymppublikum zu unterhalten. Es verletzt mich und stößt mich ab.
Abends leider wieder Zank und Streit. Emma ist furchtbar, sie martert Karl unsagbar. Alle Vorwürfe nützen nichts. Wie kann man sie nur beruhigen. Sie haßt Karl unsagbar. Bleibt er still, wird sie nur noch muthiger. Spricht er, wird sie ekelhaft gemein.
Dienstag d. 14. waren wir eine Stunde bei Meyers 13. Curt war da. Frau M. hatte am 13 Geburtstag. Das Kind machte unwahre Angaben über von seinem Stiefvater 14 gesagte Sachen. Bayer hat keinen guten Einfluß auf den Knaben. Frau Dr. W. 15 hat Recht. Könnte man doch der Lieben guten Seele noch dienen.
Abends Emma und ich in Elberfeld um den in der Gesellschaft Parlament, Harmoniestr. 22 gehaltenen Vortrag von Dr. Cardauns 16 über Karl zu hören.
Cardauns sprach sehr erregt und nicht klar. Die Brochure 17 hatte ihn verwirrt und aus dem Konzept gebracht. Sein Vortrag wirkte unfein. Er suchte zu beweisen das Karl aufschneide, ohne es logisch nachzuweisen. Das Hauptgewicht legte er darauf, daß May für den gemeinen, protestantischen Münchmeyerverlag 18 geschrieben habe. Das Karls Sachen umgearbeitet sein könnten glaubte er nicht. Er müsse sich vor allem May als Laienapostel oder Missionar verbitten, wofür er allgemein gehalten würde.
Er schloß mit einem Gedicht Bodenstätts 19 Seite 58. - sonderbar, ich fand es soeben eingezeichnet im Gedichtsband vor - .
Cardauns stellte die beiden letzten Zeilen aber um und sagte:
Wer die Wahrheit weiß und spricht sie nicht,
Der muß Prügel haben!
Cardauns persiflirte Karl schauderhaft, rein gehässig, ohne Logik. Dann sagte er Confession sei ganz Nebensache, kurz zuvor sprach er aber vom gemeinen, protestantischen Münchmeyerverlag. Dann sagte er zum Schluß: Er, C. würde aber sofort die Waffen gegen May strecken, wenn dieser ihm nachweise, daß die auch für Münchmeyer geschriebenen Arbeiten sittlich rein waren. Er faselte noch von Mays Können u.s.w.
Mittwoch d. 15.1. verließen wir Düsseldorf und gingen nach Coblenz Hotel Monopol 21. Abends hatten wir den liebenswürdigen Franz Berger 22 aus d. Villa Reinhardt, Ehrenbreitenstein bei uns. Der Mann will für Verbreitung der Brochure sorgen.
Freitag Abreise nach Leipzig Hôtel Haufe 24
Leider immer, immer Streit. Emma ist doch ein Dämon. Mache ich ihr Vorstellungen, küßt sie mich, nudelt mich ab, wie sie sagt, und macht doch was sie will. Wenn sichs Karl nur nicht so zu Herzen nehmen möchte. Seine traurigen Augen kann ich gar nicht sehen. Emma lacht darüber.
Sonnabend d. 18.1. in Dresden angekommen.
Vortrag Dr. Rudolf Steiners 25. Friedenau-Berlin Kaiser-Allee 95. Adresse von Paul Wiecke 26 erhalten.
Begeistert spricht Steiner über Nietzsches Leben und Leiden.
Wiecke rezietierte meisterhaft.
Zuerst aus Zarathustra 28. Es bewegte mich der Inhalt so vorgetragen und die edlen Gedanken so plastisch hingestellt mächtig.
Von den Gedichten packte mich der
man schaut dem in die Unendlichkeit hinaussteuernden Nachen 32 wie gebannt nach. -
Ob ich die Kraft habe Nietzsche auch nur ein kleines Stück auf seiner Wanderung begleiten zu können, im Geiste?
„Der Peitsche und des Zuckerbrods” 33 bedaf es bei mir nicht.
Wie man mit Karl über solche Themen sprechen kann. Wie reich ist dieser Mann. - Schade, daß Emma sich so sehr langweilt.
Ein herrlicher Abend. Edles und Schönes zog da reich vorüber. Wie doch solch ein Schauspiel veredelnd wirkt.
Der Somnambule war herrlich gezeichnet. So vermag nur der selbst inspirirte Genius zu sehen, denke ich. Keine Uebertreibung, alles so einfach, schlicht. Auch der Schluß befriedigte mich - man tadelte ihn - . Die Stunde der Schwäche erscheint mir natürlich. Der Prinz steht vor dem Tode in dem Moment, wo doch das Leben doppelt lebenswerth für ihn wird, durch die Liebe der Prinzessin Natalie v. Oranien 38.
Ich kann Kleist nicht tadeln. Ich möchte das Werk nicht anders haben, als er es schuf.
zur Erinnerung an die erste Aufführung vor 100 Jahren.
Wir waren zwar bei Zillers 40 eingeladen, machten uns aber für den Abend frei, was Emma nicht paßte, in Anbetracht der Genüsse die der dicke Baumeister vor ihr ausbreitete. Der Mann ist gutmüthig. Seine Schwester möchte ich soll ihn heiraten. Diese Närrin. Niemals.
Die Vorstellung war herrlich. Man kann dieses Meisterwerk immer wieder sehen und immer tauchen neue Schönheiten auf.
Sonderbar, wie diese Vorstellung auf mich gewirkt hat. Ich spreche ganze Scenen nach, ohne sie auswendig gelernt zu haben und die gebundene Rede kommt mir auch in den Altag hinein.
So mag es Körner 41 ergangen sein. Der Bann des großen Geistes bemächtigt sich der empfänglichen kleinen Kreatur, die sich am Guten und Großen berauscht. Die die Schönheiten einsaugt, wie den Duft der Blume.
Dienstag sah ich mir bei Arnold 42 die Böcklin 43 Ausstellung an. Schade, da ist viel ausgestellt, was Böcklin nicht ausgestellt häätte.
Das große, erhabene Bild Böcklin könnte getrübt werden leuchteten seine Meisterwerke nicht wie des Himmels Blau in meinem Innern. Für mich ist Böcklin ein Gottgesandter. Mich berühren einzele Bilder in dieser Ausstellung wie Fälschungen. Aber die Arbeiten werden von seiner Frau und seinem Sohne ausgestellt. Die würden doch so etwas nicht thun. Es ist doch nicht jede Frau eine Emma. -
Ich wollte eigentlich zu Mickels 45 gehen. Sagte aber auf Wunsch meiner Lieben ab. Ich hatte es wirklich nicht zu bereuen. Karl hatte Recht.
Wie ganz anders wirkte Göthes 46 erhabener Geist auf mich ein, als vor Jahren.
Ich hatte auch zu viel vergessen, das Leid hat alles in mir ausgelöscht und nun wirkt es wieder wie neues, nie zuvor gesehenes. Trotz meiner großen Schwäche klingt Alles so gewaltig in mir wieder.
Sonntag d. 2 Februar, Vereinshaus 47
Dr. Geising 48 über
den Begründer des Dramas.
Glomme 50 recitirte. Am besten gefiel mir Prometheus 51 das Menschengeschlecht versinnbildlichend.
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Dann aus der Orestie 52. Der Schluß Athene 53 und die Erinyen 54. Wie wundervoll ist die Vereinigung des edlen Verstandes mit den strengen, strafenden Erinyen.
Mußte leider mit Karl allein gehen. Emma hat Schnupfen, den sie auch auf mich übertragen hat. Sie küßt mich ohne Rücksicht. Na, ich vertrage ja einen Puff, es ist mir zwar schlecht, aber sterben werde ich leider doch deshalb nicht.
Gyges das edle Griechenbild. Kandaules, König von Lydien, der letzte Herakliede, durch Wicke 57 vorzüglich dargestellt. Man vergiebt dieser edlen Erscheinung die menschliche Schwäche gern. Schade, daß sie so großen Unheil herauf beschwört über sein schönes Weib Rhodope.
Wie weiß doch Hebbel zu packen und zu veredeln. Karl lebt immer auf. Alle Müdigkeit und Schwäche schwindet, wenn er in der Luft athmet die vom Geiste großer, reiner Menschen durchweht ist.
Schade, daß dieser Mann ein Frauchen hat, die gar keinen Gefallen am Hohen, Edlen finden kann. Es ist mir langweilig sagt sie. Ich werde versuchen mehr denn je sie dafür zu interessieren.
Donnerstag beim Dr. / u. dessen Schwester. Liebe Menschen.
/ Mickel 58 (( offenbar spätere Einfügung ))
Freitag. Sudermanns 59
Wirkte nicht so stark auf mich, wie seinerzeit in Berlin an der Seite meines über Alles geliebten Mannes.
Emma war wieder schrecklich zu Karl. Ich glaube sie will ihn wahnsinnig machen. Die Frau hat eine dämonische Gewalt. Oft fürchte ich mich in ihrer Nähe. - - -
Die Schatten wollen nicht weichen. Die ganze Woche war schlecht. Karl verbirgt sich wie ein verwundetes Thier. Emma ist heiter wie immer - und zankt, wie immer.
Musikdirektor Kaden 62, zeigt das Erwachen der Musik in Russland. Anton Rubinstein 63 gründet in Petersb. eine Musikschule, die der offenbar durch eine höhere Macht geleitete Peter Tschaikowsky 64 besuchte und dessen noch jetzt lebender Nachfolger Alexander Glasounow 65. Die Kompositionen dieser Männer wurden gut vorgetragen.
Montag bei Werner 66 um den Aufbau der ersten Gruppe zu sehen. Ich bin nicht unzufrieden und denke, Werner wird das große in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen. Frl. Richter 67 denkt es auch. Müller 68 giebt so viel auf ihr Urteil Urtheil. Ich glaube mit Recht. Sie sieht so gut.
Es hat mich sehr angestrengt. Noch zu Burkhardt 69 und Milde 70zu gehen.
Wie doch die Freude in mir tod ist.
machte keinen Eindruck auf mich. Falstaff ist mir zuwider. Mag er in jene Zeit hinein passen. Ich kann mich nicht dafür erwärmen.
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Vielleicht liegt es aber auch an mir, ich war nicht in Stimmung. Der größte Unglückstag meines Lebens brachte auch noch eine Klage Wünschmanns 76 ins Haus. Als obs am Todestage nicht schon genug des trüben sei.
Heute, Freitag d. 14. Februar früh 1/2 8 Uhr, war es ein Jahr daß mein Liebstes von mir ging. Bis zur Stunde kam mir auch nicht das kleinste Zeichen von ihm, daß er weiterlebe, wie alle behaupten. Jeden Tag bitte ich von neuem um ein Zeichen vohn ihm, alles, alles umsonst. Könnte, dürfte ich doch sterben. -
Karl und Emma waren gestern unsagbar lieb zu mir. Die Lieben trösteten mich und wollten mir Ersatz geben, für die durch Wünschmann kommenden Verluste. (Haussachen)
((spätere Einfügung))
Wie groß denkt Karl. Ich glaube, er überträgt mir all diese neuen Arbeiten nur, um mich meinem Kummer zu entreißen.
Wie lieb diese lieben, lieben sind. Ich will alles thun ihnen zu nützen. Heute zum ersten Mal, bitte ich um Kraft, dankbar sein zu können und nützlich.
Die 3 Parzen 77
Klotho, spinnt den Faden des Lebens
Lachesis wacht mit der Sonnenuhr
„Atropos ist mit der Schere in der Hand bereit den Faden zu zerschneiden.
Chloe die keimende, die mütterliche Erdgöttin
Demeter” 78
Sonntag d. 16.2.02. Begräbnistag meines Richard vor einem Jahr 79. Trübe, unglückliche Stunden.
am Abend
Ein guter Vortrag, aber ein schlechter Vortragender Dr. Pohland 81.
Glomme 82 recitirte Oedipus 83 die Scene zwischen diesen und den blinden Seher Teiresias war sehr gut.
Dann Oedipus und seine Mutter und Gattin Jokaste
Dann die 14 Scene aus Oedipus wo er durch die Hirten sein furchtbares Geschick erfährt. - Der Gatte der Mutter, der Mörder des Vaters. -
Da paßt es, was Kiesewetter 84 in seinem Faustbuch 85 sagt: Wir glauben zu schieben und wir werden geschoben.
Dann aus der Antigone 85 1 Scene mit ihrer Schwester Ismene 87
Dann Antigone vom König Kreon zur Rechenschaft gezogen. Sie soll sich vertheidigen, thut es aber nicht und wird von Kreon zum Tode verurtheilt.
Die Chöre aus der Antigone von Mendelson 88 sind wundervoll, wirken im Doppelquartett großartig.
Vor Jahren sah ich es, als ich noch im Glück war. Es war aber alles verblaßt. Wie das Leid doch im Menschen alles verwischt. Es ist recht egoistisch, es will das größte da innen sein.
Wie riesengroß ist doch Schiller. Karl hat Recht, mit seiner Vorliebe, für Schiller. Wie er böse werden kann, wenn einer an Schiller rührt. Er hat Recht.
Was mag Schiller gedacht haben, als er Posa 90 sagen läßt:
Ich verlasse dich auf Jahre, Toren nennens ewig. 91
Es giebt keinen Zufall,
Und was uns blindes Ungefähr nur dünkt,
Grad das steigt aus den tiefsten Quellen. 92
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Wie groß Karl über solche Werke denkt. Emma hat gar keinen Verstand. - Putzen, Essen, Liebe. - - -
Kennst du das auch?
Ich kenne Abende, die sind so still,
Als ob die untre Welt gestorben sei,
Als ob die Erde die des Tags getobt,
Wie Blumen atme ...
Nur in Lüften lebts,
Und von den Sternen strömt ein Frieden her,
Als ob die Stille ausgegossen sei ...
Kennst du das auch?
Horch! Eben ging ein Geist,
Und irgendwo that eine Thür sich auf
Des Himmels ...
Buonarrotti geb. 6.3.1474 Florenz, gest. am 18 II. 1564. Rom Michelangelo hatte am Abend seines Lebens eine große, reine Liebe zu der geistvollen, edlen Wittwe des Markgrafen Terrante Francesco dAvalos 95. M. war ein großer Verehrer Dantes 96.
Ergreifend schildert Michelangelo in einem Sonett seine Gefüle an Vasari 97.
Er kann nicht mehr den Marmor kunstvoll bilden auch muß er auf die Malerei verzichten, er kommt sich schon halb tod vor.
Am Ziel der Fahrt ist angelangt mein Leben
Wie schwach der Kahn, wie wild des Meers Gewalten -
Eine interessante Episode aus Ms Leben ist die: 1494 wurden die Mediceer aus Florenz vertrieben, einem Freunde Ms war im Traum Lorenzo d. Herrliche 99 erschienen und sagte: Michelangelo solle fliehen, sein Sohn Pietro de Medici 100 würde vertrieben werden.
Es war ein Wahrtraum.
Hier kommt ein Verstorbener um einen großen Geist zu retten. Zu mir kommt keiner - - - zu klein. Ohne Werth.
Gesehen habe ich von Ms Werken:
Florenz: / Bonarroti, Madonna Relief, Bachus
/ Sammlung
, Kampf d. Lapithen u. Centauren
Berlin, Johannes, im Museum
Rom, Pietà, Sixtinische Kapelle, (Schöpfung 101 mit Schürzen übermalt)
Florenz, David, Kolossalstandbild
Moses ((späterer Zusatz))
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Die heilige Familie. Uffizin Florenz 102
Der sterbende Adonis Nationalm. Apollo, Brutus
Gefangene für das berühmte, nie fertig gewordene Juliusgrab 103
Moses. Juliusgrab in St.Pietro in vincoli Rom! (Kopf soll zu klein sein)
Christus St.Maria sopra Minerva, Rom. (Schurz nicht von ihm)
Mediceische Madonna Grabkapelle d. Mediceer, St.Lorenzo Florenz
Giuliano 105 u. Lorenzo 106 deMedici
Montag II. Theil.
Dieses mächtige Werk hat mich erschüttert. Wie diese Arbeit an das Mensch Herz des Menschen rüttelt. Wie meisterhaft ist jeder einzelne Charakter gezeichnet und wie herrlich das Zusammenspiel.
Wie hochinteressant ist der wahnsinnige Pfarrer Bratt 106, der sich immer in Gesellschaft Lassales 110 befindet und diesen der Rahel Sang 111 vorstellt, sie sieht ihn natürlich nicht 112.
So denke ich mir einen Theil des Wahnsinns, wenn man 113
Was kommt alles an mich heran. Diese Aufregungen. Warum muß ich leben?
Am 25.2. an Karls Geburtstag waren wir bei Lisa Weise 114. Emma freut sich. Karl sitzt einsam zuhause.
Am 25 starb meine liebe, liebe Frau Dr. Schurtz 115. Freitag d. 28 geleiteten wir sie zur Ruhe. Ich habe mich so furchtbar aufgeregt und finde auch jetzt noch keine Ruhe
Ein buntes Durcheinander, mehr heiter als ernst. Sh. zeigt, wie gut es ist, das wir Menschen keine Zauberkräfte haben, denn wir würden sie nur falsch anwenden.
edel und groß zeichnet Sh. den gottesfürchtigen König. Herrlich war die Scene vor der entscheidenden Schlacht. Die Gedanken Heinrichs über den Tod und das Gebet.
Wie fein geißelt S. die leichtsinnigen Franzosen. Die Schlußscene ist herzig, wo Heinrich französisch radebrechend um die liebliche Katharina 128 wirbt.
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Nur der Glaube stärkt den Glauben.
Wo Tausende anbeten und verehren,
Da wird die Gluth zur Flamme, und beflügelt
Schwingt sich der Geist in alle Himmel auf 129
Schiller.
/ Bernstein 130 ((späterer Zusatz))
Sonntag der Rechtsanwalt / mit seiner Frau bei Mays
Dienstag Vortrag über Holbeins 131 Todtentanz 132
Paul Schumann 133.
Konnte mich nicht erwärmen.
Wer über den Glauben anderer lachen kann, muß sehr verbildet oder sehr verdorben sein.
Karl ((späterer Zusatz))
Alle Bücher die ich gelesen, haben mir den Trost nicht gegeben, den mir die Psalmenworte 23.4 gaben:
Ob ich schon wanderte in finsterem Thale, fürchte ich kein Unglück, denn du, Herr, bist bei mir.
Ich höre niemals auf dich zu betrauern.
Ich habe nie mich in mein Los gefunden;
Ich konnte niemals dich entbehren lernen.
Es heilt die Zeit? Ich konnte nicht gesunden!
Du fehlst mir heute wie am ersten Tage
Seit deine treuen Augen sich geschlossen.
Auf dem Altar da deine Blüte brach,
Wird nie die Blume eines Andren sprossen.
Du warst ich selbst, ich: Klang von Deinem Klang.
Ein Wunderbares einte unsre Seelen.
Wir brauchten niemals vieler Worte Schall,
Denn unsre Augen konnten nichts verhelen.
Geh‘ ich dereinst den dunklen Weg wie Du -
Mit Freudenschauern werd ich ihn betreten.
Du winkst ja lächelnd mir am Ende zu! -
Bis dahin weiß ich - wirst Du für mich beten.
Ein feines Werk, welches uns zeigt, daß die Ehe ein furchtbares Band sein kann - - - wie bei Mays: - - - in der die edelsten Menschen zugrunde gehen müssen. Mögen sie sich zur Moral auch durchringen. Ein bitteres, furchtbares Fragezeichen dieses qualvolle Elend in Glanz und Schimmer.
Das hohe Göttliche, es ruht in ernster Stille;
Mit stillem Geist will es empfunden sein. 140
Schiller.
Warum bringe e ich es nicht fertig meine gute Emma zu begeistern? Sie macht Karl das Leben nahezu unmöglich. Sie freut sich daß er in der Dachkammer liegt und kümmert sich nicht ob das Zimmer gemacht wird, oder nicht.
Sonnabend Vesper in der Kreuzkirche 141. Herrlich war das Vater unser von Reinh. Becker 142.
Eine alte Frau störte mich.
zu des guten Schuch 144 30jähr. Jubileum, zur Erinnerung an seinen Antritt. Wir gingen Schuchs wegen.
Es hat uns nicht gefallen. Meine Lieben waren beide auch endteuscht.
Udel 146 und Hörbeder 147 sind recht alt geworden in der Zeit wo ich sie nicht hörte. Auch die Stimmen haben arg nachgelassen. Wie liebte Richarddd diese Sänger.
Alles, alles erinnert mich so an das Vergangene. Ich möchte bei aller Liebe zu meinen Lieben sterben. Ich bin so müde und der Unfriede zwischen meinen Lieben reibt mich so auf. Oft graut mir vor meiner Mietz 148. Zu mir ist sie so lieb und Karl möchte sie umbringen. Er braucht nur eine Bewegung zu machen, die ihr nicht paßt, dann geht es los. So kann es nicht lange weiter gehen, ich fürchte Karl giebt sich eines Tages eine Kugel. Emma würde nicht trauern um ihn. Sie möchte ihn in den großen Garten 149 schaffen;
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er soll dort ein Häuschen für sich bauen. Mutter soll mit rüber ziehen. Ich zu Emma. Karl will in Wittings 150 Haus ziehen, das ist Emma zu theuer. Wenn ich doch nur ein viertel der Liebe die sie mir giebt von ihr auf Karl leiten könnte.
Mittwoch d. 19.3.02
Hat Emma Karl grausam behandelt. Er ist fort. Auch in der Nacht nicht nachhause gekommen. Wir haben ihn gesucht, bis 1 Uhr nachts. Ich bin in Todesangst um ihn
Emma ist eine Bestie ich habe es ihr ins Gesicht gesagt. Wie kann man um eine Ziege solche Scenen heraufbeschwören. Karl ist gern Ziegen kauft eine in der Stadt, legt sie in die Küche und sagt es ihr freundlich darauf sagt sie die Ziege ist schon halb verfault ein Mann könne keine Einkäufe machen u.s.w. Karl will die Ziege sehen, geht in die Küche und da liegt die Ziege unausgepackt, wie er sie hingelegt hatte. Ich war immer froh, wenn er Emmas Gemeinheiten nicht merkte hier aber. Er warf das Paket wie es war ins Klosett und ging und das macht mir solche Angstt Hätte er sie doch georfeigt
(( Dieser Abschnitt ist im Gegensatz zu der sonst peinlich sauberen Handschrift ganz flüchtig und ‚aufgelöst‘ geschrieben ))
Donnerstag.
Karl ist da! Wie froh ich bin. Er fuhr bei mir vor. Ein Gesicht wollte er sehen, daß sich freut, wenn er kommt. Ob ich mich freute. Am liebsten hätte ich - geweint. - Aber um Verzeihung habe ich gebeten für unsere Emma. Er hat mir versprochen, ihr nicht ein böses Wort zu sagen.
Er war in Meißen. Hat im Stern 151 gewohnt und die Nacht hindurch am offenen Fenster gesessen und mit dem da oben 152 Zwiesprache gehalten.
Karl hat Wort gehalten. Emmas Verhalten hat keine ernsten Folgen gehabt. Ich habe sie aber noch einmal vorgenommen. Sie lachte aber und meinte sehr herzlos, der nimmt sichs Leben nicht und erkälten thut der sich auch nicht und die Zwiesprache ist Unsinn.
Wenn sie doch nur nicht so sehr roh wäre. Sie hat das Fressenkochen für den Saukerl, wie sie sich immer ausdrückt so satt. - Ja, was hat sie aber nicht satt? Weltes 153 alberne verliebte Blicke? Solch ein altes Weib. - - - -
ein famoses Drama. Was zieht da an uns vorüber. Wie meisterhaft zeichnet Göthe das sterbende Rittertum d. 16. Jahrhundert. (G 1562). Das einfache Hauswesen auf der Burg Jaxthausen. Die liebe Hausfrau, das ede treue deutsche Weib Elisabeth 155. Dann Götz Schwester die liebliche Maria 156, die aber nachdem der untreue Weislingen 157 sie verrathen, ohne viel Umstände durch ihren Bruder weiter verheirathet wird mit Sittingen 158. Eine herrliche Gestalt, wie sie zuletzt beim sterbenden Veräther Weislingen bleibt, ohne Haß, Verrath mit Himmelsliebe vergeltend.
Wie lieblich harmonisch sind die Farben in welchen nur uns das ersterbende Rittertum gezeichnet wird.
Wie hebt sich der Bamberger Bischofshof ab, wo Geist das Denken beherrscht. Das Pfaffentum ist freilich die Pestbeule. Tod und Verderben geht von da aus. Unreine Leidenschaften herrschen. Göthe zeichnet den Bischof 159 und den Abt von Fulda 160 als die unwissende Geistlichkeit. Der Bruder Martin 161 erhebt sich über diese. Hätte er den doch noch mehr sagen lassen.
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Der machtlose Kaiser 162 in den Händen der Geistlichkeit über welche sich der Bruder Martin erhebt. Der Kaiser will das Gute, kann es aber nicht durchsetzen, weil er zu schwach ist. Das schlechte Reichsheer paßt dazu.
Einen Begriff von den Bauernkriegen jener Zeit, giebt uns Göthe auch. Auch das Bild, wie die Zigeuner für Götz eintreten, ist prachtvoll.
Interessant war mir die Vehmgerichtssitzung.
Göthes Götz ist ein Stück Weltgeschichte. Das Mittelalter zieht an uns vorüber. Die Kulturwelt kommt heran und zermalmt was sich ihr in den Weg stellt.
Das Betragen ist ein Spiegel, in welchem jeder sein Bild zeigt sagt Göthe.
Ich habe Mietz vorgenommen. Ich benütze immer solche Gelegenheiten wenn ihr etwas gefallen hat, es auf sie anzuwenden. Sie meint, es sei mit Elisabeth doch eine ganz andere Sache. Wenn nur Karl nicht gar so traurig ausschaute und vor allem essen möchte. Emma sagt sie könne eben nur beim Essen mit ihm reden, weil er sich den ganzen Tag nicht sehen läßt.
(damals mit Kainz 164.) Damals sah ich ihn mit meinen guten Mann, in Berlin. Wie froh war ich damals. Da sie schien die Sonne. Jetzt ists kalt, einsam und dunkel in mir. -
Wicke 165 gab Hamlet. Wie verschieden fassen diese Künstler Hamlet auf. Die beste Hamleterklärung soll Göthe in Wilhelm Meister 166 gegeben haben.
Emma gefiel dieses Herrliche nicht. Sie verdarb uns durch ihre Laune den ganzen Abend.
Karl war lieb und stark eingenommen von der Wucht der Vorführung. Sonderbar, wie er aufgeht, sobald Gutes, Hohes, an ihn herantritt.
Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die Wenigen die was davon erkannt,
Die thöricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt. 168
Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit Recht; denn Alles was entsteht,
Ist werth, daß es zu Grunde geht;
Drum besser wärs, das Nichts entstünde,
So ist denn Alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt
Mein eigentliches Element. 172
Emma kann hier darunter stehen. Sie ist ein Teufel.
Göthe sagt vom Faust.
Den besten Köpfen sei das Stück empfohlen.
Der Deutsche sitzt verständig zu Gericht ...
Des Menschen Leben ist ein ähnliches Gedicht;
Es hat wohl seinen Anfang, hat sein Ende,
Allein ein Ganzes ist es nicht,
Ihr Herren seid so gut und klatscht nun in die Hände! 173
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In geistvoller Weise sprach Karl über dieses Werk. Emma wollte aber mit mir allein sein und ekelte ihn hinauf. Traurig. Solch ein Leben.
Sorge nicht um das was kommen wird, weine nicht um das was vergeht; aber sorge, dich selbst nicht zu verlieren, und weine wenn Du dahin treibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in Dir zu tragen.
Sonntag waren wir bei Bernsteins 176 und Abends im Circus 177. Karl hätte sich lieber noch mit dem Rechtsanwalt unterhalten und ich hätte zuhören mögen. Emma war aber der Circus lieber.
Montag 178 wurde ich fest angestellt von meinen Lieben. Ich bin so dankbar. Ich sehe ein, ein festes Arbeitsfeld muß ich haben um aus dieser todestraurigen Stimmung heraus zu kommen. Ich werde alle Kraft einsetzen um diesen beiden mir theuren Menschen zu dienen mit aller mir innewohnenden Kraft. Ich will alles Gute erstreben. Der Segen wird mir nicht fehlen.
Dienstag traf ich Martha Schurz 179 und ging mit ihr zum Landgericht 180 wo ich in Sachen Rothe 181 - Jentsch 182 vernommen wurde.
Ich mag das Gericht nicht. Ich habe das Gefühl die Leute da haben kein Herz. Wie der Fleischer die Wurst abschneidet, so schneiden sie Stücke vom Leben des Menschen herunter, ohne zu fragen, wie es im Innern des Menschen ausschaut. Diese Männer haben §§ in der Brust anstelle des Herzens. Wenn die vor Gott treten, wird Er auch nur §§ haben für ihr Leid und ihr Weh.
Die Rothe mag eine Schwindlerin sein, Jentsch ist aber ein viel größerer Spitzbube. Den hat man aber entwischen lassen.
Ein feinsinniges Volksstück. Es zeigt so recht, wie der Mensch vom rechten Wege abgezogen werden kann und wie eine böse That fortzeugend Böses gebiert. Mit dem armen Meineidbauer muß man Mitleid haben, wenn man sieht, wie er aus Liebe zu seinen Kindern vom Recht weicht und wie er unter der Wucht seines bösen Gewissens zusammen bricht.
Lieb und weich klingt dieses ernste Stück aus indem das arme vertriebene Kind als Herrin in den strittigen Kreuzhof einzieht. Die netten Volkslieder beleben das Stück angenehm. Es hat mir sehr gefallen. Meinen Lieben auch. Karl hat das Schlichte u. reine im Volkslied so gern. Bei Emma sind die Liebesscenen die Hauptsache.
Hat mir gar nicht gefallen. Es stürmt und drängt Alles. Meiner Meinung nach hätte Shakespeare mit mehr Ruhe dasselbe erreicht. Die Sinnlichkeit der Liebenden stöst mich ab. Die edle Menschlichkeit wird thierischen Trieben Untertan. Die Rauferei ist mir auch zu arg. Ein paar Leichen weniger hätten auch nichts geschadet. Es fallen nach der Reihe
Mercutio 185, Romeos Freund
Tybalt 186, der den ersteren erstochen hat.
Graf Paris 187, durch Romeo
Romeo vergiftet sich
Julia ersticht sich.
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Wenn der Dichter auch die Abgründe des menschlichen Lebens zeichnen wollte, so konnte es doch in einer edleren, ruhigeren Weise geschehen.
Emma glühte. Ihr hat es furchtbar gefallen sagt sie. Wie doch unsere Anschauungen auseinander gehen. Mich stöst alles gemein Sinnliche ab, sie wird dadurch mächtig angezogen.
Dank der Güte Schuchs 190 erhielten wir doch noch Plätze und zwar seine. Leider wurde mir dur Wünschmanns 191 Anblick, den ich grade vor mir hatte, der Abend sehr gestört.
Wiecke 192 gab Manfred in edler Weise. Manfred liebt in seiner Schwester offenbar seine eigene Seele. Byron wird es mit der Astarte 193 so gemeint haben. Spaltung der Persönlichkeit.
Sein Leiden ist auch unsterblicher Natur wie unseres.
Sein Wissen, seines Geistes Kraft, sein Wille,
Sie sind, soweit vereinbar dies mit Staub,
Der die Essenz des Geists beschwert, so groß,
Wie man sie selten fand bei Staub; sein Sehnen
Ging über das der sonstgen Erdbewohner.
Doch könnt es ihn nur lehren, was wir wissen:
Daß die Erkentniß niemals Glück, das Wissen
Ein Austausch des Nichtwissens nur für Etwas,
Was eine andere Art ist von Nichtwissen. 194
Dichter und Schauspieler leisteten das Beste. Sudermann zeichnet die menschliche Verkommenheit in bunten und dennoch weichen Farben. Man muß selbst mit der verkommenen Frau Adah 199 Mitleid haben, die doch die Schuld am Untergang zweier blühender Menschenleben trägt. Wie richtet sie den talentvollen Maler Willy Janikow 200 durch ihre Genußsucht zu gründe. Der Mann hat seinen inneren Halt verloren und wekt im Taumel der Leidenschaft die Liebes eines, ihm von seinem Lehrer anvertrauten Pflegekindes Klärchen 201. Er treibt das liebe Wesen in den Tod und geht selbst zu grunde, da sein törichtes Leben ihn aufgerieben.
v. Echegaray, aus dem Spanischen. Deutsch v. Lindau 203.
Kainz gab den Ernesto, Schriftsteller, will ein Drama schreiben und erlebt ein solches.
Die Handlung zeigt, wie gute, reine Menschen durch die Schuld Anderer wirklich dazu gemacht werden wessen man sie beschuldigt.
Wohin kann Lüge und Verleumdung Menschen treiben. Es kann einem Angst werden, wenn man es so vor sich sieht.
Kainz giebt den Schluß meisterhaft. Wie durch Lüge, Lüge Wahrheit wird. Aber die Qualen, der Kampf, der dazwischen liegt!
Mietz war begeistert. Mit Karl konnte ich nicht mehr über das Stück sprechen. Mich hat es tief bewegt.
So schön auch die Vorstellungen waren, so verblassen doch die Farben. Mich ermüdet der Kriegslärm. Alles laute, wüste Treiben stöst mich ab, thut mir weh.
mit Kainz, Er faßt ihn ganz anders auf als Wiecke. Kainz steht unbedingt über ihm. Wie aus Marmor gemeißelt ist Ks Hamlet. Wie ein Schleier liegt der Wahnsinn über ihm, darunter aber blickt der klare, helle ungetrübte Verstand, der auch nicht einen Moment sein Ziel verliert.
Auch die Scene im Schlafzimmer der Königin bringt K. weit besser als W.
Bei K. ist es Hamlet selbst. Bei W. giebt ein guter Schauspieler den Hamlet.
mit Matkowsky 212.
Es ist mir nun mal nicht möglich den Räubern Geschmak abzugewinnen. Dazu nun Matkowsky - - - der Mann ist mir zu sehr Thier.
Wie nur Emma für diesen Fleischklumpen schwärmen kann - und - - - -
Karl giebt sich Mühe mich diese Jugendarbeit, seines nun einmal in allen Fällen angebeteten Schillers, verstehen zu lernen. Von Schiller soll und muß nun mal Alles Gut sein bei ihm.
Solche Meisterleistungen sollten wir Menschen auswendig lernen. Diese Arbeit Lessings 215 steht mir über der Bibel. Man sollte dem heranreifenden Menschen diese, edlen Keime tief ins Herz pflanzen, dann, dann würde Frieden werden, das Dogma könnte nicht wie eine Mistel auf jedem Baum der Religion nisten und sich am Saft aufsaugen.
Brüderlichkeit, Einigkeit, Reinheit in Wort und Gesinnung. Danach müssen wir streben.
Wie der liebe, gute Karl dabei ist. Welche Kraft und wieviel Gutes steckt in diesem Manne.
Emma war wieder schändlich. Es ist mir unverständlich, wie, wie man sich so mit unechten Brillanten aufzeunen kann, dabei Skandal mit seinem Manne macht und doch tod für Alles, Alles was edel ist und groß. Karl sagte ihr sehr ernst wie tiefunglücklich und einsam sein ganzes Leben an ihrer Seite war. Mir krampfte es die Brust
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zusammen. Sie lachte und sagte ich bin nicht dazu erzogen. Mein Großvater 216 wollte nicht, daß ich lerne, ich kann, was ich brauche. Ich sagte Du kannst am besten Scandal machen und Gewitter aufsteigen lassen, wenn ringsum die Sonne scheint. Ist auch was Gutes meinte sie, damit habe ich Alle im Sack. - -
Früher sah ich es nicht, weil ich selten, fast nie zu ihr kam, sie nur immer zu uns. Aber jetzt. - - - Ich will und muß sie bessern. Wenigstens Frieden muß im Hause sein, Karl geht sonst ein. Sein Magen macht mir Sorge, und Emma will nicht für ihn kochen was er mag. Wie kann eine Frau so weit gehen wie sie? Immer wieder sagt sie mir sie will frei sein, sie will ihr Leben genießen und wenn Karl stürbe sei es ihr nur lieb. Immer noch dieselbe, wie damals, als Richard im Sarge lag. - Mausel 217 ich wünschte ich stünde an deiner Stelle. - - - Diese Worte vergesse ich nie. Warum knechtet das Schicksal einen guten Menschen so furchtbar. Karl hat es nicht verdient. Mir ist es, als ob Emma sein böser Geist wäre. Ich habe es ihr gesagt. Da rüber lacht die Frau. Wenn Karl eine Ahnung hätte, wie diese Frau von ihm spricht und wie gemein sinnlich sie sein kann. Für ihn kauft sie diese Brillianten mit den Federn nicht. Er sieht es ja gar nicht, sagt sie und er sieht wirklich nicht, daß Emma sich wie ein Zirkuspferd aufzaunt. Die unechten Steine vergälle ich ihr aber, ich rede solange darüber, bis sies über bekommt, mag sie auch dann schmollen. Diese Mucken sind vom KaniIenchen 218. Emma weiß doch aber was die ist. Sie darf sich nicht dazu machen. Mich bekommt sie nicht dazu.
Zum ersten Male sah ich dieses herrliche Werk Schillers. Es ergreift mich mächtig. Die wunderbaren Chöre die den Sinn der Worte förmlich in die Seele graben.
Wenn die Wolken getürmt den Himmel schwärzen,
Wenn dumpf dosend 220 der Donner hallt,
Da, dann221 fühlen sich alle Herzen
In des furchtbaren Schicksals Gewalt
Aber auch aus entwölkter Höhe
Kann der zürnende 222 Donner schlagen
Drum 223 in deinen fröhlichen Tagen
Fürchte des Unglücks tückische Nähe!
Nicht an die Güter hänge Dein Herz,
Die das Leben vergänglich zieren!
Wer besitzt der lerne verlieren,
Wer im Glück ist der lerne den Schmerz. 224
Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte;
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual. 225
Dies Eine fühl ich und erkenn ich 226 klar:
Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
Der Üebel 227 größtes aber ist die Schuld. 228
So lieblich Käthchens Ergebenheit auch ist, so wirkte es doch wie ein hündischer Unterordnungstrieb auf mich.
Das Hineinweben der himmlischen Fäden ist wunderbar fein. Die Furcht des Kaisers wirkt nicht gut. Die Traumscene hätte ich mehr ausgearbeitet gewünscht.
Nie werde ich aufhören zu bedauern, daß Kleist uns so früh genommen werden mußte. Mir ist der Geist dieses Mannes heilig. Mir ahnt der Himmel war in ihm.
Wie gut zeigt der Dichter, daß das Blut der Erzeuger im Kinde weiterwirkt. Alle Erziehung vermag daran nichts zu ändern. Vererbung, dazu ein Nothstandskind. - - -
Man sollte doch gefallene Frauen nie verurtheilen. Sie schützen, wo und wie man kann. Was hat Heimchen gelitten und wie wird sie noch zu leiden haben?
Wie gewaltig gereift der Hilfsgeistliche in die Saiten: Jeder Mensch hat seine ureigene Melodie, die allein kann niemand dem Anderen rauben. Das Göttliche im Menschen.
Bodenstädt sagt:
In jedes Menschen Gesichte,
Steht seine Geschichte,
Sein Hassen und Lieben
Ganz deutlich 231 geschrieben,
Nur jeder verstehen,
Jeder lesen kanns nicht 232. 233
Freitag d. 16.5.02
Mit Mietz im Theater. Sie liebt die Lustspiele so sehr. Mir waren die beiden, leichten Stücke zu seicht. Da bleibe ich lieber zuhause und lese ein gutes Buch. - Wenn ich doch nur Emma zum Lesen bringen könnte.
Es wurde gegeben
famose Arbeiten. Ich werde versuchen sie französisch zu lesen.
2 Feiertag.
Recht gedrückt und traurig. Emma war sehr böse, weil ich sie um eine kleine Arbeit bat. Die rohe Härte macht mich tief unglücklich. Könnte ich doch nur ein wenig Einfluß auf diese harte, herzlose, oberflächliche Frau ausüben. Nun weiß ich, daß ihre Hand nie lieb und weich Qualen lindern kann. Mein Mietz kann sehr, sehr grausam sein. Noch gestern bestritt ich es gegen Karl. Ich will ihm nicht Recht geben und keine Bitterkeit aufkommen
lassen, ob ich da rechtlich handle. Immer einseitig für Emma einzutreten? Sie beherrscht mich aber, ich weiß nicht wie. Wie oft sagte Richard diese Frau verdirbt Dich. In ihr lebt keine edle Regung.
8 Tage gingen dahin, ich war krank - war. Wie still hoffte ich es werde mir vergönnt sein dieses Leben zu verlassen. Das harte Geschick schleuderte mich wieder hinein in die alltäglichen Sorgen des Lebens. Es muß vielleicht so sein. Ich werde mich weiter-schleppen, bis auch für mich der Tag kommt, wo ich hinausgetragen werde.
Wie sagt E. v. Bülow:
Gedulde dich, es kommt einmal der Tag,
Da tragen sie Dich fort mit stillem Schritt,
Die Andern aber sehn Dir traurig nach -
Doch Du ruhst aus; Du sprichst nun nicht mehr mit! 239
In dem Worte Mausoleum selbst verewigte sich der Ruhm einer treu lebenden Wittwe. Die Gattin des Mausolus 240, Artemisia von Karien, war es, welche dieses Wort als Bezeichnung des vielgerühmten Grabtempels in ihrer Hauptstadt Halicarnass 241 einführte. Wie die Dichter gesagt und gesungen haben, glaubte sie
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aber die Asche ihres Gatten selbst in jenem prächtigen Bau noch nicht so würdig aufgehoben, wie die theuren Reste es verdienten, und indem sie die Asche in einen Becher Wein auflöste und diesen trank, machte sie ihren eigenen Leib zum Monument des Verstorbenen.
Nach Sophokles 242 in d. Trachinierinnen 243.
Der Baumeister Pythios 244 war am Bau dieses Mausoleums beschäftigt. s. S. 55 zum Führer d. d. Pergamon Museums 245, Berlin.
(( letzter Satz mit Bleistift hinzugefügt ))
Ich habe auch am Mausoleum 246 keine Freude. Aber zu ruhen trage ich verlangen. Alles brennt und schmerzt mich. Die Müdigkeit ist so groß und der Schlaf so gering. Könnte ich doch den ewigen Schlaf finden.
Noch in der Zeit des Propheten Hosea 247 wird Jahwe als Baal (Herr) angerufen, das geschah unbefangen, im eigentlichen Sinne des Wortes, ohne, daß die Frommen, welchebāli mein Herr sagten, an den Baal 248 d. Kannaniter, den Sonnengott dachten.
so hießen in Tyrus die Säulen im berümten Tempel, das heißt:
Baal d. Sonnengott ist König der Stadt. Dieser „Baal” ist der Herkules 250 der Phönizier, dessen Kult sie überall mitbrachten.
Dann wurde das Wort Baal als heidnischer Gottesname Gegenstand religiösen Abscheus.
Sempre la stessa cosa 251 sagte Richard immer.
Zum zweiten Male sah ich das liebliche Märchen, aus dem die Mahnung uns entgegen tritt:
Meide das Uebersinnliche, es zieht dich hinab. - Es endet nicht gut. - Was kann es besseres geben als den Tod? Ein lieber Freund, der nur da zurückweicht, wo er gesucht wird.
29.5. Der Misanthrop, Molièr 254.
Wicke 255, gab d. Alcest vorzüglich. Ein bitteres, ernstes Stück Wahrheit.
Kannt 256 nannte als Oposition gegen Mesmer 257 diesen einen raffinierten Schwindler. Selbst ein Kannt vermochte sich nicht zu erheben.
Wie seelenvoll zeichnet der Deutsche. Reinheit des Gemüthes. Wie ganz ganz anders als der geistvolle, scharfsinnige Franzose.
Donnerstag d. 5.6.
Die gelehrten Frauen 261 u.
Die Schule d. Frauen 262
zeigen Molières reichen, scharfen Geist. Ich sah d. Stück gern noch einmal. Es sind tiefe Wahrheiten in diesen Werken die auch durch die Uebertreibungen nicht leiden. Man kann lernen.
nur bis zum 3 Akt. Dann kam die Todesnachricht vom König 267. Der gute Karl gab dem Logenschließer unsere drei Billets, was den guten Menschen sehr erfreute, Emma aber Anlaß zu einer ekelhaften Scene gabt. Ich bewundere Karl von Tag zu Tag mehr. Wie war es möglich, daß er an der Seite dieser Herzlosen, holen Frau solange leben konnte? Oft denke ich dieses Weib muß besessen sein.
Sonntag d. 22. 6. Des Liebsten 268 Geburtstag und unser Hochzeitstag. Dürfte ich doch nur zu ihm. Mir ist das Leben eine unerträgliche Qual.
Jean Paul 269 sagt:
Der Mensch hat 270 dritthalb Minuten, eine zu lächlen - eine zu seufzen - und eine halbe, zu lieben: denn mitten in dieser Minute stirbt er. Aber das Grab ist nicht tief, es ist der leuchtende Fußtritt eines Engels, der uns sucht. Wenn die unbekannte Hand den letzten Pfeil an das Haupt des Menschen sendet, so bückt er zwar das Haupt, und der Pfeil hebt bloß die Dornenkrone von seinem Haupte, seinen Wunden ab.
Ich sprach mit Karl darüber. Er meint jeder trägt eine Dornenkrone, wie jeder ein Christus sein müsse um sich selbst zu erlösen, nur der sei erlöst, der sich selbst erlöse. Wir alle hätten uns zu erlösen. - Er sprach so lieb so mild, sein Blick hat oft etwas unirdisches. Mir ists, als ob dieser Mann nicht mehr lange unter den Lebenden weilen würde.
Emma lacht zu meinen Befürchtungen, wie sie über seine Ausführungen lacht. Sie ist ihm eine Fremde. Keines seiner Bücher hat sie trotz aller Bitten gelesen. Ich habe ihr den größten Theil des Inhaltes der Werke erzählt, ihr den Kern vorgelegt. Ich glaube es war Alles umsonst.
Karl sagte Du mühst Dich umsonst. Ich habe Alles vor Dir versucht, ohne Erfolg. Mein Leben war einsam und wird es bleiben. Mir ist kein Menschenkind beschieden, daß ein Stück des Weges mit mir geht. - Mir krampfte sich das Herz zusammen. Als er zu Bett gegangen war, nahm ich Emma noch einmal gründlich vor. Ich malte ihr aus, wie es ihr sein würde, wenn dieser Mann für immer von ihr gegangen sei. - Sie lachte und sagte ein Wort was ich nicht hier festhalten will - aber in mir riß eine Saite, die wohl nicht wieder klingen wird. Emma merkte, sie war zu weit gegangen. Sie lenkte ein. War lieb wie so oft zu mir. Sie behandelt mich, wie ein Kind ihre Puppe. Ich komme mir erbärmlich vor, ich stehe willenlos unter ihrem Einfluß, daß muß anders werden. Um den Mann um Karls willen! Emma muß ihm näher kommen um jeden Preis! Sie muß seine Bücher lesen und sie muß aufhören so grenzenlos gemein zu sein!
Sie hat mir versprochen zu lesen. Wollen alle Tage über das Gelesene sprechen.
Sie hat zuhause keine Zeit zum lesen. - - - Zwei Mädchen, keine Küche. Karl nimmt ja fast nichts außer Früchten und Milch. - Sie wird ruppig, wenn ich immer wieder komme mit Bitten. Sie habe es satt, siew wolle machen können was sie wolle, nicht was ich will. Ich wüßte lange genug, daß ihr nichts weiter fehle, als ihre Freiheit. Karl kam dazu. Er sagte, wir würden bald verreisen, dann fände Emma sicherlich Zeit zum Lesen. Sie sagte nichts, machte nur das eigentümliche Gesicht, was sie so entstellt. Da kommt sie mir vor, wie ein Raubthier was auf Beute lauert.
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Berlin d. 18 Juli 1902.
An einem Freitag hier angekommen. Sonnabend waren wir bei Wertheimer 271 und Mannheimer 272. Karl arbeitet. Emma schimpft. Er hätte es auch zu Hause machen können. Sie hat Recht.
Sonntag
Freitag, schlimmer Tag. Ich glaube Emma legts darauf an Karl umzubringen. Hier ist sie noch böser als zuhause. Sie will allein sein, ohne Karl wenn sie Einkäufe macht. Ich mache ihr einen freien Tag und bitte Karl mit mir zu Kleists 274 Grab zu gehen. Sie kann dann Einkäufe machen.
Wir waren an Kleists Grab. Emma hat Einkäufe gemacht. Auch eine weiße, gestickte Seidenbluse. Die hält aber nur für zwei Mal anziehen und ist so auffallend wie die unechten Brillianten. Ich sagte es ihr, dafür hätte ich nicht beinah 50 Mk. 275 bezahlt. Die anderen drei sind hübscher. Auch das Röckchen für den billigen Preis gefällt mir. Merkwürdig, Emma hat mir die wunderbare Stimmung verdorben in der Karl und ich heimkamen. Meine ihr vom Grabe Kleists mitgebrachten Blätter beachtet sie nicht. Kleist sei in ihren Augen kein Mensch für den man sich interessieren könne.
Sie wollte nicht mit uns im Hotel 276 essen. Blieb aber schließlich doch. Der Abend schloß mit Streit. Karl sollte Wein zu 1,50 277 nehmen der sei auch gut. Scharfe Worte flogen hin und her.
Wir waren noch in meinem Zimmer, Emma sagte sie freue sich, mal allein gewesen zu sein. Sie sagte, was sie alles gesehen und was ich mir auch ansehen müsse. Karl blieb in seinem Zimmer, hatte uns nicht gute Nacht gesagt. Er ist auch auf mich böse, weil ich Emma in Schutz nahm. Mein zum Guten reden verschlimmere die Lage nur, er sei doch kein Kind, der sich von einer einfältigen Frau etwas weiß machen ließe. - Die einfältige Frau war ich.
Schade, auf diesen schönen, friedlichen Tag solch ein Abschluß. Karl sagte noch, Kleist habe es kürzer gemacht als er. Wie mag er das meinen? Werde ihn fragen, wenn er wieder gut ist.
Emma kam noch einmal. Sie könne nicht schlafen. Ich auch nicht. Wir gingen wieder zusammen zu Bett. Es macht mich nur so kaput. Es ist kein Schlafen. Warum ist Emma zu mir so lieb und zu Karl so hart. - Sie will lesen. -
Dem schlimmen Abend folgte ein unangenehmer Tag. Emma hat Karl wieder Geld gestohlen. - Es ist besser wir habens. Ich schäme mich. Karl giebt mehr als genug.
Auch der Mantel drückt mich. Die Mäntel sind zu auffallend für uns. Wir sind zu alt. - - -
Wenn Euch die Mäntel nur Freude machen, sagt der gute Karl, als ich ihm dankte.
Wir gingen in den neuen Mänteln spazieren. Karl begleitete uns in seinem einfachen Anzug. - Wie schlicht er aussah gegen uns.
Es gab eine böse Scene unterwegs. Emma sagte zu Karl: Du siehst aus wie unser Louis 278. Mit Dir muß man sich schämen. Ein Straßenreiniger mochte es gehört haben, der grinzte uns an. Mir kamen die Thränen. Karl sagte kein Wort, sah aber sehr sonderbar aus und wandte sich ab. Um das neue Bismarkdenkmal 279, vor dem es sich abspielte anzusehen. Ich machte Emma Vorwürfe, wie sie soweit gehen könne und ob sie glaube, daß wir nun so weit runter
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gekommen seien! Darauf sagte sie: Mausel du bist ein Schaf. So muß man dem Kerl kommen, Je gemeiner, je besser, sonst zieht es nicht.
An der nächsten Droschkenhaltestelle nahm Karl einen Wagen und hieß uns einsteigen, ohne zu fragen, ob Emma es wünsche, befahl er kurz, ins Centralhotel. Er sah uns beide nicht an, saß aber vor mir. Nicht in der Mitte vor uns.
Hier ging er sofort in sein Zimmer und schloß ab. Emma rief ihm noch laut nach, Du spielst wol den Verrückten? – Darauf öffnete er wieder und sagte, den Verrückten wirst du kennen lernen.
Mir ists recht bange. Emma lacht wie immer.
Ich soll mit Emma zu Aschinger 280 Essen gehen. Ich kann nicht. Karls Benehmen gefällt mir nicht. Emma sitzt in ihrem Zimmer und flickt an dem neuen Kram.
Emma ist fort. Zu Aschinger. Ich versuche zu Karl zu kommen. Schmeist er mich raus, machts auch nichts. Nur solche in Gesicht soll er nicht machen, das bricht mir das Herz.
Habe Emma alles gesagt. Sie will nicht abbitten gehen. Sie sagt nein Mausel, ich gehe nicht, geh Du doch und gieb dem Kerl einen Kuß.
Karl hat heute seit dem Frühstück, wo er nur 2 Tassen schwarzen Kaffee nahm, keinen Bissen zu sich genommen. - Da liegen die Brödchen, die Emma mir von Aschinger mitgebracht hat. Ich kann sie nicht essen, werde 281
War noch bis Mitternacht bei Emma. Sie will nicht. Es ist ihr Alles egal was kommt. Sie sei nun mal so, und ich solle ohne Sorge sein, Karl sei daran gewöhnt. Der ist froh, wenn ich ihm erlaube meine Hand zu fassen. 282
Ich muß noch einmal aufstehen. Ich kann nicht schlafen. Ich möchte, das Denken ausschalten und kann nicht.
Mir ists wie zum Sterben. Ich stehe zwischen zwei Kräften. Ein positiver und ein negativer Strom werfen mich hin und her. Wie mag die Ehe dieser beiden, mir so lieben Menschen gewesen sein? Richard hat doch Recht mit seinen Aeußerungen über Emma.
d. 8. 8. 02 Hamburg
Endlich ein Hotel 283. Emmas Zimmer darf nicht mehr neben Karls liegen. - Wir sind auch räumlich getrennt. sagte ihr Karl.
Emma lacht, sie ist gehässig.
Sie hat allein im Rathskeller 284 gegessen, wir im Hotel, aber bevor sie ging, kam sie an unseren Tisch und sagte: Müßt Ihr eine ganze Flasche Wein saufen, wenn ich nicht da bin.
Ich sagte ihr Karl wünsche sie solle hier bleiben, er werde sie aber nicht auffordern dazu. Darauf sagte sie der Fraß passe ihr nicht, es sei keine Auswahl, im Rathskeller sei es besser. Nach Blankenese werde sie kommen zum Kaffee.
Sie bittet nicht ab. Ich solle sie in Ruhe lassen. Karl schreibt noch Briefe.
19 Leipzig 285
Meine gute alte Mutter 286 ist auf meinen Brief wirklich gekommen. Sie soll die Beiden aussöhnen. Ich kann nichts machen. Mich behandeln Beide schlecht.
Karl ist wie Eisen. Emma wie ein dummes Kind. Launig und albern.
Mutter nimmts heiter auf. Sie faßt Beide an den Händen und sagt sie sollen sich einen Kuß geben. Ohne Erfolg.
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Mir ist so schlecht, daß ich nicht mit zum Essen gehen kann, ich muß zu Bett. Der Kopf will mir zerplatzen.
Donnerstag den 21 Aug. verläßt uns Mutter, nachdem es noch eine furchtbare Scene mit Emma gegeben hat.
Sie hat Karl fortgeworfen, wien ein Bündel alter lumpen. Nimm Du den Kerl, sagt sie zu mir, ich mag ihn nicht mehr. Mutter wollte ich solle mit nachhause. Soll ich die Menschen, die mir die liebsten auf der Welt sind jetzt feige allein lassen?
Ich sehe klar vor mir, es kommt zu einem Ende. Karl darf sich um keinen Preis das Leben nehmen. Bei seiner furchtbaren Schwäche kann er aber auch so jeden Moment die Schwester brauchen. Da will ich da sein. Wer von diesen beiden Menschen der unendlich werthvollere Theil ist, sehe ich klar vor mir. Emma ist nicht nur herzlos, sondern roh und gemein. Karl soll mich an seiner Seite finden, wenn er mich braucht und das werde ich Emma sofort sagen.
Freitag d. 22. München 287. Regenwetter.
Es kommt zur Scheidung zwischen Beiden. Es ist das Beste so. Karl würde auslöschen es nimmt ihn furchtbar mit.
Emma will sich in Dresden eine Wohnung miethen und dann endlich nach ihrem Gefallen leben. Sie werde so handeln, daß die Scheidung glatt von statten ginge, aber genug Geld wolle sie haben und alle Möbel aus der Villa.
Karl war noch zwei Stunden in meinem Zimmer. Ich sagte ihm, daß Emma an Richard nach und nach 36,000 Mk. 288 Geld gegeben habe. Er sollte es ihr anlegen und daß dies das Geld sei, was ich in meinem Testament für Emma bestimmt hätte.
Karl nahm die Sache nicht gut auf. Daß sie ihn immer bestohlen habe, wisse er zwar schon lange, daß es sich aber um solche Summen handle hätte er nicht gedacht.
Er klagte bitter über sein verlorenes Leben an ihrer Seite und sagte er sei ärmer gewesen als der ärmste Bettler.
Die Lage ist furchtbar. Jetzt quält mich Emma noch gar mit Eifersucht und sieht, daß Karl und ich zum verlöschen sind.
Jetzt hat dieses, thierische Weib noch den Kopf voller Sinnlichkeit. In solch einer Lage. Mir ekelt vor diesem Weibe.
Das Weib reißt sich selbst mir stückweis aus dem Herzen.
Am 27 August nach Bozen.
Karl bestand darauf trotz seiner Schwäche sofort noch auf die Mendel 289 zu fahren. Er sagte: Vor mir liegt noch viel Arbeit und in mir fühle ich das Ende.
Ich wollte mit Emma in einem Wagen fahren und er sollte allein fahren. Er wollte es nicht. Ich bedarf Deiner sagte er.
Mit den Wagen machte Emma auch noch eine Scene, sie waren ihr zu theuer. Sie wollte nur einen Wagen. Es ging aber wegen der großen Koffer unmöglich.
Ich tröstete sie, daß Karl sie allein fahren ließe, ich sagte ihr, ich würde die zweite Hälfte des Weges mit ihr fahren, daraus wurde aber nichts, weil sie an der Haltestelle einen so albernen Streit entfachte, daß Karl ein sehr kurzes Ende machte. Ich glaube, Emma ist verrückt.
Diese Nacht werde ich nicht vergessen. Karl sitzt noch auf seinem Balkon. Er will keine Decke, will nichts. Ich soll Alles zur Abreise rüsten, morgen frhü müsse er nach Dresden und ich möchte ihn begleiten. Zu Emma zu gehen, verbot er mir,m Ich hätte es auch nicht mehr ausgehalten. Ich glaube Karl und ich sind am Ende unserer Kraft.
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Karl will in Dresden sofort sein Testament zurücknehmen, er wünsche nicht, daß die Spitzbübin noch zum Hohn seine Universalerbin werde, wie es jetzt der Fall sei, wenn er stürbe.
Karl fühlt sich sehr schwach, ich bat ihn, ein Glas Wein kommen zu lassen, er kann nicht einmal einen Tropfen Wasser runter bringen.
Nur den Mann erhalten um jeden Preis. Er darf nicht sterben: er soll seine herrlichen Pläne noch alle verwirklichen, soll noch ruhige Jahre verleben. Ich werde ihm eine treue Schwester sein.
Dieser Gedanke macht mich stark. Ich werde das Weib da nebenan bitten, nur dies eine Mal in ihrem Leben Wort zu halten und die Scheidung ohne Scenen vorübergehen zu lassen. Karl müsse leben!
Wieder daheim 290. Wie fremd alles. Was erwartet mich hier. Diese Sorgen. Mußte mein guter Richard mir dieses Kreuz auferlegen mit den Häusern?
Ich bin so müde. Ich kann mich noch nicht erholen von den furchtbaren Aufregungen. Karl hat viel Arbeit. Er nahm aber doch wieder edwas Essen auf. Wenn er nur wieder essen lernt.
Die Häuser und das Weib da oben wetteifern, mir Ueberraschungen und Freude zu bereiten.
(( Hier ist eine halbe Zeile wegradiert)) Ich möchte Karl nicht allein lassen, er ist zu hinfällig.
Mit Wünschmann 291 werde ich noch einen harten Stand bekommen. Ich möchte das ganze Geld an dem Hause hingeben, wenn ich nur den Aerger los würde. Ich kann kaum noch, es ist zu viel was auf mich einstürmt.
Wollte zu Emmas Geburtstag nach B. Streit, darf nicht, sende ihr aber heute Blumen. Für sie gebetet 22.11.
Am 26.11. Ich allein zu ihr. Karl wollte es nicht. Er behauptet, ich käme sofort wieder unter ihren Einfluß. Ich möchte aber mein Versprechen, sie zu besuchen, halten. Ich werfe ihr vor, sie halte nicht, was sie versprochen und ich bekomme in jedem Brief denselben Vorwurf.
Zuerst besuchte ich die Familie Schrott 292 in der Villa Canal 293. fand nur die Töchter. Liebe, herzensgute Mädchen, feingebildet, gern wäre ich da geblieben. Ich versprach ihr Michel Angelos 294 Monographie zu senden. Wir hatten von ihm und seinen Werken gesprochen. Die ältere Tochter hat viel gelernt und ist eine Seele 295. Wie lieb sie sich ihres armen Dienstmädchens angenommen hat und das Kind gepflegt. Da fühlte ich mich heimisch. - Von Emma sprach dieses, sonst so gutherzige Mädchen recht schlecht. Ja, wer unseren Engel kennen lernt. -
Ich fand Emma in der Villa Lehner. Einer prachtvollen Wohnung. Sie hätte sehr liebe Wirthinnen 296, die ihr Alles an den Augen absehen. Mit der Tochter hatte sie Bettfreundschaft geschlossen. Emma sagte, aus dem Mädchen sauge sie neue Lebenskraft. Spiritistische Sitzungen halte sie auch mit ihr, wie wir sie früher gehabt hätten. Leider wären die Leute sehr dumm. Sie gingen zu viel zur Kirche. - Dann bekam ich noch ein gerütteltes Maß voller Gemeinheiten und als dieser Redeschwall an mir vorübergegangen war, und ich ihr ihre Albernheiten und Lügen sauber zurückgegeben hatte, gings ans Klatschen, wie in alten Tagen. Sie war bei bester Laune. Brachte mich früh zum Münchner Zuge. Sah dem Zuge nach, solange sie mich sehen konnte.
Karl hat Recht. Sobald ich bei ihr bin, stehe ich unter ihrem Einfluß. Sie war aber auch rührend lieb zu mir. Mein Mausel, was ich an Dir verloren, weiß ich erst jetzt. Bleib mir nur treu;
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verlaß mich nicht und schreibe mir, so oft als möglich. Und nachher, wenn ich erst wieder in Dresden bin, treffen wir uns heimlich, Karl braucht nichts zu wissen. Ich war leichtsinnig genug, ihr dieses Versprechen zu geben. Jetzt bereue ich es. Denn Karl sieht darin nur Unheil.
Ein 297 Krüglein, das am Brunnenstein zersprang,
Und dessen Inhalt sickert auf den Grund,
So weit es ging, den ganzen Weg entlang.
Nun ist es leer, wer mag darausn noch trinken?
Und zu den andren Scherben muß es sinken.
Karl arbeitet. Er sagt, da sei ihm am wohlsten. Wenn er nur nicht so sehr leidend aussähe.
Meine Häuser bringen mich noch um den Verstand. Was hat mir mein guter Mann für ein Kreuz auferlegt. Meine arme Martha 299 und ich tragen die gleiche Last. Furchtbares Erbtheil.
Der Glaube ist zum Ruhen gut,
Doch bringt er nicht 300 von der Stelle;
Der Zweifel in ehrlicher Männerfaust
Der sprengt die Pforten der Hölle. 301
Pythagoras, der Philosoph, ersann
Ein neues Lehrgesetz und brachte dann, -
Da er doch nur ein Heide war -
Den Göttern hundertb Opferstiere dar.
Ists da ein Wunder, daß die Ochsen zittern,
Sobald sie eine neue Wahrheit wittern? 303
Daß unser Herz lebe, wirke, bleibe - daran liegt Alles, und nicht, daß es glänze.
Ich suche durch mein Leben immer nur Liebe, und mag das Todesurtheil über meinem Kopfe, gern ertragen, wenn man nur meinem Herzen Gerechtigkeit widerfahren läßt.
Die Liebe hat eine göttliche Kraft, wenn sie wahrhaft ist u.d. Kreuz nicht scheut. 304
Eine ernste, schwere Zeit! Täglich bitte ich Gott, daß er Alles zum Guten wende und vor allem Karl erhalte, damit er nun in Ruhe, ohne tägliche Qualen seine Arbeiten beende, die ihn ganz erfüllen. Wie glücklich es mich macht, wenn ich hie und da einen Blick in seine große, ede Seele tu thun darf! Täglich steigt er größer und größer in mir auf. Seine Pläne, die er Weihnachten entwickelte, waren überwältigend für mich. Und wie lieb war er, als er mir nichts als Blumen gab. - Für Dich genügen Blumen, sagte er. Meinem Dämon mußte ich Steine bringen. Jede nimmt am liebsten was sie selbst ist. Ich habe ihm die lieben Hände geküßt. Und dann geweint - vor Dankbarkeit und - vor Weh. - - -
Am 3.1. mit Karl allein im Theater. Hoffmanns Erzählungen 307
Schuch 308 hat es Karl warm empfohlen. Musik und Text sehr interessant.
Am 7.1. Scheidungstermin. 309
Ruhig verlaufen. Karl war still wie immer, ich frug ihn, was er empfinde. Erleichterung, sagte er. Es ist, als erwachte ich zu neuem Leben nach einer qualvollen Krankheit, nur die Glieder versagen noch den Dienst. Ich bin recht müde.
Frau Schrott 310 schreibt: Emma ist ein herzloses, schlechtes Geschöpf, ich glaube gern, daß Sie froh sind, solch eine Person los zu werden.
Am 14 Januar war ich bei Mariechen 311. Ein armes, unglückliches, überreiztes Kind. Könnte ich ihr doch Etwas sein.
Leipzig. Alte Erinnerungen aufgefrischt.
Bei meiner Heimkehr fand ich folgendes Gedicht von Mariechen.
Wernigerode d. 14 Januar 1903.
In Dir kommt die Erlösung mir herbei -
Siehst Du den Schatten der mich rings bedroht? -
Er flieht vor Dir - ich atme wieder frei - -
Heil mir! Es tagt - ich sehe Morgenrot! - - -
Du gehst? – O wehe - laß mich nicht allein - -
Denn vor mir selbst und vor der Welt mir graut -
O wolle mir ein Himmelsbote sein -
Der Leben schenkt, wo ich den Tod geschaut - -
Du bist gegangen - da Du kaum genaht
Nur einen Blick dürft in Dein Herz ich tun -
Der Blick - er gab die Richtung meinem Pfad.
Ihn deckte Nacht - voll Sonne ist er nun!
ein eigenartiges Stück. Die undankbare Menge wollte sie retten - und ihr Liebstes, das höchste Gut eines Weibes, opfert sie - ihren Mann. Ich wäre nicht gegangen.
Karl frug mich, ob ich wirklich nicht gegangen wäre. - - -
Wie froh bin ich, daß Karl wieder Sinn fürs Theater hat. Die stummen, stundenlangen Wanderungen scheinen vorüber zu sein.
Ja, wie kommt es nur, daß jetzt alles, ganz, ganz anders, ist! Stundenlang sitzen wir nach dem Theater noch beisammen und besprechen, was wir sahen. Muttchen schläft zwar regelmäßig ein;
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wir beiden Alten werden aber jung. Jetzt trübt nie mehr ein Streit solch einen Theaterabend, wie es sonst, mit sehr geringen Ausnahmen immer der Fall war. Der Bann ist gewichen, den Emma ausübte. Sie würde, hörte sie uns philosophieren, wieder wie damals mit den Füßen trampeln und sagen Mausel Du sollst nicht immerzu über Dinge reden, die ich nicht verstehe; und wo ich – nicht mitmachen kann.
Sonnabend d. 31.1. Vortrag v. Prof. Delitsch 317 über
Der Vortrag war uns besonders interessant dadurch, daß er wie ein Referat aus Karls Büchern klang. Wie oft bringt Karl die blumige Redeweise des Orients. Er zieht dieselben Schlüsse daraus in Bezug auf die Bibel.
Interessant waren die Cylinderinschriften, die später als Offenbarungen Gottes in der Bibel wiederkehren.
Gedanken über das Hohe Lied 319, Jonas 320 im Fischleib u.s.w. -
Die Annahme, daß die Seele eines Kranken diesen beim Eintritt der Krankheit verlasse, war mir neu. Ein Arzt der diese, in die Unterwelt gegangene Seele des Kranken nicht zurückzuführen verstand, war nach den damaligen Begriffen kein Arzt! u.s.w.
Karl will sich Delitschs Werke kaufen und selbst diese alten Sprachen studieren. Er wittert da Schätze. Was der gute Mann alles erforschen möchte, um die Menschheit glücklich zu machen. Die Menschheitsseele zu finden. Es sei ihm nichts zu viel, kein Opfer zu groß.
Mir fällt hier Nietzsches 321 Aphorisme ein:
Alle diese Vögel, die in die Weite fliegen, irgendwo werden sie nicht mehr weiter können, werden ausruhen, sei es nur auf einem Mäste oder auf einer Klippe. Aber wer will daraus schließen, daß es vor ihnen keine weite Bahn mehr gäbe? Alle unsere großen Vorläufer sind stehen geblieben, vor Müdigkeit, und so werden auch wir stehen bleiben müssen. Aber andere Vögel werden weiterfliegen. Unsere Einsicht fliegt mit Ihnen.” 322 - - - - - - - - - -
So wird es dem guten Karl auch ergehen.
Wie mich Nitzsche faßt. Ist es der Zauber seiner Sprache? Oder eine unsichtbare Macht, die aus seinen Werken mich mit magischer Gewalt immer von neuem zu ihm zieht? Es ist doch unmöglich, daß ich diesen gewaltigen Geist begreifen kann, aus eigener Kraft, und was ich begreife lehrt mich Karl erfassen. Er versteht es, einem das Gebotene in krystallklarem Becher zu reichen und wie durch Zauber wird der erst undurchsichtige Trank klar in seinem Becher. Ein wunderbarer Mann.
Wir sahen Manfred 323 wieder. Alles, alles verwandelt. Wenn mich die Sorgen nicht drückten wegen der Häuser, würde, ich glauben schon auf dieser Erde, im Himmel zu leben. Das ganze Denken und Empfinden wird edler, reiner, klarer von Tag zu Tag an Karls Seite. Es scheint mir wie eine Gnade, in seiner Nähe sein zu dürfen. Ich will streben, mich würdig zu zeigen, will streben und lernen, daß ich ein Stück mitgehen kann auf seinem herrlichen Lebensweg.
Montag d. 9 Februar. Land in Niedersedlitz angesehen. Hoffe, meine Häuser gegen Bauland vertauschen zu können.
Karl ist dagegen. Ich soll nur noch mehr reingelegt werden.
Karl setzte sich mit Fischer 325 in Verbindung.
Furchtbare Aufregung. Ich möchte das Füllhorn der größten Gemeinheiten, die ich bei diesen Kolportageleuten kennen lernte, hier nicht ausschütten. Es ist mir wie mit Feuer in die Seele geschrieben. Könnte ich doch nur meinen armen, lieben lieben
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Karl entlasten. Es ist zu viel, zu hart, was auf den Mann einstürmt. Eben hat er sich von einer Bestie losgerungen, da steht schon die Andere wieder vor ihm. Der Vergleich muß geschlossen werden. Der Schurke bringt Karl um ohne Gnade, und Karl ist doch noch sehr geschwächt, wie ich nun wieder sehe.
Dienstag d. 10 Februar
Vergleich geschlossen!
Es kommt aber keine Freude darüber in mir auf. Karl macht mir einen gebrochenen Eindruck. Der Schurke hat ihm Alles genommen und noch viel mehr verlangt, als er erst wollte. Ich mache mir furchtbare Vorwürfe, daß ich Karl so bestürmt habe. Die Angst raubte mir aber die Besinnung.
Karl war sehr, sehr gedrückt und aus dem, was er mir sagte, hörte ich nur einen Vorwurf heraus. Sein ganzes Leben sei immer von Anderen ausgebeutet worden. Andere führten ihn auf jene furchtbare, schiefe Ebene, auf der er stürzte und hinab rollte.
Andere und immer Andere kamen und nahmen und ich gab so viel, all mein Leben lang, ich gab so gern. Ich hatte so viel Liebe und ich ernte so viel Qual. - -
Montag Abend 7 Uhr dankt Karl den Fischerschen Eheleuten durch ein Diner im Kaiserpalast 326 für die Gastfreundschaft die diese Leute uns haben angedeien lassen.
Einen bittereren Hohn giebt es nicht. Karl und ich markierten auch hier nur das Essen. Die Bissen quollen uns in Gesellschaft dieser Leute auch hier im Munde. Sie merkten es nicht, waren bei bester Laune, aßen und tranken noch mehr, als bei sich zuhause.
Fischer wurde roher und roher, je betrunkener er wurde. Seine Frau hielt mit ihm Schritt und lachte zu seinen Gemeinheiten. In so moralisch roher Gesellschaft war ich noch in meinem ganzen Leben nicht.
Karl sagt, ich solle mir merken, was Fischers gesagt haben. - Den Schmutz kann ich hier nicht hinschreiben - aber was von Wichtigkeit für den Münchmeyerprozeß sein kann, will ich festhalten. Fischer sagte:
Die Münchmeyer 327 habe ihm auf seine Befürchtungen gesagt, die er ob der Mayschen Ansprüche hatte:
May ist ein verückter Kerl, den bekommen wir klein, wenn wir ihm drohen, seine Vorstrafen zu veröffentlichen.
Weiter:
Die Münchmeyer hat, als sie 1898 den Brief von Karl erhielt 8 Tage geschrien und gewüthet 328. Sie hat gesagt:
Nun bin ich verloren, nun verliere ich mein Geld. May macht seine Rechte geltend.
Fischer will die Zeugen dieser Aussage nicht nennen.
Im Verlaufe, des Abends sprach er aber noch, wenn der
reden würden, wärs aus mit der Münchmeyer.
Die Münchmeyer will beschwören, daß das von Freitag 333 verfaßte Buch d. Liebe 334 von Karl geschrieben sei. Dadurch wäre er auch kaput.
Falls die Münchmeyer Walter 335 als Ehrenmann hinstelle, so soll Karl darauf dringen, daß es die Münchm. beschwört, denn Walter hat die Münchmeyer um große Summen bestohlen und ihre erste Tochter mit ihr gezeugt.
Der Hoflieferant Ludwig 336, der überall als Zeuge funktionirt, gleichviel, ob er dabei war oder nicht, soll nicht nur zur alten Münchmeyer, sondern auch zur Frau Jäger, ihrer ältesten Tochter,
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Beziehungen haben. Das eine Kind dieser Jäger ist von Ludwig.
Das Dienstmädchen, eine jetzige Frau Peters 337, wisse es auch ganz genau. Ludwig hat seinen Freund Jäger 338 mit Gewalt entfernt von seiner Frau, ist dann aber sofort in dessen Rechte getreten, u.s.w. ekelhafter Schmutz. - - - -
Fischer ist zuerst durch Lilie339 auf Karls Werke und seine Bestrafung aufmerksam gemacht worden.
Am 20.2. sendet mir Emma Blumen.
Am 25.2. Mein guter Karl Geburtstag und Termin mit der Münchmeyer.
Mittwoch den 18. Zeugenvernehmung in Berlin. Gerlach 340 und d. Münchmeyer bearbeiteten Eichler 341 bald eine Stunde vor der Vernehmung. Gerlach packte die Akten zweimal aus und paukte dem Eichler ein, was er sagen solle. Das saubere Kleeblatt war sehr erregt.
In der Zeit vom 25-28 3. 2 war Emma dreimal da. Sie will Geld erpressen.
In meiner Abwesenheit machte sie mich zu Karl furchtbar schlecht. Am schlimmsten traf es mich, deshalb, weil sie mich auf der Straße, wie sie sagte, nach einem stundenlangen Warten, abgeküßt hatte und mich mit ihrem ganzen, alten Zauber zu umgarnen versucht hatte. Ich war auch freundlich zu ihr gewesen und hatte ihr wieder einen heimlichen Verkehr versprochen. Sie sagte, sie habe Karl und der Mutter gesagt, sie wolle unsere Köchin werden, nur unter einem Dach mit uns sein. Was die Leute sagten, sei ihr gleich. Sie fühle, sie müsse gut machen, sonst ginge sie zu Grunde. Die Florenzer Dame 342, der sie sich rückhaltlos offenbart habe, hätte es ihr gerathen und sie fühle, daß sie nur so ihre Ruhe wieder fände, es sei ihr, als ob sie sich vor sich selbst flüchten müsse. Sonderbares Wesen! Ich mußte ihr verzeihen, daß sie mich so mit Füßen getreten hatte, und versprechen, auch Karls Verzeihung für sie zu erwirken. Sie sagte, sie sei all die Jahre wie blind an der Seite Karls dahingegangen und hätte seinen Werth nicht erfaßt und auf mich hätte sie eine Wuth bekommen, wenn ich ihr zuredete, gut mit Karl zu sein und als sie gesehen hätte, wie zart mich Karl behandelte, ohne dabei was besonderes zu sprechen, sei sie rasend eifersüchtig geworden und deshalb habe sie mich so gequält, gewußt hätte sie aber immer, ich könne nicht gemein sein.
Als ich nachhause kam, und hörte, was diese Frau da nun wieder über mich geschwatzt hatte, stand ich wie oft schon, vor einem Räthsel.
Wenn alle Menschen sagen wollten: ich bin nun einmal so und nicht anders, wenn nicht eben der Gesittete seiner Natur Zügel anlegte, würde es schlecht um die Welt bestellt sein. Thatsache ist, daß man sich mit dem Leben nur abfindet, wenn man seine Leidenschaften bekämpft und ihrer Herr wird. In der weisen Beschränkung liegt das Glück. Und wie es Übungen giebt, die man anwendet um den Körper zu kräftigen, so giebt es auch solche für die Seele. - - -
Wir können die Seele nicht leugnen; sie offenbart sich täglich von Neuem. Wie gut versucht es Pfaff 343 zu beweisen im Gleichnis mit dem Hirschhornkäfer die Entwicklung dieser Geschöpfe gleicht so sehr der Entwicklung der Menschen daß ich in diesen Ausführungen ein vollgiltigen Beweis zu erblicken glaube.
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Abschnitt eines Theiles meines Lebens.
Montag den 30.3.1903 Nachmittags 4 Uhr standesamtliche Verbindung mit meinem Karl 344.
Morgen früh 10 Uhr gehen wir still zur Kirche 345. Der Trauung soll nur Mutter beiwohnen. Still und ernst, ohne Feier. Das furchtbare Leid, welches hinter uns liegt, verträgt noch keine Berührung durch Freunde.
Mein ganzes Leben soll fortan meinem unendlich verehrten Manne geweiht sein. Ich will versuchen, seiner würdig zu werden. Will mich zu seiner Höhe aufzuringen versuchen. Friede soll in und um ihn sein, und treu will ich ihm helfen, wo und wie ich kann.
Freitag d. 3 kam Dr. Weigl 347. Wir gingen mit ihm aufs Spitzhaus 348. Abends schöner Abend bei uns.
Sonnabend
Verhör der armen Freitag 349. Das Mädchen thut mir so sehr leid. Arme Schattenpflanze! Könnte man sie doch retten! Dann mit Dr. Weigel auf dem Belvedere 350 gegessen. Abends bei uns.
Dr. W. sprach von seinen Beeinflußungen durch seinen lieben theuren Freund Hans Buchner 351. Wie er immer strebe, im Sinne dieses edlen, viel zu früh dahingegangenen Freundes weiter zu wirken und zu streben. Den Menschen das Leben erleichtern, bessern wo er kann.
Dr. W. hatte heute Nacht einen sonderbaren Traum.
Es sei alles Licht um ihn geworden, und er sei an Karls Seite gewesen; da hätte er auf einem sich dunkel zeigenden Hintergrund eine Flammenschrift entstehen sehen, die die Worte enthielt:
Überwinde den Tod
dann
Überwinde das Leben
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Sonntag unternahmen wir mit unserem lieben Gaste und Rechtsanwalt Bernsteins eine Partie nach der Bastei.
Leider war der Neffe 352 und der kleine Hund dadurch recht störend daß sie viel Lärm machten. Wir sind nicht gewöhnt, in schönen Gegenden, oder überhaupt auf Spaziergängen Lärm zu machen. Heute merke ich erst, wie uns eigentlich der Wald immer Kirche war auf unseren einsamen Wanderungen. Mein Herzensmann that mir so leid.
Beim Abstieg von der Bastei, in den Schwedenlöchern, sagte Dr. W. unvermittelt zu mir: Ich darf mir zwar nicht erlauben Ihnen einen Rath zu geben, aber eines muß ich Ihnen sagen:
lassen Sie das Ungeziefer nie wieder rein
Ich war darüber betroffen. Ich fragte weiter, wie er zu dieser Aeußerung komme, denn er wisse doch eigentlich nicht, was die Veranlassung der Scheidung war. Darauf erzählte er mir, wie sich Emma in München im Mayklub benommen hatte. Seine, Ws Frau, sei außer sich gewesen, über die Behandlung, die Emma Karl habe angedeien lassen und darüber, daß Emma nicht ein Buch von Karl gelesen hatte und es auch noch zugab.
Es waren schöne Tage mit Weigel. Der liebe, hochdenkende Mann! Gott segne ihn!
Rodins 353 Idol ist Michel Angelo 354. Unsere Bildwerke in Marmor sind Kopien, die Ursprünglichkeit der Inspiration geht durch das Modeliren in Ton verloren, es fehlt die Frische des ersten Ausdrucks.
Rodin ist Optimist. Er liebt die Arbeit. Schwärmt für Dante 355 und steht unter Rousseaus356 Einfluß.
Wie doch ein großer Geist den anderen beeinflußt und einen nach dem Anderen gleichsam zum Himmel emporzieht.
Am 29.4 Unterhandlungen mit Vinzens Huck 357 Klotzsche wegen meiner Unglückshäuser.
Am 30.4 fest verkauft. Uebergabe erfolgt am 15 Mai.
Gott sei tausend Dank!
Ich passe nicht zum Häuserkram. Mit Geld habe ich nie müssen umgehen, Richard nahm es immer. Ich habe mich auch in all der Zeit nie so gekümmert, wie ich gesollt hätte. Ich verliere viel Geld. Es schmerzt mich aber nicht. Am Geld hing ich nie. Nun kommt es mir zu Gute, ich gebe es leicht hin.
Mein Herzensmann freut sich auch. Weil Mutter gesagt hat. Karl, Du bekommst eine reiche Frau. - Ich will kein Geld, ich will nur Dich.
Große Gedanken und ein reines Herz
Das ists, was wir uns 363 von Gott erbitten sollen. 364
sagt Göthe.
Wir bedürfen jeder eines anderen Wesens, das den Schlüssel zu unserem ganzen Sein besitzt. Ihm zu begegnen ist Seligkeit; mit
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seinem Verlust schließt sich für uns die Pforte des Paradieses, von dem uns dennoch eine helle Erinnerung bleibt. Einsam und verschlossen aber geht der durchs Leben, wer das ihm Zugehörende nimmer gefunden hat.
4 Juli.
Emma steht mal wieder auf. Unser Dämon. Rechtsanwalt Neumann 365 Weimar hat sich gewinnen lassen. Was mag sie dem wieder vorgelogen haben.
Für dieses Weib habe ich noch immer gebetet. -
Mein Herzensmann leidet so unter dem ekelhaften Prozeß und nun kommt auch die Scheitana wieder.
8 Juli
Grillparzers Ahnfrau 366
schwächste Arbeit des großen Mannes.
Ein frein gestimmtes Werk. Es regt zum Nachdenken an. Wir träumen nur, daß wir leben. Das ganze Leben ist nur ein Phantasiegebilde. Das Erwachen kommt. - - -
Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheiten, in 372seiner Linken den einzigen, immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatz 373, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte, und sagte 374 zu mir: wähle! ich fiele ihm mit Demuth 375 in seine Linke und sagte: Vater gieb 376, die reine Wahrheit ist ja doch nur für Dich allein!
Wir mußten nachhause, weil Fischers sich für Sonntag angemeldet hatten. Herzle hoffte von diesen Leuten noch mehr Material für seinen Prozeß mit der Kolportageprinzeß zu erhalten.
Der Tag war recht traurig. Fischer nahm mich vor und sagte, er meine es nur gut mit meinem Manne er könne mir aber nur den Rath geben, ich solle Karl veranlassen, ihm Ersatz für den Verloreenen Sohn zu geben. Veröffentliche er diesen Roman, dann sei Karl kaput und veröffentlicht müsse er werden, es hätte nun einmal Geld gekostet. Auf Karls Einrede, er habe alles so geschrieben daß es jeder Mensch lesen könne, meinte Fischer, beweisen Sie es: was wollen Sie machen, wenn ich jetzt noch so und so viel dazu nehme? Ich behaupte, Sie habens geschrieben. Fertig. Dieselbe Sache, wie damals bei ihm.
Frau Fischer wollte den Streit schlichten. Sie sagte: Gut lassen wir die Sache fallen. Geben Sie uns aber den Verlag Ihrer anderen Werke. Fehsenfeld 384 ist reich genug. Wir könnens brauchen. Wir haben Kinder. Mein Mann 385 meinte, da hat sich wohl Münchmeyers Wunsch, mich ganz auszuschlachten so fest bei Ihnen gesetzt, daß Sie, sooft wir zusammen zu kommen Gelegenheit haben, Sie mich mit neuen Erpressungen bedrohen.
Es sind doch keine Erpressungen meinten beide. Wir wollen doch nur Ihr Bestes, aber freilich Schaden wollen wir davon auch nicht haben. Für Karl sei es doch eine Kleinigkeit ein paar Bände neu zu schreiben für Fischers.
Frau Fischer sprach dann noch vom Gelde, wir hätten doch auch genug, wir sollten sie zu Universalerben machen, da wir doch keine Kinder hätten.
Karl nahm Fischer noch einmal vor. Er packte ihn bei der Ehre und machte ihm Vorwürfe wegen seines ganzen Verhaltens gegen ihn. Fischer sagte: „Daran ist nur der kleine Cohn schuld (so wird sein nachgeborener Sohn 386 genannt) kam der nicht kam ich nicht auf den unglücklichen Gedanken, mich mit der Schwindelbande einzulassen. Nun sitze ich aber drin, ich kann nicht anders als mich nun so verhalten, wie die michs gelehrt. Glauben Sie, alle meine Verwandten sind böse auf mich, ich habe schon viel Aerger deshalb gehabt und bereue den ganzen Handel sehr, aber ich kann nicht mehr zurück
(Offenbar späterer Bleistift-Zusatz:)
Siehe hierzu seinen Originalbrief den er an Karl May schrieb
Sie sind berufen mich wieder zu einem ehrlichen Mann zu machen.
Montag d. 21.9 fuhren wir, unser Versprechen erfüllend, wieder zur Bastei und blieben bis zum 1.10. dort.
Die guten Bernsteins kamen uns bis Lohmen entgegen wir trafen uns im Gasthaus zum Meissner Hochland 387.
Wir waren, ich weiß es nicht mehr genau, meinen Zetteln nach
22. Walthersdorfer Mühle, Hockstein
23. Hohenstein
24. Lilienstein
25. Wagenfahrt nach Stürza, Stolpen, Brand, Hohenstein, Polenzthal
26. Reingrund, Wettinstein, Hochwald, Knotenw. Utewaldergrund, Felsenthor, Waldidyll.
27. Amselgrund v. Rathewalde, Rathen.
28. Abreise unserer Freunde
29. Wagenfahrt durchs Polenzthal nach Schandau
30. Schwedenlöcher, Amselgrund, Rathewalde, Reinwiese 388.
1.10. Abfahrt von d. Bastei.
(Alle Ausflüge hast Karl allein gezahlt Alles!)
Sascha Schneider brachte meinem Herzensmann einen Carton. Die Arbeit soll Schneiders Gedanken wiedergeben, die er beim Lesen von Karls Werken empfand. Wir haben uns innig über diese herrliche Gabe gefreut. Herzlie sinnt darüber nach, wie er dem lieben, in recht gedrückter Lage befindlichen Künstler helfen kann. Die Bilder, die Schneider da hat, können wir ihm nicht abkaufen. Sie sind zu groß. Er soll einen Auftrag erhalten.
An dem schönen Künstlerabend bei Kreis 390 bestellte Herzle dem lieben Schneider eine Arbeit für 3.000 Mk. 391 und stellte ihm den Betrag sofort zur Verfügung. Schneider soll dafür arbeiten, was er mag und in unserem Hause den Platz bestimmen, wo sein Werk hängen soll.
Es ist uns ganz gleich, ob Schneider arbeitet oder nicht, die Hauptsache ist, ihm helfen. Er scheint schwere Sorgen, zu haben.
Wie dankbar ist Schneider meinem Herzensmann. Er verehrt ihn, wie einen Gott. Was Karl schriebe, sei ihm gleich sagt er, er sehe nur den gewaltigen Geist, den großen Künstler. Karls Phantasie sei göttlich, außer Dante kenne er keinen der ihn so mächtig angeregt hätte, wie Karl May.
Wie schön war der Abend bei Wilhelm Kreis. Diese lieben, guten Menschen. Wie schlicht und groß stand mein Karl neben den geistvollen Grafen Hardenberg 392. Alle fühlten, daß Karl über ihnen stand, geistig.
Die Stunden in dem entzückenden Musiksalon werden wir alle nicht sobald vergessen. Karl sprach, aber wie sprach er. Wir hatten alle hochrothe Wangen und lauschten bewegeungslos seinen Worten. Keiner berührte den vor uns stehenden duftenden Wein.
Mir kam Karl vor, wie eine überirdische Erscheinung. Das liebe, durchgeistigte Gesicht und die Augen, was lag da für eine Welt von Liebe darin.
Der Abschied wurde uns allen schwer. Die Herren meinten, man könne die Welt durchsuchen, einen Karl May mit einer solchen Fülle von Himmelsliebe fände man sicherlich nicht mehr.
Die Herren meinten, ein solcher Abend gebe Anregung für ein ganzes Menschenleben. Mich machte diese Aeußerung stolz, denn alle sind Künstler und so viel ich nach ihren Arbeiten beurtheilen kann, große Künstler.
Am 26.10.03. fuhr ich zu Emma, um den Vertrag mit ihr zu schließen. Sie hatte aber bereits neue Intrigen angezettelt, was sie mir sehr kleinlaut eingestand. Tischsitzungen mit Frau Häusler 393 - der Hure -. Ich überlasse alles dem Rechtsanwalt Neumann 394, dieser Herr scheint Emma durchschaut zu haben. Er warf ihr Lügen vor in meiner Gegenwart. Sie stritt es ab. - Und nachher sagte sie es mir freiwillig. Den Rechtsanwalt machte sie schlecht und sagte, sie habe Pech, sie hätte sich grade den Düm̅sten ausgesucht.
Ich fand gar nicht, daß der Mann dumm war, im Gegentheil, er versuchte aus mir so viel Geld wie möglich für seine Klientin herauszuschlagen. Emma meinte aber, ein Rechtsanwalt müsse ein halber Gauner sein, sonst könne er seinem Mandanten nichts nützen. Ich sagte ihr und du bist ein ganzer Gauner, da kann dann ein feines Garn gesponnen werden.
Emma ist in Verkehr getreten mit einer Schauspielerin 395. Diese hat sie ihres Namens wegen an sich heran gelassen. Emma muß als alte Tante die Anstandsdame spielen. Dann muß sie ihr Lorbeerkränze kaufen, da kommt der Name Dr. May drauf. Ein solcher
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Kranz kostete 30 Mk. 396 Die Scheidt, so heißt die neue Flamme, scheint aber nicht so unter Emmas Einfluß zu stehen wie ich Schaf gestanden habe, denn Emma darf nur kommen, wenn es der Scheidt paßt. Sie hat ihr gesagt, sie habe ihre Zeit zu ihren Studien nöthig und könne die Zeit nicht wie sie verbringen mit Nichtsthun. Sie müsse arbeiten. Zu kleinen Champagner Diners darf Emma kommen und die alte Tante spielen. Es macht sie aber glücklich, nun in dieser einst heiß ersehnten Gesellschaft von Schminke und Puder weilen zu können. Lange wird dieses Glück bei ihr freilich nicht vorhalten, denn der alten Tante giebt man jedenfalls nicht, was die lüsterne. Emma verlangt. - Wenn ich daran denke, wie Emma diese geschminkten Bühnenhelden anschmachtete. Mit welchem Behagen sie vom starken Geschlechtstheil Wachters 397 sprach, als dieser im Verschwender 398 die Einlagen sang, in sehr engen Beinkleidern! (Er trug empire Kleider.) Wer beim herrlichsten Vortrag solche Beobachtungen machen kann, muß doch furchtbar sinnlich sein.
Was mußte ich wieder für Klatsch und Tratsch hören. Mir ists recht bange um diese Frau. Ich hoffte bestimmt, das Leid würde sie leutern, zumal, wie sie behauptet, die Liebe für Karl wieder in ihr erwacht sei. Sie bereute bitter, Karl mit Füßen getreten zu haben in all den Jahren ihrer Ehe und sie bat mich in herzlicher Weise, ihr nicht zu zürnen, daß sie mich schlecht gemacht hätte, sie habe immer gewußt, daß Karl und ich wie Geschwister, nicht aber wie Eheleute leben, sie sei aber maßlos eifersüchtig auf mich geworden und sie hätte mich deshalb in den Augen der Leute zur Hure machen wollen, ich könne aber beruhigt sein, es hätten meine Freunde ihr nicht geglaubt. - Ein schöner Trost für mich! Ich muß mich damit abfinden, wie irgendein Dichter sagt:
Spricht 399 jemand schlecht von Dir, so sei es 400 ihm erlaubt!
Doch Du lebe 401 so, daß keiner es ihm glaubt. 402
Ich bin froh, daß ich in Radebeul geblieben bin und nicht, wie ich erst wollte, für ein Jahr fortgehen. So blieb ich unter den Augen all der Menschen, die mich kennen. Schaden konnte mir ihr Klatsch wirklich nicht, da hat sie Recht.
Innig bat Emma, sie nicht fallen zu lassen, ihre ganze Bosheit sei nur darauf zurück zu führen, daß ich sie vernachlässige und ihr nicht helfe, sie wieder emporzuziehen. Sie würde gut werden, wenn ich ihr die Hand reichte, daß wisse sie. - Ich weiß nicht, wie es kam, ich stand aber wieder unter ihrem Bann und versprach ihr, mit ihr in Verkehr zu bleiben, trotzdem es mir von Karl auf das Entschiedenste verboten war. Es trückt mich dieses neue Versprechen sehr, denn ich weiß, es erwächst wieder Unheil daraus, wenn ich mein Wort nicht halte, und halte ich es ohne Karls Wissen, werde ich wieder, wie früher zur Betrügerin an meinem, lieben, lieben Herzensmann. Dieser Zwiespalt quält mich furchtbar. Was es nur ist, daß ich mich der Macht dieser Frau nicht entziehen kann. Karl hat Recht, eine Stunde unter dem Einfluß Emmas und du bist wieder die alte. Dabei denke ich immer, ich habe mich von ihr losgerungen. - - - Wehe, wehe Dir Klara, findest Du Dich nicht zu Dir dieselben Worte, die Karl mir damals sagte, als ich nicht mit der Wahrheit heraus wollte, wegen all der Schändlichkeiten die mir bekannt waren und die hinter seinem Rücken getrieben wurden.
Am 27 schieden wir von einander. Ich hatte Emma insofern wider standen, daß ich trotz ihrer Bitten in der Nacht nicht bei ihr blieb. Sie brachte mich um 1 Uhr Nachts in mein Hotel, am Bahnhof. Wir standen wohl noch eine Stunde vor der Thür. Sie herzte und küßte mich und sagte, wenn ich Dich nur habe, mein liebes, liebes Mausel. - Die gute Mietz. - Um 7 Uhr früh war sie schon bei mir. Sie hatte gedacht Karl sei mit und nur deshalb wäre ich in der Nacht nicht bei ihr geblieben. Wir blieben zusammen, bis ich im Zuge war, und sie warf mir Kußhände nach, solange sie mich sah. Wir weinten beide.
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Nun aber daheim. Meine Reise war eigentlich unnützt. Durch Mietzs Lügen. Hätte sie Neumann die Wahrheit gesagt, konnte unser Kontrakt abgeschlossen werden, oder ich kam später. So hatte das Kaninchen Alles in Händen und von ihr hing es ab, ob sie die Ausarbeitungen unserer Rechtsanwälte für gut halte, oder nicht. Mir kanns gleich sein, was die noch aushecken. Vor der sogenannten Staatsanwaltsanzeige fürchte ich mich wirklich nicht. Das Einzige dabei ist nur die Aufregung, die ich fürchte für meinen armen lieben Herzensmann. Den ist es nun wieder mehr um Klarheit zu thun. Ich fürchte aber, bei der Klarheit kommt Emma ums Geld und das möchte ich verhüten. Das arme Mietz kann nicht arbeiten und hat auch nichts gelernt. Ich würde mich nie fürchten, ohne Geld durchs Leben zu kommen, solange ich gesund bin.
Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich werde nicht wieder ruhig. Ich muß Karl sagen, daß ich Emma versprechen habe, mit ihr in Verkehr zu bleiben, hinter seinem Rücken.
Es ist runter vom Herzen. Karl ist grob und böse geworden. Ich sei ein Hanswurst in den Händen eines Dämons, und nun verbiete er mir zum letzten Male jeden Verkehr mit diesem Weibe, sonst wehe mir! - Ich werde ihm folgen, aber die Feindschaft Emmas ist mir nun sicher. Furchtbar!
31.10.
Schöner Abend bei uns. Liebe, geistvolle Menschen. Ueber Dittrichs 403 Grobheit habe ich mich gefreut, als er zu Karl sagte: Sie können nicht mitreden, Sie werden nur angefeindet von Menschen die Sie nicht kennen. Wer in Ihren Kreis tritt, kann sich Ihrer Sonnigkeit nicht entziehen, wenn er nicht ein schlechter Mensch ist. Sie heißen May, sind Mai und bringen jedem Mai.
Er will Karl noch ein Denkmal setzen, so gut er kann, sagt er, eins was länger stehen soll, als eins von Stein.
Am 8.11.03 erkrankte mein Herzensmann. Es hängt ihm an, seit ich in Weimar war. Er leidet: Ich habe immer gleich solche Sorge um ihn. Nur er nicht mehr leiden müssen.
Die Hauptschuld ist aber auf den letzten Termin im Münchmeyerprozeß herzuleiten. Diese gemeinen Menschen, deren Gott nur das Geld ist und die mit einem zu ihnen passenden Rechtsanwalt (späterer Zusatz: Gerlach 405), der vor keiner Gemeinheit zurückschreckt, sogar Klagen fingirt, um sich in den Besitz von Akten zu setzen, die ihm sonst nicht zugängig sein könnten, diese Bande zerrt und reißt an den himmelhoch über sie stehenden Mann.
Bernstein sagt, es sei ihm ein Räthsel, wie ein Staatsanwalt sich finden konnte, der auf eine, nur aus LügenaufgebauteBeleidigungsklage Strafakten herbeiziehen könne und dann diese Akten auch festhalte, obgleich diese Scheinklage sofort zurückgenommen wurde.
Karl ist über dieses Verfahren wie gebrochen. Der Glaube an die Gerechtigkeit ist erschüttert. Ich bedarf meines ganzen Gottvertrauens, sagt er, um mich aufrecht zu erhalten. Immer nur quält man ihn mit der Vergangenheit, die in den Münchmeyerprozeß hinein gezogen wird. Man kämpft, genau nach der Parole, die man in diesem Schandgeschäft ausgegeben hatte. Klagt May, machen wir ihn moralisch kaput. Furchtbar. Da steht man machtlos da. Wenn die Richter nur klar sehen möchten. Wie schwer für solche Leute. Sie kennen weder die Verbrecherbande, noch meinen sonnigen Mann, der zehnfach die Schuld eines Anderen auf sich nimmt, nie und nimmer aber Andere schädigen oder unglücklich machen würde, wie diese Bande ihn.
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Mein liebes, liebes Lieb leidet furchtbar. Das schreckliche Fieber. Mickel 406 sagt, ich müsse eine Pflegerin dazu nehmen. Ich will nicht. Ich breche nicht zusammen, wie er fürchtet, und stirbt Karl, will ich auch sterben.
Furchtbare Nacht. Kampf mit Karl. Er wollte im Fieber raus, er müsse Luft haben. Die Umschläge wollte er nicht mehr. Ich wundere mich über meine Ruhe. Ich habe doch Umschläge gemacht.
Nun wills aber nicht mehr gehen, ich breche zusammen.
Gott sei tausend Dank! Besserung!!!!
Rückfall.
Das Herz wird so sehr schwach, setzt aus. Die Füße nun schon 8 Tage geschwollen. Ich biete Alles auf; Karl darf nicht sterben, oder er muß mich mitnehmen ich will nicht allein leben.
Der gute Mickel, eine treue Seele. Heute sagte Herzle, Dr. ich halts nicht aus, ich werde verrückt, da sagt der Dr. werden Sie verrückt, sterben Sie mir nur nicht. Und mit mir hat er geweint im Vorzimmer.
Die lieben, lieben Menschen. Wie viel Liebe kommt ins Haus, und wie viel Gebete steigen fürs Wohl Karls zum Himmel auf.
Woher nur die Menschen wissen, daß Karl krank ist. Es muß doch in den Zeitungen gestanden haben.
Am 9 December Abends zum ersten Mal keine Geschwulst.
Am ersten Weihnachtsfeiertag hatten wir zum ersten Mal wieder Gäste. Nur 10 Personen. Herrlicher Abend.
Es war aber zu viel für Herzle. Alle wollen ihn sehen und sprechen zu viel mit ihm, das strengt ihn an.
Montag den ersten Ausgang mit meinem guten Manne. Gut bekommen.
Das vielbewegte Jahr geht zur Rüste. Mit froher Zuversicht sehen wir dem Kommenden entgegen. Wir bitten Gott um Seinen Beistand. Das Gute muß doch siegen.
1904
Am 4 Januar fuhr ich nach Weimar. Gab am 5 früh meine Unterschrift, zum Abkommen mit Emma. Sie ist nun für immer sichergestellt, was mich freut. Sie wird nun die Ruhe finden um sich selbst wieder zu finden, richtiger, zu finden, denn bisher war sie ein schreckliches menschliches Zerrbild.
Ich habe Wort gehalten. Ich will und werde mich von ihr los ringen.
Der Bureauvorsteher Jäger 407 v. Rechtsanwalt Neumann war bei der Unterschrift, die ich gab zugegen.
Der scheint Emma zu durchschauen.
Sonntag d. 10 Januar mein lieber, guter Mann zum ersten Mal in der Stadt.
Am 12.1. ein wüster Liebesbrief aus Weimar mit dem Bild der Scheidt, nakt und in offenen Haaren. Ein Komödiantenbild. Emma hat die Scheidt nun bis zu Tischsitzungen gebracht. Hat sie nun die unter ihrem Einfluß. - Wagner 410 kommt als Geist und führt Frl. Scheidt die Hand. Wird derselbe Kram sein, wie sie es mit mir gemacht hat.
Nun kann ich auch wieder lesen neben meinen Arbeiten. Leonardo da Vincis 413 Leben und Wirken verschaffte mir liebe Stunden der Anregung. Solch einen Mann schafft die Natur nicht noch einmal. Mir ist das Leben solcher Männer ein Trost. Alle tragen ihre schwere Last mit durchs Leben. Der Eine so, der Andere so. So ist es auch bei Karl. Die Leute die so schändlich gegen Karl wüthen kennen ihn nicht. Würden sie seinen Werth erfassen können, ließen sie ab von ihm, davon bin ich überzeugt.
Leonardo sagt vom Menschen.
Du o Mensch, der du durch diese meine Arbeiten die wunderbaren Werke der Natur erkennen lernst. Wenn die äußeren Formen des Menschen dir wunderbar gebaut erscheinen, so bedenke, daß sie wie nichts sind im Vergleich mit der Seele, die in diesem Bau wohnt, denn diese, ist Gottes Sache. Laß sie darum in seinen Werken wohnen, nach seinem Willen.
Die Chöre waren herrlich! Ein genußreicher Abend. Mit Klotzs 415 noch auf dem Bahnhof gesessen.
25. Zeugenvernehmung in Weimar. Rudolf 416 wollte hinfahren. Wir hätten am liebsten dieses Weib 417 nicht als Zeugin. Rudolf besteht aber darauf.
Abends
nach langer Zeit wieder gehört. Wir saßen bei Schuchs. Es ist zu nahe.
Am Abend trafen wir auf dem Bahnhof noch Rudolf. Es ist, wie ichs mir dachte. Das Weib ist Gift und Galle gegen mich, weil ich mein Versprechen, ihr zu schreiben nicht gehalten habe. Ich dachte, sie werde nun zu Verstand kommen, wo sie doch nun sicher gestellt ist und hat, was sie seit vielen Jahren erstrebte, - ihre Freiheit. - Es fehlt ihr aber ein Objeckt zum Martern und quälen, wie so sehr richtig Frau Kössler 419 erkannt hatte (späterer Zusatz: siehe deren Briefe). Jedenfalls läßt sich die Schauspielerin 420 nicht so behandlen, wie ich mich, damals in den Jahren meiner seelischen Niedergedrücktheit. Mag sie machen, was sie will. Ich habe nichts zu fürchten, denn ich habe nichts Böses gethan. Unrecht habe ich nur an Karl gehandelt, daß ich ihm nicht schon viel früher offen Alles sagte und ihn von dieser Bestie so abmartern ließ. Ich dachte immer sie müsse noch gut werden, ich wünschte es so sehr.
Wie auf dem Felde nur die Frucht gedeiht,
Wenn sie Sonne und Regen hat,
Also die Taten des Menschen nur,
Wenn er Liebe und Frieden 421 hat. 422
Beides soll mein Herzensmann haben, so viel in meiner Macht steht und in meiner Kraft liegt.
Sonntag d. 7.2. Musenhaus Kantvortrag 424 in d. lit. Gesellschaft. ganz schlecht.
10.2. Kantfeier in d. Hochschule
Vortrag v. Schulze 425
Einer der besten Vorträge die wir je gehört haben. Die Sonntagsbeilage v. Anzeiger 426 giebt den Vortrag gekürzt wieder.
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Kant bezeichnet d. Irrsinnigen als wachenden Träumer Darüber haben wir noch viel gesprochen.
Gern dien‘ ich den Freunden, doch tu‘ ich es leider aus 427 Neigung
Und es tut mir oft leid 428, daß ich nicht tugendhaft bin
Da ist kein anderer Rat, Du mußt suchen sie zu verachten
Und mit Abscheu thun 429, was die Pflicht Dir gebeut. 430
Hier sieht man, wie Kants Geist auf Schiller 431 wirkte in seinen Ausführungen über Pflicht und Neigung.
Was ich aus Neigung thue, sagt Kant, ist höchstens legal; von Moralität ist erst dann die Rede, wenn ich aus Pflichtbewustsein gehandelt habe. Und da muß die Neigung fast immer mit dieser Pflicht in Widerspruch stehen, dann ist der Moralist wirklich gut. - (Wer bringt es fertig?)
Solche Gesetze erscheinen uns als Gesetze des Sollens und sie stehen dem Gesetze der Natur gegenüber, denn diese sind Gesetze des Müssens. Beide können nicht miteinander identisch sein, denn es hätte keinen Sinn, etwas zu verlangen was mit Naturnothwendigkeit so wie so geschieht. Moralische Gesetze sind Imperative, Aufgaben die erfüllt werden sollen ohne es zu müssen, ohne stets erfüllt zu werden. Das moralische Gesetz spricht: Du kannst, denn Du sollst! - Das ist der kathegorische Imperativ!
Nun kommen wir zum Ding an sich
Es ist klar, daß ein Wille der nach selbst gegebenen Gesetzen frei sein muß; eine solche Freiheit giebt es aber in der Welt nicht, denn da geht alles nach Causalität. Es muß also dieser Wille jenseits der empierischen in der intelligiblen Welt liegen, und es steht zu vermuten, daß jener heilige, vernünftige Wille das wirkliche An sich des Menschen ist, daß sich in ihm das Ding an sich offenbart. Es würde also das Ding an sich auch in allen übrigen organischen Erscheinungen als geistig angenommen werden müssen, obgleich es sich in seiner Beschaffenheit nirgends offenbart. Wir merken nur, daß es mit im Spiele ist. Wir können es nie beweisen, wir müssen es glauben, und es gründet sich dieser Glaube auf die gesamte menschl. Gesellschaft der die erfüllende und zusammenhaltende Überzeugung von einer absoluten, sittlichen Gesetzgebung in sich birgt. Diese sittliche Selbsterkenntnis zeigt uns daß wir Doppelwesen sind und daß unser Leben auf der Grenze einer sinnlichen und übersinnlichen Welt sich bewegt. Als Sinnenwesen sind wir den Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen, als intelligible Wesen sind wir frei, als empirischer Charakter steht der intelligible, dessen Stimme im Gewissen laut wird, der die wahre Ursache der inneren Erscheinung bildet. Diese wunderbare Verknüpfung von Sinnlichem und Uebersinnlichem im Wesen des Menschen spiegelt sich im Widerstreit unseres natürlichen u. sittlichen Trieblebens. Jenes will Glückseligkeit dieses Erfüllung der Sittengesetze. Höchste Glückseligkeit verdient aber offenbar der sittlich handelnde allein u. es ist weiterhin klar, daß er sie auf Erden nie erreichen kann, er kann es höchstens in einer über die sinnliche Erscheinungswelt hinausgehenden Existenz; damit kommen wir auf die Idee der Unsterblichkeit. Wir müssen aber weiterhin, wenn wir an jene übersinnliche Existenz, die uns Glückseligkeit sichert, glauben, eine moralische Weltanschauung annehmen, die das so eingerichtet hat, daß der naturnotwendige Prozeß in letzter Instanz die Tugend zur Glückseligkeit führt. Eine solche gegenseitige Ergänzung der sinnlichen u. der übersinnlichen Welt ist aber nur durch ein allerhöchstes Wesen die Gottheit, denkbar. So verwandeln sich die drei Ideen der theoretischen Vernunft Seele, Welt, Gott in die drei Postulate der praktischen Vernunft: Freiheit, Unsterblichkeit, Gottheit!
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Die menschliche Vernunft zeigt sich in ihrer praktischen Tiefe an den Zusammenhang einer übersinnlichen Welt gebunden, von der das theoretische Bewußtsein nur die Andeutung einer Möglichkeit besitzt und auch nur deshalb, weil es seine Aufgabe durch den sittlichen Willen bestimmt erhält.
Kants Metaphysik ist als Erkenntnis unmöglich, als Glaube nothwendig. Sieo ist auf keiner erfahrungsgemäßen Grundlage aufgebaut, sie ist erst aus einer theoretisch gewonnenen Weltanschauung ableitbar, sie ist als Ethik der einzige Weg eine Ueberzeugung von dem übersinnlichen Wesen der Dinge durch Glauben zu gewinnen.
Nachgeschrieben aus Schulzes vorzüglichen Vortrag. 432
Beide Werke haben uns erschüttert. Dieser Mann ist groß, edel und tief. Möchte doch noch recht viel von ihm kommen. Die Aufführung im Hoftheater war ein Kunstwerk aller, aller ersten ranges.
Dienstag d. 8. bei Schneider. Herzle zahlte 1,500 Mk. 437 à Conto für unser bestelltes Bild 438. Schneider klagte, als wir ihn zuletzt sahen. Wir wollen ihm helfen wie und wo wir können. Der liebe Schneider will Karls Bücher mit anderen Titelbildern versehen, damit man Karl endlich verstehen lerne und der alberne Name Jugendschriftsteller schwinde. Ich ging sofort darauf ein.
Freitag d. 18.3. blieb Schneider auch über Nacht bei uns. Der Abend war wie Kirche für mich. Diese beiden gewaltigen Geister philosophirten über Welt und Leben, Kunst und Menschen. Es wollte gar kein Ende nehmen, wir saßen bis früh.
Wundervoll. Außer Beethoven packt und erfüllt mich nichts so in der Musik, wie Mozart, dieser helle, reine Stern am musikalischen Himmel. Freude, Zuversicht und Gottvertrauen klingt mir aus seinem Reich entgegen. Wie mein Herzensmann mit mir die Empfindungen theilt. Ich glaube wir werden nach und nach eine Person.
Montag den 11 April
Führte ich meinen Entschluß aus und ging zum Schwiegersohn der Münchmeyer Dr. Schiller 440 in Döbeln.
Ich fand den Herrn daheim. Ich sagte ihm offen und ehrlich, ich wolle ihn nur fragen, ob er und seine Frau einmal bei der Münchmeyer zu einem Mittagessen geladen gewesen seien, wo das Mädchen weiße Handschuhe getragen habe.
Schiller sagte, außer einem Familienfeste, wo aber viele in der Wohnung seiner Schwiegermutter gewesen seien, sei er nie zu einem besonderen Mittagessen mit seiner Frau gewesen, Handschuhe hätte aber bestimmt nie ein Dienstmädchen in seiner Anwesenheit getragen.
Er sei einmal einige Zeit bei seiner Schwiegermutter gewesen anläßlich einer militärischen Uebung in Dresden, da sei aber seine Frau und seine Kinder 441 immer bei der Münchmeyer gewesen. Ein extra Mittagessen mit weißen Handschuhen sei ganz bestim̅t ausgeschlossen!
Ich dankte dem Herrn in warmen Worten für seine ehrliche Auskunft und sagte ihm, mit der Wahrheit komme man immer am weitesten
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und ich hätte es von ihm, einem akademisch gebildeten Manne nicht anders erwartet. Wäre seine Schwiegermutter ebenso offen und ehrlich zu meinem Manne gekommen, wie ich zu ihm, wäre der ganze schauderhafte Prozeß längst zum Ende gekommen.
Nun änderte sich aber das Wesen des Mannes. Er merkte, daß er einen Fehler begangen hatte, indem er eine Sache eingestanden hatte, die für mich von größter Wichtigkeit war. Er wurde ungehalten und sagte, er wisse gar nichts von dem Prozeß, es sei aber eine Schande, daß seine edle Schwiegermutter so schändlich behandelt werde, von Fischer und meinem Manne. Ich sagte zu ihm, daß sogar Fischer in mir den Gedanken, zu ihm zu gehen angeregt habe und ich froh sei, ihn ausgeführt zu haben, denn nun hätte ich Klarheit und wenn seine Schwiegermutter ebenso offen und ehrlich handelte und sich nicht in schlechten Händen befände, wäre der Prozeß längst aus der Welt geschafft.
Jetzt brach er aber los, ob ich damit sagen wolle, daß seine Schwiegermutter unehrlich sei? Ich zuckte die Achseln - Herr Dr. Schiller wies mir die Thür!!!
Zum ersten Mal im Leben hat man mir die Thüre gewiesen. Ich war außer mir darüber. So sah der Herr Akademiker also in Wirklichkeit aus. Er sagt zwar die Wahrheit, doch darf sie ihm nicht Schaden bringen, sonst sagt er sie jedenfalls lieber nicht.
Mein guter Mann beruhigt mich. Ich solle doch nicht alle Akademiker für bessere Menschen halten. Ein Mann, der sich eine Kolportageprinzessin nimmt und noch dazu solch eine, der jede Nacht die Hände gebunden werden mußten, damit sie nicht Onanie treibe, ihr Körper war wund davon und alle Welt wußte es, wie entartet die Münchmeyerschen Mädchen waren, er mußte es also auch gewußt haben. Und dieser Herr Doktor Schiller nimmt solch ein Geschöpf, des Geldes wegen, was die alte Münchmeyer übrigens auch ihrem Manne gestohlen hatte. Solch ein Mann giebt sicher mehr auf Geld als auf Wahrheit, sagt sie jedenfalls nur, wenn sie nichts kostet.
Das leuchtete mir ein. Ich beruhige mich nun darüber. Aber rausgeworfen hat mich nun doch nun ein Mensch.
Gegen der Erde Leid giebt es keinen anderen Trost, als den Sternenhimmel 442.
Schwester der Münchmeyer 443 aufgesucht, hat Angst - - - .
Außig 444, Koniggrätz 445. Was ist die Münchmeyer für ein Schandweib: Es ist zu viel Schmutz - wenn die Richter da hinein sehen könnten - - - . Aussagen all ihrer Bekannten.
22.4.04 Zwickau, Hôtel zur grünen Tanne 446, Gustav Müller 447, Nordstr. 13 Die Münchmeyer ist das gemeinste Weib was es nur geben kann, die schwört 10 Meineide, wenn es nur Geld bringt.
Dienstag d. 10 Mai
Sascha Schneider war hier. Wir sollten aus seinem Leben die erste Freude miterleben.
Er ist Professor 448 geworden. Wir freuen uns unendlich darüber.
Schneider sagt. Nun wollen mich Alle haben, aber im tiefsten Elend war es nur Old Shatterhand, der mir die Hand reichte, das werde ich Ihnen nie vergessen.
Die lieben Leutnant Rabes 449 senden einen besonderen Ostergruß 450 diesmal und schreiben:
Wer dies und das vom Künstler hat gelesen,
Glaub nicht, daß er den Mann drum kennt,
Die Werke sind die Zinsen nur gewesen
Vom Kapital, das Herz und Geist man nennt.
ist als Stadthalter nach Ostafrika gekommen
(späterer Bleistift-Zusatz)
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Pfingstsonntag d. 22 Mai
Ein herrlicher Tag. Liebe Menschen. Künstler sind doch andere Wesen als diese sogenannten gebildeten Menschen. Einer gleicht dem Anderen, aber die Schablone der Schule und der Universität haftet allen an. Sie kommen mir vor, wie zugerittene Militairpferde; nur hat jeder eine andere Nummer, und so und so viele gehören zu der Kompagnie und so und so viel zur Anderen. Der geistige Horizont ist immer der Gleiche. Sie verstehen ein wenig latein, ein bischen griechisch, davon können sie aber keinen Gebrauch mehr machen, es hängt ihnen wie Fetzen am Körper, ein Ganzes ist es nicht. Dann kommt ein bunter Federstutz, da ist die Geschichte, Literatur Philosophie gemeint, nun kommen noch Trodeln und Quasten, damit spielen sie beständig, es ist ihr Beruf, damit wird jeder, der sich ihnen naht, bepinselt. Mir machen diese Leute in der Gesellschaft von Künstlern einen recht armseligen Eindruck. Alles an ihnen ist gemacht, gewollt, ist Schablone.
Freiherr von Welk 451 muß auch dieses Empfinden gehabt haben, als er mir sagte: Der Name Karl May ist mehr werth, als der Herdentitel Doktor. Doktor kann jeder werden, Karl May keiner sein, als nur der Eine. Seien Sie stolz auf diesen Namen.
Er hat Recht. Damals war ich nicht mit Welk einverstanden, heute fühle ich es, nach solch einem Tag reichster Anregung.
Am 4 Juni verkauften wir meine Villa auf der Gellertstraße für 35.000 Mk. 452 gegen baar, an Dr. med. Atenstädt 453.
Herzle stiftete aus diesem Anlaß am selben Tage 300 Mk. 454 für ein Asyl für Obdachlose. Das Geld erhielt der Vorstand Werner 455.
Am 7 Juni beginnt unser lieber Schneider Herzle zu modelliren 456.
Am 8 kam Frau Major Schnackenburg 457 mit Frau Regierungsrath 458.
Ein jedes Band, das noch so leise
Die Geister aneinander reiht.
Wirkt fort auf seine stille Weise
Durch unberechenbare Zeit
Es sind herrliche Tage jetzt immer mit Schneider. Es macht mir so viel Freude, daß meine Idee, den Schuppen in ein orientalisches Zelt zu verwandeln, ihn so riesig freute. Von nun an wird im Orient orientalisch Kaffee getrunken. Der große Koffer voller Sachen, zu dem mir Richard 460 in Kairo das Geld gab, kommen nun doch noch zur Geltung und ich glaube hier besser, als wenn ich sie trüben für die Veranda verwendet hätte, wie es meine Absicht war.
16 Juni Zeugenvernehmung in Sachen Münchmeyer 461.
Der gute Meißner 462, ich war auf Bitten seiner Frau mit im Carola-Haus und holte ihn im Wagen ab. Der liebe gute Mensch. Er sagte: Frau Dr. ich werde nicht sterben, bevor ich Ihrem Manne zu seinem Recht verholfen habe, wenn mich auch Fischer dafür einsperren lassen will.
Das Einsperren ist Unsinn, sagte ich ihm, wenn Sie die Wahrheit sagen, kann kein Mensch Sie einsperren.
Meißner sagt, wir seien die ersten Menschen die ihn lieb behandelt hätten. - Komisch, seine Frau thut doch auch sehr lieb, er ist aber immer kurz zu ihr.
Wir trafen auf der Straße mit Vogtländers 463 zusammen. Die guten Menschen waren erst im Hauptgebäude gewesen. Das Treppensteigen hatte den alten Mann sehr angegriffen. Es ist gut, daß Vogtländer kam. Er ist der Hauptzeuge, sagt Karl.
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Unsere Scheitana aus Weimar wird auch erwartet. Ich soll nicht mit ihr zusammen,kommen sagt Karl, und ihr unter allen Umständen aus dem Wege gehen. Ich habe sie gar nicht zu sehen bekommen, weil ich den armen, kranken Meißner wieder mit ins Carolahaus brachte.
Frau Meißner heftete sich an mich. Die Frau ist recht überschwänglich.
Herzle ist mit den Zeugenvernehmungen einverstanden und glaubt, daß sich nun ein klares Bild ergeben haben wird. Voigtländer war der Hauptzeuge. Das ganze Lügengewebe der Müchmeyerbande soll er gerissen haben. Herzle sagt, nun müßten die Richter klar sehen. Gott gebe es! Nur diesen furchtbaren Prozeß erst hinter uns haben. Hätte Emma damals Karls Briefe nicht verbrannt, war der Prozeß lange aus, denn aus den eigenen Briefen dieser Bande hätte sich Alles ergeben, sagt Karl. Wenn ich daran zurückdenke, wie vergnügt Emma an dem Abend zu uns kam und mir mittheilte, sie habe alle Briefe von diesen Münchmeyers verbrannt, nur den nicht, wo er sie einen Engel nenne. Münchmeyer hätte Emma sehr geliebt und sei ihr nachgelaufen, wie ein laufiger Hund, Karl hätte aber immer aufgepaßt wie ein Spitzbube. Sie könne mir nicht sagen, was es ihr für eine Wonne gewesen sei, wenn Karl brannte vor Eifersucht. In diese Zeit fällt es auch, wo sie freudig zu mir kam und sagte: Mausel, ich habe heute meinen Trauschein zerissen und in den Ofen gesteckt. Als ich ihr Vorwürfe darüber machte und ihr unverholen sagte, was ich davon dachte, lachte sie und sagte, ach was, meine Ehe mit Karl war nie eine Ehe. – –
Ich wollte Emma damals nicht zu nahe treten. Möchte es auch heute noch nicht, man beschuldigt nicht gern leichtsinnig einen Menschen. Aber heute fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Karl muß namenlos gelitten haben. Gott gebe mir Kraft , ihn vergessen zu machen, was er litt, ich will ihm helfen und beistehen, wo und wie ich kann. Abendsonnenschein soll er wenigstens haben.
Da fällt mir der schöne Spruch ein
Bewahre Dir nur selbst die Treue,
Dann wird der Schmerz auch edle Seelennahrung
Und quillt aus Leid und Tat die Offenbarung,
Wie innres Wachstum ewig uns erfreut. 464
Am 4 Juli Herzliche Geburtstagsfreude mein gutes Mietz (rau Grund 465) kam unverhofft. Sie blieb bei uns. Am 5. gingen wir nach Friedewald 466, um für sie Sommerwohnung zu miethen. Auf dem Wege dorthin sprach sie über Emma. Sie sagte mir, diese habe ihr gesagt, für sie gebe es nur ein Ideal auf der Welt und das hieße ihre Freiheit! frei sein, um jeden Preis! Genau dieselben Worte, die sie uns hunderte von Malen gesagt hatte: Mausel, ich will frei sein, nur keinen Kerl am Halse, ich will machen können, was ich will!
Am 8 waren unsere Beiruter Freunde, der Apotheker Heine u. Frau 467 hier, mit den jetzigen Inhabern unserer Fabrik (späterer Zusatz: Honymus 468). Liebe Menschen. Es war ein schöner Tag. Alte Erinnerungen wurden aufgefrischt. Es war kein so hoher, ich möchte sagen, heiliger Tag, wie mit den Künstlern, aber unendlich anregend war es doch. Man hatte so viel auszutauschen, was man kannte und liebte.
Hölderlin 469 gelesen:
O ein Gott ist der Mensch wenn er träumt, ein Bettler wenn er nachdenkt. 470
So erschließt sich im Geheimniß der Liebe das Geheimniß der Welt. Sie führt in den Olymp des Göttlichschönen, wo aus ewig jungen Quellen das Wahre mit allem Guten entspringt. Kunst aber, Philosophie und ReligionsindnurverschiedeneAusdrucksmittel
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für diese Erfahrung daß Schönheit der Urquell des Lebens ist. Die Kunst ist ihre erste Tochter. Die zweite die Schönheit ist die Religion. Religion ist Liebe d. Schönheit. Denn das Schöne ist auch das Heiligste.
In diesem Satze giebt Hölderlin genau den Gedankengang Karls wider, den er Schneider, Kreis und Werner entwickelt hatte. Ich glaube nicht, daß Karl diesen Gedankengang Hölderlins kennt. Man sieht aber hier wieder, wie sich göttliche Wahrheiten im Genie immer in gleicher Weise spiegeln.
Von Karl habe ich folgende Bände jetzt im Zusammenhang noch einmal gelesen: Bd. 10. 11. 12-13. 14-16 471. Seite 396.
Ich habe zuweilen geträumt ich könne fliegen u.s.w. 472
Diese Stelle und dann über seinen Glauben sind wundervoll. Ich habe bei solchen Stellen oft das Gefühl, als ob ich niederknien müsse, und beten. Gott danken, daß er mich der Gnade theilhaftig werden ließ, an der Seite dieses, seines mir heiligen Werkzeuges stehen zu dürfen.
Wie verstehe ich die unendliche Liebe der Leser, die ihren Gefühlen in so vielen tausenden von Briefen Ausdruck geben!
nun 7 – 9. Winnetou.
4.7.04 Am Jenseits beendet 473. Der Münedschi 474 gefällt mir auch heute noch nicht. Er hat keinen Boden unter den Füßen. Bei mir müssen die Menschen der Erde auch fest auf der Erde stehen. Merkwürdig. Dr. Schurtz 475 hielt dieses Werk, als es damals 476 herauskam, für Karls beste Arbeit. So hoch mir auch des guten Dr. Urtheil steht. Hier kann ich ihm nicht beipflichten.
Am 3.7. waren wir mit Frl. Schneider 477 bei Dr. Klenke 478. Mir wird die ((radiert!), feingebildete Schwester Schneiders ((1/2 Zeile wegradiert)) - - - - - - . Es ist ein tolles ((statt ‘tolles‘ vorher ein anderes Wort – wegradiert!)) Wesen. Ich muß ihr helfen. Sie muß Sonnenschein erhalten . ? ? ? ((? = original))
Der französische Philosopf Pascal 479 schrieb folgendes seinem Hund auf dessen Grabmonument:
Plus je vois les hommes
Plus jaime mon chieu 480
Wenn ein Philosopf so weit kommt. - - -
20 August
Mit meinem Herzensmann im Figaro 481
Die Musik war herrlich. Für mich ist Mozart die Quelle der Liebe, der Freude am Schönen. Die Wedekind 482 sang die Gartenarie einfach himmlisch.
Das Libretto aber paßt mir nicht zu solcher Musik.
An 4 October, Abends 10 Uhr fuhren wir nach Leoben schöne frohe Tage verlebt 483 Viel, viel Liebe gefunden.
24.10.04 Donauwörth 484. Daran werde ich denken, solange ich lebe.
Karl wurde wie ein Fürst im Cassianeum empfangen. Feierliche Ansprache der Lehrer im großen Saale. Dann dankte Karl in langer Rede die einen Sturm der Begeisterung hervorrief. Die Lehrer dankten wieder durch den Direktor der Anstalt 485. Dann wurde ein dreifaches Hoch auf Karl May ausgebracht, was aus den vielen Kehlen der begeisterten Schüler und Lehrer wie ein Donner erscholl. Die Fenster des Saales klirrten. Mir lief es kalt über den Rücken, vor Erregung. Solch eine Ueberfülle von Liebe hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen.
Mich hatte dieser Vorgang erschüttert.
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So war es jedenfalls auch damals in Wien und München, wo man Karl wie einen Gott feierte. Wie ganz anders hatte es aber auf Emma gewirkt. Sie fülte sich als Fürstin, da man ihr fürstliche Ehren erwies. Ich werde immer kleiner. Fühle mich von Tag zu Tag geringer an Karls Seite.
Nürnberg 486. Keinem Menschen gesagt wer wir sind. Es sind zu viel Freunde da. Herzle fürchtet, der Triumpfzug könne wieder beginnen, er wolle es ja nicht.
Frankfurt 487.
Nauheim. Hôtel Reichshof 488. d. 26.10.
Nur einen Freund da besucht, den lieben Baurat Dr. Eser 489 ((späterer Zusatz: Geheimrat geworden)). Unbeschreiblich liebe Menschen. Der gute Rat ließ Photographien aufnehmen von uns Allen.
Der Bürgermeister von Mainz mußte kommen. Eser und Gättelmann 490, der frühere Regierungsrat, der die prachtvollen Briefe schrieb, die in der Brochure auch mit veröffentlicht sind, sind die ältesten und treuesten Freunde mit. Beide hatten auch damals von der Reise etwas mitgebracht erhalten ((späterer Zusatz: Wasserpfeifen)).
Es waren herrliche Abende. Gättelmann ist eine ganz hervorragende Natur. Keineswegs ein Durchschnittsmensch. Ihm merkt man die Schablone nicht an, er hat eigene Formen. Dr. E. ist ein prachtvoller Bayer. Ehrlich treu und - grob. Sein liebes, freundliches, stilles Frauchen nennt er scherzhaft Schandweib. Als ich es zuerst hörte, bekam ich einen Schreck.
Montag früh 8 1/2 Uhr Abreise von Nauheim. Der gute Rat sollte nicht zur Bahn kommen. Wir hatten es extra abgemacht, noch in der Nacht vor unserer Thür, wohin er uns brachte. Er war aber doch da, mit einem prachtvollen Rosenbuschen.
Nachmittag gegen 4 Uhr Weimar
Eprrinz Zimmer No. 10 491, sehr schlecht und unverschämt theuer. wir gehen nie wieder hin.
Von 5 Uhr an mit unseren lieben Schneider beisammen Lieber, heiterer Abend. Schneider freute sich riesig. Er hatte sich frei machen müssen, da er schon eine Einladung für diesen Abend angenommen hatte.
Dienstag gings heim. Unsere Scheitana sahen wir zum Glück nicht. Möge es uns vergönnt sein sie nie mehr zu sehen.
Die Freude daheim zu sein wurde uns da durch einen abscheulichen Artikel im Anzeiger getrübt. Nun beginnt der furchtbare gemeine Kampf von neuem. ((späterer Zusatz: Gerlach 492 Arbeit.))
Sonnabend d. 5.11. Termin mit der Münchmeyer.
Mein Herzensmann wird dadurch immer wie aus seinen Himmel herausgerissen. Es dauert Wochen, ehe er sich wieder in seinem lichten, reinen Reich zuhausefühlt.
Montag d. 7. wieder Termin. Wenn es doch nur immer so schnell hinter einander ginge.
Früh Besuch im Dresdner Journal, sehr gut. Der Herr Hofrath 493 küßt mir die Hand und führt uns selbst zur Treppe.
Malkowsky 495 war schauderhaft. Er verdarb das Stück gründlich.
Traurige Tage. Was vermögen doch diese Colportagemenschen mit Gerlachs Hilfe! Es können nicht Menschen sein. Es sind Teufel. Nun sie sehen, die Wahrheit kommt an den Tag - trotzdem von unserer Scheitana alles belastende Material vernichtet wurde - nun machen sie ihre Drohungen wahr: Maywirdkaputgemacht, wennerklagt.
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Die Kreatur Lebius 496 ist von den Feinden gewonnen. - Wer am meisten zahlt, hat uns. Sie haben ihn. Nun führt er Karl Mays geistige Hinrichtung aus. Mit den gehäßigsten Lügen brachte diese Kreatur Karls Bestrafung in die Öffentlichkeit.
Diese Weihnachten sind die furchtbarsten Tage meines Lebens. So habe ich nicht gelitten beim Tode meines Richard, wie hier, wo ich die stummen Qualen Karls sehen muß, ohne helfen zu können, selbst gebrochen an Leib und Seele. Tag und Nacht finden wir keine Ruhe. Karl ist der Betrogene, Bestohlene und nun wird er auch noch zu Tode gemartert!
Diese Qualen sind übermenschlich. Mein Gott, erlöse uns!
Rudolf 497 sagt. Es sei bei allem Bösen auch Gutes. Durch die letzten Vorkommnisse liege nun die ganze Prozeßaffaire klar zu Tage. Der Staatsanwalt wird hier sehr bald ein Ende schaffen und dadurch kommt alles zum raschen Ende. Lebius Handlungsweise könne in diesem Falle nur als ein Glück betrachtet werden.
Wer mag nur der gewissenlose Mensch sein, der damals auf Gerlachs Schliche einging und die Akten herbeizog? Diese eine, gelinde gesagt, leichtsinnige Handlung bricht uns das Herz, raubt uns Ruhe und ich fürchte, den Verstand.
Lebius ist dem Staatsanwalt übergeben, Nun muß es ja gut werden. Hier können unsere Gegner nicht mitreden und der Staat sucht sich doch nur das beste Menschenmaterial auf für den Richterstand. Ich habe volles Vertrauen, denn das Gute und Wahre ist auf unserer Seite. Wir wollten nie Böses.
Am 29.12. war der Redakteur der Rundschau 498 hier, erstellt uns seine Zeitung zur Verfügung.
Ein Jahr ging zu Ende. Die erste Hälfte war lieber, lichter Sonnenschein. Friede auf Erden entstand in friedlicher Stille. Unendliche Liebe verschönte diese schönen Sommertage. Bei uns und in uns war Himmelsfrieden. Sobald uns dieses liebe Buch verlassen hatte, begann der erbarmungslose Kampf. Nicht ein Kampf um Wahrheit und Recht, sondern ein Kampf um Geld durch Gemeinheiten.
Mein Herzensmann hat nie nach dem Geld dieser Kolportagefabrikanten getrachtet, und wir beide würden auch heute keinen Pfennig von diesem Sündengeld anrühren. Es muß den Bestohlenen zurückgegeben werden, der Armut, der es geraubt wurde. Auch unsere Stiftung 499 darf damit nicht befleckt werden.
Mir ist so todestraurig zu Muthe. Möchte Gott uns doch von diesen Leiden erlösen. Heute, am Schlüsse des Jahres, kann ich nicht froh hoffend in die Zukunft schauen. Ich habe das Empfinden, daß die Hölle auf Erden doch mächtiger ist, als der Himmel.
Der Himmel scheind nur geduldet zu sein, wohnt er still verstekt im Winkel und wagt nicht hervorzutreten. Wehe, wehe ihm, wagt er sich zu weit vor. Tausend Fäuste sind zur Vernichtung bereit.
Weihnachten sprach März 501 davon, wie der Kritiker Rellstab 502 in Wien den Liederkomponisten Schubert 503 so lange gepeinigt habe durch schlechte Veröffentlichungen über Schubert, bis dieser sich das Leben nahm. Nach diesem Rezept würde mit allen großen Geistern verfahren, nur der wahrhaft Große ertrüge diese Anfeindungen und ginge aus ihnen hervor. Um die Anderen aber, die im Kampfe zerbrechen, sei kein Schade. Sie hätten keine göttliche Kraft in sich.
Es sollte mich trösten. Ueber die Gemeinheiten und Verbrechen der Kolportagebande und ihrer Kreaturen hinweg helfen. - - -
Die Erfahrung leuchtet dem Menschen wie die Sterne, erst am Abend.
20 Februar Vernehmung beim Staatsanwalt 504 wegen Fischer. Es hat mich furchtbar aufgeregt. Die ganze Qual wirkte wieder auf mich. Dann machte es mich betreten, daß da solch ein junger Mensch saß. Was versteht solch ein junges Menschenkind von dem furchtbaren Weh, daß uns angethan wurde. Ich hoffte, einen alten, erfahrenen Mann zu finden.
21 Februar. Werners 505 Abschiedsfeier für seine Italienreise. Nun kann sich der liebe Werner schon eine Reise gönnen. Wie doch Karl Recht hatte, als er Werner mit der Gruppe betraute und nicht, wie ich durchaus wollte, Klinger 506. Wir ebnen einem werthvollen Menschen den Weg, sagte Karl. Wie er nur in all seinem Leid das Wohl Anderer im Auge haben konnte! - Ich bin nicht so stark im Leid. Will aber an ihm lernen.
Kreises 507 ((späterer Zusatz: ist Direktor der Akademie in Düsseldorf geworden)) sind zu liebe Menschen. Ich glaube, Kreis wird auch noch sehr viel erreichen in der Welt. Von ganzem Herzen wünsche ich es ihm.
Die Blumen von Emma zu Karls Geburtstag litt er nicht in seinem Zimmer. Die ebenfalls von ihr gespendeten gebackenen Birnen in den Kinderhort gegeben.
Sie soll mit Frl. vom Scheidt in Dresden sein. Die alte gute Tante Anna 510 sagte es uns heute. Werde Herzle gar nichts davon sagen.
Herzle schenkte Schneider 4.000 Mk. 512 Der Arme muß aus seinen Sorgen heraus.
Freitag d. 10 durch Geheimrath Schuchs 513 Güte Billets zum Postillon v. Loigameau 514 mit Bötel 515 als Gast. Sehr gut.
Sonntag wieder durch Schuchs Billets für die Traumtänzerin Magdeleine G. 516 Schuchs Klavierspiel gefiel mir mehr, als die Tänzerin. Ich halte das Wort Traum hier für überflüssig.
Kreises 517 getroffen ((späterer Zusatz: ist die Münchnerin!))
Die Gemeinheiten unserer Gegner töten mich. Ich kann nicht mehr und will doch Karl meine Qualen nicht merken lassen.
Scertain 521 is vice or crime, to bring its own punishment in this life, that on((später korrigiert: won)) 522 my 523well question if any other hell is needed. 524 ((später: ?))
Darauf hoffe ich.
Habe mein Englisch wieder aufgenommen. Ich muß arbeiten, damit ich mir über meinen Kummer weghelfe.
Montag d. 1 Mai kam unser lieber Dr. Weigl 525.
bis zum 5. hiergeblieben.
Osterberg 526 Meißen.
Dr. W. 527 war bei Lahmann 528, dort ist die Scheitana
Moritzburg.
6 529 Terimin mit Fischer. Das Gift kommt schon wieder an uns heran
1 Juli
Unser lieber Schneider hier für ein paar Tage. Herrliche Stunden.
Herbe Leidenstage, aber stilles Glück daheim. Frohe Hoffnung auf den Sieg des Guten erfüllen uns wieder. In der Arbeit finden wir unser Gleichgewicht wieder.
28-31.10 Dr. Weigl hier.
Schöne Tage. Herzle leider erkältet
16.11. unser lieber Schneider hier
21.11. Professor Dr. Werner 532 aus Leipzig hier. Ein lieber Herr, hoch und edel. Ein schöner Mann an Geist und Körper, dabei unendlich lieb.
Hätte ich Sie gekannt, bevor ich die Vorrede schrieb, sagte er, sie wäre besser ausgefallen. Mein Freund Schneider hat mir viel liebes von Ihnen gesagt, doch dennoch nicht genug.
Er war auch als Professor an der Universität in Heidelberg. Als er seine Werke über Kirchengeschichte schrieb, hat er sich zuerst mit Karl beschäftigt. Er konnte nicht fassen, wie man überhaupt gegen einen Karl May vorgehen kann!
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Freitag den 1 December soll eine Berührung stattfinden mit unserer Bestie in Weimar 533. Ich konnte ihr nicht entgehen. Das Weib war erst abscheulich. Mich ekelte vor ihr. Sie ist noch genau wie sie war. Möchte wissen, ob sie ihren Schwindel selbst glaubt. Sie wühlt sich förmlich in ihrem Blödsinn herum. Als ich auf gar nichts einging, kalt und ruhig blieb, wurde sie auch vernünftig. Sie sagte: Ich habe es eigentlich besser als Du. Ich bin frei. Aber das Alleinsein ertrage ich nicht.
Ja, nicht alleinsein, jemanden haben, den sie peinigen und quälen kann. Wie auch Frau Kößler 534 damals schrieb. Solch ein törichtes Wesen, wie ich war, wird sie jedenfalls nicht wieder finden. Wie lange habe ich unter dem Bann dieser Frau gestanden. Nun scheine ich aber ganz frei zu sein. Sie ist mir ganz gleichgiltig.
Karl traut mir nicht. Er sagt, wäre ich nur eine Stunde mit ihr allein, hätte sie mich wieder fest. - Das glaube ich aber nicht.
Einen herrlichen Weihnachtsgruß brachte uns die Nummer der Leipziger Illustrirten Zeitung vom 21.12.05.
Ein wenig Sonnenschein nach all dem bitteren Leid.
1906
Die Liebe der Leser ist uns geblieben. Neujahr legt Zeugnis davon ab.
Montag d. 5 Februar haben wir auch in zweiter Instanz den Münchmeyerprozeß gewonnen 535.
Gott sei tausend Dank!
Aber freuen können wir uns dennoch nicht. Die Leiden waren unmenschlich. Wenn Recht nur durch solche Qualen erkämpft werden kann, wie wir sie durchzumachen hatten, dann will ich doch lieber auf dieses Recht verzichten, zumal die ebensogroßen Schurken Fischer und Lebius frei ausgingen, wie durch ein Wunder. Alle, die die Sachlage kennen, stehen hier vor einem Räthsel.
25 Februar. Herzles Geburtstag.
Am Haupttage waren wir mit Blumen überschüttet. Diese lieben, lieben Menschen. Gott segne Alle tausend tausend Mal.
Frl. Barchewitz 536 schickte eine Festzeitung. Sie erhielt am 1 April folgende Antwort mit Blumen aus dem heiligen Lande, die Herzle dort gekauft hatte:
Des heilgen Landes Blumen send ich Dir,
Der frommen, herzig lieben Menschenblume.
Der Himmel duftet oft und oft schon hier,
Und wenn ersrs thut, sei es dem Herrn zum Ruhme.
Sie starben, um in Deine Hand zu gehen;
So stirb auch Du, doch nur für Gottes Hand,
Und dieses Sterben sei ein Auferstehen
Schon hier, schon hier, im heilgen Erdenland! 537
Ostern 1906.
May
Der 4 Juli, mein Geburtstag, war ein furchtbarer Tag für mich. Wieder ein Lebiusartikel über Karl 538. Giebt es da gar keine Rettung? Ist man ohne jeden Schutz?
Womit haben wir solche Folter verdient? Gerungen haben wir nach dem Guten, und das Böse siegt doch. Noch einmal zum Staatsanwalt gehen? Diese Leute lesen jedenfalls gar nicht, was man schreibt, denn sonst mußte damal Lebius gefaßt werden. Die Beweise gegen diesen Schurken lagen doch auf der Hand.
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1907
Nach langer Pause.
Am 28 539 war der Direktor der Univa hier Lehmann 540.
Er bat Herzle von neuem um Werke.
Am selben Tage Dr. Dietz 541 aus München bei uns zu Tische. Will mirs merken.
Sonnabend den 30 März kam Abels 542. Bis zum 9 April hier. Wir nützten diese Zeit, indem wir schone Partien machten da das Wetter günstig war.
Könnte man diesem Manne dankbar sein. Er scheint sehr vermögend zu sein.
Winkler 543 schreibt Sonntag d. 7 April starb Fischer 544. Wir hatten es schon in der Zeitung gelesen. Eine unsagbar niedrig denkende Kreatur endete.
22 Mai nach Salzbrunn 545 ((späterer Zusatz: - zum 5 Juli 1907))
Bei den lieben Damen Barchewitz 546 Wohnung genommen in Villa Belveder.
Arzt Geheimrat Dr. Nitsche 547, Leser, lieber Herr. Er dankte Karl für das viele Gute, was er durch seine Schriften den Menschen insbesondere der Jugend gegeben habe. Seine Kinder sind begeisterte Anhänger. Er freute sich offenbar ehrlich, Karl behandeln zu können.
Die Kur bekommt meinem guten Manne. Die Schwäche ist aber doch groß. Er wollte so viel arbeiten, kann aber nicht. Es freut mich. Die Abwechslung hier thut ihm auch gut. Alles liebe Menschen. Die Abende mit dem Superintendent 548 und dem Kaplan sind sehr gut. Die Anderen sind nur Zuhörer, haben wenig eigenen Geist.
Vom 2 Juni an besuchten wir im Kurtheater folgende Vorstellungen:
Husarenfieber 549, zum zweiten Mal. Damals in Leipzig war es besser vorgeführt. Wir waren aber zu kaput.
Der Probekanditat 550 v. Max Dreyer (schlechtes Stück.)
Der Salvutyroler 551 v. Moser
Unsere Frauen 552 & Schönthau.
Die schöne Ungarin 553 v. Neustädt u. Weller (du̅mes Zeug)
Alt Heidelberg 554 nbsp; mit unseren Damen 555.
Der Veilchenfresser 556 v. Moser.(auch nett gegeben)
Das Glashaus 557 v. Blumenthal (nicht schlecht)
Heimat 558 Sudermann
Ein idealer Gatte 559, Wilde ganz unzulängliche Kräfte für solch ein Werk.
Sherlok Holms 560 Conan Doyle, (aufregend)
Er und seine Schwester 561 v. Krêu u. Schönfeld. (Unsinn)
Zwei glückliche Tage 562 Schönthau u. Kadelburg
So leben wir 563 Leon Leipziger (schauderhafter Quatsch)
Johannisfeuer 564 man muß Sudermann oft sehen, dann kommen immer neue Schönheiten zum Vorschein. Jedenfalls seine beste Arbeit.
Mein Leopold 565 sehr gut.
Fritzchen 566Sudermann. Die Wolzogen 567 mit ihren Liedern.
Die Neuvermählten 568 v. Björnstjerne Björnson ausgezeichnet!
Frau v. Wolzogen noch einmal.
Frau Direktor Evers 569 gab mir einen herrlichen Rosenstrauß der Abschied war rührend. Alle Künstler kamen. Wir hörten, daß man sonst immer gewartet hatte, bis Karl May auf seinem Platz saß. Nun mache ihnen das Spielen keine Freude mehr. Für ihn hätten sie so gern gespielt.
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Waren diese Menschen alle lieb. Wir kamen erst um 1 Uhr heim. Die Herrschaften hatten uns erwartet. Es war ein feierlicher Abschied geplant, der durch unser langes Ausbleiben vereitelt wurde. Es war auch so übergenug für uns gethan worden. Das prachtvolle Abschiedsdiner in dem herrlich hergerichteten Speisesaal werde ich nicht vergessen. Wir saßen ja wie ein Brautpaar auf unseren Blumenstühlen an der herrlich dekorierten Tafel. Und die lieben Widmungen. So viel Liebe haben wir nicht verdient. Auch alle Gäste brachten Blumen zum Abschied. Mit unserem Wagen hätten wir zum Blumenkorso fahren können.
Am 3 Juli fuhren wir per Wagen bis Johannisbad 570, über Grüssau 571, wo wir den Altar der schönen Kirche mit einem Theil unserer prachtvollen Blumen schmückten. Frau Obersts Iris kamen unter das Marienbild. Der Küster hatte sie in Wasser gesetzt.
Es war eine arg lange Fahrt und recht kalt war es in den Bergen auch.
In Johannisbad wohnten wir im Reichsapfel. Der Wagen mußte da über Nacht bleiben
Herzle wurde leider auch dort sofort erkannt. Es gab einen förmlichen Auflauf am Morgen. Ich hatte zu thun, mein Herzle fort zu bekommen.
Mit unserem Führer ging es nun in die Berge. Leider mein guter Mann erkältet. Ich dachte es mir schon, es war zu kalt im Wagen.
Schwarzwassergrund 572
Schwarzschlagbaude 573
Fuchsbaude 574
Wiesenbaude 575
Riesenbaude 576
Koppe 577 am 4 Juli erreicht 578.
Schauderhafte Betten, schauderhafte Nacht. Herzle krank.
Dennoch runter Wiesenbaude 579, Weißwassergrund 580, Spindelmühle 581 von da Wagen nach Hohenelbe 582.
Reinfall. Schauderhaft.
Von Hohenelbe per Wagen über Rochlitz 583 ( ? Eberhardt) ((? = unleserliche Abkürzung)) neue Welt, Josephinenhütte 584 nach Schreiberhau 585 im Reifträger 586 gewohnt. Herzle recht schlecht. Dennoch zum Zackenfall 587 u.s.w. dann per Wagen nach Agnetendorf 588; Hauptmanns 589 Villa angesehen. Hermsdorf 590 , Kynast Warmbrunn 591, Hirschberg 592 und mit der Bahn heim am 8 Juli angekommen.
Von Salzbrunn aus besuchten wir noch per Wagen und zu Fuß die ganze Umgebung
Am 29 Juli unser guter Abels 593 hier. Es paßt recht schlecht, Herzle ist noch immer im Bett.
Am 3 August früh 1/2 3 Uhr meine liebe, liebe Zessie 594 gestorben, mein Liebling. Mein Sonnenscheinchen in so vielen schweren Jahren meines Lebens.
Im Mai 1892 kam das liebe, liebe Geschöpf zu uns 595 und im August 1907 starb sie. Also 15 Jahre alt.
Am 15 August war Herr von Oczoroczy 596 hier. Er will durchaus ein Werk über Karl schreiben. Herzle will auch wieder nicht. Er wurde böse. Man solle ihn in Ruhe lassen. Alle diese Schreiberei bringe ihm nur Schaden.
v.O. scheint aber ein Starrkopf zu sein.
Os Wahlspruch ist:
Schaff als ob des Lebens Rot
Nie von Deinen Wangen schwände,
Aber leb, als ob der Tod
Schon vor Deiner Türe stände
Ein interessanter Druckfehler.
Chavacci 598 schreibt über Ganghofer 599, er nennt ihn einen blonden Allgäuer, der Drucker aber setzt ein blinder Aasgeier.
Hetty Heide 601 hier mit ihrem Gatten Evald Sylvester 602.
Liebe Menschen. Die Frau ist entzückend, die gefällt mir noch besser, als damals bei mir. Ihr Gatte berichtet interessant über das Münchner Künstlerleben. Die Herren Kollegen müssen wirklich famose Menschen sein.
Montag, d. 2 September nach Berlin
Besuche erledigt
Am 8 October 1907 Ende des furchtbaren Fischerprozesses. Wie dankbar bin ich dem Leiter der Geschicke, daß ich diesen Prozeß hinter Karl liegen sehe. Er wollte nicht auf einen Vergleich eingehen. Ich habe ihn aber in der Verhandlung, der ich zum Glück beiwohnen durfte, innig gebeten, doch auf einen Vergleich einzugehen; er wisse doch, wie es uns mit dem Strafverfahren gegen diesen Fischer ergangen sei.
Gott sei Dank, es kam zum Ende. Nun ist wenigstens diese Sache beendet. Mit der Münchmeyer muß es doch nun auch schnell gehen. Die muß die Bücher vorlegen, nun mit Fischers Büchern, da kommt der Schwindel an den Tag und der Staatsanwalt muß endlich zufassen.
Von der Staatsanwaltsanzeige gegen Karl haben wir nichts mehr gehört. Was mag Gerlach für eine Absicht verfolgt haben, Karl überhaupt zum Staatsanwalt zu schleppen. Er und das Weib 604 müssen doch wissen, daß hier von einem Meineid keine Rede sein kann. Da steckt eine andere Teufelei dahinter. Aber was?
Jedenfalls hat Gerlach seine alberne Anklage zurück erhalten, denn wie wir ja erlebt haben, faßt der Staatsanwalt nicht zu, selbst wenn er Beweise vorgelegt erhält.
Nun wollen wir wieder mit Ruhe an unsere Arbeiten gehen.
Am 16 d.M. starb auch Frau Fischer 605. Ein furchtbares Gottesurtheil. Mich überlief es eiskalt bei dieser Nachricht.
Diese blühende Frau, die uns beerben wollte, die ebenso wie ihr Mann nicht genug bekommen konnte.
Die Beiden sollen innerlich förmlich verfault sein. Alles verkrebst.
Man sollte doch niemals an Gottes Gerechtigkeit zweifeln. Die irdische Gerechtigkeit fand keinen Anhalt bei Fischer - - - die himmlische fand den Mann, seine Mitschuldige und drückte auch auf die minder dieser Leute mit harter Hand. - - -
Am 17 October früh fuhr ich nach Berlin und kaufte vom Diretor R. Solitander 606, dem Vorsitzenden des Schoßhundklubs, Berlin, Lichterfelderstr. 28I zwei Hündchen 607. Sie sind geboren am
15.5.07
Mochten wir doch diese herzigen kleinen Dinger groß ziehen. Wenn sie nur so alt werden möchten, wie unser liebes Mihuzchen.
Ich zahlte für den größeren Hund 60 Mk. für den kleinen 40 608. Es sind dieselben rassereinen Hunde, wie der von der Frau Schmale 609, Huttenstr. 40. Sie haben einen Vater.
Ich habe mir eine schöne Last ins Haus geholt. Beide Hunde wurden sehr krank. Der große wird besser. Aber wegen des Kleinen
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muß ich noch immer alle Nächte opfern. Ich thue es gern, wenn ich nur das Thierchen erhalten kann.
26.10.
Unsere Lieblinge gesund, aber nun noch Milben. Wir auch.
Freitag d. 8.11. Sinfonie-Konzert 610
Sehr schöner Abend, wir kamen aber sehr spät zu Bett und waren am Morgen des
9 November
noch nicht einmal angezogen, als wir einen Besuch bekamen, wie wir ihn noch nicht erlebt hatten. Ich hatte mir noch nicht einmal das Haar gemacht.
Ein Staatsanwalt 611, ein Untersuchungsrichter 612 und Geheimpolizisten 613 brachen bei uns ein. Sie wollten
Haussuchung
abhalten.
Solch eine furchtbare Aufregung habe ich auch noch nicht erlebt. Ich hatte unsagbare Angst, mein Herzensmann rege sich so auf, daß sein Anfall komme. Gott sei Dank, es geschah nicht.
Aber nun diese Menschen fort sind, sind wir krank. So etwas haben wir nie und nimmer für möglich gehalten. Wir hielten Gerlachs Anzeige für kindisch und glaubten, die ganze Sache sei längst zu ende.
Die Leute nahmen einen großen Berg Sachen mit. Wozu, ist mir unklar.
Der Staatsanwalt drohte Karl damit, daß er es nun nicht verhüten könne, daß seine Bestrafung veröffentlicht werde. Der Mann spricht wie ein Phonograph, in den die Münchmeyerei hinein gesprochen hat. Anderes wollen die ja gar nicht, ich bin überzeugt daß man auch nicht einen Schatten von Schuld auf Karl bringen kann, denn wer Karl kennt, wie ich ihn kenne, der weiß, daß er eher das Leben giebt, als wissentlich einen Meineid leistet, oder Andere dazu verleitet. Beides soll er gethan haben. Wäre es nicht so bitter ernst, würde ich über diese Anschuldigung lachen.
Unerhört aber ist, daß der Mann Emma verhaften will. Wenn der auch so über die hereinbricht, wie über uns, stirbt sie vor Angst. Ich will sie warnen. Möchte auch mal anfragen, ob ich ihr je über den Münchmeyerprozeß geschrieben habe. Der Staatsanwalt frug mich deshalb. Ich sagte nein, ich könne mich nicht besinnen, und nun quält mich der Gedanke, es könne doch möglich sein. Karl sagt, es dürfe keine Unwahrheit gesagt werden, sonst könne man daraus Waffen gegen uns schmieden; bis jetzt könnten sie keine haben, da er positiv wisse, daß er nichts gethan habe, was auch nur den Schatten eines Unrechts an sich trüge.
Die Herren bestreiten d. Seyfert Karl gedroht habe. Ich schreibe deshalb den Wortlaut der Drohung, wie ich ihn noch jetzt in den Ohren klingen höre hier ein: Na Herr May, nun können Sie es nicht mehr verhüten, daß Ihre Vorstr. an die Öffentlichkeit kom̅en. Darauf machen Sie sich gefaßt. Dabei schlug er den linken Arm ein, stützte den rechten darauf und griff mit der rechten Hand ans Kinn. Wir standen in der Bibliothek. Karl lehnte in der Thür. Seyfert stand links von Karl, Laraß vor Karl, ich rechts und vor uns am Ofen kauerte einer der 3 Männer und sah in den Ofen, blickte aber bei dieser Bemerkung auf und lächelte höhnisch. Der eine der Männer - ein Dicker stand mit einem Anderen am Tisch und hatte Papiere in der Hand und sah mitleidig zu uns herüber. Diesen wollen wir als Zeugen benennen. Dem Anderen traue ich nicht.
Ein tiefernster Anlaß zwingt mich, Dir heute zu schreiben. Deine Freundin Pauline Münchmeyer will Dich meineidig machen. Ich halte es für meine Pflicht, Dir dies zu sagen. Sie hat gestern bei uns durch den Staatsanwalt Haussuchung vornehmen lassen und bei dieser Gelegenheit sagte der Staatsanw., daß er Dich am liebsten verhaften möchte. Wir haben keine Briefe von Dir, Du weißt ja, es wurden alle Sachen verbrannt, die wir nicht brauchen, weil sich sonst zu viel ansammelt. Ich bedaure es heute sehr, Deine Briefe nicht zu haben, da hätten die Herren sehen können, wie ganz andere Dinge uns bewegten als der Prozeß.
Um Dich klar sehen zu lassen, muß ich Dir vor allen Dingen sagen, daß Gerlach dem Staatsanwalt weiß macht, Karl habe sich nur scheiden lassen, um in Dir eine vollgültige Zeugin zu haben. Du weißt es ja am besten, wie und warum die Trennung kam. Es braucht nicht weiter erörtert zu werden. Ich bitte Dich, nur keine Sorge zu haben. Man kann Dir gar nichts thun. Du hast die reine, lautere Wahrheit gesagt und beschworen und weißt auch am besten, daß Du nie von uns beeinflußt worden bist. Wir haben ja dem Ganzen nie die Bedeutung beigelegt, nie hätte ich es für möglich gehalten, daß die Unverschämtheit der M. 615 sich zu solchen Höhen versteigen werde. Du bist nicht etwa allein wegen Meineid angezeigt, o nein, auch alle anderen Zeugen.
Ich besinne mich genau, wie Du damals von dem Mittagessen bei der M. mir berichtetest. Du sprachst von Lende, Maronen und daß das Mädchen 616 weiße Handschuhe beim Servieren getragen hätte. Uns war damals das Essen weit wichtiger, als Karls Abmachungen mit der Münchmeyer. Ich besinne mich auf die Hauptsache nur dunkel. Nun bitte ich Dich aber um eine wichtige Sache. Würdest Du das Dienstmädchen der Münchmeyer wieder erkennen, wenn sie Dir vorgeführt würde, und den Eichler 617?
Du bist leider vom ganzen Stand des Prozesses nicht unterrichtet. Kurz will ich Dir nur Nachstehendes mittheilen. Als jenes Mädchen wegen des Essens vernommen wurde und man sie frug, ob sie Karl kenne, sagte sie ja, ein Dr. Karl aus der Lössnitz. Da fuhr die M. auf und sagte Der Dr. Karl ist mein Schwiegersohn 618. Bei der Vernehmung dieses Mädchens war sie dabei, was sonst nie zu geschehen pflegte. Wenn es nun das Mädchen ist, dann hat sie offenbar falsch geschworen. Wir müssen, da sich die Sache nun so zuspitzt, alle Hebel in Bewegung setzen, jenes Mittagessen, worauf Alles anzukommen scheint, zu beweisen, damit man Dir und den Anderen nichts anhaben kann. Leider binn ich keine Zeugin. Ich könnte natürlich beschwören, daß Du mir damals sofort davon erzählt hast. Wenn ich mich recht besinne, hatte Euch die Münchmeyer auch ein Fremdenzimmer gezeigt, mit hell lakirten Betten, in welchen Ihr schlafen solltet. Besinne Dich mal, die Betten müssen sich doch dann noch im Hause der M. finden?
Der Staatsanwalt frug mich, ob ich Dir je über den Prozeß geschrieben habe; ich sagte nein, da ich mich thatsächlich nicht zu entsinnen vermochte, je mit Dir darüber correspondiert, oder gesprochen zu haben. Mich beschäftigten ja immer andere Sachen. Sollte es aber dennoch geschehen sein, bitte ich Dich meinem Gedächtnis zu Hülfe zu kommen. Ich gedenke offen und ehrlich zu sagen, wie es ist. Ich habe und hatte nie Geheimnisse, am allerwenigsten in Bezug auf den Prozeß.
Bitte, setze in dieser ernsten Zeit alle Bitterkeit beiseite, und schreibe mir umgehend, ob Du glaubst, das Mädchen zu erkennen und Eichler, wenn Du diese Leute siehst. Denke Dir, es giebt zwei Eichler, Brüder 619, beide im Auslande gewesen. Wir hatten davon keine Ahnung. Sie sollen einander sehr ähnlich sehen.
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Also nochmals, sei ohne Sorge, das Gift was die Münchmeyer durch ihren Freund Gerlach auf uns spritzt, kann nicht treffen, sondern nur sie selbst.
Klara
Heute durch Rudolf 620 die Mittheilung erhalten d. der Staatsanwalt Seifert der Busenfreund Gerlachs sein solle. Allmächtiger Gott was muß da Seifert für ein Mensch sein!
((ganz schlechte Schrift))
Dr. Hoffmann 621 bestreitet entschieden eine Freundschaft zwischen G. u. S. der letztere soll eine durchaus vornehme Natur sein, zu dem G. nie und nimmer passe. Mit G. will kein anständiger Mann etwas zu thun haben. Wenn auch die Anzeige gegen Gerlach durch die Vermittlung von Mittasch 622 nicht vor den Staatsanwalt gekommen ist, so ist doch aber Gerlach in den Augen der Wissenden gerichtet. Solche Sachen finden aber auch den Weg durch Hinterthüren zum Staatsanwalt und der wird sich hüten, gemeinsame Sache mit einem Gerlach zu machen.
Wir übergeben die Sache aber doch dem Detektiv Bureau 623, damit wir wieder ruhig werden. Einen unpartaiischen Richter haben wir nicht zu fürchten, wohl aber einen Freund Gerlachs.
Das furchtbarste ist Wahrheit. Seifert ist der Freund Gerlachs. Daherv also damals die Herbeiziehung der Akten durch die Schwindelklage! Daher unsere Anzeigen gegen Fischer und Lebius ohne Erfolg, und daher jetzt diese furchtbaren Beschuldigungen! Daher dieselben Worte, die Gerlach so oft gebrauchte. Deshalb soll Emma verhaftet werden! - - -
Dr. Berger 624 kann mir nicht mehr helfen. Es soll ein rein nervöses Leiden sein. Ich werde wohl eingehen. 20 ℔ Xabgenommen, ist zuviel. Mein Herzensmann thut mir unsagbar leid. Der liebe, liebe Mann; ist er nur zur Qual geboren?
13 December Sinfonie Konzert 625.
Emma ist dagewesen und hat sich einen Platz genommen vor 626 uns, sie hat uns mit keinen Blick verlassen und geweint. Warum hat sie mir nur so grob geantwortet? Ich solle zu ihr kommen. Meinen Brief hält sie offenbar für Unnsinn. Was mag sie hier wollen? Ich wollte mit ihr sprechen. Sie lauerte uns ab. Karl wurde aber böse und sagte hinaus !
Die ist doch nur unseretwegen hier und nur um uns zu sprechen ins CConzert gekommen. Die würde nie solch ein Konzert besuchen, sie versteht ja keine Note und war nie zu bewegen, diese Konzerte
((später ergänzt: zu besuchen))
(( Hier fehlt eine Doppelseite. Herausgerissen! ))
1908
Wie unendlich viel Liebe doch zu uns ins Haus kommt. Wie sehr der Kummer an uns nagt, wissen sie nicht in der Welt, wo Freunde und Feinde beieinander wohnen. Wir sind am Ende unserer Kraft. Wir möchten einander unser Leiden verbergen. Ich sehe, wie der Kummer an meinem über Alles geliebten Manne zehrt. Er gab Liebe, nichts als Liebe im Leben und nun wird ihm dieser Lohn. Er ist von rührender Güte, kein herbes Wort kommt über seine Lippen, immer ruhig und freundlich. Oft sind seine Züge von überirdischer Schönheit.
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Am 31.1. Sinfonie Konzert 627. - Es ist mir, als könne das Schöne nicht mehr auf mich wirken. Diesmal konnte mir auch Brahms 628 nichts sagen.
6.2. Zwei x Zwei ist fünf 629. Hat uns sehr gefallen.
Meines Herzles Geburtstag wird von Jahr zu Jahr schöner. Eine Blumenfülle kam ins Haus, große und kleine Sendungen. In einen Teil seiner Blumen sitzend nahm ich ein Bild von ihm. Die seiner an dem Tage gedachten sollen es haben. Mancher wird seine Spende erkennen.
29
Februar
Die Rabensteinerin 631. Wildenbruch. Schöne Arbeit.
Lieber Besuch Johannes Mayerhofer 636, von der Germania in Berlin. Dann der Prokurist 637 von der Verlagsfirma List 638 in Leipzig. Sie wollen eine Arbeit von Karl haben und würden jeden Preis zahlen.
Dann kam Dr. Krauß 639, von Geheimrat Näcke 640 liebe Grüße bringend. Er nennt Karl einen Segen für die Menschheit, er sei kostbarer als 100 Gelehrte zusammen. Die Wissenschaft verkümmere die Seele. Unser May bringt aber Mai hinein!
Reise nach Prag. Verhandlung gegen Vilimek 641. Wir hatten Rechtsanw. Dr. Freund 642. Der Prozeß wurde gewonnen. V. zahlt.
Es ist nicht zu glauben, wie Karl May vergöttert wird, Verehrung ist viel zu wenig gesagt.
Der Richter sagte nach der Verhandlung: Wenn das Volk wüßte Karl May ist hier. Sie würden auf den Schultern durch die Straßen getragen, die Begeisterung für K.M. ist unbeschreiblich.
Schneller Entschluß die lange aufgeschobene Reise nach Amerika 643 doch noch auszuführen.
Reise nach extraen Aufzeichnungen ausgeführt.
Sofort nach unserer Heimkehr, noch im December mit R. A. Netcke 644 gesprochen, der uns von Dr. März 645 zugewiesen wurde. N. sagt: Bernstein sei noch verwirrter als wir denken.
Am 22.12. offener, geschäftlicher Bruch mit Bernstein. Karl verlangt Abrechnung und stellt ihm Alles, was er dazu braucht durch Netcke zur Verfügung. Er will den endlosen Redeschwall Bs nicht noch einmal über sich ergehen lassen.
Netcke hat durchgeprüft und sagt, B. sei hoch bezahlt mit M. 3000 646.
22.12. Abels 647 Hochzeit. Sillberkasten für M. 150 648 geschenkt.
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1909
Zum 15.1. die Einstellung in der Voruntersuchung in der Münchmeyersache.
19.1. zu unserer lieben Frau Direktor Ewers 649 vom Stadttheater in Brieg 70 Geburtstag. Depesche.
Arme, aber gute Schauspieler baten um Unterstützung. Sie spielten hier in Radebeul 652. Karl gab über 100 M. 653 Ich eine Menge Stoffe etc. Die Schüler der Gewerbeschule konnten auf unsere Rechnung die Vorstellungen besuchen, wir selbst gingen zu folgenden Aufführungen:
1. Das Erwachen der Liebe Schönthau 654.
2. Husarenfieber Kadelburg 655.
3. Das Heirathsnest Davis 656.
4. Schlafwagenkontrolleur Bisson 657.
5. Glück i . Winkel Suderm. 658
6. Der liebe Vetter Benedix 659.
7. Trompeter. Ziegler 660.
8. Sodoms Ende Sudermann 661.
Dr. 9. Dr. Klaus 662
10. Krieg im Frieden Moser 663.
11. Der bezähmte Weiberfeind, Benedix 663. – 11 x eine Leistung!
4. April Dr. Krapp 665 & Vetter Franz Franke 666. 2 Tage. Liebe Menschen.
Charfreitag Frau Professor Sauer 667 und ihre verwachsenen Kinder. Ein schöner Tag. Diese Liebe. ((Bleistift-Zusatz: Das Bild am Salzsee oben ist von ihr gemahlt.))
18 Mai Reise nach Berlin. 19 Termin Lebius 668. Er nimmt Alles zurück. Karl schont den Schurken. Gott gebe nun Frieden mit dieser größten und gemeinsten Bestie auf Erden.
20.5. Muttchen in die Klinik gebracht. - Nierenkrebs. Entsetzlich.
29. heimgeholt. Sie leidet nicht. Zwei frohe Tage, ohne jeden Besuch, nur für uns verbracht.
Dienstag d. 1 Juni Muttchen zu Bilz 669 gebracht. Sie lebt auf. Der Magnetiseur Grimmberger 670 wirkt Wunder. Vielleicht wird sie uns doch erhalten.
Alle Tage bei Muttchen verbracht. Die Schmerzen weichen sofort den Zäpfchen. Dr. Berger 671 giebt keine Hoffnung nur die Schmerzen kann er ihr nehmen.
Sonntag d. 27. Juni Muttchen früh 5 Uhr eingeschlafen still und friedlich.
geboren d. 31 Juli 1837, gest. 1909. Wie hat sie tragen helfen allezeit. Gott segne Dich tausend Mal Du Gute!
22 September. Wir beide zum ersten Mal wieder aus. Oberon 672.
26 Berlin. Im Auto nach Johannisthal zur Fliegerbahn. Mit Lathan 673 und den anderen Fliegern gesprochen. Ihre Maschinen angesehen.
28 Oct. kam Frl. vom Scheidt 674 hierher bitten für die Pollmer, die durch spiritistische Sitzungen mit Frau Bär 675 u der Scheidt diesen Weg für recht hielten. Sie möchte 4.000 M. 676 haben!!!
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Sonnt. 7. Nov. Kubelik 677. Wundervoll!!! besonders Bach!!!
Kainz 678: Jüdin v. Toledo 679 Grilparzer. Kainz miserabel, auch das Stück schlecht
Verschwender 680 Reimund. paßt nicht für Kainz. Karl mag ihn nicht mehr sehen. Ich mußte das 3. Billet mit Frau Burghagen 681 benützen, es war Galeotto 682 v. Echegaray.
7 December nach Augsburg. Am 8. Vortrag im Schiessgrabensaal 683 zuerst Karls Ave Maria von 60 Männern gesungen in meisterhafter Einstudierung. Dann sein Vortrag Sitara Das Land der Menschheitsseele ein orientalisches Märchen.
Der Empfang im Saal war unbeschreiblich. Es verging sicher eine viertel, oder halbe Stunde, bevor er anfangen konnte. Freude und Rührung kämpften in seinem lieben, feinen Zügen. Immer wieder: Hoch, hoch, unser Karl May. Er dankte mit seinen blumenbepackten Händen immer und immer wieder. Endlich konnte er beginnen. Aller Augen hingen an ihm. Er vermag die Seelen an sich zu binden, wie ich es bei keinem Künstler je gesehen. Nie sah ich aber auch einen Menschen so bejubelt, wie ihn. Tausende von Menschen waren da. Der Saal hatte nicht ausgereicht, man hatte noch die anschließenden Räume öffnen müssen und so fanden noch viele Platz, für die es keine Eintrittskarte mehr gegeben hatte. Nach dem Vortrag nahm es noch lange kein Ende. Der liebe Mann war aber so glücklich über die ihm gewordene reiche Liebe, daß er keine Ermüdung spürte. Ein herrlicher Lorbeerkranz war ihm geworden, so schön, wie ich nie einen gesehen habe. Er ist dort photographiert worden, ich muß sehen, eine Aufnahme zu erhalten. Schleifen und Bänder u Zweige von ihm habe ich hier. Programm etc. habe ich hier im Couvert. ((spätere Anmerkung: siehe Bericht hierüber aus der Postzeitung.))
Es war unmöglich gleich wieder fort zu kommen. Freunde waren von München zu uns gekommen. Einsles 684, Heides 685, Fehsenfelds etc. Innige Bitten ergingen an Karl die Schülerinnen der Englischen Fräulein 686 zu besuchen, ich glaube 1.000, denen es nicht vergönnt war den Vortrag zu besuchen und die Alle mit inniger Liebe an ihm hingen. Schweren Herzens sagte er zu, er wußte von früher her was folgte.
Der Jubel war wie am Abend zuvor. Feierlich, wie ein König wurde er begrüßt. In aller Eile hatten die Damen ein Gedicht für ihn gemacht, eine besonders befähigte Schülerin trug es vor. Es lautet:
Dem Freunde des edlen Winnetou, unserem Karl May
Es liegt eine Stadt an des Leches Strand,
Augusta Vindelicorum 687 genannt.
Zur Römerzeit schon war sie gebaut.
Da waren die reichen Fugger 688 zu Haus,
Der letzte Ritter ging ein und aus;
Gelehrte und Künstler und Dichter auch,
Sie fürstlich zu ehren war allezeit Brauch.
Hier hat Titian 689 Karl den Fünften 690 gemalt,
Auf Leinwand gebannt uns des Herrschers Gestalt;
Der alte Holbein 691 und Meister Holl 692,
Sie schufen Werke der Schönheit voll.
Und heute birgt Augsburg als Ehrengast
Einen Kann, der sich mühte ohn Ruh und Rast:
Karl May, der mit feuriger Geisteskraft
Und wuchtigem Griffel die Bilder schafft
Vom wilden Westen vom heißen Süd
Wo die Lotosblume und Palme blüht.
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Ihn grüßen wir Alle mit Herz und Mund
Und wünschen ihm Segen zu jeder Stund
Daß blühe und reife, was stets er gesucht:
Der wahren Liebe goldene Frucht!
Und nun unser Karl May er lebe hoch, hoch, hoch!
Der Jubel wollte kein Ende nehmen. Karl sprach unendlich lieb seinen Dank aus und ließ ein ganz klein Wenig in sein großes, reiches Innere schauen. Kein Auge blieb ohne Tränen. Das Fortkommen war bei dieser Gelegenheit, wie immer, schwer. Das Hochrufen nahm kein Ende. Alle Fenster bis zu den Dachlucken waren voller Menschen, der Wagen konnte in den Straßen nur Schritt fahren. Dann wurde er fast zerrissen.
Er erhielt eine schöne Ehrengabe 70 große Ansichten der Stadt Augsburg.
Es waren reiche, schöne Stunden. Die Liebe erdrückte den Guten fast.
Schwer war es aber auch. Wir baten unsere Freunde vor uns abzureisen und uns allein zur Bahn zu lassen. Mein Herzle haßt das nicht enden wollende Abschied nehmen, da kann er böse werden, wenn er auf der Bahn nicht in Ruhe gelassen wird. Er setzte es durch. Mit Blumen beladen fuhren wir am 9n. noch nach München. Hotel Leinfelder 693.
Dort war schon vom Hofe gefragt worden, ob wir immer noch nicht da wären. Man solle es sofort melden.
Die Hofdame, Frau Baronin von Wulffen 694 sprach mit mir und frug, wann es meinem Manne passe. Die höchsten Herrschaften möchten um zwei Besuche bitten, einen im großen Kreise und einen gemütlichen, nur in der Familie. Zum großen Besuch brauchte ich nicht mitzukommen, wenn ich nicht wolle, aber im kleinen Kreis unbedingt. In seiner derben Art sagte mein guter Mann, nein meine Frau soll früh auch dabei sein, ich gehe nicht mehr ohne sie.“ So kam es, daß ich auch die große Audienz am Hofe mit erlebte. Es waren 20 - 25 Prinzen und Prinzessinen anwesend. Auch Gelehrte etc.
Für mich war es eine eigene Sache. Ich mußte zwischen den ältesten königl. Hoheiten 695 auf dem Sopha Platz nehmen. Mein Mann wurde umringt und wie ein lieber, alter Freund behandelt, er war ja nicht zum ersten Mal da und der jahrelange Briefverkehr hatte sich durch alle Zeiten erhalten.
Herzlich war die Anteilnahme an Allem was er sagte.
Am Abend war es aber gradezu gemütlich. Nach Tische wurden die Diener entlassen. Die Hofdame, Frau Baronin v. Wulffen sagte mir, ich könne mir nicht vorstellen, welche Freude schon seit früh 6 Uhr herrsche, daß Karl May käme. Die Zeit verging zu langsam. Prinzessin Wiltrud hatte sich aus der Staatsbibliotek alle erreichbare Indianerliteratur kommen lassen und auch die Apachensprache studiert ein Berg Bücher mußte Karl Kay zur Durchsicht mitnehmen.
Königl. Hoheit sagte, nun soll mir keiner mehr meinen Karl May anfeinden, nun kann ich selbst urteilen und weiß, daß Alles stimmt was er berichtet.
Wir mußten mit in die Gemächer der Damen und dort manches Interessante ansehen. Die Räume sind einfach, ohne Prunk und dennoch von einer großen Vornehmheit, überall schöne frische Blumen.
Wir sahen die eigenen Aufnahmen aus Schloß Leutstädten 696 was die kgl. Hoheiten ganz besonders lieben. Dort haben sich die Hoheiten eine Hütte nach Indianer Art bauen lassen, sie
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wird fleißig benützt. Der Aufenthalt dort ist den Hoheiten am liebsten. Die Trennung, wenn der Winter kommt, mit den ungeliebten Hoffesten ist schwer.
Beim Abschied, der doch endlich einmal erfolgen mußte, gab Prinzessin Wiltrud Karl May das Etui mit ihrem und Prinzessin Helmtruds Bild und Namen. Es freute ihn sehr. Er wollte der lieben Spenderin die Hand küssen, sie entzog sie ihm und sagte: Nein, Sie nicht, ich möchte sie Ihnen küssen zum Dank für all das Schöne, was Sie mir gaben.
Die Hofdame sagte es sei ein wichtiges Geschäft für die Hoheiten gewesen die Umhüllung für die Bilder zu besorgen, sie seien in mehreren Geschäften deshalb gewesen, bis sie das Geeignete gefunden hatten.
Die lieben Bilder stehen nun auf seinem Schreibtisch.
((Späterer Zusatz: Der Verkehr ist immer aufrecht erhalten worden, auch nach dem Tode Karl Mays. Ich mußte auch vor mir ein Bild senden.))
Im Hotel häuften sich die Besuche. Wir hatten nur Einsles und Hetty Heide noch schnell besucht, dann reisten wir schleunigst ab, damit der Aufenthalt nicht wieder, wie damals bei Treffler 697 ausarte.
Leider hatte der enorme Erfolg doch wieder traurige Folgen. Die Bestie in Menschengestalt 698 begann von neuem ihren Mordplan auszuführen.
Trauriger Abschluß des schönen Jahres. Viel, viel Freude und ebensoviel Leid.
1910
Ein trauriger Anfang. Schlaflos verbringen wir die Nächte und quälen einander durch das Verbergen der Seelenqualen.
Wie betete ich um Frieden und Kampf ist die Antwort.
Nur wenig besuchten wir das Theater. Der Druck der Prozesse lastet zu schwer auf uns, dazu erlahmt die Spannkraft. Das Leiden ist übermenschlich.
31. ((später korrigiert: 30.)) März an unserem Hochzeitstag waren wir in Hanneles Himmelfahrt. 699
Es hat uns tief bewegt. Wir waren glücklich im Beisammensein.
Wir wachsen immer mehr zusammen und fühlen unsere Gedanken ohne sie auszusprechen. Ein herrliches Beisammensein.
Wie schön könnten wir es haben, wenn wir die Prozesse abstreifen könnten - zu schön für Staubgeborene.
Montag d. 25 April Reise nach Düsseldorf im Breitenbacher Hof 701 auch mit Pieper 702 und Otto 703 gesprochen. Dann Essen, Köln, Röder 704. Stürmann 705.
29 Sept. fuhren wir bei herrlichem Wetter früh 1/2 9 Uhr von Bonn nach Mainz mit dem schönen Dampfer Ernst Ludwig. Wir kamen Abends gegen 8 Uhr nach Mainz. Die Rheinfahrt war schön, doch weit unbequemer als auf den herrlichen Hudson. Die Berge des Rheins sind auch nicht so hoch, nicht bewaldet, zumaldem waren mir die vielen Erinnerungen an die ermordeten Indianer interessanter, als an das deutsche Raubritterreich was ja nie vernichtet wurde und noch heute unter zurechtgemachten Formen weiter besteht.
Meines guten Mannes Gesundheit wird immer mehr zerrüttet durch die Prozesse. Wir versuchten Alles um uns zu befereien. Ich bitte immer wieder einfach Alles über Bord zu werfen. Ich sehe aber ein, er hat Recht, es ist unmöglich. Der Kampf würde nicht enden.
Mein Herzle nimmt es als eine Gottesprüfung die er tragen werden muß. SeineGeisterschmiede” aus „Babel und Bibel“ spiegeld sein Leiden und seine Zuversicht.
Ich halte mich kaum noch aufrecht. Das Leid zermalmt mich. Nicht helfen können, immer still zusehen ist eine namenlose Qual.
Herzle soll Radiumbäder nehmen.
Ich fahre zuerst allein nach Joachimsthal 712 um zu sehen, wie dort die Verhältnisse sind und suche Wohnung, gleich noch am selben Tag zurück 713.
Am 11 Mai Reise nach Joachimsthal mit Frieda 714 und mit den Hündchen.
Den Garten erhält Fährmann 715 zu versorgen, das Haus wird zugeschlossen.
Von Schlakenwerth 716 mit Wagen nach Joachimsthal. Freitag den 12. verordnet uns beiden der K.Rat Dr. Gottlieb 717 ein reizender, lieber alter Herr Bäder.
Wir beginnen Sonnabend den 13. Mai und zahlen 4 Kronen 718 für ein Bad.
In der schönen Gegend und kräftigen Luft erholt sich mein Liebstes bald. Die Bäder wirken Wunder. Wir beginnen mit Ausflügen zu Wagen, die Karl so sehr liebt. Seine kleinen Schätze immer dabei.
Freitag nach Karlsbad 719; 14 Fr. 720 für den Wagen.
Sonnabend Schloß Hauenstein 721
Montag Fichtelberg, Wiesenthal, Aufnahmen gemacht.
Dienstag Keilberg 722, Försterhäuser 723, Spitzberg 724. (Gewitter)
Mittwoch & Donnerst. kleine Spaziergänge
2. Woche
Freitag über Platten 725, Oberbahn nach Johann-Georgenstadt zurück durchs Schwarzwassertal 726. Herrliche Fahrt, aber sehr kalt. Oben
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überall Schnee. 14 Kr. bezahlt f. den Wagen.
Sonntag nach Gieshübel 727 herrliche Fahrt und ebensolches Wetter. 14. Kr.
Donnerstag umgezogen zu Weinls 728.
Unsere Wohnung war zu unruhig, unten der Bäcker 729 machte von früh 3 Uhr an Heidenlärm und nebenan standen Pferde, die die ganze Nacht stampften, es war nicht zu ertragen für uns nervöse Menschen und so wechselten wir zum größten Leidwesen unserer Wirtin, die Wohnung.
Bei Weinls fanden wir drei schöne Zimmer. Dort fühlten wir uns unendlich wohl. Die Erholung und Besserung war sichtbar.
Dr. Gottlieb sagte: so ists Recht. Sie sind mein Reklamepatient..
Mein guter Mann war so kaput, daß er kaum übers Zimmer gehen konnte und nun fingen wir an Bergtouren zu machen. Wir besuchten die hohe Pfarrwiese 730 und gingen durchs Tal der Tabakfabrik 731 zurück. Es war ein herrlicher Weg
Noch einmal nach Schloß Haunstein über Gottesgab 732
Spaziergänge nach d. Stadtdeich etc.
Wir blieben bis zum 16 Juni im lieben Joachimsthal, ich fuhr mit Frida die Nacht durch heim um andere Kleider zu holen und was wir nicht brauchten nachhause zu schaffen 733. Herzle sollte eine Nachkur in Höhenluft haben. In 24 Stunden war ich wieder bei ihm und am anderen Tage ging es nach Tirol nach der Mendel.
In Hotel Penegal kamen wir am 18 Juni, Nachmittags 3 Uhr an.
Zimmer No. 33 bis Donnerstag d. 22.
Sonntag die erste Woche bezahlt 166 Kronen 734.
Ausflüge. Wir waren mit Wagen zur Mendel gefahren und haben 32 Kr. 735 dafür gezahlt. Die Straße war ganz einsam geworden seit die Drathseilbahn den Verkehr vermittelt. Wir wollten aber alte Erinnerungen auffrischen und wählten deshalb diesen Weg.
Wir bestiegen den Penegal. Ist uns beiden aber sehr schwer geworden, dazu die nahen Abgründe, die der kleinen Hunde wegen ein Schrecken für uns waren, wir haben die Tierchen fast immer getragen.
Mit der elektr. Bahn nach St. Domenico, nach der Justina Brücke. Wundervolle Tour
Sonnabend kamen Gehri und Frau 737, zu seinen Geburtstag d. 1 Juli. Wir hielten sie frei und nahmen Wohnung für sie auf ein paar Tage. Gute Menschen. Kinder der Berge. Es war für uns zu viel.
Am 6 Juli 1911. Abends sagte mir Frau Schrott Frau Emma Pollmer hat mir gesagt, daß sie Schriftstücke, die wichtig für Karl May waren, seinen Gegnern gegeben habe. Dafür können sie mich als Zeugin benennen.
Dienstag d. 11. Juli über Fondo mit Graciadei nach
Leser, da oben in den Bergen. Wir konnten nicht wieder fort. Die Menschen waren zu lieb. Ein paar schöne Tage verlebten wir dort in der herrlichen Bergwelt. Ich machte einige Aufnahmen.
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Die wunderbare Brentagruppe, Rotwand etc. Mein Gott wie schön war diese Tour. Wir waren so glücklich!
12. Ins Sarkathal
13 zurück nach Fondo. Dort kaufte ich zwei schöne alte Tiroler Bronzetöpfe für 120 Kronen 740. Sie stehen jetzt hier.
In Fondo bekamen wir eine Forelle zum Abendessen, die für uns gefangen worden war, sie wog die Kleinigkeit von 5 ℔. Sie war prachtvoll.
Wir wurden überhaupt überall verwöhnt wie Fürsten, überall, im entlegensten Neste kennt man Karl May und seine Werke. Da oben in der einsamsten Bergwelt, die abgegriffenen Bände zu finden, war rührend.
Am 14 nach S. Romeno 741 und S. Romedio 742. Am Abend nach der Mendel zurück
Rückfall. Karl wieder ganz krank. Von neuem Schmerzen und geschwollene Füße. Er muß wieder Phenacetin 743 nehmen. Es war zuviel Liebe für den Guten um ihn gebreitet worden! Blumen und tausend kleine Aufmerksamkeiten hatten ihn erfreut, aber auch arg angestrengt.
Am 200 verließen wir unsere lieben Freunde und fuhren mit der Drathseilbahn runter nach Bozen 744.
21. Wagenfahrt durch das herrliche Eggethal hinauf nach dem Karerseepaß. Dort, am Rosengarten Herzle mit seinen beiden kleinen Lieblingen aufgenommen. Herrliche Tour.
12 Jahre Meuchelmord an einem deutschen Schriftsteller waren nach
deutschem Gesetz
möglich gewesen.
Kosten werden nicht gezahlt von mir, nur mein Anwalt 753.
Ich erhalte M. 25,000 754.
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Am Sonntag vorher hatte ich Mitteilung erhalten, daß der gegnerische Zeuge Berger 755 dem Rechtsa. Gerlach 756 die Mitteilung gemacht hat, daß das
Mittagessen
mit dem Alles stand und fiel doch stattgefunden hat!
Es war an einem Sonntag gewesen und dieser Berger hatte Überarbeit, mit noch einem Gehülfen der es auch weiß. Die Münchmeyer hatte an dem Tage selbst dem Manne Mitteilung von dem Ereignis gemacht und beim Abgeben der Schlüssel in der Wohnung hat Berger vom Mädchen 757 das gleiche gehört.
3 x wollte die Münchmeyer den Eid leisten, daß kein Mittagessen stattgefunden habe, an dem die folgenschweren Abmachungen zwischen ihr und Karl May stattfanden.
Nun nach dem Tode Karl Mays dieser Zeuge auftritt, wird sofort der lange Jahre erstrebte Vergleich geschlossen.
12 Februar 1913
Berta von Suttner 758 hier.
Schöne Stunden, sie spricht mit höchster Verehrung über Karl Mays Wirken, sie sei nichts gegen ihn.
1916
Nach langer Pause flüchte ich wieder einmal zum Vertrauten 759 früherer Tage, ihm muß ich meine heutigen tiefen Eindrücke vertrauen.
Ich sah Strindbergs Vater 760. Wie in einem Spiegel sah ich all die Leiden Karl Mays wieder, die er mit Emma durchkämpft hat.
Manche Scenen waren fast lächerlich ähnlich. Nur war sie noch gemeiner als die Strindbergsche Laura 761. Das Schlechtmachen des Mannes hinter seinem Rücken, das Lügen, das Stehlen der Briefe, das immer Recht haben und wenns schief geht, wie hier mit dem unfähigen Verwalter, ihm dennoch die Schuld in die Schuhe schieben, mit den Worten: Du brauchtest ihn ja nicht zu nehmen, sind Bilder aus jenen Schreckenstagen. Dann die Geldfrage, als er Kranker 762.
Ganz Emma. Ihre Treue. - - - Da kommt mir die Reihe ihrer Verehrer in den Sinn. - Hätte Karl May mit ihr Kinder gehabt, hätte er jedenfalls die Frage nach der Vaterschaft nicht erst aufgeworfen. Er hat seine Zwangsarbeit auch ohne Kind geleistet, aber er blieb Sieger, er hat sich von seiner Peinigerin befreit und ich half ihm dazu noch jetzt bin ich froh darüber, daß ich ihn nicht feige verließ um Vorurteile um dem Gerede der lieben Nächsten zu entgehen.
Wie bei Strindbergs Laura wirken Anlage und Erziehung, resp. nicht Erziehung zusammen, so auch bei Emma. Sie war ein Wesen, dem man allen Willen gelassen hatte, wüst wuchs sie auf, zügellos nur ihren Willen verfolgend, ihre Veranlagung machte sie zur Bestie, eine gute Erziehung hätte vielleicht das Gegenteil aus ihr gemacht, denn sie hatte auch weiche Momente, die aber mehr und mehr abhanden kamen, wenn nicht ihr Wille zur Geltung kam.
Strindberg giebt mir viel zu denken. Ihm muß die Bestie im Weibe arg nachgeschlichen sein.
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((Diese Abrechnung ist auf einem Doppelblatt zwischen den Tagebuch-Seiten))
Montag d. 12 Juni ich allein Heim mit Frida 770. Ich sofort zurück, Frida nach Meissen
Noch bis Sonnabend in Joachimsthal.
Karl May schrieb auf Bitten des alten Bergrats in das Fremdenbuch der k.k. Bergverwaltung ein:
Ich sah die Weltenseele
Lebendig im Gestein.
O möchte doch die meine
Von gleichem Leben sein.
Karl May.
Der Bergrat Steps 771 im Bergamt hatte uns einen wundervollen Vortrag über das
Radium
gehalten und uns reines Radium gezeigt und vorgeführt welche Kraft es hat. Im Dunklen photographiert durch dicke Eisenplatten hindurch. Radium durchdringt Alles.
Es ist in unaufhörlicher Bewegung und erscheint dem Auge wie tausend durcheinander gehende Blitze. Der Vortrag und die durch das Radium hervorgerufenen Erscheinungen hatten einen tiefen
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Eindruck auf uns gemacht und aus diesem Empfinden heraus entstand das Gedicht, nur für den begreiflich, der den Zusammenhang kennt.
Radium ist eine Macht die zu erkennen und zu ergründen noch Menschenleben nötig sein werden.
Die Radiumhaltigen Rückstände sind nicht mehr erhältlich, weil unvernünftige Menschen sich damit furchtbare Wunden beibrachten.
Auf Umwegen erhielt ich aber doch noch ein Packet 772 i zahlte dafür
Es ist im Schlafzimmer in einen kleinen Ledersack.
Es wirkte Wunder bei einem Rückfall der Nervenschmerzen bei meinem Manne.
Ja gut beachten! Es kann auch arge Wunden hervorrufen bei zu langem Auflegen! Man kan damit photographieren.
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((Nach der letzten Eintragung von 1916 sind 14 Seiten frei, doch auf den letzten beiden Seiten sind noch folgende Aufzeichnungen:))
Kennst Du den unergründlich tiefen See,
Auf dessen Flut ich meine Ruder schlage?
Du sagst vielleicht, es sei 774 das Menschheitsweh,
Gemeint ist Richard Alexander Plöhn (* 22. Juni 1853, 14. Februar 1901), ein Radebeuler Kaufmann, Verbandstofffabrikant und Freund Karl Mays, Klaras erster Ehemann.
Ernst Johannes März (* 7. Juni 1878, 1936) war ein Freund von Max Moritz Welte (wie Anm. 153) und ein Freund und Schützling von Karl May und häufig mit und ohne Welte bei Karl May zu Gast.
Musikdirektor Richard Ferdinand Kaden (* 10. Februar 1856, 9. Juli 1923) hielt am Sonntag, dem 5. Januar 1902 um 19.30 Uhr im Vereinshaus-Saal des Dresdner Stadtvereins für innere Mission (Zinzendorfstraße 17, Dresden) einen Vortrag über Camille Saint-Saëns (* 9. Oktober 1835, 16. Dezember 1921), einen französischen Pianisten, Dirigenten, Organisten, Musikwissenschaftler, Musikpädagogen und Komponisten, Félix-Alexandre Amédée Guilmant (* 12. März 1837, 29. März 1911), einen französischen Organisten und Komponisten, Charles Gounod (* 17. Juni 1818, 18. Oktober 1893), einen französischen Komponisten, und Benjamin Louis Paul Godard (* 18. August 1849, 10. Januar 1895), ein französischen Geigenspieler und Komponisten. Karl und Emma May sowie Klara Beibler verw. Plöhn besuchten den Vortrag.
Am Montag, dem 6. Januar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler »Flachsmann als Erzieher« (1900), ein Theaterstück von Otto Ernst (vollständig: Otto Ernst Schmidt, * 7. Oktober 1862, † 5. März 1926).
Jürgen Heinrich Flachsmann, Rektor einer Schule, baut ganz auf unnachsichtige Strenge. Sein absolutes Gegenteil ist der junge Lehrer Jan Flemming: Ein junger, dynamischer Pädagoge. Ein Lehrer, der sich ganz auf seine Schutzbefohlenen einstellt und viel Verständnis für sie und ihre Sorgen aufbringt. Eben das 19. Jahrhundert gegen die fortschrittlichen Ideen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die zutiefst gegensätzlichen Berufsauffassungen der beiden führen dazu, dass Flachsmann und Flemming häufig mal aneinandergeraten. Die Unterschiedlichkeit der beiden bricht sich eines Tages Bahn, als der Posten eines Oberlehrers an der Schule neu besetzt werden soll. Rektor Flachsmann will für diesen Posten unbedingt den Lehrerkollegen Karsten Diercks, der zwar äußerst faul ist, aber Flachsmann mit belastendem Material in der Hand hat. Damit Flemming, der sich gleichfalls um die Stelle bemüht, ihm keinen Strich durch die Rechnung machen kann, beginnt Flachsmann eine Intrige gegen den beliebten Kollegen zu spinnen: Er setzt kurzerhand ein Disziplinarverfahren gegen Flemming in Gang. Lediglich die hübsche Lehrerkollegin Gisa Holm stellt sich auf Flemmings Seite, alle anderen Lehrer befürchten Karrierenachteile und stehen in Treue fest zu Flachsmann. Der eintreffende Schulrat Prell soll die Entscheidung treffen. Dieser gewürzte und abgehärtete Referendar erkennt bald markante Fehler in Flachsmanns Auffassung von Unterricht, auch dass dieser allzu nachsichtig gegenüber dem unfähigen Oberlehrer-Anwärter Diercks ist. Als sich herausstellt, dass der Rektor nie studiert hat und seine gesamte Karriere auf einem Schwindel beruht – Flachsmann benutzte die Dokumente seine verstorbenen Bruders – wird auch klar, womit Diercks Flachsmann erpresst. Schulrat Prell gratuliert Gisa und Jan zur anstehenden Verlobung und eröffnet ihm, dass er als neuer Oberlehrer auch die Leitung der Schule übernehmen soll.
Fritz Scharf (* 10. November 1859, 7. April 1931) war 1895 bis 1922 Hof-Ballettmeister und Choreograf am Hoftheater in Stuttgart. Er wohnte in der Landhausstraße 12. Er war, wie Klara Beibler verw. Plöhn, geboren in Dessau und ihren Jugendfreund; er widmete Klara bei dieser Gelegenheit ein Porträtfoto, das in Mays Leseralbum einsortiert wurde.
Bei Fehsenfeld erschien die anonyme Broschüre »Karl May als Erzieher und Die Wahrheit über Karl May oder Die Gegner Karl Mays in ihrem eigenen Lichte von einem dankbaren May-Leser« (100.000 Exemplare).
Am Montag, dem 13. Januar 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Düsseldorfer Stadttheater (Alleestraße; heute: Opernhaus, Heinrich-Heine-Allee) »Ein armes Mädel. Posse mit Gesang« (1893) von Leopold Krenn (* 1850, † 1930) und Carl Lindau (* 1853, † 1934) mit Musik von Leopold Kuhn (* 1861, † 1902). Der Inhalt dieses Theaterstücks ist (mir) unbekannt.
Johann Carl Gustav Meyer (* 1827, † 15. November 1901) war ein Rentner aus Düsseldorf und früherer Mitinhaber des Essener Blechwalzwerks Schulz, Knaudt & Co., das sein Schwiegervater mitbegründet hatte. Er war verheiratet mit Ida Rosalie Emilie Meyer geb. Schulz (* 13. Januar 1832, † 1908) und hatte mit ihr zwei Töchter: Johanna Luise Emilie Beyer verw. Witting geb. Meyer (* 1862, † ?) und Helene (* 1869, † ?). Gustav Meyer war der Großvater und der Vormund Curt Wittings, der Sohn des Premierleutnants Arnold Ludwig Ernst August Witting (* 1859, † 25. September 1892) und Meyers Tochter Johanna. Wittings Großvater väterlicherseits, Dr. phil. August Wilhelm Ernst Witting (* 1824, † 18. Januar 1901) war Apotheker und Partikulier; er wohnte in Serkowitz, in der Unteren Weinbergstraße 17 (der heutigen Nizzastraße, Radebeul) und war befreundet mit Karl May. Seine Frau Antonie Emilie Pauline Witting geb. von Amelunxen (* 13. April 1832; † 2. Februar 1901) stirbt kurz danach und Karl May wird von der Familie von Amelunxen als Testamentsvollstrecker eingesetzt; seit März 1901 ist Karl May mit der Verwaltung von Wittings Vermögen betraut. Karl und Emma May in Begleitung ihres Schattens Klara Beibler verw. Plöhn besuchten Gustav und Emilie Meyer im November 1901 in der Reichsstraße 19, Düsseldorf; zehn Tage später starb Gustav Meyer. Am 14. Januar 1902 besucht das Dreigestirn – um nur ein schönes Kölsches Wort in Düsseldorf einzuführen - die Witwe Emilie Meyer erneut; Sohn Curt ist ebenfalls anwesend.
Theophil William Beyer (* 1857, † 1933) war ein Genremaler und seit dem 8. Februar 1894 der zweite Mann von Johanna Meyer, der Tochter Gustav Meyers, und damit Stiefvater Curt Wittings.
Bernhard Hermann Cardauns (* 8. August 1847, † 14. Juni 1925) war ein deutscher katholischer Historiker, Schriftsteller und Journalist und von 1876 bis 1907 Chefredakteur der Kölnische Volkszeitung. Spätestens seit 1899 war er Gegner Karl Mays. Er hielt Vorträge und schrieb Artikel gegen Karl May, was diesem zu schriftliche Reaktionen veranlasste. Literarisch spiegelte May Cardauns in »Im Reiche des silbernen Löwen, Band III« als den Ghulam el Multasim, genannt Dschellad (der Henker). Seine Reihe Vorträge 1901/02 heißt »Literarische Curiosa: Leo Taxil, Robert Graßmann und – Karl May«; Emma May und Klara Plöhn besuchten eine dieser Vorträge am 14. Januar 1902 in Elberfeld.
Heinrich Gotthold Münchmeyer (* 29. Juni 1836, † 6. April 1892) war Verleger und Hausbuchhändler in Dresden.
Von März 1875 bis Dezember 1876 war Karl May mit diesem Verlag verbunden und gab die Zeitschriften Der Beobachter an der Elbe (existierte von 1874 bis 1875) und Deutsches Familienblatt. Wochenschrift für Geist und Gemüth zur Unterhaltung für Jedermann (1875–1877; darin veröffentlichte May seine ersten Indianergeschichten), Schacht und Hütte. Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für Berg-, Hütten- und Maschinenarbeiter (1875-1876), Feierstunden am häuslichen Heerde. Belletrtisches Unterhaltungs-Blatt für alle Stände (1876-1877; darin veröffentlichte May seine ersten Geschichten über den Orient).
Zwischen 1882 und 1887 schrieb Karl May seine fünf großen Kolportageromane für den Verlag H. G. Münchmeyer: »Waldröschen oder die Rächerjagd rund um die Erde« (Dezember 1882 - August 1884; 2.612 Seiten), »Die Liebe des Ulanen – ein packender Fortsetzungsroman über den deutsch-Französischen Krieg 1870/71« (September 1883 - Oktober 1885; 1.724 Seiten), »Der verlorne Sohn oder Der Fürst des Elends. Roman aus der Kriminalgeschichte« (August 1884 - Juli 1886; 2411 Seiten), »Deutsche Herzen – Deutsche Helden« (Dezember 1885 - Januar 1888; 2.610 Seiten) und »Der Weg zum Glück – Höchste interessante Begebenheiten aus dem Leben und Wirken des Königs Ludwig II. von Baiern« (Juli 1886 – August 1888; 2.616 Seiten).
Friedrich Martin von Bodenstedt (* 22. April 1819, † 18. April 1892) war ein deutscher Schriftsteller und Theaterintendant. Sein größter Erfolg waren seine »Lieder des Mirza Schaffy« (1851), nach dem aserbaidschnischen Dichter Mirzə Şəfi Vazeh (* ± 1796, † 1852): sie erlebten nach der Erstveröffentlichung (mit Übersetzungen) über 160 Auflagen.
Hotel Monopol (Zimmer 25), Löhrrondell. Das Hotel gibt es heute nicht mehr: 1944 wurde das Löhrrondell im Krieg zerstört; nur die Herz-Jesu-Kirche wurde wiederaufgebaut, wo einst das Hotel Monopol stand, befindet sich heute ein Neubau aus den 1980er Jahren.
Franz Josef Börger (* 23. September 1864, † 11. September 1953) in Fretter, Nordrhein-Westfalen) war ein deutscher Pfadfinder (Pfadfindername: Alter Wolf) und gilt als einer Begründer der deutschen Pfadfinderbewegung. Bei seinem ersten Kontakt mit Karl May arbeitete er als Gärtner bzw. Gartenarchitekt in Ehrenbreitstein, später in Pfaffendorf. Am 15. Januar 1902 trafen sie sich bei Karl Mays Aufenthalt in Koblenz abends im Hotel Monopol. May war inkognito angemeldet, teilte aber Börger sein Alias mit und lud ihn ausdrücklich zu sich ein.
Johannes Dederle (* 19. Mai 1850, † 3. September 1913), ein Brieffreund Karls und von 1900 bis 1906 Chefredakteur der Koblenzer Rhein- und Moselbote, in der 1902 Karl Mays Erzählung »Am Tode« – später Teil von »Im Reiche des silbernen Löwen III« – veröffentlicht wurde.
Hotel Hauffe am Roßplatz (offizielle Adresse: Roßstraße 15, Leipzig) wurde 1943 durch Bomben zerstört und die Stelle in den frühen 1950er Jahren von der Ringbebauung überbaut.
Rudolf Joseph Lorenz Steiner (* 27. Februar 1861, † 30. März 1925) war ein österreichischer Publizist und Esoteriker. In den gut zwei Jahrzehnten bis zu seinem Tod hielt er insgesamt rund 6000 Vorträge – vor allem über anthroposophische und theosophische Themen, hauptsächlich in den immer zahlreicher werdenden Ortsgruppen der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland und später auch in anderen europäischen Ländern. Neben diesen nur für Mitglieder zugänglichen Vorträgen wurden regelmäßig auch öffentliche Vorträge organisiert. Am 18. Januar 1902 besuchten Mays und Klara Beibler den Vortrag von Rudolf Steiner im Musenhaus in Dresden (Pirnaische Straße 29) über »Friedrich Nietzsche, der einsame Kämpfer, und die Kultur der Gegenwart«.
Wilhelm Ferdinand Paul Wiecke (* 30. Oktober 1862, † 18. Dezember 1944) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Schauspieldirektor. Ab 1895 spielte er am Dresdner Hoftheater (Königliches Hoftheater Dresden, zuweilen auch Opernhaus genannt, dem heutigen Semperoper, Theaterplatz 1); ab 1919 war er dessen künstlerischen Leiter und ein Jahr darauf Schauspieldirektor. Am 18. Januar 1902 besuchten Mays sowie Klara Plöhn den Vortrag von Rudolf Steiner in Dresden über »Friedrich Nietzsche, der einsame Kämpfer, und die Kultur der Gegenwart«. Paul Wiecke rezitierte anschließend Dichtungen Nietzsches. Als begeisterte Theaterbesucher sahen Karl May und die Damen seiner Begleitung auch weitere Stücke mit Wiecke.
Friedrich Wilhelm Nietzsche (* 15. Oktober 1844, † 25. August 1900) war ein deutscher Philosoph, Dichter und klassischer Philologe. Als er 44 Jahre alt war, brach eine schwere Geisteskrankheit aus. Die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte Nietzsche in der Pflege seiner Mutter und seiner Schwester. Erst zu dieser Zeit erlangten seine Schriften größere Resonanz.
»Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen« (1883/85) ist eines der Hauptwerke von Friedrich Nietzsche. In Buch berichtet ein personaler Erzähler vom Wirken eines fiktiven Denkers, der den Namen des persischen Religionsstifters, Priestes und Philosophen Zarathustra (avestisch Zaraθuštra persisch زَردُشت, Zardošt; auch Zoroaster, altgriechisch Ζωροάστρης; er lebte rund 600 v.C.) trägt.
Zuckerbrot und Peitsche ist eine deutsche Redewendung, die eine Einflussnahme auf andere Personen umschreibt, die mit Belohnung und Strafe zugleich arbeitet.
Am Sonntag, dem 19. Januar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Volksschauspiel in 5 Aufzügen« (1880), ein Theaterstück von Ludwig Ganghofer, der das Stück zehn Jahre später umarbeitete zur Novelle: » Eine Hochlandsgeschichte«.
Der talentierte Herrgottschnitzer Pauli liebt Loni, ein Mädchen ohe Eltern, das von einem Wirt aus Graswang adoptiert wurde. Die eigensinnige junge Frau jedoch macht sich nichts aus dem verträumten Künstler. Als sie eines Tages zusammen mit dem alten Lehnl, der bei der Wirtsfamilie seinen Lebensabend verbringt, auf die Alm steigt, um dort als Sennerin auszuhelfen, geschieht ein Unglück: Lehnl wird in der Nacht vor der Hütte niedergeschlagen, von Pauli gefunden und in den Ort zurückgebracht. Im Strudel der folgenden Ereignisse ändern sich nicht nur Lonis Gefühle für Pauli – auch ihre Vergangenheit erscheint der jungen Frau plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Ludwig Albert Ganghofer (* 7. Juli 1855, † 24. Juli 1920) war ein bayerischer Schriftsteller, der durch seine Heimatromane bekannt war und wegen seiner propagandistischen Kriegsberichterstattung bereits zu Lebzeiten kritisiert wurde.
Am Mittwoch, dem 22. Januar 1920 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Prinz Friedrich von Homburg oder Die Schlacht bei Fehrbellin« (1809/10; Uraufführung 1821), ein Theaterstück von Heinrich von Kleist.
Prinz von Homburg Friedrich II. von Hessen-Homburg (der Prinz von Homburg, * 30. März 1633, † 24. Januar 1708; Landgraf von Hessen-Homburg), ein junger preußischer Reitergeneral in der Armee des Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm, * 6. Februar [jul.] / 16. Februar 1620 [greg.], † 29. April [jul.] / 9. Mai 1688 [greg.] *), ist nach einem langen Feldzug erschöpft. Er schlafwandelt und bindet sich dabei einen Lorbeerkranz. Mehrere Adlige bemerken dies, worauf der Große Kurfürst mit dem Prinzen ein Spiel treibt, welches damit endet, dass der Prinz der Nichte des Kurfürsten, Prinzessin Natalie, seine Liebe erklärt und einen ihrer Handschuhe ergreift. Aus seinem Traum erwacht, wundert sich der Prinz über den Handschuh in seiner Hand. Als bei der Besprechung des nächsten Kriegsgefechts im Kriegsrat die Aufgaben verteilt und Anweisungen gegeben werden, verwirrt und lenkt ihn der Auftritt der Prinzessin, die sich als Eigentümerin des geheimnisvollen Handschuhs entpuppt, dermaßen ab, dass er die ihm zugeteilte Rolle für den Kampf überhört: den Befehl nämlich, bei der kommenden Schlacht den Feind nicht ohne ausdrückliche Order anzugreifen. Entgegen dieser Anweisung und den Ratschlägen seiner Offiziere gibt der Prinz den Befehl zum Angriff seines Regiments auf den Gegner. Ein klarer Sieg in der Schlacht bei Fehrbellin (18. Juni [jul.] / 28. Juni [greg.]), einer entscheidenden Schlacht gegen die Schweden, wird erzielt. Dem Kurfürsten jedoch geht Disziplin über alles, zudem hätte ohne das Eingreifen des Prinzen der ganze Krieg gewonnen werden können, was auch der ursprüngliche Plan war. Ungeachtet des Sieges lässt er den Prinzen wegen Befehlsverweigerung verhaften, ihm den Prozess machen und ihn zum Tode verurteilen. Zunächst ist diesem der Ernst der Situation nicht klar. Erst die Nachricht, der Kurfürst habe tatsächlich sein Todesurteil unterzeichnet, und der Anblick des für ihn bestimmten Grabes geben ihm zu denken. In der berühmten und umstrittenen Todesfurchtszene fleht der Prinz um sein Leben, bereit, alles aufzugeben, was ihm lieb ist. Als der Kurfürst von der Reaktion des Prinzen erfährt, reagiert er wiederum verwirrt. Er habe die größte Achtung vor seinem Gefühl, heißt es. Anstatt ihn schlicht zu begnadigen, stellt er ihm jedoch eine Bedingung. Könne der Prinz das Urteil für ungerecht halten, so sei er begnadigt. Diese Frage bringt den Prinzen zur Läuterung: Er akzeptiert schließlich den Primat der Hierarchie und Staatsräson, überwindet seine Todesfurcht und ist bereit, das Gesetz durch einen freien Tod zu verherrlichen. Als Natalie Homburg hektisch den kurfürstlichen Brief überreicht und versucht, den Prinzen dazu zu überreden, die Begnadigung schriftlich anzunehmen, reagiert dieser jedoch kritisch auf dessen Inhalt und möchte ihn ungehorsam erneut durchlesen. Dem Kurfürsten gelingt dadurch sozusagen eine Disziplinierung Homburgs in formaler Hinsicht, da dieser nun wusste, wie er auf das kurfürstliche Schreiben antworten solle. Der Prinz versteht jetzt endlich den Befehl des Kurfürsten, gehorsam zu sein, denn er weiß jetzt, was er soll und versteht das Prinzip der Hierarchie. Denn Prinz Friedrich von Homburg begreift, dass, was dem Kurfürsten erlaubt ist, ihm noch lange nicht erlaubt ist: Quod licet Iovi, non licet bovi. Dies hat zur Folge, dass der Prinz seine Schuld eingesteht und den kurfürstlichen Urteilsspruch als gerecht anerkennt. Natalie hat inzwischen ohne legitimen Befehl das von Oberst Kottwitz geführte Regiment zurückbeordert, um Unterstützung für die Begnadigung Homburgs zu erhalten. Angesichts des allgemeinen Drucks, der auf ihn ausgeübt wird, ist der Kurfürst bereit, seine Offiziere anzuhören. Während Kottwitz der Meinung ist, auf dem Schlachtfeld zähle letztlich der errungene Sieg, somit sei dem Prinzen nichts vorzuwerfen, sieht Graf Hohenzollern die Schuld sogar beim Kurfürsten, der den Prinzen durch seinen vorausgegangenen Scherz verwirrt habe und somit selbst für die Insubordination des Prinzen verantwortlich sei. Als der Kurfürst seine Offiziere abschließend befragt, ob sie sich auch weiterhin der Führung des Prinzen anvertrauen wollen, wird dies allgemein bejaht, woraufhin der König das Todesurteil zerreißt. Der Prinz jedoch erfährt nichts von seiner Begnadigung, sondern wird mit verbundenen Augen in den Schlossgarten geführt. In der Annahme, seine Hinrichtung stehe unmittelbar bevor, wartet er auf die tödliche Kugel. Stattdessen aber wird ihm von der Nichte des Kurfürsten ein Lorbeerkranz aufgesetzt. Der Prinz sinkt in Ohnmacht, wird jedoch durch Kanonendonner wieder geweckt. Auf seine Frage, ob alles nur ein Traum gewesen sei, antwortet Kottwitz: Ein Traum, was sonst?
* Dass der Große Kurfürst zwei Geburts- und Sterbedaten hatte und der Prinz von Homburg nur eines, liegt daran, dass der gregorianische Kalender in Preußen de iure erst am 22. August bzw. 2. September 1610, in den protestantischen Regionen de facto jedoch erst am 18. Februar bzw. am 1. März 1700 eingeführt wurde.
Prinzessin Natalie von Oranien, eine Nichte des Großen Kurfürsten (wie Anm. 36) und Geliebte des Prinzen Friedrich von Homburg in Kleists »Prinz Friedrich von Homburg«.
Am Sonntag, dem 26. Januar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Die Jungfrau von Orleans. Eine romantische Tragödie« (1801), ein Theaterstück von Johann Christoph Friedrich Schiller (ab 1802 von Schiller, * 10. November 1759, † 9. Mai 1805), einem deutschen Dichter, Philosoph, Historiker und Arzt, Karl Mays Lieblingsdichter.
Das Stück folgt lose dem Leben der französchen Nationalheldin Jeanne dArc (* vermutlich 1412, † 30. Mai 1431).
Im Prolog wird über den näher rückenden Krieg - den Hundertjährigen Krieg (1337-1453): die Handlung fängt an im Jahr 1430, eine späte Phases dieses Krieges - gesprochen sowie über die Auswirkungen des Krieges auf die Lage in Frankreich und in der Familie dArc. Die Figur Johanna wird eingeführt. Es wird gezeigt, dass Johanna in vielerlei Hinsicht anders ist als andere Menschen. Sie sucht die Einsamkeit, hat kein Interesse am Heiraten, hält aber eine flammende Rede zum Krieg. In einem Monolog nennt Johanna ihre Sendung: Sie erzählt von einem Auftrag des Geistes (Gottes bzw. des Heiligen Geistes), gegen die Engländer in den Krieg zu ziehen. Johannas Vater hingegen sieht ihre Entwicklung kritisch: Die Geister an ihrem Aufenthaltsort unter dem Druidenbaum verführten sie vermutlich zum Bösen, und sie selbst lasse es an christlicher Demut mangeln; sie wolle hoch hinaus, weil sie besonders schön sei. Als Bertrand mit einem Helm ankommt, den er von einer Zigeunerin auf dem Markt erhalten hat, wird Johanna klar, dass sie in den Krieg ziehen müsse. Ihres Erachtens ist der Helm für sie bestimmt und sie versteht es als Zeichen des Himmels, in den Kampf gegen England zu ziehen.
König Karl (Karl VII. der Siegreiche, französisch Charles VII le Victorieux, * 22. Februar 1403, † 22. Juli 1461; von 1422 bis 1461 König von Frankreich) will in militärisch aussichtslos erscheinender Situation resignieren, fasst aber neue Hoffnung, als Johanna durch ihren ersten Sieg angekündigt wird. Durch ihr bloßes Auftreten habe sie im Lager der Kriegsgegner für Panik gesorgt. Vor dem König beweist Johanna ihre seherischen Fähigkeiten und gibt weitere Details ihrer Sendung preis. Sie erklärt, sie habe ihren Auftrag von der Mutter Gottes erhalten. Jedoch sei diesem Auftrag als Bedingung gestellt, dass sie sich in keinen Mann verlieben dürfe. Am Königshof wird Johanna von allen auf Anhieb verehrt.
Die englische Heerseite wird vorgestellt. Auch die Engländer bewerten das Geschehene als ungewöhnlich, wenn auch als Ausdruck schwarzer Magie. Schon zu Beginn des Aufzugs ist die Uneinigkeit im Lager der Gegner Frankreichs erkennbar. In der anschließenden Schlacht tötet Johanna, die zuvor ein flammendes Bekenntnis zu ihrem Vaterland Frankreich und gegen die englischen Invasoren abgelegt hat, ohne jedes Erbarmen einen walisischen Soldaten namens Montgomery, obwohl dieser schon vor Johannas Auftritt seine Anwesenheit in Frankreich bereut. Ihre kindliche, von Pragmatismus freie Art zeigt sich auch in der Begegnung mit Philipp von Burgund (auch: Philipp der Gute, niederländisch Filips de Goede, französisch Philippe le Bon, * 31. Juli 1396, † 15. Juni 1467), vom 10. September 1419 bis zum 15. Juni 1467) aus, den Johanna dennoch durch ihre ergreifende und überzeugende Rhetorik letztlich für die französische Seite gewinnt.
Im Verlauf des dritten Aufzugs wird über die Zukunft Frankreichs und Johannas gesprochen. Die bisherigen Kriegsgegner versöhnen sich. Mehrere Große Männer streiten sich in Johannas Abwesenheit, wen Johanna heiraten soll. Nach ihrem Eintreffen gelingt Johanna sogar die Versöhnung von Philipp von Burgund mit Tanneguy III du Châtel, dem französischen Ritter, der Philipps Vater getötet hatte. Dunois und La Hire unterbreiten Johanna nacheinander einen Heiratsantrag. Johanna weist sie unter Hinweis auf ihr Liebesverbot ab. In der darauffolgenden Schlacht stirbt der englische Feldherr und Held Talbot (John Talbot, 1st Earl of Shrewsbury, 1st Earl of Waterford, 7th Baron Talbot, KG, * ± 1387, 17 July 1453; in Wirklichkeit stirbt der Mann also bedeutend später als im Schillerschen Drama) und Johanna begegnet dem mysteriösen schwarzen Ritter, der sie zum Abbruch ihrer Sendung bewegen will. Gleich darauf trifft sie auf den englischen Anführer Lionel. Johanna besiegt ihn im Kampf, doch wie sie ihn identifizieren will und ihm dazu den Gesichtsschutz entreißt, verlieben sie sich gegenseitig auf den ersten Blick ineinander. Johanna ist zutiefst verwirrt. Schließlich muss Lionel flüchten, weil die französischen Offiziere Graf Dunois und La Hire nahen.
Johanna schämt sich dafür, dass sie durch ihre Liebe zu Lionel und nicht etwa aus Mitleid ihren Auftrag verraten habe. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, Montgomery und andere Briten getötet zu haben, Lionel aber nicht. Nur widerwillig und mit schlechtem Gewissen nimmt Johanna die Fahne der Jungfrau Maria an und nimmt an der Krönung Karls zu Reims teil. Den Kontrast zu dieser deprimierten Stimmung bildet zunächst die Verehrung, mit der die Umwelt auf Johannas Erfolge reagiert; König Karl deutet sogar an, dass Johanna auf sein Betreiben heiliggesprochen werde. Nach der Krönungszeremonie trifft Johanna ihre Schwestern und will mit ihnen nach Hause, doch ihr Vater Thibaut kommt dazwischen und klagt sie öffentlich an, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Mehrere Donnerschläge begleiten dieses Gottesurteil. Johanna schweigt zu den Vorwürfen ihres Vaters; daraufhin wird sie verbannt. Ihr Freier Raimond begleitet sie in die Verbannung.
Johanna ist bei schwerem Gewitter mit Raimond im Wald unterwegs. Die Köhler, auf die sie trifft, halten sie für eine Hexe. Tatsächlich hat sich das Kriegsglück zu Gunsten der Engländer gewendet. Johanna jedoch beteuert Raimond gegenüber, nie schwarze Magie betrieben zu haben. Sie habe während des Gottesurteils nur aus Gehorsam gegenüber dem himmlischen und dem leiblichen Vater und deshalb geschwiegen, weil sie Strafe verdient habe. Jetzt aber sei sie mit sich im Reinen und werde alles akzeptieren, was Gott mit ihr vorhabe. Kurz darauf wird sie von Engländern, die von Königin Isabeau angeführt werden, gefangen genommen. Raimond benachrichtigt die Franzosen davon. Lionel will Johanna vor den eigenen Leuten schützen, die sie hängen sehen wollen. Johanna zeigt keine Liebe mehr zu Lionel. Dieser wird in die Schlacht gerufen und lässt Johanna bei Isabeau in einem Turm zurück. Die Engländer, so berichtet ein Beobachter, gewinnen an Boden. Daraufhin reißt Johanna sich auf wundersame Weise von ihren Ketten los, nachdem sie Gott kniefällig um Beistand gebeten hat, und wendet die Schlacht zugunsten der Franzosen. Dabei wird sie tödlich verwundet. Bevor sie stirbt, wird sie verklärt (helles Licht wird erzeugt, und sie sieht einen Regenbogen, der sie in ihre neue Heimat im Jenseits geleiten soll). In der Schlussszene wird die tote Johanna mit Fahnen zugedeckt, welche die Umstehenden auf sie legen.
Bis zum vierten Akt weichte das Stück nur in Nebensächlichkeiten von der Geschichte ab (z. B. indem die Versöhnung zwischen den Armagnacs und den Burgundern von 1435 auf 1430 vorverlegt wird und der Tod Talbots von 1453 auf 1430), danach ist die Handlung jedoch völlig frei. So starb Johanna nicht im Kampf, sondern am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen, gerade neunzehn Jahre alt.
Im 3. Akt spricht der englische Feldherr Talbot die geflügelten Worte Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.
Paul Friedrich Ziller (* 30. Mai 1846, † 11. März 1931) war ein deutscher neoklassizistischer Architekt, der etwa 25 Jahre lang in Griechenland bei seinem ältesten Bruder Ernst Moritz Theodor Ziller, auch Ἐρνέστος Τσίλλερ (* 22. Juni 1837, † 4. November 1923) entworfen hat. Er war der jüngste von vier Brüdern und entstammte wie diese aus einer sächsischen Baumeisterfamilie; er war der Baumeister des Karl-May-Grabes auf dem Friedhof Radebeul-Ost. Seine ledige Schwester Pauline (Rosenstraße 8, Serkowitz, heute Radebeul) lebte damals bei ihm. Die letzten Jahre seines Lebens lebte Paul jedoch in relativer Armut bei seiner Schwester Pauline in der Rosenstraße 20. Er wurde auf dem Friedhof Radebeul-Ost beerdigt.
Sein Bruder Ernst wurde auf dem Ersten Athener Friedhof bestattet; sein Grab ist inzwischen vermutlich geräumt, obwohl es ein Ehrengrab war. Karl May notierte in seinem Reisetagebuch, dass seine spätere Frau Klara auf die Idee gekommen sei, eine Kopie des Niketempel auf der Athener Akropolis zu bauen als Grabmal für die Ehepaare May und Plöhn. Da sie aber in Athen Ernst Ziller getroffen haben und dieser dort auf dem Ersten Athener Friedhof eine Kopie dieses Niketempels als Grabmal für den Archäologen Heinrich Schliemann erbaut hatte (allerdings, seltsamerweise mit dorischen Säulen statt Jonische, wie der Niketempel), liegt es näher, anzunehmen, dass die Idee von Ernst Ziller kam; sein Bruder Paul Ziller erbaute dann in Radebeul das Plöhn-/May-Grab, auch eine Kopie des Niketempels, aber richtig mit Jonische Säulen. (Übrigens war der ναός bzw. cella eines griechischen Tempels von innen ohne Reliefs. Während der gleichen Orientreise hatten die Mays und die Plöhns am 22. Juli 1900 auch Venedig besucht, wo Karl May in der Frarikirche schwärmte von Canovas Grab; dieses Grab, in dem übrigens nur Canovas Herz bewahrt wird, ist geschmückt mit einer Reihe von sechs Statuen: Weinende Personifikationen der Bildhauerei, Malerei und Architektur, gefolgt von drei Genien mit brennenden Fackeln, die die Unsterblichkeit der Kunst symbolisieren. Sollte die Idee für die Engel an der Rückwand von Mays Grabstätte hier ihren Ursprung haben?)
Carl Theodor Körner (* 23. September 1791, † 26. August 1813) war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Sein Vater war Freund und Förderer Schillers (wie Anm. 39), der eine Zeit lang bei den Körners wohnte.
Gemeint ist Galerie E. Arnold=Dresden. Der Verleger Ernst Sigismund Arnold (* 1792, † 1840) hatte diese Galerie in Dresden (von 1893 bis 1907: Wilsdruffer Straße 1, Ecke Altmarkt) 1818 geöffnet; nach seinem Tod wurden der Verlag und die Galerie von seinen Brüdern Friedrich Albert Arnold und Herrmann Arnold fortgesetzt. 1867 wurden sie übernommen von Adolf Ludwig Gutbier (* 1841, † 1902) und Bernhard Carl Christian Gräf; Letztere nahm 1872 den Verlag unter den Namen Ernst Arnold Kunstverlag, während die Galerie weitergeführt wurde von Gutbiers Sohn, Ludwig Wilhelm Gutbier (* 1873, †1951); er stellte vor allem Werke von zeitgenössischen Maler (ab 1893) aus. 1951 wurde die Galerie geschlossen.
Am Donnerstag, dem 30. Januar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Egmont. Trauerspiel in fünf Akten« (1788) von Johann Wolfgang von Goethe, dem größten deutschen Dichter und homo universalis.
»Egmont« 1788 veröffentlicht, spielt in Brüssel während des Niederländischen Aufstands gegen die spanische Herrschaft (1566–1568), der im Ausbruch des Achtzigjährigen Krieges (1568-1648) gipfelte. Das Drama erzählt vom Untergang des niederländischen Grafen Lamoraal I van Gavere, graaf van Egmont (auch: Egmond; * 18. November 1522, † 5. Juni 1568), einer der führenden Kräfte der niederländischen Adelsopposition gegen die Spanier, der sich bemüht, der spanischen Krone treu zu bleiben und gleichzeitig an seinen eigenen Überzeugungen festzuhalten. Er ignoriert Warnungen bis zum letzten Augenblick und unterschätzt die von den Spaniern ausgehende Gefahr. Die katholische Regentin der Niederlande, Margarete von Parma (* 5. Juli 1522, † 18. Januar 1586; Statthalterin der habsburgischen Niederlande von 1559 bis 1567), Schwester Philipps II. von Spanien (* 21. Mai 1527, † 13. September 1598; König von Spanien von 1556 bis 1598), erfährt in ihrem Kampf gegen die protestantischen Bilderstürmer wenig Unterstützung von den niederländischen Adligen Graf Egmont und Wilhelm von Oranien (* 24. April 1533, † 10. Juli 1584; Prinz von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg, niederländischer Staatsmann und Feldherr). Während Oranien eine rätselhafte Figur bleibt und – wie die Regentin vermutet – im Hintergrund agiert, ist Egmonts Verhalten von Gleichgültigkeit und dem Wunsch nach einem friedlichen und komfortablen Leben für sich und sein Volk geprägt. Der freiheitsliebende und großzügige Egmont ist beim Volk beliebt.
Die Regentin informiert ihren Bruder über den Bildersturm. Dieser entsendet daraufhin umgehend den berüchtigten und grausamen Herzog von Alba (Don Fernando Álvarez de Toledo y Pimentel, 3. Herzog von Alba, * 29. Oktober 1507, † 11. Dezember 1582) mit seinem mächtigen Heer in die Niederlande, um Frieden und Ordnung wiederherzustellen. Während der weitsichtige und misstrauische Oranier beschließt, den Spaniern die Einreise zu verweigern und versucht, Egmont zu warnen und ihn für sich zu gewinnen, bleibt Egmont naiv. Er glaubt, König Philipp sei ein gerechter Herrscher.
Vom Tag seiner Ankunft an wird das Volk von Herzog Alba systematisch unterdrückt. Als der Herzog Egmont und Oranien an seinen Hof einlädt, um sie in eine Falle zu locken, erkennt Oranien die Gefahr und erscheint nicht, während Egmont in seiner Naivität die Einladung annimmt. Egmont erklärt Alba voller Überzeugung, dass die Niederländer sich niemals einer Fremdherrschaft unterwerfen werden. Trotz seiner Worte wird Egmont – gemäß Albas Plan – gefangen genommen, des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt. Seine Geliebte Clärchen versucht vergeblich, die Bürger zu einem Aufstand zu mobilisieren, um Egmont zu befreien. Die eingeschüchterten und verängstigten Menschen wenden sich von Egmont ab. In der Erkenntnis der Ausweglosigkeit der Lage begeht sie Selbstmord durch Vergiftung.
Kurz vor Egmonts Hinrichtung erscheint Albas Sohn Ferdinand (Don Fernando de Toledo, * ± 1528, † 1591). Obwohl er Egmont nicht retten kann, offenbart sich Ferdinand als sein Freund und Schüler. Egmont schläft dankbar ein. Im Traum begegnet er der Freiheit in Gestalt seiner Geliebten. Sie sagt ihm, dass sein Tod den Niederlanden die Freiheit bringen wird und überreicht ihm einen Lorbeerkranz. Bei Sonnenaufgang ist Egmont bereit, für die Freiheit zu sterben und wired anschließen auf dem Brüsseler Markt enthauptet. Dieser Mord löst den Achtzigjährigen Krieg aus.
Dr. med. Johannes Leopold Curt Mickel (* 6. Mai 1858, † 1939) war ein sehr guter Freund von Richard Plöhn und während der Radebeuler Zeit Karl Mays Hausarzt. Er lebte mit seiner verwitweten Schwester zusammen und heiratete erst 1923.
Johann Wolfgang Goethe (ab 1782: von Goethe, * 28. August 1749, † 22. März 1832), war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt bis heute als einer der größten Dichter Europas. Von Klara May wird der Name konsekwent als Göthe buchstabiert.
Aeschylus (Αἰσχύλος, * 525, † 456 v. Chr.) ist vor Sophokles und Euripides der älteste der drei großen Dichter der griechischen Tragödie. Seine revolutionäre Reduzierung der Rolle des Chors und die Einführung eines zweiten Schauspielers (ὑποκριτής) revolutionierten durch den dadurch ermöglichten Dialog das griechische Theater. Von den circa 90 Stücke, die er schrieb, sind lediglich 7 erhalten.
Edmund Moritz Glomme (* 22. September 1845, † 27. November 1913) war Sänger (Bariton). 1869 gab er sein Operndebüt in Plauen i. V. Von 1873 bis 1878 war er führender Bariton des Danziger Stadttheaters, von 1878 bis 1881 dasselbe der Berliner Oper und von 1881 bis 1889 Direktor des Hoftheaters in Altenburg. Nach 1889 trat er nur noch als Gast an Theatern auf, wirkte an Oratorienkonzerten mit und gab Liederabende, darunter seinen letzten am 6. Februar 1910 in Danzig.
»Προμηθεὺς δεσμώτης« (»Der gefesselte Prometheus« (± 470) war der erste Teil eines Prometheus-Trilogie, deren andere zwei Teilen – »Προμηθεύς Λυόμενος« (»Der befreite Prometheus«) und »Προμηθεύς Πυρφόρος« (»Prometheus der Feuerträgende«) – nur noch fragmentarisach erhalten sind.
Nach Zeus Rebellion gegen seinen Vater Kronos und dem darauffolgenden Krieg festigte Zeus seine Macht und vernichtete all seine Gegner. Prometheus, der Seher (der die Zukunft kannte), hatte den Titanen zunächst geraten, List anzuwenden, da er wusste, dass nur dies zum Sieg führen würde. Da sie jedoch glaubten, Brutalität triumphiere über List, und seinen Rat nicht befolgen würden, verbündete er sich mit Zeus.
Als Zeus beschloss, die Menschheit auszulöschen, um eine neue zu gründen, stellte sich ihm nur Prometheus entgegen und schenkte den Menschen das Feuer (ein Symbol des Wissens), das die Götter eifersüchtig gehütet hatten. Er lehrte sie außerdem das Konzept der Zeit, Mathematik (Zahlen), Schrift, Ackerbau (durch die Zähmung von Tieren), Reitkunst, Seefahrt, Medizin, Wahrsagerei und Metallurgie. Auf Befehl des Zeus und gegen seinen Willen wurde Prometheus von Hephaistos (dem Sohn des Zeus, Gott des Feuers und der Metalle) an einen Felsen am Rande der Erde gefesselt. Dann erschien Okeanos und versprach, bei Zeus für ihn einzutreten. Io folgte und erzählte von den Unglücken, die ihn getroffen hatten, bevor Prometheus sein Schicksal offenbarte.
Prometheus enthüllte daraufhin, dass seine Strafe nicht ewig dauern würde, sondern dass er von einem Nachkommen der Io (Herakles) befreit werden würde und dass Zeus nicht ewig an der Macht bleiben, sondern gestürzt werden würde. Mehr konnte Prometheus nicht sagen, denn er musste das Geheimnis bewahren, das nur er kannte, damit Zeus seinem Schicksal nicht entging.
Hermes griff daraufhin im Namen des Zeus ein und forderte von Prometheus, sein Geheimnis preiszugeben, andernfalls würde er gefoltert. Prometheus weigerte sich, da er wusste, dass Zeus ihn nicht töten konnte. Er ist dazu verurteilt, von einem Adler gequält zu werden, der ewig seine Leber verzehren wird, die sich jedoch ständig regenerieren wird.
Die »Ὀρέστεια« (»Orestie«, 458 v. Chr.) ist die enzige, erhaltene Triolgie von Aeschylus. Im ersten Teil, »Ἀγαμέμνων« (»Agamemnon«), wird König Agamemnon von Mykene ermordet von Aegisthus, der Liebhaber Agamemnons Frau Klytaimnestra. Im zweiten Teil, »Χοηφόροι« (»Choephoren« oder »Die Weihgussträgerinnen«), wird Klytaimnestra von ihren Sohn Orest als Rache für den Mor dan Agamemnon ermordet. Im letzten Teil, »Εὐμενίδες« (»Die Eumeniden«) wird die Entsühnung des Muttermörders Orestes dargestellt.
Athena (Ἀθηνᾶ) oder Athene (Ἀθήνη) war eine Tochter des Zeus und ist die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, der Künste, des Handwerks und der Handarbeit sowie Schutzgöttin und Namensgeberin der griechischen Stadt Athen.
Ἐρινύες (Erinnyen; seit Aeschylus auch Εὐμενίδες (Euminden, Wohlmeinendensind in der griechischen Mythologie drei Rachegöttinnen: Ἀληκτώ (Alekto), Μέγαιρα (Megaira) und Τισιφόνη (Tisiphone). Sie stellen die personifizierten Gewissensbisse dar.
Am Mittwoch, dem 5. Februar um 19.30 besuchten Karl May und Klara Beibler (Emma war krank) im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Gyges und sein Ring, Tragödie in fünf Akten« (1854), ein Bühnenstück von Friedrich Hebbel, basierend auf dem Mythos, wie er von Platon, Herodot und Cicero erzählt wurde. Der Grieche Gyges lebt am Hof des lydischen Königs Kandaules als dessen Freund und Günstling. Er schenkt Kandaules einen magischen Ring, den er einst in einer Grabkammer fand: Wenn man den Ring trägt und den Stein nach vorn dreht, wird man unsichtbar. Kandaules ist sehr stolz auf die Schönheit seiner Gattin Rhodope, die sich jedoch niemandem unverschleiert zeigt. Er überredet Gyges, sich mit Hilfe des Rings unbemerkt in ihr Schlafgemach zu schleichen, damit er sich von ihrer Schönheit überzeugen kann. Rhodope bemerkt jedoch Geräusche, und Kandaules kann gerade noch verhindern, dass Rhodope den Eindringling bemerkt. Sie fordert nun jedoch, dass Gyges Kandaules töten soll und mit ihr heiraten. Gyges willigt ein. In einem Zweikampf erschlägt Gyges Kandaules. Das Stück endet mit der Hochzeitszeremonie im Tempel der Hestia, doch noch im Tempel ersticht Rhodope sich selbst.
Am Freitag, dem 7. Februar 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Johannes: Tragödie in fünf Akten und einem Vorspiel« (1898), als Schauspiel das magnum opus von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
»Johannes« basiert auf der biblischen Geschichte von Johannes dem Täufer, Herodias und Salome.
In eine wilde Felsgegend in der Nähe Jerusalem führt uns das Vorspiel: dort haust der Täufer, dorthin strömen die am Leib und an der Seele Leidenden aus der heiligen Stadt und scharen sich um den neuen wunderbaren Rabbi; die Palastmägde Hadidja und Mirjam, der Jünger Manasse in seinem Schmerz um das ihm von den Römern gemordete Familienglüc, der wimmernde Gichtbrüchige, den die Frauen herbeischleppen, viel gedrücktes, unter der Tyrannei des verknöchterten Rabbinentums und unter der Geißel der Römer seufzendes armes Volk, das nach Erlösung schreit. Ihnen allen verheißt Johannes mit Flammenworten den Kommenden als den Richter und Retter. Israel, mit Fluch beladen, wie der Herbst mit reifen Trauben, soll vorwärts schauen; schweigendes Gebet soll sein und Sehnsucht und Harren – atemlos, bis Frohlocken sein wird, hochzeitliche Kleider und Zimbelklang. Der gichtbrüchige wird seines Daseins froh, der Prophet hat ihm die Gesundheit suggeriert; das Volk, das im Rausch der Freude den Täufer anbeten will, hört durch ihn von seiner Begegnung mit dem Kommenden aus Galiäa, dem Arzt für die Fiebernden, dessen Namen er nicht weiß, den er aber im Jordan taufen durfte. Sie beugen sich in den Staub. Da bringen die Jünger Josphat und Mattias die unerhörte Kunde, welche Mirjam bestätigt: Herodes Antipas sei mit seines Bruders Weib und deren Tochter Solome zum Passahfest nach Jerusalem gekommen; Zucht und Sitte höhnend, wollen sie am anderen Tag den Tempel beschreiten; der Hohepriester Jehovas soll den Frevel segnen! Der Täufer entschließt sich, die zagenden Freunde abweisend, seines Wachtamtes in Jerusalem an Gottes Statt zu walten.
Der erste Akt spielt vor dem Palast des Herodes in Jerusalem. Wir bekommen ein in seiner Fülle bewundernswertes, aus Kenntnis geschöpftes Bild von der seelischen Stimmung des jüdischen Volks und seiner äußeren Lage, deren Summe jener Mann aus dem Volke zieht: Wen der Römer nicht schlägt, den schlägt das Gesetz. Wir finden den eifrigen Wollehändler Eliatim, der beständig in der Gesetzesrolle liest, und seinen findigen Nachbar, den Fruchthändler Pasur, der sich die Gottseligkeit zu allen Dingen nütze macht; die übermütige römische Soldateska, die das Gesindel bewachen muss und sich die Zeit mit Spott, Spiel und Liebeszügen kürzt; die sadduzäischen Priester, denen die Schüler der Pharisäer den angebotenen Segen verächtlich zurückgeben; den bekümmerten Bürger, den der anbrechende Sabbat an der Pflege seines kranken Weibes hindert; den finsteren Zeloten David mit dem Dolch unter dem Mantel, der lauernd am Palast vorüberstreicht; das Prachtexemplar von Pharisäer, Amasai, der das Volk kriechen lehrt und die Würde seines Rockes wahrt gegen verunreinigende Berührung; Simon den Galiläer, den der Nazarener mit seiner Predigt von der Menschenliebe frei macht von der Formel der Synagoge; – sie alle überragend: Johannes und sein Schülerkreis! Das Mittelstück dieses Aktes bildet der Redekampf zwischen Johannes und dem Pharisäer: Amasai und seine Genossen knebeln das Volk durch das unter ihren Händen erstarre Gesetz, der Täuferprophet verinnerlicht es als Befreiung der Persönlichkeit, es weist auf den Meister, der es krönen wird. Das Volk schwankt zwischen dem Vertreter der Tradition und Johannes. Dieser selbst wird getroffen durch die noch unsichere Kunde, der Nazarener, sein Messias, predige die Liebe, die er über Gesetz und Opfer stelle. Der Akt schließt mit dem Einzug der Königsfamilie, die an der erregten Volksmenge vorbei in den Palast schreitet (Salome trifft das Prophetenauge), und mit der Frage des Täufer an seine Umgebung: Sagte er nicht: die Liebe?
Der zweite Akt spinnt den angelegten Faden weiter: Salome schwelgt in der Erinnerung an die bleichen hellenischen Jünglinge mit dem goldbraunen Gelock, die sie zu Antiochien gesehen, und plaudert mit ihren Mägden in Schamlosigkeit. Es entflammt ihre Sinnlichkeit neu an dem Anblick des Täufers auf dem Marktplatz, der das Volk beherrscht – ein Fels, der sich nicht neigt! Sie begrüßt Herodias, Mutter und Tochter tauschen die teuflische Losung: Wir stechen, wen wir lieben; un wen wir lieben, den küssen wir. Die Ehegatten sagen sich nicht eben Koseworte; Herodias, die heimliche Ränke spinnt, durchschaut als Überlegene das lüsterne Kokettieren ihres Gatten, der der Zugelaufenen schon wieder überdrüssig ist, mit ihrer jungen Tochter, und lässt ihn wie seine drei Freunde ihren Hohn fühlen nachdem sie ihn mit wilden Worten an vergangene Tage und Nächte erinnert. Herodes muss gute Miene zum bösen Spiel machen –: Herodias hat den Tempelgang vorbereitet und des Königs Wort ihrem Spiel der Lust und Macht verpfändet. Johannes und Salome, Johannes und Herodias werden einander gegenübergestellt. Rosen in Fülle, wie der Waldgott sie noch nie gesehen, und sinnbetörende, leise Musik sollen den starren Fremdling berücken. Der Täufer weist die Prinzessin ab. Sie wendet ihre Beredsamkeit auf, Erinnerungen an Worte und Bilder der Bibel, das Beispiel des Königs Manasse, der dem Sonnenkult gehuldigt –: Geh! sagt Johanners; ich kann dir nicht sonne sein und nicht König! Gürte deine Lenden, wirf ein graues Gewirk über dein Haar und wende dich von mir . . . eile, denn ich bin gesandt als ein Zorn über dich und ein Fluch, dich zu vertilgen! – Der Herodias, die alle Künste spielen lässt, ihn geschmeidig zu machen, sagt er fürchterliche Wahrheiten. Sie ist für Johannes, was für Jesus der Teufel in der Versuchungsgeschichte ist. Aber auch jener ist nicht zu kaufen. Doch schärft sie ihm das Problem seines Lebens, indem sie ihm vorhält, die Menschen richten könne nur, wer menschlich mit ihnen fühle und lebe, nur wer die Liebe des Herzens kenne – wovon ihm der Glutwind der Wüste nichts gesagt. Das Unwägbare seiner Persönlichkeit und die Wucht der Wahrheit, die er ihr wie Feuerbrand ins Gewissen schleudert, entwaffnen das tigerhafte Weib, dass sie ihn nicht anzutasten wagt.
Der dritte Akt, der in zwei Teilen zerfällt, die eine Verwandlung auf offener Bühne scheidet, führt den Konflikt auf die Höhe und bringt die Peripetie (Wendung zum Abstieg des Stückes). Die Passahfeier im Hause Josaphats, des Jüngers, ist beendet. Jael, sein Weib, klagt dem Propheten ihre Not um das tägliche Brot und fügt den Vorwurf hinzu, die Liebe des Gatten und Vaters habe Johannes an sich gerissen. Mit halber Kraft wehrt sich der Täufer: Lieben wollt‘ ich euch nicht – richten wollt‘ ich euch! Alle reden sie von Liebe, die ihm so verdächtig ist – sein Messias, an der sich seine ringende Seele klammert, wird der Richter sein! Mirjam, die Waise, unklare Sehnsucht im jungen Herzen, bringt Bescheid üben den geplanten Tempelbesuch des Fürstenpaares; Johannes, der den Boten gesandt, jenen Mann mit der Botschaft der Liebe zu suchen, muss vernehmen, die Zeloten hätten den Störenfried am Brunnen meuchlings ermordet. Die Reihen der schlafenden Pilger an der Tempelmauer durchwandelt, nach Galiläern spähend, der Prophet. Mesulemeth, die alte Bettlerin, die ihren Platz am Tempelstein von Hanna übernommen, welche nach vierzigjährigem Harren den Messias sah, erzählt von der Darstellung des Jesuskindes im Tempel, und was sich dabei begab. Als er ihr den Wiederkehrenden, auf den sie wartet, malt als gepanzerten König mit gezücktem Schlachtschwert, weist sie ihn von sich: Den will ich nicht! Mit goldenen Panzer angetan sind schon viele gekommen und haben das Schwert gereckt so oft, dass Israel blutet wie ein Opfertier. Nein – zu uns Armen ist noch kein König gekommen. Geh fort; du vergreifst dich an meinem Bisschen Hoffnung. Du bist ein falscher Prophet! Wieder bezeugen es ihm die beiden Fischer vom galiläischen See, der Zimmermannssohn feiere frohe Feste mit den Armen und Verkommenen, und allerhand torheit lehre er, wie – die Feindesliebe! Das trifft ins Herz. Signalhörner rufen das Volk zum Morgengebet in den Tempelvorhof. Herodes schreitet einher mit der Buhlerin. Das Volk stürmt auf Johannes ein, der Schmach zu wehren; die Jünger bitten und fordern, dass er einschreite. Er hat die Freitreppe erstiegen, er hebt den Stein, den sie ihm reichen, zum Gericht – er lässt ihn zu Boden sinken mit den fragenden Worten: Im Namen dessen, der – mich – dich – lieben heißt . . . ? Die Häscher greifen ihn.
Der vierte und fünfte Akt zeigen den gefangenen Täufer. Seine Prophetenlaufbahn ist vernichtet; seine Seele reift dem Licht entgegen. Herodes, der geriebene Vierfürst, möchte mit dem seltsamen Häftling ein Geschäft machen: er soll ihn zum König der Juden ausrufen und seine Karriere ist gemacht. Johannes schont ihn nicht und beigt sich nicht. Auch Salome, die ihm, von Sinnlichkeit durchwühlt, ihre lockende Jugend darbietet, findet an ihm den Unnahbaren. Meine Seele leidet Gewalt von dir und sie leidet mir Freuden, denn niemanden sah ich gewaltiger als dich, du Wilder unter den Söhnen Israels! – Du bist die Sünde; geh!
Josaphat und Matthias sind zum Nazarener übergegangen. Johannes lernt verzeihen. Den ihm treu gebliebenen Rest seiner Jünger sendet der einsame, dessen Horizont sich von ferne umsäumt, mit der Frage an den Meister: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen andern warten? Die Jünger wollen gehen; Johannes ruft sie zurück: Lasst mich eure Hände fassen; denn – mich dünkt – ich – hab – euch – lieb.
Herodias brütet Rache; Salome, die Verschmähte, verbindet sich mit der Mutter. Am Abend soll sie zu Ehren des syrischen Legaten Vitellius, dem Herodes nebst Gefolge ein festliches Mahl bereitet, entschleiert vor den Männern tanzen, sodann dem Könige, der sie mit Lustgedanken betrachten wird, als Belohnung das Haupt der Verhassten abtrotzen – auf einer goldenen Schüssel, setzt das Mädchen mit Widernatur hinzu. Der Plan ist fein gesponnen. Herodes, geschmeichelt von der guten Laune seiner römischen Gäste und trunken vom Anblick der Tänzerin, hat ihr unter Schwur die Gewährung ihrer Bitte zugesagt: bis zur Hälfte seines Königreichs! Was hilft, da sie sie ausspricht, dem schwachen Mann sein Entsetzen, sein Wohlwollen für den Täufer – er band sich selber die Hände. Herodes schwankt, Herodias schürt, Vitellius spottet. Johannes ist bereit zu sterben, sobald die Botschaft vom galiläischen Meister eintrifft, die ihn zur letzten Freiheit führen soll. Im Prunkgemach seiner Feinde wird sie ihm zuteil. Den Armen wird das Evangelium gepredigt, und selig ist, so hat Jesus seinen Freund sonderlich entbieten lassen, wer sich nicht an mir ärgert. Da fallen die Hüllen; es ist die innere Höhe des Dramas. Zwischen der Forderung des Gesetzes und der Botschaft von der Güte, die verzeihen und dulden kann, hat er, auf der Grenzscheide stehend zwischen zwei Zeitaltern, sich abgemüht; jetzt, da die äußere Welt vor ihm versinkt und er der Brutalität erliegt, dringt er zur Freiheit des Geistes durch: der Friedefürst sitzt auf dem Weltenthron, sein Schwert heißt Liebe und Erbarmen ist sein Schlachtruf; als niemandes Munde darf der Name Schuld ertönen, nur aus dem Munde des Liebenden. Über Salome hinwegsehend, die ihren letzten Trumpf ausspielt, geht Johannes leuchtenden Antlitzes in den Tod. Die Vorgänge der Hinrichtung usw. verfolgt allein das Auge der Phantasie. Das Grauen lähmt sie alle. Währenddessen schwillt ein Brausen an von jubelnden Stimmen: den Messias, den König der Juden, der in seine Stadt einzieht, umjauchzt das Volk mit Hosiannagesang und wehenden Palmen.
Am Sonntag, dem 9. Februar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Vereinshaus-Saal des Dresdner Stadtvereins für Innere Mission (wie Anm. 4) den 5. Volkstümlichen Musikabend (den Russischen Komponistenabend).
Anton Grigorjewitsch Rubinstein (Антон Григорьевич Рубинштейн, * 16. [jul.] / 28. November 1829 [greg.], † 8. [jul.] / 20. November 1894 [greg.] ) war ein russischer Komponist, Pianist und Dirigent. Im Oktober 1859 zählte Rubinstein zu den Begründern der Russischen Musikgesellschaft, auf deren Bestreben am 8. [jul.] / 20. September 1862 [greg.] in Sankt Petersburg das erste russische Konservatorium gegründet wurde.
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (Пётр Ильи́ч Чайко́вский, * 25. April [jul.] / 7. Mai 1840 [greg.], † 25. Oktober [jul.] / 6. November 1893 [greg.] war ein russischer Komponist.
Alexander Konstantinowitsch Glasunow (Алекса́ндр Константи́нович Глазуно́в, * 29. Juli [jul.] / 10. August 1865 [greg.], † 21. März 1936) war ein russischer Komponist.
Gustav Selmar Werner (* 12. Dezember 1864, † 19. August 1953) war ein Bildhauer und Freund Karl Mays, dessen Atelier in der Blasewitzer Straße 9, Dresden, lag. Nach einigem Zögern – Klara Plöhn sah zunächst Max Klinger für diese Aufgabe vor – fiel die Wahl für das Figurenrelief des Grabmals auf den damals noch kaum mit Großaufträgen betrauten Selmar Werner. 1903 stellte er es fertig. Spätestens 1908 schuf er in schneeweißen Marmor die Büste Karl Mays; die bronzene Winnetou-Büste entstand dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit erst 1925. Eine der letzten Arbeiten Selmar Werners war die 1952 geschaffene grazile Madonna für das Grab des Leiters des Karl-May-Verlags, Euchar Albrecht Schmid (* 29. August 1884, † 15. Juli 1951); früher in Bad Liebenstein, heute in Bamberg zu sehen.
Gustav Otto Müller (* 6. September 1827, † 21. Februar 1922) war ein deutscher Maler, Kopist, Schriftsteller - und ein Bekannter Karl Mays. Müller war vor allem als Militärmaler bekannt, fertigte aber auch Landschaften und Genrebilder. Er wurde von May als Pflegevater von Klara Beibler verw. Plöhn bezeichnet.
Adalbert Milde war ein Kunstgießer und Eigentümer der Kunstgießerei Adalbert Milde & Co., Dresden. Ob der Besuch an Burghardt und Milde tatsächlich an diesem Montag stattgefunden hat, ist nicht bekannt; Klara klingt bei dieser Tagebucheintragung müde.
Am Mittwoch, dem 13. Februar um 19/00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Des Meeres und der lieben Wellen. Trauerspiel in fünf Aufzügen« (1831), ein Theaterstück von Franz Grillparzer. Das Stück handelt von Hero, einer Priesterin der Aphrodite, die ringt zwischen Liebe und Pflicht. An Anfang der Tragödie bereitert sie sich im Tempel der Aphrodite vor auf ein Fest. Sie offenbart ihre ambivalenten Gefühle gegenüber ihrer Rolle als Priesterin und deutet den Wunsch nach persönlicher Freiheit an. Andere Figuren, darunter ihre verspielten Gefährtinnen und Autoritätspersonen wie der Oberpriester, diskutieren über gesellschaftliche Erwartungen und das Wesen von Beziehungen. Die Bühne ist bereitet für die Spannung zwischen Heros Pflicht und ihrer Sehnsucht nach Liebe und deutet ihre Begegnung mit Leander an – einem Fremden, der ihre Verpflichtungen infrage stellen wird. Inmitten dieser Spannung erzeugt die bevorstehende Festtagsstimmung ein Gefühl der Feierlichkeit, vermischt mit den unterschwelligen Strömungen göttlicher Kontrolle und menschlicher Gefühle.
Die Ehepaare May und Plöhn waren vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1900 in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Am 29. Juli 1900 bekam Karl May von einem Türke eine Ansichtskarte vom Leanderturm. Wir Europäer nennen den Turm tatsächlich Leanderturm: Der Überlieferung nach schwamm Leander jede Nacht zu seiner geliebten Hero durch den Hellespont, bis eines Nachts die Fackel, die ihm den Weg wies, erloschen war. Er verlor die Orientierung und ertrank. Als Hero ihren toten Geliebten am Ufer fand, warf sie sich ebenfalls in die Fluten. Die Türken nennen das Ding jedoch Kız Kulesi, Mädchenturm und haben ihre eigene Mythologie: Einer alten Legende nach lebte einst ein Pascha in Istanbul, der die Prophezeiung bekam, dass seine Tochter vergiftet werde und daran stürbe. Also sperrte er das Mädchen in dem Turm auf der Insel ein. Das Mädchen lebte viele Jahre dort in Sicherheit, aber eines Tages wurde ihr ein Obstkorb gesendet, in dem sich eine Schlange versteckte. Dies wusste aber keiner. Die Schlange biss das Mädchen und sie starb. Man kann dem Schicksal oder einer Prophezeiung niemals entkommen!
William Shakespeare (getauft am 26. April 1564 [jul.], † 23. April [jul.] / 3. Mai 1616 [greg.]) war ein englischer Dichter und Dramatiker, vielleicht der größter europäischer Dramatiker überhaupt.
Am Montag, dem 13. Februar 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Henry IV, Part I« (eigentlich: »The First Part of Henry the Fourth, with the Life and Death of Henry Sirnamed Hot-Spurre« (± 1587) (deutsch »Heinrich IV., 1. Teil«), ein Historiendrama von William Shakespeare (wie Anm. 74).
Das Stück folgt drei Gruppen von Figuren, die anfangs nur indirekt miteinander interagieren. Im Verlauf der Handlung rücken diese Gruppen enger zusammen und treffen im Höhepunkt, der Schlacht von Shrewsbury (21. Juli 1403), aufeinander. Die erste Gruppe konzentrierte sich auf König Heinrich IV. (Henry IV, auch bekannt als Henry Bolingbroke, * ± april 1367, 20. März 1413; König von England von 1399 bis 1413, Herr von Irland und Herzog von Aquitanien) und sein engster Beraterkreis, der einen wachsenden Aufstand niederschlagen will. Die zweite Gruppe besteht aus rebellischen Lords unter der Führung von Thomas Percy, Earl of Worcester, zu denen auch sein Bruder, der Earl of Northumberland, und sein energischer Neffe Harry Percy (Hotspur, * 1364/66, 1403) gehören. Der schottische Earl of Douglas, der Waliser Owen Glendower und Edmund Mortimer schließen sich ihnen ebenfalls an. Die dritte Gruppe, das komische Zentrum des Stücks, besteht aus dem jungen Prinzen Hal (König Heinrichs ältestem Sohn) und seinen Gefährten Falstaff, Poins, Bardolph und Peto.
Von Anfang des Stücks an ist Heinrichs IV. Herrschaft von Problemen überschattet: Seine persönliche Unruhe darüber, Richard II. (* 6. Januar 1367, ± 14. Februar 1400, König von England von 1377 bis 1399) den Thron entrissen zu haben, ließe sich durch einen Kreuzzug ins Heilige Land lösen, doch die Spannungen an seinen Grenzen zu Schottland und Wales machen ein solches Vorhaben unmöglich. Zudem steht er zunehmend im Konflikt mit der Familie Percy, die ihm zum Thron verholfen hat, und mit Edmund Mortimer, dem von Richard II. auserwählten Erben. König Heinrich ist auch über das Verhalten seines ältesten Sohnes und Erben Hal (des späteren Heinrich V.) beunruhigt. Hal hält sich kaum am Hof auf, sondern zieht es vor, in Wirtshäusern mit minderwertigen und ehrlosen Gefährten zu trinken. Dies macht ihn zum Gespött des Adels und gefährdet seine Legitimität als Thronfolger. Gleich zu Beginn des Stücks beklagt König Heinrich, er sehe Aufruhr und Schande auf dem Antlitz des jungen Harry. Hals engster Freund ist Sir John Falstaff, ein feiger, stammsüchtiger, aber geistreicher Ritter, dessen Charisma und Lebensfreude den Prinzen in ihren Bann ziehen.
Im ersten Akt nimmt die politische Handlung des Stücks ihren Lauf. König Heinrich und Hotspur geraten nach einer Meinungsverschiedenheit über die Behandlung von Geiseln aneinander: Hotspur verweigert entgegen dem Befehl des Königs die Herausgabe von Geiseln, die in der Schlacht von Homildon Hill (14. September 1402) gegen die Schotten genommen wurden, während König Heinrich sich weigert, Owen Glendower (einem walisischen Rebellen) das Lösegeld für Hotspurs Schwager Edmund Mortimer zu zahlen. Diese Meinungsverschiedenheit und die allgemeine harte Behandlung des Hauses Percy durch den König treiben sie dazu, sich mit walisischen und schottischen Rebellen zu verbünden und zu beschließen, „diesen undankbaren und verbitterten Bolingbroke“ abzusetzen.
Unterdessen trifft sich Hal mit Falstaff und seinen Gefährten in der Boars Head Tavern (Taverne Zum Eberkopf). Falstaff und Hal haben geschlossen, doch Hal genießt es, Falstaff zu beleidigen, und macht in einem Selbstgespräch deutlich, dass er nicht ewig so weitermachen will: Hal will seinen hohen Rang am Hof zurückgewinnen, indem er sich seinem Vater beweist. Er argumentiert sogar, dass er durch einen plötzlichen Sinneswandel beim Adel noch beliebter sein wird, als wenn er sich sein Leben lang konventionell verhalten hätte. Dennoch ist er bereit, einen Komplott gegen Falstaff auszuführen: Nach einem Straßenraub wollen Hal und Poins sich von Falstaff entfernen, sich verkleiden und ihn ausrauben, nur um später den älteren Mann darüber zu hören. Anschließend wird Hal das gestohlene Geld zurückgeben. Der Plan gelingt.
Als die Revolte Mortimers und des Hauses Percy anwächst, versöhnt sich der Prinz mit seinem Vater und erhält das Kommando über eine Armee. Er schwört, die Rebellen Hotspurs zu bekämpfen und zu töten, und befiehlt Falstaff, eine Gruppe Fußsoldaten zu rekrutieren und zu führen. Falstaff nutzt die Ernährung, um sich zu bereichern, indem er denen, die nicht zum Dienst gezwungen werden wollen, etwas abnimmt und schließlich nur die Ärmsten rekrutiert, denen er den Lohn vorenthält.
Alle Parteien treffen in der Schlacht von Shrewsbury aufeinander, einem entscheidenden Moment für alle Beteiligten: Sollten die Rebellen nicht gänzlich besiegt werden, erlangen sie einen beträchtlichen Vorteil; im Falle eines Patt oder eines Sieges der Rebellen können weitere Truppen (unter Northumberland, Glendower, Mortimer und dem Erzbischof von York) zu Hilfe gerufen werden. Obwohl Heinrich den Rebellen zahlenmäßig überlegen ist, führt Hotspur, wild und kampferfahren, das gegnerische Heer persönlich an. Während sich die Schlacht hinzieht, wird der König von Douglas gejagt. Prinz Hal und Hotspur duellieren sich, und in einem wichtigen Moment edler Tugend für den jungen Prinzen siegt Hal und tötet Hotspur im Zweikampf.
Während Hals Kampf mit Hotspur allein gelassen, täuscht Falstaff ehrlos seinen Tod vor, um einem Angriff von Douglas zu entgehen. Nachdem Hal Hotspurs Leiche auf dem Schlachtfeld zurückgelassen hat, erwacht Falstaff in einem vorgetäuschten Wunder wieder zum Leben. Als er sieht, dass er allein ist, sticht er Hotspurs Leichnam in den Oberschenkel und beansprucht den Mord für sich. Hal erlaubt Falstaff, die Ehre des Mordes für sich zu beanspruchen. Kurz nach Hals großzügiger Geste erklärt Falstaff, er wolle sein Leben bessern und fortan wie es sich für einen Adligen gehört, ein tugendhaftes Leben führen.
Das Stück endet nach der Schlacht in Shrewsbury. Der Verlust Hotspurs und die Niederlage haben der Rebellenbewegung einen schweren Schlag versetzt. König Heinrich ist mit dem Ergebnis zufrieden, nicht zuletzt, weil es ihm die Gelegenheit gibt, Thomas Percy, den Earl of Worcester, einen seiner Hauptfeinde (wenn auch zuvor einen seiner engsten Freunde), hinrichten zu lassen. Unterdessen beweist Hal seine Gnade, indem er Douglas – nun Kriegsgefangener – ohne Lösegeld freilässt. Die Rebellion geht jedoch weiter, nun unter der Führung des Erzbischofs von York und des Earls von Northumberland. Dieses offene Ende bereitet den Boden für »Heinrich IV., Teil 2«.
Ernst Hugo Wünschmann (*19. November 1859, † 17. August 1908) war Kammermusiker in Dresden. Im Jahre 1899 kaufte Karl Mays Freund Richard Plöhn von Hugo Wünschmann das Zinshaus in der Radebeuler Adler-Gasse 1A, aber 1904 verkaufte Klara, die inzwischen mit Karl May verheiratet war, das von ihrem Richard Plöhn geerbte Zinshaus weiter. Hugo Wünschmann hatte sie – aus unbekannten Gründen – verklagt; es kam 1909 vermutlich zu einem Prozess, der wohl zu Gunsten Klara Mays entschieden wurde. Auch 1902 war das Verhältnis zwischen Klara Beibler und Hugo Wünschmann offenbar schon getrübt.
Was es mit den drei Parzen (gr. Μοῖραι, Moiren; bei den Römern Parcae, Parzen genannt), die drei Schicksalsgöttinen mit den Namen Κλωθώ (Klotho, Spinnerin), Λάχεσις (Lachesis, Zuteilerin) und Ἄτροπος (Atropos, die Unnachgiebige) auf sich hat, ist unbekannt. An der Ost-Fassade der Dresdner Kunstakademie hat Martin Engelke (* 22. Juni 1852, † 27. Januar 1932) ein Relief der drei Göttinnen geformt, eine Demeterfigur gibt es da jedoch nicht. Dasselbe gilt für das »Gesang der Parzen« (op. 89) von Johannes Brahms (* 7. Mai 1833, † 3. April 1897) und die literarische Vorlage davon, »Iphigenie auf Tauris« von Goethe (wie Anm. 46).
Demeter (Δημήτηρ), eine Schwester des Zeus, war die griechische Göttin der Fruchtbarkeit der Erde, des Ackerbaus, der Ernte, des Getreides und der Saat. Χλόη (Chloe, die Grünende) war eines ihrer epitheta.
Sophokles (Σοφοκλῆς, * 497/496, † 406/405 v. Chr.) war ein Dichter in der Zeit der Griechischen Klassik. Er gilt neben Aischylos und Euripides als der bedeutendste der antiken griechischen Tragödiendichter. Er hat mehr als hundert Tragödien geschrieben und war 20 oder 24 mal Sieger. Seine bedeutendste Neuerung war die Einführung des dritten Schauspielers (des Tritagonisten, wodurch packende Szenen möglich wurden, und von Bühnenmaschinen.
Am Sonntag, dem 16. Februar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Vereinshaus (wie Anm. 4) den 4. volkstümlichen Dichterabend mit einem Vortrag über Sophokles von Dr. Franz Poland (* 25. August 1857, † 31. März 1945), einem deutschen Klassischer Philologen und Gymnasiallehrer.
Am Mittwoch, dem 19. Februar 1902 um 19.30 beschuchten Karl und Emma sowie Klara Beibler im Vereinshaus (wie Anm. 4) »Οἰδίπους Τύραννος« (»König Ödipus«, ± 429-425) von Sophokles. Das Stück gehört mit »Antigone» und »Ödipus in Kolonos» zu der Thebanische Trilogie.
Ödipus, König von Theben, schickt seinen Schwager Kreon zum Orakel von Delphi, um Rat bezüglich einer Seuche zu erfragen, die Theben heimsucht. Kreon kehrt zurück und berichtet, die Seuche sei auf religiöse Verunreinigung zurückzuführen, da der Mörder ihres ehemaligen Königs Laios nie gefasst wurde. Ödipus schwört, den Mörder zu finden und verflucht ihn, weil er die Seuche verursacht hat. Ödipus ruft den blinden Seher Teiresias zu Hilfe. Teiresias gibt zu, die Antworten auf Ödipus Fragen zu kennen, weigert sich aber zu sprechen und rät Ödipus stattdessen, seine Suche aufzugeben. Wütend über die Antwort des Sehers beschuldigt Ödipus ihn der Mittäterschaft am Mord an Laios. Der gekränkte Teiresias enthüllt dem König daraufhin: Du selbst bist der Verbrecher, den du suchst. Ödipus versteht nicht, wie das möglich sein kann, und vermutet, Kreon habe Teiresias bestochen, ihn zu beschuldigen. Die beiden streiten heftig, wobei Ödipus Teiresias Blindheit verspottet und Teiresias erwidert, Ödipus sei selbst blind. Schließlich geht der Prophet und murmelt düster, dass der Mörder, wenn er gefunden werde, ein Thebaner sein werde, Bruder und Vater seiner eigenen Kinder und Sohn und Ehemann seiner eigenen Mutter.
Kreon erscheint, um sich Ödipus' Anschuldigungen zu stellen. Der König fordert Kreons Hinrichtung; der Chor jedoch überzeugt ihn, Kreon am Leben zu lassen. Jokaste, die erst mit Laios und dann mit Ödipus verheiratet war, tritt auf und versucht, Ödipus zu trösten. Sie sagt ihm, er solle nicht auf Propheten hören. Zum Beweis erzählt sie von einem Vorfall, bei dem sie und Laios ein Orakel empfingen, das sich nicht bewahrheitete. Die Prophezeiung besagte, dass Laios von seinem eigenen Sohn getötet werden würde; Stattdessen wurde Laios an einer Weggabelung (τριπλαῖς ἁμαξιτοῖς, triplais amaxitois) von Räubern getötet. Die Erwähnung des Ortes lässt Ödipus innehalten und nach weiteren Einzelheiten fragen. Jokaste nennt den Abzweig nach Daulis auf dem Weg nach Delphi. Er erinnert sich an die Worte des Teiresias und bittet Jokaste, Laios zu beschreiben. Der König lässt daraufhin einen Hirten, den einzigen überlebenden Zeugen des Angriffs, von seinen Feldern zum Palast bringen. Verwirrt fragt Jokaste Ödipus, was los sei, und er erzählt es ihr. Vor vielen Jahren, bei einem Festmahl in Korinth, beschuldigte ein betrunkener Mann Ödipus, nicht der Sohn seines Vaters zu sein. Ödipus ging nach Delphi und befragte das Orakel nach seiner Abstammung. Anstatt seine Frage direkt zu beantworten, prophezeite ihm das Orakel, dass er eines Tages seinen Vater ermorden und mit seiner Mutter schlafen würde. Daraufhin beschloss Ödipus, nie wieder nach Korinth zurückzukehren. Auf seiner Reise gelangte er an dieselbe Wegkreuzung, an der Laios getötet worden war, und begegnete einer Kutsche, die ihn von der Straße abdrängen wollte. Es kam zu einem Streit, und Ödipus tötete die Reisenden – darunter einen Mann, der Jokastes Beschreibung von Laios entsprach. Ödipus hofft jedoch, nicht Laios getötet zu haben, da Laios angeblich von mehreren Räubern ermordet worden war. Sollte der Hirte bestätigen, dass Laios von vielen Männern angegriffen wurde, wäre Ödipus entlastet.
Ein Mann aus Korinth bringt die Nachricht vom Tod Polybos, der Ödipus wie einen Sohn aufgezogen hatte. Zu Ödipus Überraschung ist er überglücklich, denn nun kann er seinen Vater nicht mehr töten und damit die Hälfte der Orakelprophezeiung widerlegen. Dennoch fürchtet er, Inzest mit seiner Mutter zu begehen. Um den König zu beruhigen, versichert ihm der Bote, Merope sei nicht seine leibliche Mutter. Der Bote erklärt, dass ihm Jahre zuvor, als er seine Herde auf dem Berg Kithairon hütete, ein Hirte aus dem Hause des Laios ein Kind brachte, das er töten sollte. Laios hatte den Neugeborenen die Füße durchstechen und im Gebirge aussetzen lassen. Der Bote hatte das Kind daraufhin Polybos übergeben, der es aufzog; wegen seiner geschwollenen Füße nennt dieser ihn Ödipus (Schwellfuß). Ödipus fragt den Chor, ob jemand die Identität des anderen Hirten kenne oder wisse, wo er sich aufhalte. Sie antworten, es sei derselbe Hirte, der den Mord an Laios mitangesehen habe und den Ödipus bereits hatte rufen lassen. Jokaste erkennt die Wahrheit und fleht Ödipus verzweifelt an, keine weiteren Fragen zu stellen. Als Ödipus sich weigert, flieht die Königin in den Palast. Als der Hirte eintrifft, befragt Ödipus ihn, doch dieser bittet darum, ohne weitere Antworten gehen zu dürfen. Ödipus lässt jedoch nicht locker und droht ihm schließlich mit Folter oder Hinrichtung. Es stellt sich heraus, dass das Kind, das er weggegeben hat, Laios eigener Sohn war. Aus Angst vor einer Prophezeiung, wonach das Kind seinen Vater töten würde, hatte Jokaste ihren Sohn dem Hirten übergeben, damit er am Berghang bloßgestellt würde.
Endlich wird alles enthüllt, und Ödipus verflucht sich und sein Schicksal, bevor er die Bühne verlässt. Der Chor beklagt, wie selbst ein großer Mann vom Schicksal zu Fall gebracht werden kann. Daraufhin verlässt ein Diener den Palast und berichtet, was sich im Inneren zugetragen hat: Jokaste hat sich in ihrem Schlafgemach erhängt. Voller Schmerz betritt Ödipus den Palast und bittet seine Diener um ein Schwert, damit er Jokaste eigenhändig töten kann. Doch als er die leblose Königin entdeckt, nimmt er sie herunter und entfernt die langen goldenen Nadeln von ihrem Kleid. Verzweifelt sticht er sich die Augen aus. Der geblendete König verlässt nun den Palast und bittet um Verbannung. Kreon tritt ein und verkündet, dass Ödipus ins Haus gebracht werden soll, bis die Orakel befragt werden können, was das Beste sei. Ödipus zwei Töchter (und Halbschwestern), Antigone und Ismene, werden fortgeschickt, und Ödipus beklagt, dass sie in eine so verfluchte Familie hineingeboren wurden. Er bittet Kreon inständig, über sie zu wachen, in der Hoffnung, dass sie dort leben werden, wo es ihnen Chancen gibt, und ein besseres Leben führen als ihr Vater. Kreon willigt ein, bevor er Ödipus zurück in den Palast schickt.
Auf einer leeren Bühne wiederholt der Chor die gängige griechische Maxime: Kein Mensch sollte sich glücklich schätzen, bevor er tot ist.
»Faust in der Geschichte und Tradition. Mit besonderer Berücksichtigung des occulten Phänomenalismus und des mittelalterlichen Zauberwesens. Als Anhang: Die Wagnersage und das Wagnerbuch« (1893) von Carl Kiesewetter handelt vom mittelalterlichen wandernden Wunderheiler, Alchemisten, Magier, Astrologen und Wahrsager Johann Georg Faust (* wahrscheinlich ± 1480, † um 1541). Sein Leben gilt als historische Vorlage des Fauststoffes.
»Ἀντιγόνη« (»Antigone«, 442) ist inhaltlich der dritte Teil der Thebanischen Trilogie (wie Anm. 83). Antigone ist die Tochter (und Enkelin) von Ödipus und Jokaste.
Vor Beginn des Stücks starben die Brüder Eteokles und Polyneikes, die im thebanischen Bürgerkrieg gegnerische Seiten anführten, im Kampf um den Thron. Kreon, der neue Herrscher von Theben und Bruder der ehemaligen Königin Jokaste, hatte beschlossen, Eteokles zu ehren und Polyneikes öffentlich zu beschämen. Der Leichnam des rebellischen Bruders sollte nicht mit heiligen Riten gesegnet werden und unbestattet auf dem Schlachtfeld liegen bleiben, den Aasfressern ausgeliefert – die härteste Strafe jener Zeit. Antigone und Ismene waren die Schwestern der toten Polyneikes und Eteokles.
Zu Beginn des Stücks führt Antigone Ismene spät in der Nacht zu einem geheimen Treffen vor die Palasttore: Antigone will Polyneikes Leichnam trotz Kreons Erlass bestatten, da die Griechen die Nichtbeachtung würdiger Bestattungsriten als Beleidigung der Menschenwürde ansahen. Ismene weigert sich, ihr zu helfen, da sie nicht glaubt, dass es tatsächlich möglich sein wird, ihren Bruder, der unter Bewachung steht, zu bestatten. Sie kann Antigone jedoch nicht davon abhalten, ihren Bruder selbst zu bestatten. Der Chor, bestehend aus thebanischen Ältesten, tritt auf und rahmt die Vorgeschichte der Sieben gegen Theben in einen mythischen und heroischen Kontext ein. Kreon erscheint und bittet den Chor um Unterstützung für die kommenden Tage, insbesondere um seine Zustimmung zu seinem Erlass bezüglich der Bestattung des Leichnams von Polyneikes. Der Chorleiter sichert Kreon aus Respekt seine Unterstützung zu. Ein Wächter tritt auf und berichtet ängstlich, dass der Leichnam zwar bestattet und symbolisch mit einer dünnen Erdschicht bedeckt worden sei, aber niemand gesehen habe, wer das Verbrechen begangen habe. Wütend befiehlt Kreon dem Wächter, den Schuldigen zu finden, andernfalls werde er selbst sterben. Der Wächter geht. Der Chor besingt den Einfallsreichtum der Menschen. Sie fügen jedoch hinzu, dass sie nicht in derselben Stadt wie Gesetzesbrecher leben wollen.
Der Wächter kehrt zurück und bringt Antigone mit. Er erklärt, dass die Wachen Polyneikes Leiche entdeckt und Antigone dann bei den Bestattungsriten ertappt haben. Kreon verhört sie, nachdem er den Wächter weggeschickt hat, und sie leugnet ihre Tat nicht. Unerschrocken streitet sie mit Kreon über die Unmoral des Erlasses und die Moral ihrer Handlungen. Kreon gerät in Wut und, als er Ismenes Verzweiflung sieht, glaubt er, sie müsse von Antigones Plan gewusst haben. Er lässt sie rufen. Ismene versucht, die Tat fälschlicherweise zu gestehen, da sie an der Seite ihrer Schwester sterben möchte, doch Antigone lässt dies nicht zu. Kreon befiehlt, die beiden Frauen einzukerkern. Der Chor singt von den Leiden des Hauses Ödipus.
Haimon, Kreons Sohn, tritt auf, um seinem Vater die Treue zu schwören, obwohl er mit Antigone verlobt ist. Zunächst scheint er bereit zu sein, Antigone zu verlassen, doch als er seinen Vater sanft zu überreden versucht, Antigone zu verschonen, indem er behauptet, die Stadt trauere im Schutze der Dunkelheit um das Mädchen, eskaliert die Diskussion, und die beiden Männer beleidigen sich bald bitterlich. Als Kreon droht, Antigone vor den Augen seines Sohnes hinzurichten, verlässt Haimon den Ort und schwört, Kreon nie wiederzusehen. Der Chor besingt die Macht der Liebe.
Antigone wird unter Bewachung zu ihrer Hinrichtung geführt. Sie singt ein Klagelied. Der Chor vergleicht sie mit der Göttin Niobe, die zu Stein verwandelt wurde, und sagt, es sei ein wunderbares Geschenk, mit einer Göttin verglichen zu werden. Antigone wirft ihnen Spott vor. Kreon beschließt, Ismene zu verschonen und Antigone lebendig in einer Höhle zu begraben. Indem er sie nicht direkt tötet, hofft er, den Göttern zumindest einen Mindestmaß an Respekt zu erweisen. Sie wird aus dem Haus geführt, und diesmal ist sie traurig statt trotzig. Sie bedauert, nicht geheiratet zu haben und nicht für das Befolgen der Göttergesetze gestorben zu sein. Sie wird zu ihrem lebenden Grab gebracht.
Der Chor ermutigt Antigone mit Liedern über die großen Frauen der Mythen, die gelitten haben.
Teiresias, der blinde Seher, tritt auf. Er warnt Kreon, dass Polyneikes dringend begraben werden müsse, da die Götter erzürnt seien und weder Opfergaben noch Gebete aus Theben annehmen würden. Kreon wirft Teiresias jedoch Korruption vor. Teiresias erwidert, Kreon werde einen Sohn aus seinen Lenden verlieren, weil er Polyneikes unbestattet gelassen und Antigone in die Erde geworfen habe (er sagt nicht, dass Antigone nicht zum Tode verurteilt werden solle, sondern nur, dass es unangebracht sei, einen lebenden Körper unter der Erde zu belassen). Teiresias prophezeit außerdem, dass ganz Griechenland Kreon verachten und die thebanischen Opfergaben von den Göttern nicht angenommen werden. Der Chorführer, voller Entsetzen, bittet Kreon, Teiresias Rat zu befolgen, Antigone freizulassen und Polyneikes zu bestatten. Kreon willigt ein und zieht mit einem Gefolge von Männern fort. Der Chor trägt eine Ode an den Gott Dionysos vor.
Ein Bote erscheint und berichtet dem Chorleiter, dass Haimon Selbstmord begangen hat. Eurydike, Kreons Frau und Haimons Mutter, tritt auf und bittet den Boten, ihr alles zu erzählen. Der Bote berichtet, dass Kreon Polyneikes bestatten ließ. Als Kreon zu Antigones Höhle kam, fand er Haimon, der über die erhängte Antigone trauerte. Haimon versuchte erfolglos, Kreon zu erstechen, und erstach sich dann selbst. Nachdem Eurydike den Bericht des Boten gehört hat, verschwindet sie still im Palast. Kreon erscheint mit Haimons Leichnam. Er erkennt, dass er diese Ereignisse selbst verursacht hat und gibt sich die Schuld. Ein zweiter Bote trifft ein und verkündet Kreon und dem Chor, dass auch Eurydike Selbstmord begangen hat. Mit ihrem letzten Atemzug verflucht sie ihren Mann für den Tod ihrer Söhne Haimon und Megareus. Kreon gibt sich die Schuld an allem Geschehenen und bittet, als gebrochener Mann, seine Diener um Hilfe im Inneren. Die Ordnung, die ihm so wichtig war, ist erhalten geblieben, und er ist noch immer König, doch er hat gegen die Götter gehandelt und dadurch seine Kinder und seine Frau verloren. Nachdem Kreon sich selbst verurteilt hat, schließt der Chorleiter mit den Worten, dass die Götter zwar die Stolzen bestrafen, Strafe aber Weisheit bringt.
Musik zu »Antigone« (Sophokles) (op. 55, MWV M 12) (1841) von Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy (* 3. Februar 1809, † 4. November 1847), einem deutschen Komponisten, Pianisten und Organisten.
Am Donnerstag, dem 20. Februar 1902 um 18.30 Uhr beschuchten Karl und Emma sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) Don Carlos, Infant von Spanien. Dramatisches Gedicht in fünf Akten« (1787), ein Drama von Friedrich Schiller (wie Anm. 39).
In der spanischen Sommerresidenz in Aranjuez trifft Kronprinz Don Carlos seinen Jugendfreund, den Marquis von Posa, wieder. Dieser war lange auf Reisen und ist gerade aus Brüssel zurückgekehrt, wo er als Abgeordneter die niederländischen Provinzen vertritt. Er möchte Carlos überreden, das Amt des Gouverneurs der unruhigen Provinz Flandern anzunehmen, in der Hoffnung, den protestantischen Niederländern, die gegen die katholische spanische Besatzung rebellieren, mehr Freiheiten zu gewähren und so den Konflikt friedlich beizulegen. Carlos hingegen will nichts mehr mit seinen politischen Ambitionen aus der Jugendzeit zu tun haben und gesteht seinem Freund verzweifelt, dass er Elisabeth von Valois, seine ehemalige Verlobte, immer noch liebt. Sie ist inzwischen die Frau seines Vaters, König Philipp (Felipe II, * 21. Mai 1527, † 13. September 1598), und somit Carlos' Stiefmutter. Verzweifelt erklärt Carlos Posa, dass ihn die strenge Etikette des Hofes einerseits und die misstrauische Eifersucht des Königs andererseits bisher daran gehindert haben, mit der Königin unter vier Augen zu sprechen. Posa, der seit seiner Zeit in Paris mit Elisabeth befreundet war, arrangierte ein Treffen zwischen Carlos und der Königin. Bei diesem Treffen gestand Carlos seiner Stiefmutter seine Liebe. Elisabeth war jedoch von Carlos' ungestümem Annäherungsversuch entsetzt. Sie erklärte, sie habe Philipp als Person kennengelernt und respektiert und betonte ihre Pflicht und Verantwortung gegenüber dem spanischen Volk. Sie wies Carlos' Annäherungsversuche entschieden zurück und forderte ihn auf, sich nicht länger seiner Liebe zu ihr, sondern seiner Liebe zum Vaterland zu widmen. Zurück in Madrid bat Carlos, Posas Rat folgend, den König um die Statthalterschaft von Flandern, obwohl er dafür seine Vorurteile und seine Abneigung gegen seinen herrschsüchtigen, ungeliebten Vater überwinden musste. König Philipp misstraute dem Infanten jedoch und lehnte dessen Versöhnungsangebot ab. Er hielt ihn für zu ungestüm, schwach, ja sogar feige und bevorzugte den erfahreneren Herzog von Alba (Don Fernando Álvarez de Toledo y Pimentel, 3. Herzog von Alba, * 29. Oktober 1507, † 11. Dezember 1582) für das Amt. Carlos erhält einen Liebesbrief von Prinzessin Eboli, hält als Verfasserin aber irrtümlicherweise die Königin. Überglücklich folgt er den Anweisungen im Brief und begibt sich in ein abgelegenes Gemach im Schloss. Dort trifft er auf Eboli, die die Situation völlig missversteht und ihm ihre Liebe gesteht. Aus einem Brief Philipps an Eboli erfährt Carlos, dass sie zur Mätresse des Königs ernannt und somit gezwungen werden soll, den Grafen von Silva zu heiraten. Carlos ist von ihrer Geschichte berührt, kann ihr aber nur seine Freundschaft anbieten, nicht seine Liebe. Denn, wie Carlos der Prinzessin nun gesteht, liebt er eine andere. Er nimmt den kompromittierenden Brief an sich, um ihn später der Königin zu überbringen. Erst jetzt ahnt Prinzessin Eboli, wer hinter dieser anderen Liebe steckt. Getrieben von Eifersucht und der Zurückweisung durch den Prinzen, beschließt sie, sich an Carlos und der Königin zu rächen. Unterdessen haben Herzog Alba und Pater Domingo ein Bündnis gegen Carlos geschmiedet. Sie überreden die Familie Eboli, Carlos’ Liebe zur Königin ihrem Mann zu verraten und drängen sie, belastende Dokumente gegen die Königin zu stehlen. Carlos erzählt Posa von seinem Unglück mit der Familie Eboli und von der Untreue des Königs. Posa hindert den Prinzen daran, der Königin den Brief des Königs an Eboli zu zeigen, und erinnert ihn an seine früheren Ideale und politischen Ziele. Nachdem Alba dem König von dem Treffen zwischen der Königin und Carlos berichtet und Domingo ihn über Prinzessin Ebolis Geständnis und Gerüchte informiert, Elisabeths junge Tochter sei nicht die Tochter des Königs, fühlt sich der ohnehin schon misstrauische Philipp von seiner Frau verraten und beschließt, sie und seinen Sohn töten zu lassen. Umgeben von feigen Höflingen, sehnt er sich nach einem wahren Freund und fasst den Entschluss, den furchtlosen und weltgewandten Marquis von Posa zu sich zu rufen und in seine Dienste zu nehmen. Posa lehnt die Bitte des Königs zunächst ab. Er hält ein leidenschaftliches Plädoyer für die Menschlichkeit und appelliert an Philipp, das Gefängnis Spaniens in eine Oase der Freiheit zu verwandeln. Der König ist von Posas Mut und Offenheit beeindruckt und ernennt ihn zu seinem Minister und engsten Berater. Vor allem aber sieht er ihn nun als vertrauten Freund, der die wahre Beziehung zwischen Carlos und der Königin ausspionieren soll. Posa gibt vor, zuzustimmen. Er sucht Elisabeth auf und überzeugt Carlos, gegen den König zu rebellieren und heimlich nach Brüssel zu reisen, um die Niederländer von der spanischen Herrschaft zu befreien. Er überbringt Carlos einen Brief der Königin und bittet ihn um seine Brieftasche. Inzwischen hat die Königin entdeckt, dass ihre Briefe (von der Familie Eboli) gestohlen wurden, und beschuldigt den König, woraufhin es zu einem Streit kommt. Der Marquis übergibt Carlos’ Brieftasche dem König. Als Philipp darin Ebolis Brief an seinen Sohn entdeckt, überträgt er dem Marquis die volle Macht und erlässt einen Haftbefehl gegen den Infanten. Graf Lerma informiert Carlos darüber, und Carlos, verzweifelt, flieht zu Prinzessin Eboli, die er irrtümlich für seine letzte Vertraute hält. Dort wird er von Posa verhaftet. Die Prinzessin gesteht der Königin daraufhin, die Briefe gestohlen zu haben. Posa erkennt, dass sein ursprünglicher Plan gescheitert ist, schmiedet heimlich einen neuen und drängt die Königin, den Königssohn an sein altes Versprechen zu erinnern, einen freien Staat zu gründen. Der Marquis besucht Carlos im Gefängnis und berichtet ihm von den falschen, kompromittierenden Briefen, die er (Posa) dem König zugespielt hatte. Herzog Alba trifft ein und erklärt Carlos für frei, doch Carlos weist Alba ab und besteht darauf, dass er persönlich rehabilitiert und vom König freigelassen werden müsse. Posa erzählt Carlos vom Verrat der Familie Eboli und offenbart seinen neuen Plan, sich für seinen Freund zu opfern. Kurz darauf fällt ein Schuss, und der Marquis bricht tödlich verwundet zusammen. Der König, resigniert und bitter enttäuscht von Posas Verrat, scheint seinen Sohn freizulassen. Doch Posa beschuldigt ihn des Mordes und enthüllt seine Freundschaft mit dem Marquis. Ein Offizier der königlichen Garde meldet einen Bürgeraufstand in der Stadt, bei dem Carlos' Freilassung gefordert wird. Lerma überredet den Thronfolger zur Flucht nach Brüssel. Der Großinquisitor konfrontiert den König jedoch mit seiner menschlichen Schwäche und fordert Carlos als Opfer. Carlos hat sich derweil als Geist seines Großvaters verkleidet in die Gemächer der Königin geschlichen. Dort liefert ihn Philipp dem Großinquisitor aus.
Karl Ernst Knodt (* 6. Juni 1856, † 30. September 1917) war ein deutscher Dichter. Dieses Gedicht, »Kennst Du das auch?«, kommt aus seinem Sammelband »Neue Gedichte« (1902).
Michelangelo Buonarroti (vollständig: Michelangiolo di Lodovico di Lionardo di Buonarroto Simoni, oft nur Michelangelo genannt, * 6. März 1475, † 18. Februar 1564) war ein italienischer Maler, Bildhauer, Baumeister (Architekt) und Dichter.
Fernando Francesco dAvalos, Marchese di Pescara (auch genannt Ferrante dAvalos; * 1489 oder 1490, † 1525) war Markgraf von Pescara, Vizekönig von Sizilien, ein Feldherr Kaiser Karls V. und Befehlshaber der kaiserlich-spanischen Truppen in den Italienfeldzügen. Seine Witwe hieß Vittoria Colonna (* 1492, † 25. Februar 1547) und war eine italienische Dichterin, die bei ihren gebildeten Zeitgenossen außergewöhnliche Bewunderung fand. Sie war eine der namhaftesten Persönlichkeiten im kulturellen Leben der Hochrenaissance und gilt als die bedeutendste italienische Lyrikerin ihrer Zeit.
Dante Alighieri (vollständig: Durante di Alighiero degli Alighieri, * zwischen dem 14. Mai und dem 13. Juni 1265, † 14. September 1321) war ein italienischer Dichter und Philosoph. Er überwand mit der in Altitalienisch verfassten »Divina Commedia« (»Göttlichen Komödie«) die Beschränkung auf Latein in der europäischen Literatur und führte das Italienische zu einer Literatursprache. Dante ist der bekannteste Dichter der italienischen Literatur sowie des europäischen Mittelalters.
Giorgio Vasari (* 30. Juli 1511, † 27. Juni 1574) war ein italienischer Architekt, Maler und Kunstschriftsteller, der vor allem in der Toskana, aber auch in Rom und Neapel als Architekt und Kunstmaler tätig war. Er war Hofmaler der Medici-Herzöge und Autor einer Sammlung von Künstler-Biografien, » Le vite de più eccellenti pittori, scultori e architettori« (»Die Leben der hervorragendsten Maler, Bildhauer und Architekten«).
Lorenzo I. de Medici (genannt il Magnifico (der Prächtige), * 1. Januar 1449, † 8. April 1492) war ein Bankier und Politiker in Florenz aus dem Geschlecht der Medici.
Piero di Lorenzo de Medici (genannt il Fatuo oder lo Sfortunato (der Unglückliche), * 15. Februar 1472, † 28. oder 29. Dezember 1503) war der älteste Sohn Lorenzos des Prächtigen und regierte als dessen Nachfolger von 1492 bis 1494 Florenz.
Nicht »Die Schöpfung« (?), sondern »Das Jüngste Gericht« wurde von Daniele da Volterra (eigentlich Daniele Ricciarelli, * 1509, 4. April 1566), genannt Braghettone (Hosenmaler), übermalt. Das geschah im Autrag des Papstes Pius IV. (geboren als Giovanni Angelo de Medici, * 31. März 1499, † 9. Dezember 1565; Pontifikat von 1559 bis 1565); Ende der 1980er Jahre wurden die Hosen (eigentlich natürlich Lendenschürze: Hosen gab es zur Zeit Jesu nur bei Barbaren, wie Galliern, Persern und Skythen) teilweise wieder entfernt, was Klara natürlich nicht wissen konnte.
U.a. an dieser Stelle sieht man deutlich, dass eine(r) der Schreibkraft den geschrieben Tekst von Klara May diktiert hat: auf Seite 6 wurden alle Kunstwerke von Michelangelo ohne Anführungszeichen afgelistet, auf Seite 7 mit.
Das Grab des Papstes Julius II. (geboren als Giuliano della Rovere, * 5. Dezember 1443, † 21. Februar 1513; Pontificat vom 1. November 1503 bis zum 21. Februar 1513) mit der berühmten Mosesfigur wurde zwar nie vollendet, befindet sich aber in der Kirche San Pietro in Vincoli in Rom.
Im Pariser Louvre befinden sich zwei Statuen von Sklaven (von Klara Gefangene genannt), die ursprünglich für das Juliusgrabmal vorgesehen waren. In Florenz befinden sich vier weitere Statuen von Sklaven (Galleria dellAccademia) und einen Sieger (Palazzo Vecchio), die ebenfalls für das Grabmal vorgesehen waren. Die fünf Florentinische Statuen befanden sich ab 1586 im Giardino di Boboli (Boboli-Garten) hinter dem Palazzo Pitti, bis sie 1908 ihren heutigen Standort erhielten, was Klara Beibler 1902 natürlich noch nicht wissen konnte.
Bjørnstjerne Martinius Bjørnson (* 8. Dezember 1832, † 26. April 1910) war ein norwegischer Dichter, Literaturnobelpreisträger und Politiker. Bjørnson verfasste unter anderem die norwegische Nationalhymne, »Ja, vi elsker dette landet«, und war der Begründer des Riksmålsforbundet, eine sprachliche, kulturelle und politische Vereinigung in Norwegen, die sich für den inoffiziellen norwegischen schriftlichen Standard Riksmål einsetzt. 1903 erhielt Bjørnson als erster Skandinavier den Nobelpreis für Literatur.
Am Samstag, dem 22. Februar 1902 um 19.30 Uhr, und Montag, dem 24. Februar 1902 (?), um 19.00 besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Over Ævne. Første Stykke« (»Über unsere Kraft«) (1895) ist ein Schauspiel von Bjørnstjerne Bjørnson. Teil 1 ist ein Angriff auf den christlichen Glauben an Wunder. Der Protagonist ist der Priester Adolf Sang, der an ein göttliches Wunder glaubt, das seine Frau Klara, die aufgrund ihrer Hysterie ans Haus gefesselt ist und weder stehen noch gehen kann, heilen wird. Als die Heilung ausbleibt, verliert der Priester seinen Glauben an Gott. Am Ende des Stücks steht Klara endlich auf und geht mit dem Blick auf die Dorfkirche gerichtet, wo sie die Menschen singen hört. Von Gott inspiriert, geht ihr Mann zu ihr, um sie zu umarmen. Doch sie sackt an seiner Schulter zusammen, ihr Kopf sinkt wieder, ihre Arme fallen kraftlos herab, ihr ganzer Körper versinkt in sich zusammen und sie stirbt. Der Wunderpastor ist völlig fassungslos, fällt zu Boden und stirbt neben ihr. Teil 2 (»Over Ævne. Andet Stykke«) (1895), in dem Sang Kinder Rakel und Elias und der Priester Bratt eine Rolle spielen, ist die Fortsetzung davon. Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz, »Karl-May-Chronik, Band III, 1902-1905«, S. 23, geben als Datum der Aufführung des 2. Teils: Sonntag, den 23. Februar.
Rakel Sang war die Tochter; die ist nicht blind! Klara Beibler verw. Plöhn meint sicher ihre Namensvetterin Klara Sang, die aber im 2. Teil auch schon tot ist.
Anna Schurtz geb. Falk (* 1845, 25. Februar 1902) war die Witwe von Dr. Carl Heinrich Schurtz (* 1833, † 30. Juni 1900), einem Freund Karl Mays. Er war Arzt und und in den 1880er Jahren war er Vorsitzender eines Vereins für psychische Studien, der sich dem Studium der Erscheinungen auf dem Gebiete der Psychologie und der transcendentalen Physik verschrieben hatte. Ab Anfang der 1890er Jahre ließ Schurtz sich als Rentier nieder in Loschwitz. Spätestens ab 1894 gehörte die Familie Schurtz - Carl, seine Frau Anna geb. Falk (* 1845, † 25. Februar 1902) und deren Kinder (Martha, Elsa und Camillo) - zum Freundeskreis der Mays. Carl Heinrich Schurtz stirbt, während May noch unterwegs ist. Er erhält davon in Konstantinopel Nachricht. Mays Gedicht »Nachruf« in den »Himmelsgedanken« ist vermutlich dem Andenken an Schurtz gewidmet. Der Kontakt zur Witwe, die 1902 stirbt, und den Töchtern hält noch länger an. Anna Schurtz wurde am 28. Februar 1902 in Loschwitz beigesetzt.
Am Sonntag, dem 2. März um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Dresdner Schauspielhaus (wie Anm. 5) »A Midsummer Nights Dream« (»Ein Sommernachtstraum«) (1598), eine Komödie von William Shakespeare (wie Anm. 74).
Die Geschichte erzählt drei verschiedene Handlungsstränge, die durch die Hochzeit von Herzog Theseus mit Hippolyta, der Königin der Amazonen, miteinander verbunden sind. Erst sehen wir Hermia im Gespräch mit ihrem Vater Aigeus. Er möchte, dass sie seinen Wunschkandidaten Demetrius heiratet, doch Hermia weigert sich. Hermia und ihr Geliebter Lysander beschließen daraufhin, nachts durch den Wald zu fliehen. Unterdessen treffen Oberon und Titania, König und Königin der Elfen, im selben Wald ein, um der Hochzeit von Theseus und Hippolyta beizuwohnen. Oberon und Titania sind entfremdet: Oberon verlangt von Titania ihren Diener als Knappen, da die Mutter des Jungen einer ihrer Freier war, doch Titania weigert sich. Oberon will Titania für ihren Ungehorsam bestrafen. Er bittet die Elfe Puck um Hilfe, um einen magischen Blütensaft zu beschaffen, der bewirkt, dass sich das Opfer nach dem Erwachen in das erste Lebewesen verliebt, das es sieht. Oberon tränkt Titania mit dem Saft, um sie abzulenken und sie so zu zwingen, ihm den Jungen zu geben. Puck bespritzt versehentlich Lysander, der sich daraufhin augenblicklich in die herannahende Helena, eine Freundin der Hermia. König Oberon hat unterdessen Pucks Fehler entdeckt; er befiehlt Puck, Helena zu holen, und besprengt Demetrius mit dem Saft. Helena trifft ein (gefolgt von Lysander), und Demetrius erwacht. Helena hat nun zwei Verehrer, während Hermia ihrer Liebe beraubt ist. Zur gleichen Zeit erscheinen einige grobe Arbeiter, um für Theseus' Hochzeit ein schlüpfriges Theaterstück über Pyramus und Thisbe aufzuführen. Am Waldrand proben sie das Stück. Puck bemerkt Nick Bottom und verwandelt seinen Kopf in einen Eselskopf. Titania erwacht durch Nick Bottoms Gesang und verliebt sich (dank des Zaubersaftes) sofort in ihn. Nachdem Oberon sein Ziel erreicht hat, lässt er Titania frei und befiehlt Puck, Nick Bottom den Eselskopf zu entfernen. Die magische Wirkung des Blütensaftes auf Lysander ist gebrochen, wirkt aber weiterhin auf Demetrius, sodass dieser seine Liebe zu Helena behält. Die Feen verschwinden, und Theseus und Hippolyta erscheinen während einer frühen Jagd im Wald. Sie wecken die Liebenden, und da Demetrius Hermia nicht mehr liebt, bricht Theseus Egeus' Forderung und organisiert eine Massenhochzeit. Die Liebenden beschließen daraufhin, dass die Ereignisse der vergangenen Nacht nur ein Traum gewesen sein müssen. Nachdem alle den Wald verlassen haben, erwacht Nick Bottom und beschließt ebenfalls, dass er einen Traum hatte, für den kein Mensch eine plausible Erklärung geben kann. In Athen sehen Theseus, Hippolyta und ihr Geliebter sich die Aufführung von Pyramus und Thisbe an. Sie ist albern und schlecht gespielt, aber sie entspannt alle, und nachdem die Arbeiter den Bergomass – einen ländlichen Tanz – aufgeführt haben, schlafen alle ein. Schließlich, als die Nacht hereinbricht, segnen Oberon und Titania das Haus, seine Bewohner und die zukünftigen Kinder des Brautpaares.
Rudolph Karl Alexander Sascha Schneider (* 21. September 1870, † 18. August 1927) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Hochschullehrer, der vor allem als Illustrator der Deckelbilder der Reiseerzählungen von Karl May bekannt wurde.
»Um die Wahrheit« ist (oder war) ein Ölgemälde auf Leinwand. Das Bild ist (war?) Schneiders größtes Werk mit einer Länge zwischen 11 und 12 m und einer Höhe zwischen 4 und 6,5 m, das seit 1936 verschollen ist. Es besteht (bestand?) aus zehn einzelnen Tafeln in zwei Zonen. Im oberen Teil sind (waren?) sieben (Jude und Grieche; Königin der Sinne; Krieger; Personifikation der Wahrheit; Greis und Knabe; König des Geistes; Revolutionär und Christus), im unteren Teil drei (Fetischdiener; Kampfszene; Perser und Babylonier) Einzelbilder zu sehen.
Kunstsalon der Königlichen Hof-Kunsthandlung Emil Richter (Prager Straße 13, Dresden) existierte von 1848 bis 1930. Er bot vor allem zeitgenössischen deutschen und internationalen Künstlern sowie Künstlergruppen eine Ausstellungsplattform. Unter dem späteren Inhaber Hermann Holst etablierte sich zudem der Emil Richter Kunstverlag, der sämtliche Käthe Kollwitz-Drucke (Käthe Kollwitz geb. Schmidt, * 8. Juli 1867, † 22. April 1945) von 1910-30 veröffentlichte. Neben anderen fand vom 1. bis zum 23. März 1902 eine Ausstellung mit Werken Sascha Schneiders statt, die Karl May mit seiner Frau Emma und Klara Beibler besuchte.
Am Donnerstag, dem 6. März 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Dresdner Schauspielhaus (wie Anm. 5) »The Tragedy of Julius Caesar« (»Julius Cäsar«) (1599) Bühnenstück von William Shakespeare (wie Anm. 74).
Das Drama handelt von den Umständen der Ermordung Gaius Iulius Caesars (*13. Juli 100, 15. März 44 v. Chr.) an den Iden von März 44 und dem Schicksal von Marcus Iunius Brutus, dem Anführer der Verschwörer. Es spielt in Rom und Philippi, wo die Schlacht bei Philippi stattfand. Die erzählte Zeit der Handlung, die sich eigentlich zwischen 44 und 42 v. Chr. abspielte, ist auf wenige Tage konzentriert.
Das Stück beginnt damit, dass die beiden Tribunen Flavius und Marullus (die eingesetzten Beamten Roms) entdecken, wie das römische Volk Julius Cäsars triumphale Rückkehr nach dem Sieg über die Söhne seines militärischen Rivalen Pompeius feiert. Die Tribunen beschimpfen die Menge, weil diese ihre Loyalität von Pompeius zu Cäsar gewechselt hat, und versuchen, die Feierlichkeiten zu beenden und die Menge auseinanderzutreiben, die die Beschimpfungen erwidert. Während des Lupercal-Festes veranstaltet Cäsar einen Siegesparade, und ein Wahrsager warnt ihn: Hüte dich vor den Iden des März!, was er jedoch ignoriert. Unterdessen versucht Cassius, Brutus zu überzeugen, sich seiner Verschwörung zur Ermordung Cäsars anzuschließen. Obwohl Brutus Cäsar freundlich gesinnt ist, zögert, ihn zu töten, stimmt er zu, dass Cäsar möglicherweise seine Macht missbraucht. Dann erfahren sie von Casca, dass Marcus Antonius Cäsar dreimal die Krone Roms angeboten hat. Casca berichtet, dass Cäsar sie jedes Mal mit zunehmendem Widerwillen abgelehnt habe, in der Hoffnung, dass die zuschauende Menge ihn zur Annahme der Krone drängen würde. Er beschreibt, wie die Menge Cäsar für die Ablehnung der Krone bejubelte und wie sehr dies Cäsar erzürnte. Am Vorabend der Iden des März treffen sich die Verschwörer und enthüllen, dass sie gefälschte Unterstützungsbriefe des römischen Volkes an Brutus angefertigt haben, um ihn zum Beitritt zu bewegen. Brutus liest die Briefe und beschließt nach langem moralischen Hin und Her, sich der Verschwörung anzuschließen. Er ist der Ansicht, Cäsar müsse getötet werden, um ihn daran zu hindern, dem römischen Volk etwas anzutun, sollte er jemals gekrönt werden.
Nachdem Cäsar die Wahrsagerin und die Vorahnungen seiner Frau Calpurnia ignoriert hat, begibt er sich in den Senat. Die Verschwörer nähern sich ihm mit einer gefälschten Petition, in der sie für Metellus Cimbers verbannten Bruder plädieren. Als Cäsar die Petition erwartungsgemäß ablehnt, erstechen Casca und die anderen ihn plötzlich; Brutus trifft sie als Letzter. Daraufhin fragt Cäsar: Et tu, Brute? (Auch du, Brutus?) - diese Worte, die als erste bei Shakespeare (Julius Cäsar« Akt 3, Auftritt 1, R. 85, - hat Cäsar niet so gesagt: er sprach griechisch: »Καὶ σύ, τέκνον;«), und schließt mit: Dann fall, Cäsar! (die Worte haf Cäsar auch nicht gesegt und schon gar nicht auf Englisch).
Die Verschwörer versuchen zu beweisen, dass sie Cäsar zum Wohle Roms ermordet haben, um einen Autokraten zu verhindern. Dies beweisen sie, indem sie nicht versuchen zu fliehen. Brutus hält eine Rede, in der er seine Tat verteidigt, und im Moment steht die Menge auf seiner Seite. Doch Antonius hält über Cäsars Leichnam eine subtile und wortgewandte Rede, die mit den Worten beginnt: Freunde, Römer, Landsleute, leiht mir eure Ohren! Geschickt wendet er die öffentliche Meinung gegen die Mörder, indem er die Gefühle des Volkes manipuliert. Im Gegensatz zum rationalen Ton von Brutus Rede ist seine Rhetorik und Gestik jedoch methodisch. Antonius erinnert die Menge an Cäsars Wohltaten für Rom, sein Mitgefühl mit den Armen und seine Ablehnung der Krone bei den Lupercalien. Damit stellt er Brutus Behauptung, Cäsar sei ehrgeizig gewesen, infrage. Er zeigt der Menge Cäsars blutigen, leblosen Körper, um sie zum Weinen zu bringen und ihr Mitgefühl für ihren gefallenen Helden zu wecken. Dann verliest er Cäsars Testament, in dem jedem römischen Bürger 75 Drachmen zugesprochen werden. Obwohl Antonius seine Absicht, das Testament zu verurteilen, erklärt, hetzt er den Mob auf, die Verschwörer aus Rom zu vertreiben. Der Mob trägt Cäsars Leichnam zum Forum, entzündet seinen Scheiterhaufen und nutzt diesen, um Fackeln anzuzünden und die Häuser der Verschwörer niederzubrennen. Inmitten des Tumults wird der unschuldige Dichter Cinna mit dem Verschwörer Lucius Cinna verwechselt und vom Mob mitgenommen. Dieser tötet ihn wegen angeblicher Vergehen wie seiner angeblich schlechten Verse.
Brutus und Cassius streiten über Brutus Vorwurf, Cassius habe den edlen Akt des Königsmordes durch die Annahme von Bestechungsgeldern befleckt (Hat nicht der große Julius für die Gerechtigkeit geblutet? / Welcher Schurke rührte seinen Leib an, der erstach, / Und nicht aus Gerechtigkeit?). Die beiden versöhnen sich, nachdem Brutus offenbart, dass seine geliebte Frau unter dem Druck seiner Abwesenheit aus Rom Selbstmord begangen hat. Sie bereiten sich auf einen Bürgerkrieg gegen Antonius, Cäsars Adoptivsohn Octavius und Lepidus vor, die in Rom ein Triumvirat gebildet haben. In dieser Nacht erscheint Cäsars Geist Brutus und warnt ihn vor der bevorstehenden Niederlage (Du wirst mich in Philippi wiedersehen.).
In der Schlacht bei Philippi lächeln sich Cassius und Brutus, im Wissen um ihren bevorstehenden Tod, zum letzten Mal an und halten Händchen. Während der Schlacht lässt Cassius sich von seinem Diener töten, nachdem er von der Gefangennahme seines besten Freundes Titinius erfahren hat. Titinius, der nicht gefangen genommen wurde, sieht Cassius Leiche und begeht daraufhin Selbstmord. Brutus gewinnt zwar diesen Abschnitt der Schlacht, doch sein Sieg ist nicht endgültig. Schweren Herzens kämpft Brutus am nächsten Tag erneut. Er bittet seine Freunde, ihn zu töten, doch diese weigern sich. Er verliert und begeht Selbstmord, indem er sich in sein Schwert stürzt, das ein treuer Soldat für ihn hält.
Das Stück endet mit einem Lobgesang Antonius auf Brutus und bezeichnet ihn als edelsten Römer von allen bezeichnet, da er als einziger Verschwörer seiner Ansicht nach zum Wohle Roms gehandelt habe. Hier deutet sich kurz die Spannung zwischen Antonius und Octavian an, die auch Shakespeares anderes römisches Drama, »Antonius und Cleopatra«, kennzeichnet.
Marcus Iunius Brutus Caepio (* 85, † 23. Oktober 42 v. Chr.) war ein römischer Politiker in der Zeit der späten Republik und einer der Mörder Gaius Iulius Cäsars.
Gaius Cassius Longinus (* vor 85, † 42 v. Chr.) gilt neben seinem Freund und Schwager Marcus Iunius Brutus (wie Anm. 123) als Haupt der Verschwörung gegen Gaius Iulius Cäsar.
Publius Servilius Casca Longus war ein römischer Politiker des 1. Jahrhunderts v. Chr., bekannt vor allem als einer der Verschwörer gegen Gaius Iulius Cäsar. Er soll der erste der Attentäter gewesen sein, der Cäsar mit einem Dolchstich verletzte.
Am Freitag, dem 7. März um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Dresdner Schauspielhaus (wie Anm. 5) Shakespeares »Henry IV« (wie Anm. 75).
Friedrich Rudolf Bernstein (* 25. Juli 1858, † 9. November 1932) war ein Dresdner Rechtsanwalt (mit Schwerpunkt Baurecht) und vertrat zwischen 1901 und 1908 Karl May bei dem Urheberrechtsprozess gegen den Verlag H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18). Er war vormals Ratsassessor beim Baupolizeiamt. Die Kanzlei wurde May von Klara Plöhn empfohlen, die mit Bernsteins Frau Emmy befreundet war. Bernstein, von Karl May später als lieber Rudi und wahrer Freund angeredet, war wohl hauptsächlich an dessen Prozessierfreudigkeit beteiligt. Er bestärkte jedenfalls den Schriftsteller in seinem Bemühen, auf jedes ihm angetane Unrecht mit dem Gang vor das Gericht zu reagieren, auch da, wo ein Verzicht auf den Ruf nach dem Richter vielleicht klüger gewesen wäre. Sehr spät erst erkannte May, dass Bernstein, der wohl auch überhöhte Honorare verlangt hatte, seine eigenen Interessen vor die seines Mandanten stellte. Die Folge war, dass Karl May sich 1908 von diesem Rechtsbeistand löste.
Eine Sammlung von Holzschnitten (1530) von Hans Holbein dem Jüngeren (* 1497 oder 1498, 29. November 1543) durch den Formschneider Hans Lützelburger (* ± 1495, † Juni 1526), die später (1538) als Buch erschienen. Holbein wollte nicht nur veranschaulichen, wie der Tod kein Alter und keinen Stand verschont, sondern auch vielmehr, wie er mitten hereintritt in den Beruf und die Lust des Erdenlebens, weshalb er von Reigen und tanzenden Paaren absehen musste und dafür in sich abgeschlossene Bilder mit dem nötigen Beiwerk lieferte.
Paul Schumann (* 12. August 1855, † 24. September 1927) war Journalist und von 1901 bis 1923 Kulturredakteur des Dresdner Anzeigers. Nach eigenen Angaben führte Schumann von Anfang an, spätestens aber seit 1904, gnadenlos und fanatisch den Kampf gegen Karl May. Der Vortrag fand am 11. März 1902 um 20.00 Uhr statt im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4).
Am Mittwoch, dem 12. März 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Musenhaus (wie Anm. 25) den Vortrag Wieckes über russische Lyriker von Alexander Sergejewitsch Puschkin (Александр Серге́евич Пу́шкин, * 26. Mai [jul.] / 6. Juni [greg.] 1799, † 29. Januar [jul.] / 10. Februar 1837 [greg.]), dem russischen Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur, bis Maxim Gorki (Максим Горький, eigentlich Alexei Maximowitsch Peschkow (Алексей Максимович Пешков), * 16. März [jul.] / 28. März 1868 [greg.], † 18. Juni 1936), einem russischen Schriftsteller.
Immanuel Kant (* 22. April 1724, † 12. Februar 1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung, dessen Ideen die westliche Philosophie maßgeblich prägten. Er gilt oft als der erste deutsche Idealist. Seine »Kritik der reinen Vernunft« (1781), in der er die Grundlagen und Grenzen menschlichen Wissens untersucht und seine eigene Erkenntnistheorie entwickelt, wird als sein wichtigstes Werk angesehen. Das hier zitierte Gedicht heißt im französischen Original »Poème à Kant« aus der Sammlung »Recueil«.
Sully Prudhomme (eigentlich René Armand François Prudhomme, * 16. März 1839, † 7. September 1907) war ein französischer Schriftsteller. Er war der erste Nobelpreisträger für Literatur. Das Gedicht wurde ins Deutsche übersetzt von einem/einer gewissen (von?) Alten.
Am Freitag, dem 14. März 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Dresdner Schauspielhaus (wie Anm. 5) die Dresdner Première von »Es lebe das Leben. Drama in funf Akten« (1902), ein Schauspiel von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Jahre nach ihrer leidenschaftlichen Affäre führen Beate von Kellinghausen und Baron Richard von Völkerlingk eine platonische, tiefgehende Freundschaft. Als Richard jedoch in einen politischen Wahlkampf gerät, droht seine konservative Reputation durch ein altes Duell und seine liberale Vergangenheit vernichtet zu werden. Das Wechselspiel zwischen persönlicher Zuneigung und öffentlicher Pflicht wird besonders in den Gesprächen über die Folgen der Wahl deutlich, bei der Graf Michael von Kellinghausen - Beates Mann, der von der Affäre weiß, aber aus Loyalität schweigt - seine Kandidatur zurückgezogen hat, um sein Freund Baron Richard von Völkerlingk zu unterstützen. Norbert, Richards Sohn und ein liberaler junger Politiker, schreibt eine mutige Broschüre gegen die Duell-Tradition der Adligen. Dies bringt Richard in extreme Bedrängnis, da er gezwungen ist, seine eigene Ehre mit einem Duell zu verteidigen – ein absurder Zwang, den er eigentlich ablehnt. Um den Mann, den sie liebt, und dessen politische Karriere zu retten, opfert sich Beate. Sie offenbart in einem entscheidenden Moment vor Zeugen die Wahrheit über die vergangene Affäre. Damit verhindert sie, dass Richard sich im Duell erschießen muss. Nach ihrem Geständnis greift Beate zu einem tödlichen Gift. Sie stirbt, jedoch nicht in Reue, sondern im Bewusstsein, ihr Leben in vollen Zügen genossen zu haben. Ihr Tod setzt die Liebenden frei und gilt als Triumph ihres persönlichen Freiheitsdrangs über die erstarrte Gesellschaftsmoral.
Laut Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz, »Karl-May-Chronik, Band III, 1902-1905«, S. 34, besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler um 14.00 Uhr die Vesper – das Abendgebet des Stundengebets - in der Kreuzkirche (An der Kreuzkirche 1, Dresden). Normalerweise wird die Vesper um 17.00 Uhr gebeten: Das Gebet heißt ja nicht umsonst Vesper (lateinisch für Abend). Sollte 14.00 Uhr vielleicht ein Druckfehler sein? Klara Beibler nennt keine Uhrzeit. Im Römischen Stundenbuch besteht die Vesper aus: Eröffnung, Hymnus, zwei Psalmen und ein neutestamentliches Canticum mit Antiphonen, Schriftlesung (Kapitel), Responsorium, Magnificat mit Antiphon, Fürbitten mit Vater unser, Oration und Segen; in der lutherischen Kirche jedoch aus: Vesper mit Predigt, reicher liturgischer Ausgestaltung unter Verwendung der lateinischen Sprache, Vesper mit Predigt in schlichter Form, aber in Latein, Vesper bestehend aus Wortverkündigung und Gesang, Vesper von der Kanzel mit Katechese und Erweiterte Vesper durch eine Gebetsstunde am Sonntagabend.
Reinhold Becker (* 11. August 1842, † 4. Dezember 1924) war ein deutscher Komponist, Violinist und Chorleiter, der vor allem in Dresden wirkte. Seine gedruckt vorliegenden Kompositionen sind nach Beckers Tod so gut wie nicht mehr öffentlich aufgeführt worden; wir können uns also kaum vorstellen wie sein »Vater unser« geklungen hat. Sudhoff und Steinmetz (wie Anm. 141) gönnten den Mann ein hundertjähriges Leben, aber der gute Mann ist nicht 1942, sondern schon 1924 verstorben.
Am Sonntag, dem 16. März 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler in der Semperoper, die damals offiziell noch Opernhaus am Theaterplatz hieß (wie Anm. 26), »Don Pasquale« (1843), eine opera buffa von Gaetano Donizetti (* 29. November 1797, † 8. April 1848).
Don Pasquale ist ein wohlhabender, siebzigjähriger Mann, der wütend auf seinen Neffen Ernesto ist, den zukünftigen Erben seines Vermögens. Dieser weigert sich nämlich, eine reiche und adlige Jungfer zu heiraten, wie es sein Onkel wünscht. Ernesto hingegen liebt Norina, eine junge und attraktive Witwe aus einfachen Verhältnissen. Daraufhin beschließt sein Onkel, ihn zu enterben, indem er selbst heiratet. Zu diesem Zweck hat er Dr. Malatesta beauftragt, eine passende Ehefrau für ihn zu finden. Doch Dr. Malatesta, ein Freund Ernestos, schmiedet einen Plan, um den beiden jungen Leuten zu helfen. Der Doktor schlägt Don Pasquale vor, seine Schwester Sofronia zu heiraten, eine schöne und tugendhafte junge Frau, die erst kürzlich aus einem Kloster entlassen wurde. Don Pasquale nimmt den Vorschlag überglücklich an und wirft seinen Neffen Ernesto zunächst aus dem Haus. Doch Dr. Malatesta bittet Norina, die Don Pasquale nicht kennt, sich als Sofronia auszugeben, eine Scheinehe zu arrangieren und den alten Mann nach der Hochzeit in die Verzweiflung zu treiben. Ernesto ahnt jedoch nichts von Dr. Malatestas Plan. Als Ernesto von der Hochzeit erfährt, ist er verzweifelt und beschließt, mit gebrochenem Herzen in die Ferne zu reisen. Don Pasquale erhält Besuch von Dr. Malatesta und Sofronia. Er ist sofort von der schönen jungen Frau hingerissen und will die Hochzeit umgehend vollziehen. In Anwesenheit von Carlo, Malatestas Cousin und einem falschen Notar, unterzeichnet Don Pasquale einen Ehevertrag, in dem er der jungen Frau die Hälfte seines Vermögens vermacht. Kaum ist der Vertrag unterzeichnet, ändert Norina ihr Verhalten schlagartig; sie wird arrogant und unverschämt. Darüber hinaus herrscht sie über den Haushalt und gibt sich maßlos aus: Sie verdoppelt die Löhne der Bediensteten, bestellt neue Kutschen und Pferde, plant rauschende Feste, beauftragt Schneider und Juweliere, doch vor allem verachtet sie die zärtlichen Avancen ihres Mannes.
Don Pasquale ist verzweifelt über die enormen Ausgaben seiner Frau und die ständigen Renovierungsarbeiten am Haus. Verärgert verbietet er ihr, an diesem Abend ins Theater zu gehen, woraufhin er eine heftige Ohrfeige kassiert. Zudem lässt Norina ihn glauben, sie habe einen Liebhaber. Verzweifelt wendet er sich an Malatesta, der jedoch sofort Ernesto in den Plan einweiht und ihn bittet, seinen Verehrer zu spielen. Ernesto, der sich im Hain im Garten versteckt, bringt seiner Geliebten ein Ständchen, und anschließend singen sie ein Liebesduett. Don Pasquale und Malatesta treten aus ihrem Versteck hervor, wo sie das Geschehen beobachtet hatten, und beschuldigen die falsche Sofronia. Ernesto, der sich heimlich aus dem Hain geschlichen hat, kehrt durch den Garten zurück und wird von Don Pasquale empfangen. Dieser verkündet, um seine Frau zu ärgern und sie zum Gehen zu bewegen, dass er Norina heiraten werde, die die neue Herrin des Hauses werden soll. Doch in diesem Moment wird dem alten Mann die gegen ihn geschmiedete Intrige enthüllt. Erleichtert, seine schreckliche falsche Frau endlich loszuwerden, vergibt er allen und segnet die Ehe zwischen Ernesto und Norina.
Geheimrat Ernst Edler von Schuch, (geboren als Ernest Gottfried Schuch, * 23. November 1846, † 10. Mai 1914), war ein österreichischer Dirigent, der durch seine Zusammenarbeit mit Richard Strauss (* 11. Juni 1864, † 8. September 1949) an der Dresdner Hofoper (wie Anm. 26) berühmt wurde. Ab 1875 war er mit der Koloratursopranistin Clementine Edle von Schuch-Proska (geboren als Clementine Procházka, * 12. Februar 1850, † 8. Juni 1932) verheiratet. Seit 1882 wohnten sie in Niederlößnitz (jetzt Radebeul) in der Weintraubenstraße (1883 auf Schuchs Antrag umbenannt in Schuchstraße 15/17), wo der Baumeister Moritz Ziller 1866 ein Landhaus im Schweizerstil errichtet hatte. Schuch war mit Karl May bekannt, den er gezielt zu Aufführungen einlud.
Am Montag, dem 17. März 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Vereinshaus (wie Anm. 4) das einmalige Konzert des Udel-Quartetts aus Wien.
Karl Udel (* 6. Februar 1844, † 27. Januar 1927) war Cellist, Sänger (Tenor) und Komponist; er wirkte 1871 als 2. Tenor beim Komischen Quartett des Wiener Männergesangsvereins (ab 1880 hieß das Quartett Udel-Quartett) mit, war auch am Carltheater und am Theater in der Josefstadt tätig.
Ferdinand Hörbeder war 1. Bass im Udel-Quartett. Die weitere Besatzung bestand in den 1890er Jahren aus Viktor Keldorfer (1. Tenor) und Eugen Weisz (2. Bass).
Gemeint ist nicht der Große Garten in Dresden, sondern der Obstgarten gegenüber der Villa Shatterhand, der sich Karl May 1896 gekauft hatte, um eine Bebauung zu verhindern. Das Grundstück umfasste fünf Parzellen Bauland (4.086 m²) und kostete 8.417 Mark: Mit Recht ein großer Garten! 1930 wurde das Grundstück von Klara May per Vertrag an die Stadt Radebeul übergeben, die dort einen von Klara May und dem Karl-May-Verlag finanzierten, öffentlichen Park anlegte: Der Karl-May-Hain.
Max Moritz Welte (* 25. Juli 1877, † 3. Dezember 1934) war ein Freund und Schützling von Karl May. Am 5. Januar 1897 besuchte der knapp 20-jährige Technikstudent Max Welte Karl und Emma May in deren Radebeuler Villa Shatterhand; es folgten mehrere Besuche und es wurde rege korrespondiert.
Am Donnerstag, dem 20. März 1902 um 18.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Götz von Berlichingen mit der Eisernen Hand. Geschichts- und Charakterdrama in fünf Aufzügen« (1773), das erste, anonym veröffentlichten Theaterstück von Johann Wolfgang Goethe (wie Anm. 46), das als ein Hauptwerk von Sturm und Drang - eine Strömung in der deutschen Literatur von ± 1765 bis ± 1785 - gilt.
Ritter Gottfried Götz von Berlichingen zu Hornberg mit der eisernen Hand (* ± 1480, † 23. Juli 1562) gerät in Konflikt mit dem Bischof von Bamberg, da dieser einen seiner Diener gefangen hält und foltert. Es gelingt ihm, Adelbert von Weislingen, einen Jugendfreund im Dienst des Bischofs, gefangen zu nehmen und ihn auf sein Schloss Jaxthausen (heute: Jagsthausen) zu bringen, wo er ihn zum Seitenwechsel bewegt. Um das neu geschlossene Bündnis zu besiegeln, verlobt sich Weislingen mit Berlichingens Schwester Maria.
Die Reaktion aus Bamberg lässt nicht lange auf sich warten. Liebetraut, ein Höfling, überredet Weislingen zur Rückkehr nach Bamberg. Er lockt ihn mit Gunst der Frauen, fürstlicher Gunst und Schmeicheleien: Der Händedruck eines Prinzen und das Lächeln einer schönen Frau! Kein Weislingen könnte dem widerstehen. Weislingen wird unsicher und beschließt, einen kurzen Besuch in Bamberg zu riskieren. In der Bischofsresidenz verliebt sich Weislingen in die verführerische Adelheid von Walldorf und lässt sich von ihr überreden, seinen Dienst beim Bischof wieder aufzunehmen.
Berlichingen führt seine Schwester mit Franz von Sickingen zusammen, nachdem er ihn gewarnt hat, dass Weislingen sie verführt und verlassen habe: Ich habe ihn, den Vogel, freigelassen, und er verachtet die gütige Hand, die ihm in seiner Not zu essen reichte. Er flattert umher, Gott weiß, auf welcher Hecke er sein Futter sucht. Berlichingen greift reiche Kaufleute an, um sich für die Gefangennahme eines seiner Reiter zu rächen, und wird daraufhin vom Kaiser, der von Weislingen beeinflusst ist, mit dem kaiserlichen Bann belegt und von einer eigens rekrutierten Henkersarmee verfolgt. Der Gejagte verbarrikadiert sich in seiner Burg, während deren Belagerung der berühmte Götz-Gruß (Schwäbischer Gruß) fällt: Ergebt euch! Bei Gnade oder Schande! Mit wem redet ihr? Bin ich ein Räuber? Sagt eurem Hauptmann: Vor Seiner Kaiserlichen Majestät habe ich, wie immer, gebührenden Respekt. Aber er, sagt ihm, er kann mich mal! Als er sich schließlich den Angreifern ergeben muss, handelt er freies Geleit aus, wird aber dennoch verhaftet.
Berlichingen wird im Rathaus von Heilbronn vor Gericht gestellt, wo er seine Unschuld beteuert. Sickingen befreit ihn mit Gewalt, rückt mit 200 Mann in die Stadt ein und droht, sie in Brand zu setzen. Berlichingen zieht sich erneut in seine Burg zurück.
Aufständische Bauern wollen Berlichingen zu ihrem Anführer auf ihrem mordenden und plündernden Feldzug machen. Nach anfänglichem Widerstand lässt er sich überreden, die Aufgabe vorübergehend zu übernehmen, unter der Bedingung, dass die Bauern weitere Gewalttaten unterlassen. Doch die Bauern brechen ihr Versprechen, und Berlichingen wird kurz darauf Zeuge, wie Miltenberg angegriffen und niedergebrannt wird. Berlichingen, der in einem Zigeunerlager Zuflucht gefunden hat, wird von Weislingens Kavallerie gefangen genommen. Adelheid ist Weislingen überdrüssig und sucht die Gunst des neuen Kaisers. Weislingens Knappe Franz, Adelheids Geliebter, steht so sehr unter ihrem Einfluss, dass er sich überreden lässt, Weislingen zu vergiften. Verzweiflung über seine Tat treibt ihn jedoch in den Selbstmord. Adelheid wird von einem geheimen Gericht wegen Ehebruchs und Mordes zum Tode verurteilt. Berlichingen, im Turm von Heilbronn gefangen, stirbt im Beisein seiner Frau, seiner Schwester und seines Vertrauten Lerse, dem er seine Frau anvertraut. Ihn betrübt der Gedanke, sie in einer Welt zurückzulassen, in der die Zeiten der Täuschung anbrechen. Doch im Tod fühlt er sich endlich frei: Himmlische Luft – Freiheit! Freiheit! Elisabeth stimmt reumütig zu: Nur dort oben, dort oben bei dir. Die Welt ist ein Gefängnis. Das Drama endet mit Lerses Warnung: Wehe der Nachwelt, die dich missversteht!
Das Werk ist ein Plädoyer für mehr Religionsfreiheit (damals bestand Deutschland aus etwa 300 eigenständigen Fürstentümern mit protestantischer und katholischer Bevölkerung, in denen Andersgläubige verfolgt wurden, seit dem Augsburger Religionsfrieden (1555) nach dem Cuius regio, eius religio-Prinzip) und für mehr Rechte für die Bauern. Das Stück erfreute sich großer Beliebtheit und ist teilweise im Dialekt verfasst; all dies steht im Zusammenhang mit Goethes damaligem Streben nach künstlerischer Freiheit.
Adelbert von Weislingen war einen Jugendfreund von Götz von Berlichingen, der im Dienst des Bischofs von Bamberg ist; Götz nimmt ihn gefangen und bewegt ihn dazu die Seiten zu wechseln. Ein wenig später wechselt er jedoch wieder die Seiten und dient den Bischof nach wie vor.
Reichsritter Franz von Sickingen (* 2. März 1481, † 7. Mai 1523) war Anführer der rheinischen und schwäbischen Ritterschaft und der zweite Verlonte der Maria von Berlichingen.
Maximilian I. (geboren als Erzherzog Maximilian von Österreich, * 22. März 1459, † 12. Januar 1519) aus dem Geschlecht der Habsburger war durch Heirat ab 1477 Herzog von Burgund, ab 1486 römisch-deutscher König, ab 1493 Herr der Habsburgischen Erblande und vom 4. Februar 1508 bis zu seinem Tod römisch-deutscher Kaiser im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Amletus (auch Amlethus) ist die Zentralgestalt einer von dem dänischen Historiker Saxo Grammaticus (* ± 1160, nach 1216) überlieferten altdänischen Sage, die zum Ursprung des weltberühmten Theaterstücks »Hamlet. The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke« (1604) von William Shakespeare (wie Anm. 74) wurde.
In der Tragödie, die Karl und Emma sowie Klara Beibler am 23. Februar um 19.00 Uhr im Schauspielhaus (wie Anm. 5) besuchten, ist Prinz Hamlet von Dänemark der Sohn des kürzlich verstorbenen Königs - der auch Hamlet hieß - und Neffe von König Claudius, dem Bruder und Nachfolger seines Vaters. Claudius heiratete König Hamlets Witwe und Prinz Hamlets Mutter Gertrude. Dänemark befindet sich in einer langjährigen Fehde mit dem benachbarten Norwegen und fürchtet eine Invasion unter der Führung von Fortinbras, dem Sohn des norwegischen Königs. Prinz Hamlets Freund Horatio und zwei Wachen werden Zeugen der Erscheinung von König Hamlets Geist und beschließen, Prinz Hamlet davon zu berichten. Am nächsten Tag versammelt sich der Hof, und Claudius tadelt Hamlet, weil er weiterhin um seinen Vater trauert. Hamlet beklagt den Tod seines Vaters und die übereilte Wiederverheiratung seiner Mutter. Nachdem er von Horatio von dem Geist erfahren hat, beschließt Hamlet, ihn selbst zu sehen. Ophelia wird von Hamlet umworben. Ihr Bruder Laertes, der nach Frankreich reist, warnt sie davor, Hamlets Zuneigung zu erwidern, und ihr Vater Polonius befiehlt ihr, Hamlets Annäherungsversuche zurückzuweisen. In der Nacht erscheint Hamlet der Geist und verkündet ihm, dass er von Claudius ermordet wurde. Er fordert Hamlet auf, ihn zu rächen, was Hamlet schwört. Der Prinz vertraut Horatio an, dass er Wahnsinn vortäuschen will und verpflichtet Horatio und die Wachen zur Verschwiegenheit. Hamlet ist sich der Glaubwürdigkeit des Geistes weiterhin nicht sicher.
Ophelia berichtet Polonius, dass Hamlet in ihrem Gemach erschienen und sich merkwürdig verhalten habe; Polonius schlussfolgert, dass Hamlets Wahnsinn auf Liebe zurückzuführen sei. Unterdessen hat Norwegen Fortinbras befohlen, einen Einmarsch in Dänemark abzubrechen, bittet aber um Durchreise durch Dänemark für einen Marsch nach Polen. Polonius spricht mit Hamlet, und dieser täuscht Wahnsinn vor. Rosencrantz und Guildenstern, zwei von Hamlets Freunden, treffen ein. Hamlet erkennt, dass sie ihn ausspionieren wollen. Rosencrantz und Guildenstern teilen ihm mit, dass sie eine Schauspielertruppe mitgebracht haben. Hamlet bittet die Schauspieler, »Der Mord an Gonzago« aufzuführen, ein Stück, das einen Tod im Stil des Mordes an seinem Vater zeigt. Hamlet beabsichtigt, Claudius Reaktion auf das Stück zu beobachten und so die Wahrheit der Geistergeschichte zu ergründen.
Polonius befiehlt Ophelia, Hamlets Liebesgaben zurückzugeben, während er und Claudius heimlich Hamlets Reaktion beobachten. Hamlet wirft Ophelia Unzucht vor und leugnet, sie jemals geliebt zu haben, wodurch Claudius überzeugt wird, dass Hamlet nicht aus Liebe wahnsinnig ist. Der Hof versammelt sich, um das von Hamlet in Auftrag gegebene Stück anzusehen, und Claudius springt abrupt auf und flieht aus dem Saal, was für Hamlet die Schuld seines Onkels beweist. Claudius versucht zu beten, kann aber nicht bereuen. Hamlet schleicht sich an Claudius heran, tötet ihn aber nicht, da er glaubt, ihn im Gebet zu töten, würde ihn in den Himmel bringen. Im Schlafgemach der Königin streiten Hamlet und Gertrude. Polonius, der das Gespräch hinter einem Wandteppich belauscht, ruft um Hilfe, woraufhin Hamlet wild um sich schlägt und Polonius tötet. Hamlet beleidigt seine Mutter auf brutale Weise, doch der Geist erscheint und tadelt Hamlet für seine harten Worte. Da Gertrude den Geist weder sehen noch hören kann, hält sie Hamlets Rede für einen weiteren Beweis seines Wahnsinns.
Der König schickt Rosencrantz und Guildenstern mit einem versiegelten Brief an den englischen König nach England, um Hamlets Hinrichtung zu fordern. Ophelia ist durch den Tod ihres Vaters wahnsinnig geworden. Laertes kehrt wütend aus Frankreich zurück und wird Zeuge von Ophelias Wahnsinn. Claudius überzeugt Laertes, dass Hamlet dafür verantwortlich ist. Ein Brief trifft ein, der Hamlets Rückkehr nach Dänemark verkündet. Claudius schlägt einen Fechtkampf zwischen Laertes und Hamlet vor. Laertes soll einen vergifteten Degen erhalten, und falls dieser fehlschlägt, will Claudius Hamlet vergifteten Wein anbieten. Gertrude trifft ein und berichtet von Ophelias Tod durch Ertrinken. Hamlet und Horatio werden Zeugen von Ophelias Beerdigung, und Laertes und Hamlet geraten in einen Kampf. Zurück auf dem Schloss nimmt Hamlet die Herausforderung zum Fechtkampf an. Gertrude stößt mit dem vergifteten Wein auf ihn an. Claudius versucht, sie davon abzuhalten, doch sie trinkt. Laertes verletzt Hamlet daraufhin mit seiner vergifteten Klinge. Im folgenden Handgemenge tauschen sie die Waffen, und Hamlet verwundet Laertes. Gertrude stirbt, und Laertes enthüllt Claudius Plan. Hamlet tötet Claudius. Unterdessen nahen die Truppen des Fortinbras in Begleitung englischer Gesandter. Sterbend bestimmt Hamlet seinen Gefährten Horatio zum Sachwalter seines Andenkens, gibt seine Stimme Fortinbras als seinem Nachfolger und stirbt in Horatios Armen. Der norwegische Prinz ordnet für Hamlet ein Begräbnis mit militärischen Ehren an.
Josef Gottfried Ignaz Kainz (* 2. Januar 1858, † 20. September 1910) war ein österreichischer Schauspieler. Er gilt bis heute als einer der größten deutschsprachigen Theaterschauspieler.
»Wilhelm Meisters Lehrjahre« (1795/96) ist ein Bildungsroman von Johann Wolfgang von Goethe (wie Anm. 46).
Der Roman schildert die Entwicklung Wilhelm Meisters, der sich aus der engen Bürgerlichkeit seines Elternhauses löst und zuerst glaubt, in der Welt des Theaters den Weg zu sich selbst zu finden, weil er sich schon als Kind für das Puppenspiel begeisterte. In seiner Liebe zu der Schauspielerin Mariane, die aber zugleich die ausgehaltene Geliebte eines reichen Kaufmanns ist, findet er die erste Gelegenheit, sich von seinem Elternhaus zu lösen. Er träumt davon, Schöpfer eines künftigen National-Theaters zu werden. Seine Enttäuschung über Marianes Doppelleben lässt ihn auf Reisen gehen. Er schließt sich einer umherziehenden Schauspielertruppe an, wo er die kokette Philine trifft, aber auch die elfenhafte Mignon, die er einem Seiltänzer abkauft, und den alten Harfner, der sich ihm anschließt. Mit der Truppe bricht er zu einem Gastspiel im Grafenschloss auf. Hier verliebt er sich in die schöne Gräfin, lernt die Welt des Adels, gleichzeitig aber auch – unter Anleitung Jarnos – das Werk Shakespeares (wie Anm. 74) kennen. Er plant, den Hamlet (wie Anm. 163) aufzuführen und selbst darin die Titelrolle zu spielen. Die Truppe reist nach längerem Aufenthalt auf dem Schloss zum Theaterdirektor Serlo. Auf dem Weg wird Wilhelm Opfer eines Raubüberfalls und kurz darauf begegnet ihm eine schöne Amazone, deren Identität vorerst im Dunkeln bleibt. In Serlos Theater bereitet man nun den Hamlet vor und führt das Stück mit Erfolg auf. Als das Theater durch einen Brand zerstört wird, löst sich die Truppe auf; doch erhält Wilhelm von der sterbenden Aurelie, der Schwester Serlos, den Auftrag, ihren untreuen Geliebten Lothario aufzusuchen, was Wilhelm in eine neue Sphäre leitet. Bevor Wilhelm diesen Lothario trifft, werden im 6. Buch Die Bekenntnisse einer schönen Seele eingeschaltet, in denen die den Romanschluss prägende Figurenkonstellation sowie die Turmgesellschaft eingeführt werden. Die Begegnung mit Lothario, einem tatkräftigen und wirklichkeitsverhafteten Edelmann, entführt Wilhelm aus dem Bezirk des Theaters in die praktische Welt, offenbart ihm aber auch seine Abhängigkeit von der mysteriösen Turmgesellschaft. Nach und nach enthüllen sich alle Geheimnisse: der Knabe Felix ist Wilhelms eigener Sohn aus der Verbindung mit Mariane; Natalie, die Schwester Lotharios, entpuppt sich als die schöne Amazone; Mignon ist das Kind aus der inzestuösen Liebe des Harfners zu seiner Schwester. Nachdem eine Verlobung mit der rechtschaffenen, aber etwas hausbackenen Therese wieder gelöst wird und die Machenschaften der vernunftorientierten Turmgesellschaft Wilhelm enttäuschen, zieht er sich mit seinem Sohn Felix zurück. Er tritt einer Freimaurerloge bei, die nach sozialem Wandel strebt und sich an den Vereinigten Staaten von Amerika orientiert: Amerika ist hier oder nirgendwo! Doch Friedrich, der Bruder Lotharios und Natalies, ermöglicht dann doch die Verbindung Wilhelms mit der geliebten Natalie, des bürgerlichen Kaufmannssohnes mit der Adligen. Die Fortsetzung, »Wilhelm Meisters Wanderjahre« wurde 1821 bzw. 1829 veröffentlicht.
Am Ostersonntag, dem 30. März 1902 um 18.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Faust, Erster Teil« (1808), das berühmteste Drama von Johann Wolfgang von Goethe (wie Anm. 46).
Mephisto, als Vertreter Luzifers, ist bei einer Versammlung im Himmel anwesend. Wie üblich hinterfragt er, warum Gott den Menschen erschaffen wollte und ob das Ergebnis gelungen ist. Gott bleibt jedoch fest von der Güte des Menschen überzeugt. Der Teufel zweifelt daran und ist sich sicher, dass er einen ehrgeizigen Professor namens Faust – Vorlage war der mittelalterliche wandernde Wunderheiler, Alchemist, Magier, Astrologe und Wahrsager Johann Georg Faust (* wahrscheinlich ± 1480, † um 1541) - in die Irre führen kann. Gott nimmt die Herausforderung an, denn er glaubt, dass Faust die richtigen Entscheidungen treffen wird, und er weiß, dass ein Eingreifen des Teufels gelegentlich notwendig ist, um den Menschen an alle Gefahren zu erinnern. Hierin liegt ein erster Unterschied zu den älteren Faust-Erzählungen und damit auch zum damaligen christlichen Dogma: Gott diktiert dem Menschen nicht sein Leben, sondern lässt ihn selbst entscheiden.
Professor Faust sucht sein ganzes Leben lang nach dem ultimativen Wissen, um die Welt zu verstehen. Eines Abends studiert er ein altes Buch voller Magie. Es gelingt ihm, Kontakt zum Geist der Erde aufzunehmen. Doch der Geist weist Faust als sterblichen und unbedeutenden Menschen zurück. Faust ist zutiefst enttäuscht und will sich sogar vergiften. Als er die Glocken läuten hört, die Ostern ankündigen, ändert er seine Meinung. Am nächsten Tag machen Faust und sein Gehilfe Wagner einen Morgenspaziergang. Auf der Straße wird er für seine Hilfe für die Kranken gelobt. Trotz dieser Anerkennung bleibt Faust angesichts der Grenzen menschlichen Wissens niedergeschlagen. Auf seinem Heimweg folgt ihm ein schwarzer Pudel.
Zuhause angekommen, beginnt Faust, das Johannesevangelium zu übersetzen. Der Hund wird unruhig und nimmt die Gestalt Mephistos an. Dieser schlägt ihm einen Pakt vor: Er will ihm alle Wünsche erfüllen, jedoch unter einer Bedingung: Sobald Faust keine Wünsche mehr hat, soll seine Seele Mephisto gehören. Faust besiegelt den Pakt mit Blut. Mephisto glaubt, Faust mit einem Abend im Gasthaus Auerbachs Keller für sich gewinnen zu können, doch die Dinge geraten völlig außer Kontrolle. Als Nächstes besuchen sie eine Hexe, die Faust in einen attraktiven jungen Mann verwandelt.
Auf der Straße begegnet Faust Gretel. Faust und Mephisto sorgen dafür, dass sie sich in Faust verliebt. Für Gretel bedeutet diese Beziehung jedoch großes Unglück; sie verliert sowohl ihre Mutter als auch ihren Bruder. Zudem ist sie gezwungen, ihr neugeborenes Kind zu ertränken, da sie und Faust nicht verheiratet sind. Sie landet im Kerker und verfällt dem Wahnsinn. Faust und Mephisto kehren nach einer wilden Walpurgisnacht zurück und wollen Gretel befreien. Doch sie weigert sich, mit ihnen zu gehen; sie zieht es vor, für ihre Sünden Buße zu tun. Kurz darauf stirbt sie. Gretel hat ihre Seele gerettet; sie hat sich entschieden zu sühnen und sich bewusst von Faust losgesagt, dessen Seele dem Teufel versprochen ist. Hier endet »Faust I«.
Von 1825 bis Sommer 1831 arbeitete Goethe am zweiten Teil der Tragödie; dieses Werk wurde erst 1832, einige Monate nach Goethes Tod, veröffentlicht.
Mephisto (vollständig Mephistopheles) ist der Name des Teufels im Fauststoff. Es handelt sich um einen dienstbaren Geist, der um Beistand angerufen oder als Paredros (πάρεδρος; Latein: spiritus familiaris) magisch herbeigezwungen wurde.
In »Paralipomenon 97«. Unter dem Titel »Paralipomena« - griechisch παραλειπόμενα, ausgelassen - wurden nach Goethes Tod die erhalten gebliebenen vorbereitenden Aufzeichnungen (Skizzen, Verse u. a.) zum Faust veröffentlicht, die der Dichter nicht in die Endfassungen von »Faust I« und »Faust II« aufgenommen hat.
Das Zitat ist den »Monologen. Eine Neujahrsgabe« (1800) von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (* 21. November 1768, † 12. Februar 1834), einem deutschen evangelischen Theologen, Altphilologen, Philosophen und Pädagogen, entnommen.
An diesem Abend (6. April 1902) fand die letzte Dresdner Vorstellung des russischen Zirkus von Mátyás Beketow (* 16. November 1867, 5. September 1928) statt an der Münchner Straße in Dresden.
Am Montag, dem 7. April 1902. Im Einvernehmen mit Emma engagiert Karl May Klara Beibler verw. Plöhn für ein Jahresgehalt von 3000 Mark als Sekretärin in der Villa Shatterhand. Eine Mark in 1900 entspräche heute € 8,60; 3000 Mark entsprächen also etwa 25.800 Euro. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Währungsgeschichte).
Martha Schurtz war die Tochter von Dr. Carl Heinrich Schurtz und Anna Schurtz geb. Falk (wie Anm. 115). Sie posierte für Selmar Werner (wie Anm. 66) bei der Gestaltung des Reliefs für das Plöhn-/May-Grabmal und war – wie Klara May – 1903 ebenfalls Zeugin im Prozess gegen das Medium Anna Rothe (wie Anm. 181).
Das Landgericht Dresden (Nachfolger des Appellationsgerichts Dresden, das im Rahmen des Reichsjustizgezetzes am 1. Oktober 1879 neu eingerichtet wurde) lag an der Pillnitzer Straße (Ecke Mathildenstraße). Nach dem Krieg zog das Landgericht ins ehemalige Amtsgerichtsgebäude an der Lothringer Straße 1.
Max Jentsch war der ehemalige Manager der Anna Rothe (wie Anm. 181); beruflich war er eigentlich Spirituosenhändler und Journalist. Er hat sich der Verhaftung durch Flucht entzogen; Rothe wurde dagegen von der 2. Berliner Strafkammer zu 1½ Jahren Gefängnis wegen Betrugs verurteilt (Urteil vom 23. März 1902).
Am Mittwoch, dem 9. April 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Der Meineidbauer. Volksstück mit Gesang in drei Akten» (1871) von Ludwig Anzengruber (* 29. November 1839, † 10. Dezember 1889), einem österreichischen Schriftsteller und Dramatiker.
Vroni, ein Dienstmädchen auf dem Adamshof, ist in Toni, den Sohn des Adamshof-Bauern Höllerer, verliebt. Ihre Mutter, ebenfalls Vroni, war einst Dienstmädchen auf dem Hof eines gewissen Jakob Ferner und wurde von ihm schwanger. Da dieser jedoch offenbar ohne Testament starb, blieb Vroni mittellos zurück. Höllerer und Matthias Ferner, Jakobs Bruder, tauchen mit ihren Kindern Toni und Creszenz auf; die Eltern haben sich über die Heirat der beiden geeinigt. Vroni ist wütend und enttäuscht. Sie verlässt den Adamshof und zieht zu ihrer Großmutter Burger-Lies, die ein heruntergekommenes Gasthaus betreibt und ihr karges Einkommen durch die Beherbergung von Schmugglern aufbessert. Lies erzählt Vroni, dass Matthias das Testament seines Bruders verschwinden ließ, aber vor Gericht unter Eid ausgesagt hatte, es gäbe kein Testament. Deshalb nennt sie ihn fortan den Meineidbauer. Vroni erhält daraufhin von ihrem Bruder ein Gebetbuch, in dem sich ein Brief befindet, in dem Matthias zugibt, dass ein Testament von Jakob Ferner tatsächlich existierte. Matthias älterer Sohn Franz kehrt plötzlich zurück; Matthias möchte, dass er Priester wird, doch Franz weigert sich. Er sucht Vroni auf, und die beiden verlieben sich. Matthias taucht auf und bedroht Vroni mit einer Pistole; in ihrer Verzweiflung sagt Vroni, dass sie den Brief Franz gegeben hat. Matthias verfolgt seinen Sohn und erschießt ihn hoch über einer Schlucht, weil Franz sich weigert, den Brief herauszugeben. In der Annahme, seinen Sohn getötet zu haben, flieht Matthias, stirbt aber kurz darauf an einem Schlaganfall. Vroni zerreißt den Brief aus Liebe zu Franz, der sich am nächsten Tag bereits erholt. Höllerer, Toni und Creszenz treffen ein und berichten ihm vom Tod seines Vaters und dass er nun der Herr des Kreuzweghofs ist. Das Stück endet mit der Aussicht auf die bevorstehenden Hochzeiten von Vroni und Franz sowie von Creszenz und Toni.
Am Donnerstag, dem 10. April 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet« (»Romeo und Julia«, 1597) von William Shakespeare (wie Anm. 74).
Das in Verona spielende Stück beginnt mit einer Straßenschlägerei zwischen Dienern der Montagues und der Capulets, die wie ihre Herren Todfeinde sind. Fürst Escalus von Verona greift ein und erklärt, dass jeder weitere Friedensbruch mit dem Tod bestraft wird. Später spricht Graf Paris mit Capulet über die Heirat mit dessen Tochter Julia, doch Capulet bittet Paris, noch zwei Jahre zu warten und lädt ihn zu einem geplanten Ball der Capulets ein. Lady Capulet und Julias Amme versuchen, Julia zu überreden, Paris Werben anzunehmen.
Unterdessen spricht Benvolio mit seinem Cousin Romeo, Montagues Sohn, über Romeos jüngste Niedergeschlagenheit. Benvolio findet heraus, dass diese auf unerwiderter Liebe zu einem Mädchen namens Rosaline, einer Nichte Capulets, beruht. Von Benvolio und Mercutio überredet, besucht Romeo den Ball im Hause Capulet in der Hoffnung, Rosaline zu begegnen. Romeo begegnet jedoch stattdessen Julia und verliebt sich in sie. Julias Cousin Tybalt ist wütend auf Romeo, weil dieser sich auf den Ball geschlichen hat, wird aber von Julias Vater daran gehindert, Romeo zu töten, da dieser kein Blutvergießen in seinem Haus dulden will. Nach dem Ball, in der berühmten Balkonszene, schleicht sich Romeo in den Obstgarten der Capulets und belauscht Julia am Fenster, wie sie ihm trotz des Hasses ihrer Familie auf die Montagues ihre Liebe schwört. Romeo gibt sich ihr zu erkennen, und sie beschließen zu heiraten. Mit der Hilfe von Bruder Lorenzo, der hofft, die beiden Familien durch die Verbindung ihrer Kinder zu versöhnen, heiraten sie am nächsten Tag heimlich.
Tybalt, der immer noch wütend darüber ist, dass Romeo sich auf den Ball der Capulets geschlichen hat, fordert ihn unterdessen zum Duell. Romeo, der Tybalt nun als seinen Verwandten betrachtet, weigert sich zu kämpfen. Mercutio ist über Tybalts Unverschämtheit und Romeos niederträchtige Unterwerfung empört und nimmt das Duell an Romeos Stelle an. Als Romeo versucht, den Kampf zu schlichten, wird Mercutio tödlich verwundet und spricht vor seinem Tod einen Fluch über beide Häuser aus (A plague on both your houses!). Von Trauer und Schuldgefühlen geplagt, stellt sich Romeo Tybalt entgegen und tötet ihn.
Montague argumentiert, Romeo habe Tybalt für den Mord an Mercutio zu Recht hingerichtet. Der Fürst, der nun einen Verwandten in der Fehde der verfeindeten Familien verloren hat, verbannt Romeo aus Verona und droht ihm mit dem Tod, sollte er jemals zurückkehren. Romeo verbringt die Nacht heimlich in Julias Gemächern, wo sie ihre Ehe vollziehen. Capulet missversteht Julias Trauer und willigt ein, sie mit Graf Paris zu verheiraten. Als sie sich weigert, Paris freudige Braut zu werden, droht er ihr mit Enterbung. Als sie daraufhin um eine Verschiebung der Hochzeit bittet, weist ihre Mutter sie zurück.
Julia sucht Hilfe bei Bruder Lorenzo, der ihr einen Trank anbietet, der sie für zweiundvierzig Stunden in einen todesähnlichen Zustand oder eine Katalepsie versetzen soll. Der Bruder verspricht, einen Boten, Bruder Johannes, zu schicken, um Romeo von dem Plan zu berichten, damit er zu ihr zurückkehren kann, sobald sie erwacht. In der Nacht vor der Hochzeit nimmt sie den Trank und wird, scheinbar tot aufgefunden, in der Familiengruft beigesetzt.
Bruder Johannes kann Romeo die Nachricht von Julia jedoch nicht überbringen, da der Ausbruch einer Pestepidemie Reisen unmöglich macht. Stattdessen erfährt Romeo von Julias vermeintlichem Tod durch seinen Diener Balthasar. Romeo, untröstlich, kauft Gift von einem Apotheker und begibt sich zur Gruft der Capulets. Dort trifft er auf Paris, der gekommen ist, um heimlich um Julia zu trauern. Da Paris Romeo für einen Räuber hält, stellt er ihn zur Rede, und im darauffolgenden Kampf tötet Romeo ihn. Immer noch im Glauben, Julia sei tot, trinkt er das Gift. Julia erwacht daraufhin und, als sie Romeos Tod erkennt, ersticht sie sich mit seinem Dolch und stirbt mit ihm. Die verfeindeten Familien und der Prinz treffen sich am Grab und finden alle drei tot vor. Bruder Lorenzo erzählt die Geschichte der beiden unglücklichen Liebenden und erfüllt damit den Fluch, den Mercutio aussprach. Die Familien versöhnen sich durch den Tod ihrer Kinder und beschließen, ihre blutige Fehde zu beenden. Das Stück endet mit der Elegie des Prinzen für die Liebenden: For never was a story of more woe / Than this of Juliet and her Romeo (Denn nie gab es eine Geschichte von mehr Leid / Als diese von Julia und ihrem Romeo.).
Die Tragödie ist eine für die damalige Zeit moderne Bearbeitung des Pyramus- und Thisbe-Stoffes.
Tybalt Capulet wird von Mercutio zu einem Fechtduell herausgefordert, der seinen Freund Romeo Montague vor einem drohenden Duell mit Tybalt schützen will. Romeo, der inzwischen Julia geheiratet hat, will diesen Kampf zwischen seinem besten Freund und einem Cousin seiner Frau verhindern und geht dazwischen. Durch Romeo behindert, bekommt Mercutio von Tybalt einen tödlichen Stich und stirbt.
Am Freitag, dem 11. April 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Opernhaus (wie Anm. 26) »Manfred. A dramatic poem« (1816/17) von Lord Byron. Musik von Robert Schumann (* 8. Juni 1810, † 29. Juli 1856) u.d.T. »Manfred. Dramatisches Gedicht in drei Abtheilungen« (op 115, 1852).
Manfred ist ein Faust-ähnlicher Adliger, der in den Berner Alpen lebt. Innerlich gequält von einer unerklärlichen Schuld, die mit dem Tod seiner Geliebten Astarte zusammenhängt, beschwört er mithilfe seiner Sprach- und Zauberkunst sieben Geister, von denen er Vergebung erbittet. Die Geister, die über die verschiedenen Aspekte der materiellen Welt herrschen, können die Vergangenheit nicht beeinflussen und Manfreds Bitte daher nicht erfüllen. Eine Zeitlang hindert ihn das Schicksal daran, seiner Schuld durch Selbstmord zu entfliehen. Danach kehrt er zurück auf den Gipfel der Jungfrau und begegnet dort Geistern und der Göttin Nemesis, die auf Manfreds Flehen hin einwilligt, seine Geliebte Astarte aus dem Reich der Toten zu rufen, damit er mit ihr sprechen könne. Astarte spricht jedoch nur seinen Namen und sagt, sein Leiden werde am kommenden Tag enden. Er geht nach seinem Schloss zurück und wird da von einem Abt aufgesucht, dem Manfreds Verbindungen zu finsteren Mächten zu Ohren gekommen sind. Manfred weist die Versuche des Abtes, ihn zur Buße zu bewegen zurück. In der letzten Szene erscheint der Abt erneut und findet Manfred, dem Tode nah, in seinem Zimmer vor. Schließlich stirbt Manfred und widersteht so den religiösen Verlockungen der Erlösung von der Sünde. Im gesamten Epos gelingt es ihm, alle Autoritäten herauszufordern, denen er begegnet, und er wählt den Tod, anstatt sich den mächtigen Geistern zu unterwerfen. Seine letzten Worte richtet er an den Abt: „Alter Mann! Sterben ist gar nicht so schwer.“ Bis zum Ende unbezwingbar, gibt Manfred seine Seele weder dem Himmel noch der Hölle, sondern nur dem Tod.
George Gordon Noel, 6th Baron Byron (bekannt als Lord Byron, * 22. Januar 1788, † 19. April 1824) war ein britischer Dichter. Er gilt als einer der wesentlichen Vertreter der englischen Romantik und war bekannt als Dandy. Seine größten Ruhm erhielt er als Teilnehmer am Freiheitskampf der Griechen (1821-1829).
Der Begriff Schicksalsschwester (oder Schicksalsschwestern) stammt nicht direkt aus Goethes »Faust«, sondern ist eine geläufige Umschreibung für schicksalhafte Schreckgestalten wie die Parzen oder die Hexen aus Shakespeares »Macbeth«.
Am Dienstag, dem 15. April 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Residenztheater (Circusstraße 41, Dresden) »Sodoms Ende. Drama in fünf Akten« (1891), ein Schauspiel von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Das Stück behandelt Themen wie Moral, Religion und die Konsequenzen von Sünde und Korruption.
Adah Barczinowski, die Lebeweltgattin eines Berliner Börsenjobbers, hat sich das international preisgekrönte Gemälde »Sodoms Ende« von dem genialischen Maler Willi Janikow für ihren Tanzsaal gekauft – und der Künstler für sich selber. Dieser lachende Siegfried auf der Münchener Akademie war die stolze Hoffnung seines besten Lehrers – der solide Karlsruher Meister Riemann, sein Akademiekamerad, findet ihn nun entnervt, schlapp, unterhöhlt wieder; wohin ist sein Seelenmumm, der seine Schaffenslust mit fortnahm? In der Höhle der Löwin macht man keine Umstände, vor allem keine gesegneten Umstände; frivol ist man aus Natur. Die Dame des Hauses ist: Nerven und Eitelkeit, Allüren der Leidenschaft mit der Kälte der Hundeschnauze. Sie schwärmen für Naturalismus, doch das Natürliche erscheint ihnen als Witz. Willi, den der Freund wegen seiner Verbummelung schüttelt, dämmert in einer Welt dahin, der nichts heilig ist; er möchte wider arbeiten können, um sich seinen Tag zu verdienen. Frau Adah wird ihrem Liebeshörigen ihre Nichte Kitty – Jungfrau mit Edelfäule – anheiraten.
Bei den Eltern Janikows geht es einfacher her. Der Vater, ehemaliger Gutsbesitzer, schindet sich mit einem kleinen Posten in der Verbandsmeierei, die Mutter betreut Pensionäre. Der Sonnenschein im Hause ist Klärchen, die Willis Münchener Lehrer ihm sterbend anvertraute; sie lernte Kindergärtnerin. Riemann tröstet die wegen Willis Bummelei gedrückte bescheidene Frau. Der auch im Hause lebende bescheidene Kramer, ewiger Schulkandidat, schwärmt für Willi, zu dessen Rohm er im Bezirksverein Vorträge schwingt, und für Kläre, die er eifernd bewacht als ritterliche Dogge. Willi soll bei dem reinen Mädchen ein gutes Wort für den Schüchternen einlegen, nachdem Kramer den Willi für sein kleines Vermögen studieren ließ – im Gespräch mit Kläre empfindet der Sinkende, dass ihre Reinheit ihn am ehesten noch retten könnte; er küsst sie glühend – er hat dem Freunde kaum den Weg gebahnt, doch die Sinnlichkeit in Käte entzündet.
Riemann als getreuer Eckart redet Willi in Herz un Gewissen – die Weiber hast du ausstudiert, versuchs mit dem Weibe, aber rein muss sie sein wie das Licht. Frau Adah erscheint; Willi überzeugt sich unter ihrer dämonischen Überlegenheit, dass er nicht frei werden kann von ihr; er will sich, müde, in das von ihr gesponnene Ehenetz mit Kitty fangen lassen, wenn er nur sein Schaffen zurückgewinnt! Die Kuppelmutter lässt nun ihre Künste um Frau Janikow spielen, bis diese, die dem Plan mit Kitty nicht abgeneigt war (um ihren fahrenden Jungen festzulegen), merkt, dass die Besucherin Willis Geliebte ist. Der Leidenschaftsausbruch der Erkannten, von der die Rechtschaffenheit der Mutter Willis sich abwendet, droht mit der Vernichtung des Opfers, mit Willis Ruin – da fügt sich Frau Janikow, der klar wird: Ich habe mein Kind verloren. Vater Janikow stolpert im Morgendämmer in seinen Dienst, der Sohn stolpert gleichzeitig, angetrunken, nach Hause – wildlüstern gelangt er in Klärchens Kammer.
Man feiert bei Barczinowski ein Fest nach diesem Rezept: Meine Hausehre bring ich hierher nicht mit – die Freunde: Er sagt Hausehre, weil er mit ihr seine Ehre zu Hause lässt. Die Eltern Willis sind auch geladen, der Alte verfügt schon über einen edlen Zacken oder dieser über ihn; die Mutter kommt sich wie eine Karikatur vor, sie will ja nur Unheil verhüten in dem Pfuhl! Willi hält, vom Arzt gewarnt von einer Schuld an Klärchen gejagt, um Kittys Hand bei ihr an mit blasierter Selbstpreisgabe; doch – Zeichen und Wunder! – Kitty entdeckt sich ihm als ein im Grunde nach wahrer Liebe sehnsüchtiges Geschöpf, das unter den lockern Hausmanieren eine (fast wie neues Gelegenheitsexemplar) reine Seele trägt und mit Willi, den sie aufrichtig liebt, in Stille und Tüchtigkeit auf unmoderne Art glücklich werden will! Die gute Mutter Janikows verschüttet alles: sie erzählt Kitty von dem Verhältnis ihrer Tante Adah zu dem süßen Willi – Kitty läuft davon.
In Willis Atelier, das die Brautmutter freigebig eingerichtet hat, könnte es menschenwürdig zugehen – dort brütet nächtliches Grauen. Willi hat seine Kitty, mit Kramers Hilfe, aufgefunden, er sucht den Weg zu ihrer verstörten Seele. Und sie lässt sich einlullen. Da bringen Kramer und Freunde die Leiche Kläres, die ihre Schande just unter seinem Atelierfenster ins Wasser trug. Kitty wird (noch in der Nacht?) entfernt, Willi gesteht Kramer den Liebesmord, den er an beiden beging. Als Kramer auf ihn eindringt, trifft ein Blutsturz den Verlorenen.
Am Mittwoch, dem 16. April 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Residenztheater (wie Anm. 197) »El gran Galeoto« 1881, deutsch: (»Der große Galeotto« oder »Galeoto«) von José Echegaray y Eizaguirre (* 19. April 1832, † 4., 12., 14. oder 16. September 1916), einem spanischen Dramatiker, Politiker und Literaturnobelpreisträger. Der Streit über die Geschichte eines jungen Schriftstellers, Ernesto, wurde von Don Julián wegen seines Auftrages an Teodora verärgert. Es gibt Gerüchte darüber, dass man sentimentale Beziehungen und die Muerte von Don Julián in einem Duell manipulieren würde. Die Rolle des Galeoto kann sich auch auf die berühmte Persönlichkeit Galeottos verschiedener Romane des Bretonischen Legendenzyklus beziehen, die die Liebe zwischen Ginebra und Lancelot unmöglich macht.
Am Mittwoch, dem 16. April 1902 um 19.30 und am Donnerstag, den 17. April, um 19 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Wallensteins Lager« und »Die Piccolomini« bzw. »Wallensteins Tod«, zusammen die Wallenstein-Trilogie von Friedrich Schiller (wie Anm. 39).
»Wallensteins Lager« ist die Einleitung für die beiden folgenden Teile und wesentlich kürzer als diese. Während sich die Haupthandlung unter den höheren Rängen der Truppe und Adeligen abspielt, spiegelt das Drama die Stimmung des einfachen Volkes wider, vor allem der Soldaten im Lager Wallensteins (Albrecht von Wallenstein, eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, tschechisch Albrecht Václav Eusebius z Valdštejna, * 24. September 1583, † 25. Februar 1634), eines böhmischen Feldherrn, Generalissimus und Ständepolitiker im Dienste der Katholischen Liga während des Dreißigjährigen Krieges. Die Soldaten sind begeistert von ihrem Oberbefehlshaber, der es geschafft hat, Söldner aus ganz verschiedenen Gegenden in seiner Armee zu vereinen. Sie loben, dass er ihnen außerhalb des Kampfes viele Freiheiten lasse und sich beim Kaiser, Ferdinand III., für die Armee einsetze. Über den Kaiser wird von vielen eher abschätzig gesprochen. Außerdem loben die Soldaten den Krieg, der zwar den Zivilisten schade, ihnen (den Soldaten selbst) aber ein besseres Leben bringe. Ein Bauer beklagt, dass die Truppen ihn ausnähmen, ein Mönch kritisiert das gottlose Leben der Soldaten. Diese erfahren zum Schluss des ersten Teils, dass der Kaiser einen Teil der Armee den Spaniern, ebenfalls Habsburger, unterstellen wolle. Sie beschließen, Max Piccolomini, einen Truppenführer, zu bitten, sich bei Wallenstein dafür einzusetzen, dem Wunsch des Kaisers nicht zu folgen.
Mit dem zweiten Teil, »Die Piccolomini«, beginnt die Haupthandlung der Wallenstein-Trilogie. Die Perspektive wechselt von den einfachen Soldaten zu den Führern der Truppe des Fürsten Wallenstein. Jene versammeln sich im Lager bei Pilsen, warten dort auf weitere Befehle. Größtenteils sind sie begeisterte Anhänger des Fürsten und schätzen ihn sogar mehr als den höher gestellten Kaiser. Dessen Befehle missachtete Wallenstein wiederholt, er liegt mit dem Kaiser im Streit. Wohl um Wallenstein zu schwächen, befiehlt ihm der Kaiser, einen Teil des Heeres abzutreten. Der Fürst will das nicht hinnehmen und überlegt offiziell, das Kommando über die kaiserlichen Truppen aufzugeben. Im Geheimen führt er Verhandlungen mit den Gegnern des Kaisers, den Schweden, um den Kaiser zum Frieden zu zwingen, möchte sich die Möglichkeit eines Bündnisses mit den Schweden gegen den Kaiser offenhalten. Dazu drängen ihn auch seine engsten Vertrauten, sein Schwager Terzky und Illo. Jene lassen alle Heerführer ein Dokument unterschreiben, in dem Wallenstein Treue geschworen wird. Allerdings lassen sie sie in dem Glauben, dass in dem Dokument die Treue zu Wallenstein durch die Treue zum Kaiser eingeschränkt würde; in der zur Unterschrift vorgelegten Fassung der Erklärung ist diese Einschränkung aber heimlich entfernt. Wallenstein weiß nicht, dass sein Vertrauter Octavio Piccolomini, der seine Pläne ebenfalls kennt, dem Kaiser treu blieb, für jenen spioniert und eine Vollmacht bekam, Wallenstein offiziell als Oberbefehlshaber abzulösen. Diese Vollmacht will Octavio aber erst nutzen, wenn Wallenstein sich öffentlich gegen den Kaiser stellt. Kaiserlichen Spähern gelingt, einen Unterhändler Wallensteins auf dem Weg zu den Schweden abzufangen; somit steht Wallensteins Überführung kurz bevor. Die Lage verkompliziert, dass Octavios Sohn Max Piccolomini und Wallensteins Tochter Thekla sich ineinander verlieben. Max ist ein begeisterter Anhänger Wallensteins und wird von ihm fürsorglich behandelt. Er glaubt dem Vater nicht, dass Wallenstein den Kaiser verraten will. »Die Piccolomini« endet mit Max Entschluss, Wallenstein direkt nach dessen Plänen zu befragen. Dadurch soll sich für ihn entscheiden, ob er sich gegen seinen eigenen Vater oder gegen den von ihm verehrten Wallenstein stellen muss.
In »Wallensteins Tod« führen die im zweiten Teil vorgestellten Konflikte zu einem tragischen Ende. Wallenstein erfährt, dass sein Unterhändler für die geheimen Verhandlungen mit den Schweden von kaisertreuen Soldaten abgefangen wurde. Also hat der Kaiser nun womöglich Beweise für Wallensteins Überlegungen, sich mit den offiziellen Feinden gegen den Kaiser, vielleicht sogar zu dessen Sturz, zu verbünden. Nach einigen Zweifeln und durch starkes Zureden von Illo, Terzky und insbesondere dessen Frau, der Gräfin Terzky, entschließt sich Wallenstein, offiziell ein Bündnis mit den Schweden zu schließen. Aber Octavio Piccolomini gelingt es, als geheimer Beauftragter des Kaisers fast alle wichtigen Führer aus Wallensteins Armee zur Abkehr von Wallenstein zu bewegen. Insbesondere beweist er Buttler, dass Wallenstein dessen Karriere heimlich behinderte; der gekränkte Buttler bleibt bei Wallenstein, um sich rächen zu können. Octavios einziger Sohn, Max Piccolomini, ist zerrissen zwischen seiner Treue zum Kaiser einerseits, seiner Bewunderung für Wallenstein sowie seiner Liebe zu dessen Tochter Thekla andererseits. Schließlich entscheidet er sich dafür, Wallenstein zu verlassen. Er versucht, sich dennoch als Freund von ihm zu trennen, wird aber von Wallenstein verstoßen, der darauf mit seinen letzten Getreuen nach Eger flieht. Max Piccolomini stürzt sich selbstmörderisch in einen aussichtslosen Kampf gegen die Schweden und fällt. Als Thekla davon erfährt, bricht sie heimlich zu Max Grabstätte auf, um bei ihrem Geliebten den Tod zu finden. Auch Wallenstein trauert um den Verlust, glaubt aber, dass ihm das Schicksal Max genommen habe, um zukünftiges Glück auszugleichen. In der Nacht ermorden Buttlers Schergen, Macdonald und Deveroux, die beiden hohen Offiziere Illo und Terzky bei einem Festmahl und – in dessen Schlafzimmer – auch Wallenstein selbst. Das Drama endet mit einem letzten Dialog zwischen Octavio und seiner Hauptgegenspielerin, der Gräfin Terzky, die sich zuvor vergiftete und nun stirbt. Octavio erhält am Ende die Botschaft, er sei zum Dank für seine Treue vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben worden.
Am Freitag, dem 18. April 1902 zwischen 19.30 und 22.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Residenztheater (wie Anm. 197) »Morituri« (1896), ein Drama, bestehend aus drei Einakter (»Teja«, »Fritzchen« und »Das Ewig-Männliche«) von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Der Name des Dramas ist dem traditionellen Gruß der römischen Gladiatoren, Ave, imperator, morituri te salutant entnommen: Heil Kaiser, dir, die Todgeweihten, die Todbereiten grüßen dich!. Tatsächlich handelt es sich bei den ersten zwei Einaktern um Personen die todgeweiht und todbereit sind.
Teja († Oktober 552) war Comes von Verona und im Jahr 552 der letzte König des Ostgotenreichs. Der Einakter von Hermann Sudermann (wie Anm. 59) handelt
Aus germanischer Vorzeit holte Sudermann den Volksrest der heldisch untergehenden Ostgoten. Ganz Italien beherrschten sie – ihr großer König Theoderich gedachte vorübergehend, alle German zum ostgotischen Staatenbunde zusammenzufassen. Doch nach Teoderichs Tode (526) siegte Kaiser Justinian, bis Totila (Badwila) Neapel und (546) Rom überwältigte. Byzanz unter Narses, dessen Heer vorwiegend aus Germanen bestand, vernichtete die Goten zu Wasser und zu Lande, 551 und 552, der König fiel. In Pavia wählten sie den Teja zum Nachfolger – er fühlte sich als Heerführer auf verlorenen Posten. Während Teja in den Rängen der ostgotischen Armee aufsteigt, wächst seine Desillusionierung angesichts der Gewalt und Brutalität des Krieges. Im Laufe des Romans ringt Teja mit dem Konflikt zwischen seinem Macht- und Ruhmstreben und seinem erwachenden Sinn für Moral und Mitgefühl. Narses folgte dem Ostgotenheer auf ihrem unglücklichen Zug in den Süden und vollzog ihr Todeslos, 553, ein Seitenstück der Geschichte zu der Nibelungen Not.
Der Teja-Einakter ist das dramatische Hohelied von der Todbereitschaft des Kriegers.
Der sonnige Gotenfürst Totila ist dahin; mit goldener Rüstung auf weißem Ross, das unter ihm tanzte, die Blondlocken wie Sonnenglanz um ihn fliegend, lachte er dem Feinde wie ein Kind ins Gesicht und fiel in der Schlacht. Der junge Teja folgte ihm. Seine Mutter kannte er nicht, Geschwister sah er nicht, nie hat er gespielt. In die Not seines Stammes, der von den schlauen Griechen überlistet und hingemordet wurde, sprang der gramwütige Jüngling mit Hohngelächter, Entsetzen um sich streuend, über dem sein Herz versteinte. All das Blut floss umsonst. Er wollte werden wie der beneidete Sonnenkönig, bei dessen Andenken noch alle Augen strahlen – er wurde hart, ein grausamer Kriegsmann, ein Menschbruchstück.
Vom Königszelt blickt man durch das Lager der gotischen Soldaten auf den Vesuv und das Meer dahinter, von der untergehenden Sonne beglänzt. Seit sieben langen Wochen erwarten die Goten vom misenischen Vorgebirge her die Schiffe mit den Lebensmitteln. Die Hungersnot nagt an den Männern, die von ihren Frauen und Kindern begleitet sind nach ihrer Volkssitte – noch meldet der Wächter auf der Berghöhe, der auf fünf Meilen das Meer überschaut, keinen rettenden Entsatz. Werden die Byzantiner ihnen diese Schicksalsschiffe kapern? Die letzte Speckschwarte ist ebenso ledern wie der Brotrest trocken.
Ehe sich die Goten zum Notkampf rüsten, haben sie, dem alten Gesetze treu, ihren Füsten ein Weib gekürt, damit ihr Herzog selbsteigen merke und wisse, wofür der Gote den Tod liebt. Die heilige Handlung ist vollzogen, der in den Schlachten herangewachsene junge König weiß mit seiner ihm soeben angetrauten Balthilda nichts Kluges und nichts Dummes anzufangen. Der Erbe des Goldthrons des milden Theoderich ist ein hölzerner Hochzeiter – mit seinen von Blut triefenden Händen und Armen soll er sein Weib umfassen, die von Mordbefehlen heisere Stimme soll zärtlich werben!? Justinian in Byzanz darf sich zerstreuen; aus dem leuchtenden Gotenvolk ward ein Rudel verhungernder Wölfe, die einen Wolf zum Herrn gebrauchen. Teja ist der Geist der Verzweiflung seiner Goten. Nicht einmal ein würdiges Hochzeitsmahl vermag es auszurichten! Doch Fleisch und Wein in Fülle an langen weißen Tafeln, sizilische Früchte und Zuckerwerk, wenn, wenn – – die fünf Schiffe sind verloren, der Feind fing sie ab . . . Der Wächter löscht die letzte Hoffnung aus mit seinem zweifelsfreien Bericht.
Was soll werden? Teja antwortet seinen Mannen: Wir sterben, ehe wir den einbrechenden Gegner um den Gnadenstoß anbetteln müssen oder ums Dasein winseln, wir sterben noch diese Nacht, unsere Speere mit verzweifelter Kraft schwingend auf den überlegenen Feind, wir sterben alle in Ehren. Als Morituri: Todgeweihte, Todbereite! Der erste Eindruck klärt sich, alle Führer sind Teja dankbar für seinen überlegenen Entschluss, sie wollen mit ihm ziehen und mit ihm den Heldentod leisten. Auch die gesamte Kriegerschar hat der König von der eindeutigen Lage verständigt. Sie mögen die letzten Stunden bei ihren Familien in der Wagenburg zubringen, sollen ihnen jedoch nichts von dem Todeslose verraten.
Kleine, rührend schöne Bildchen hängt der Dichter in diesen düsterernsten Rahmen ein. Ein Prachtstück an Menschenkunde und liebevoll malender Seelenkunst ist die Gemeinschaft von Teja und Balthilda im Zelt zur Nacht. Die (sozusagen) Königin bringt ihrem hohen Gebieter von den am eigenen Munde abgesparten letzten Vorräten im Auftrag ihrer Mutter Speisen und Wein. Teja lässt es seinen Soldaten hinaustragen als Gruß ihrer Königin. Von der magdlichen Schau zur sich eröffnenden Liebeshingabe und fraulichen Betulichkeit entfaltet sich die Mädchenknospe; sie versteht ohne viele Worte und reift in der schweren, seligen Scheidestunde zur segnend verzichtenden Priesterin. Und Teja, des Holdzarten im Leben ungewohnt, erwacht zum Kind im Manne; sie spielen mit den kärglichen Brotkrumen Hochzeitsessen, sich mehr in die Augen als auf den Mund schauend, er trinkt sich gar einen Milchbart an; sie umfangen sich mit dem ersten und letzten Kuss. In ihre gute Seele senkt der Schicksalsträger sein Bild: wie er wurde, der er ist, und sein Idealbild. Die Tränen, eines gotischen Mannes unwürdig, lösen seine Seele ganz.
Die Krieger stellen sich bereit zum Opfergange in einer finalen Schlacht am Milchberg (Mons Lactarius) südlich von Neapel, wo die ostgotischen und römischen Armeen aufeinandertreffen. Ihre Weiber begleiten sie – sie wissen alles. Auch Balthilda, von Teja eingeweiht, bittet nicht und schreit nicht. Sie betet und schweigt. Sie küsst ihr Todesgeschick auf die Stirn, die Weihe der zitternden Hände wird ihr Altardienst. Doch so tat nicht sie allein: auch die besten anderen Gotenfrauen ergaben sich in den Schauer des Todes. Teja, mit seinen Morituri allein: Wahrlich, wir sind ein Volk von Königen. Die Ostgoten werden endgültig geschlagen und Teja selbst stirbt, als er in einer Felsklamm des Vesuvs in erster Reihe kämpft, in dem Moment, als er seinen Schild wechseln muss . Sudermanns Teja ist eine vielschichtige und nuancierte Figur, die mit Fragen der Moral, der Macht und der Identität ringt. Der Roman ist zudem eine lebendige Schilderung des Lebens im frühen Mittelalter mit detaillierten Beschreibungen von Schlachten, politischen Intrigen und dem Alltag.
»Fritzchen« ist das Trauerspiel vom leichtsinnigen jungen Leutnant, der im Duell fallen soll. Der Alte, verabschiedeter Major, anfangs fünfzig, gekennzeichnet durch Energie und Lebensfülle, Selbstbeherrschung des Offiziers und kavaliermäßige Formen, ist der ursächlich Schuldige: er beschied seinen Jungen, als er die väterliche Einwilligung zur Verlobung mit Nichte Agnes erbat: Erlebe was, werde reif, machs, wies dein Vater und dein Großvater gemacht haben. In seinem Regiment heißt der alte Herr mit Namensspiel die wilde Drossel; von Drosse zieht zur Erholung von der kränkelnden Frau noch immer auf Liebesabenteuer. Fritz ward sein Herzensheiligtum zerstört; bis er sich selber verlor.
Seit sechs Jahren haust der verwöhnte Erbe des reichen Ritterguts in seiner kleinen Garnison. Täglich kam ein Brief oder eine Karte von ihm, wegen der herzleidenden Mutter. Schon eine Woche lang schwieg Fritzchen sich aus. Ein schwüler Sommernachmittag brütet über dem wohligen Gartenzimmer der Gutsvilla – Blitze zucken! Agnes, die zwei Jahre heimlich mit Fritz Briefe wechselte, erfährt von weiblicher Hand, wie flott ihr Schatz den Mädchen nachsteigen lernt, auch spreche das Regiment bereits über seine Beziehungen zur schönen, reifen Frau von Lanski. Ein gleichaltriger Freund Fritzens, von Hallerpfort, mehr die quälende Ungewissheit durch sein Auftauchen und seine dunkle Verabredung mit Agnes. Drosse Vater will in der Stadt nachforschen. Die empfindsame Mutter, der jede Aufregung Gift wäre, hat romantisch von ihrem Söhnchen geträumt; nachgiebig bis zur Schwäche ist sie, jeder Wunsch soll ihm erfüllt sein. Doch der Würfel ist gefallen. Fritz ist unangemeldet da, seinen nur einstündigen Besuch kann er kaum glaubhaft machen. Als ihn der Vater sich vornimmt, rückt der Flackernde mit der heillosen Wahrheit heraus: Herr von Lanski fasste den Ehebrecher im Schlafzimmer bei seiner Frau ab, er peitschte den Wicht über den Hof auf die Straße, Fritzchens Säbel war natürlich nicht gleich zur Hand . . . Als Offizier ist der Missetäter unmöglich, da seine Patentehre durch die Hundepeitsche aufs lüsterne Fell befleckt wurde; das Ehrengericht berät augenblicklich nur noch darüber, ob bei sotanen Umständen dem beleidigten Beleidiger die Satisfaktionsfähigkeit zuzusprechen sei, also das Standesrecht auf die Genugtuung mit der Waffe. Wird ihm das Duell verweigert, so muss der arme Kastenmensch sich selber morden; wird er zum Duell zugelassen, so darf er sich von den andern, der als bester Schütze bekannt ist, niederknallen lassen. Zum stillen Abschiednehmen vom Elternhause kam der Moriturus, der Todeskandidat, hergeritten. Nun verzappelt sich der ratlose Vater, der seine Mitschuld empfindet, an Trostgründen. Fritz ist müde zum Sterben, nachdem die Leute am hellen Abend seine Schande gesehen haben; nur wünscht er sich einen halbwegs anständigen Tod. Das Duell wird genehmigt, natürlich unter schwersten Bedingungen. Der Abschied von der ahnungslosen Mama und auch von der ahnungsvollen Agnes wird erledigt; der Major a. D. wird die letzten Lebensstunden teilen mit dem einzigen Erben des Ritterguts von Drosse, mit Fritzchen, Leutnant a. D. und Moriturus.
Hermann Sudermann überlässt Lesern und Theaterbesuchern eine schwebende Situation. Dem großen Theaterschauspieler Josef Kainz lieferte er eine Lieblingsrolle.
Das »Das Ewig-Männliche« ist ein geistreicher Spott in klingenden Versbildern auf den leeren Schein des blühenden Lebens, der zu Formeln abstirbt.
Im Schloss herrscht Barockgeschmack. Die dümmlich-eitle Königin lässt sich malen; ihre Hofdamen singen von Zephir, Luna und Aurora. Um der Herrin das allerhöchste Sitzen zu versüßen. Das Modell Amors, der über Ihre Majestät die Krone schweben lässt, muss entfernt werden, weil der Bengel kalte Beine kriegt. Ihre zuckerkantigen Höflinge spottet die Königin aus, der Maler malt bis zum letzten Lichtstrahl; nur ganzer Hingebung erschließt die Kunst ihre Wunder . . . Die farbigen Marquis frozzeln den Maler, er gibt ihnen ihre Bosheit zurück – sie werden zur Rache den schlagfertigen Degen, den gefürchtetem Marschall mit ihm zusammenhetzen. Sie giften sich über die Gunst des Pinselmeisters bei der Königin: einen von ihnen soll sie lieben! Der Maler muss sterben – ein Moriturus, ein Mann des Todes. Köstlich gerät Sudermann die Techtelmechtelei der Thronsitzerin mit dem Künstler; die fast 30jährige hohe Dame fühlt sich alt werden, trotz ihrem Schönheitspuder vom heiligen Grabe, trotz Liliensaft zum Waschen und Arsenbonbons zum Naschen. Für den Maler ist sie schön – der Mann in ihm hat kein Urteil über die Melancholikerin mit dem (wie sie meint) zu vielen Gemüt. Doch als sie ihm über die schwüle Unnatur ihrer Umgebung und andere Schmerzen weitere Konfidenzen macht, wird der Malersmann warm; sie spielt ihre Hand aus, er malt diese Hand, denn die Sterne begehrt man nicht. Endlich bricht er los: die feile Höflingsweise verachtend, zeigt er ihr den Mann, der fest und frei das Weib begehrt, das erst von ihm ihre Krone trägt, selbst wenn sie Königin ist. So heischt er mit ihrer Hand ihren Mund zum ehrlichen Bunde.
Der Marschall fordert den Maler zum Duell, um die Ungnade der Königin zu wandeln. Überlegen kritisiert der Künstler am Beispiel des Zweikampfes das hohle Zeremoniell. Schwingt der Marschall, der den Befehl zu morden erhielt, das Schwert, so führt der Maler die Palette; das sind ungleiche Waffen für den Wettbewerb um die Würdigkeit und Leben. Drum will der Künstler den Meister in Männerkampf erst malen, um zu zeigen, dass auch er etwas kann, ehe er stirbt. Denn das Bild der Tat von Künstlerhand gehört der Unsterblichkeit, nicht die Tat als solche. Der eifernde Hofmann eröffnet sich: Wer im Tod ein Schalk zu bleiben scheint, der hat das Leben ernst genommen. Der Maler sagt aus, er habe in seiner Liebe nur das Bild geliebt, das ewig aus dem Schoß der reinen Formen quillt. Da der Marschall die Neigung der Königin für sich allein behauptet, so stellt der Maler den Streitsatz auf: wer in dem lächerlichen Zwist der Handgelenke siegt, den liebt die echte Weiblichkeit; das ist Gesetz, soweit des Weibes Glorie die Welt beherrscht, sagt die Naturhistorie. Sie verabreden, die Probe aufs Exempel zu machen. Der Marschall muss sich (zum Schein) erstechen lassen im vorgetäuschten Duell, sein Degen wird mit blutroter Farbe beschmiert. Die Wirkung erscheint: Höflinge und Königin werden spitz und kühl vor dem (scheinbar) Unterlegenen; doch als sie ihn, der sich auf Abrede tot stellt, geringschätzig durchhecheln, meldet die taube Hofdame zittern: Majestät, der Marschall lacht. Beide sind für den blamierten Hof abgetan; beide gewinnen, nachdem die Dünste zerrannen, freien Blick und freie Faust. Die Welt ist weit! Mitsammen ziehen sie los, den Abenteuern des Daseins entgegen . . . Der aufgeplusterte Kammerdiener wird bei Hofe, wo die Männer nicht gedeihen, an ihrer Statt das Ewig-Männliche stolz vertreten.
Den beiden tragischen Einaktern ließ Sudermann dies heiter-witzige Scherzo zum versöhnenden Ausklang folgen; es vermag die gepressten Gemüter wohl zu entspannen. Kriegsschicksal, Gesellschaftsgesetz, Thronfron verfügen über Leben und Tod des Menschen; wir können äußerlich an diesen Ketten und Kasten zugrunde gehen – doch der innerlich Freie ist stärker als der Tod: er lacht ihn aus und schafft Leben.
Am Dienstag, dem 22. April 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Jugend von Heute. Eine deutsche Komödie in vier Akten« (1900) von Otto Ernst (wie Anm. 6).
Der junge Arzt Hermann Kröger gehört einer bürgerlichen Familie an. Sein Vater ist ein Philister von demjenigen Typus, wie man ihn in Beamtenstellungen oft findet. Die Mutter ist entsprechend. Sein jüngerer Bruder ist noch Gymnasiast, der eine Individualität sein will; führ ihn bedeutet das offenbar bummeln und zechen. Während seines Studiums hat Hermann Kröger einen Studienfreund, Erich, kennengelernt, der nichts zu tun hat, nichts kennt und nichts lernen will, eben Jugend von heute. Es besteht ein Moment die Gefahr, dass Hermann sich von diesem Kerl beeinflussen lässt, aber glücklicherweise besinnt sich er zur rechten Zeit und heiratet eine brave Frau. Otto Ernst halt die Zuschauer einen Spiegel vor, die glauben, dass das solide Spießertum eine prachtvolle Weltanschauung sei im Vergleich zu dem Narrentum eines Teiles der modernen Jugend.
Am Donnerstag, dem 24. April um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Residenztheater (wie Anm. 197) »Die Räuber« (1781) von Friedrich Schiller (wie Anm. 39).
Der Graf von Mohr hat zwei ungleiche Söhne. Karl, Vaters Lieblingssohn, führte als Student in Leipzig ein ausschweifendes Leben und verstrickte sich in Schulden. Er hat aber Besserung gelobt und seinem Vater einen Brief schreibt, in dem er seinen Wunsch um Vergebung zum Ausdruck brachte. Sein Bruder Franz, hässlich und als Zweitgeborener vom Vater vernachlässigt, ersetzt Karls Brief durch einen eigen, in dem er Karl als Frauenschänder, Mörder und Banditen hinstellt. Darüber ist der Vater so entsetzt, dass er sich von Franz überreden lässt, Karl zu verbannen und zu enterben. Karl, der sich eine Versöhnung erhofft hatte, ist daraufhin so verzweifelt, dass er sich zum Anführer einer von seinen Freunden gegründeten Räuberbande wählen lässt, die er aus seiner idealistischen Sicht für ehrenvoll hält, da sie sich für die Schwächeren einsetzt: Ähnliche romantische Ideen über das Räubertum wie ach ein anderer Karl – der aus Ernstthal – sie einmal hatte nach der Lektüre von Büchern aus der Leihbibliothek Engelhardt. Innerhalb dieser Bande entstehen jedoch Spannungen und Karl gerät immer tiefer in einen Teufelskreis von Unrecht und Gewalt, der ihm den Weg zurück ins bürgerliche Leben versperrt, und schwört seinen Räubern schließlich ewige Treue. Ein Neuankömmling, Kosinsky, erinnert ihn an seine Braut Amalia und er beschließt unerkannt noch einmal sein Vaterhaus zzu besuchen. Inzwischen hat es Franz geschafft, sich zum neuen Herrn über Schloss Moor zu machen. Machtbesessen und lüstern versucht er wiederholt, Amalia für sich zu gewinnen. Die jedoch widersteht seinen dreisten Avancen und hält weiter mutig zu ihrem Verlobten. Verkleidet betritt Karl das Schloss, durchschaut die Zusammenhänge seines Niedergangs und erfährt, dass ihn Amalia – die ihn nicht erkennt – immer noch liebt. Als Franz jedoch errät, wer unter der Verkleidung steckt, flieht Karl aus dem Schloss und trifft zufällig auf den tot geglaubten Vater, der in einem Hungerturm dahinvegetiert und seinen Lieblingssohn nicht wiedererkennt. Empört schickt Karl seine Räuber los, um das Schloss zu stürmen und den verhassten Bruder Franz festzunehmen, der sich allerdings im letzten Moment der gerechten Strafe entzieht durch Selbstmord. Die Räuber nehmen Amalia gefangen und bringen sie zu Karl, der sich jetzt als Räuberhauptmann zu erkennen gibt. Das versetzt seinem Vater den Todesstoß. Auch Amalia ist entsetzt, hält aber trotz allem an ihrer Liebe zu Karl fest. Durch den unverbrüchlichen Eid, der ihn an seine Räuber bindet, ist es Karl jedoch nicht möglich, zu ihr zurückzukehren. Amalia will ohne ihn aber nicht mehr weiterleben und bittet ihn, sie zu töten. Schweren Herzens tut ihr Karl diesen letzten Gefallen und ersticht sie. Er sieht ein, dass zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrunde richten würden, und beschließt, sich der Justiz auszuliefern.
Am Dienstag, dem 29. April 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Die Makkabäer. Trauerspiel in fünf Akten« (1859) von Otto Ludwig (* 12. Februar 1813, † 25. Februar 1865), einem deutschen Schriftsteller und Dramatiker.
Wir sehen erst, wie Lea, das Weib des jüdischen Priesters Mattathias, in unersättlichem Ehrgeiz den Dienst Jehovas in die Hände ihrer Nachkommenschaft bringen will und wie dieses Streben sie ganz beherrscht. Von ihren sieben Söhnen ist Judah eine Art Heldennatur, die ihr ganzes Sein dafür einsetzt, den Glanz des Gottesnamens gegen die Syrier zu retten, welche die Juden zwischen 167 und 161 v. Chr. bedrängen und zum Heidentum zwingen wollen. Eleazar, sein Bruder, der besondere Liebling seiner Mutter, ist ein ehrgeiziger Streber, der zu den Syriern übergeht, um durch sie zu Ansehen und Macht zu kommen. Damit scheint ein tragischer Konflikt gegeben zu sein. Judah, der erfolgreich gegen die Feinde kämpft und der als der Vorkämpfer des jüdischen Geistes erscheint, tritt der fanatische Jojakim gegenüber, der nur den entgeistigten Buchstaben kennt und des ersteren Kreise dadurch stört, dass er die Juden abhält, am Sabbat zu kämpfen. Die Juden werden schließlich an den Syrern verraten und nach vielen erlittenen Mühsalen erscheint Lea vor dem König Antiochus, um die Freiheit ihrer Kinder zu erflehen. Der König gibt ihr die Wahl, ihre Kinder entweder den Glauben der Väter abschwören zu lassen oder sie dem Flammentode zu übergeben. Nach erschütternden Seelenkämpfen entschließt sich die Mutter zu dem letzteren.
Am Freitag, dem 2. Mai 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Nathan der Weise. Dramatisches Gedicht in fünf Akten« (1779), das berühmte Drama von Gotthold Ephraim Lessing (wie Anm. 215), ein Hauptwerk der Zeit der Aufklärung, das zu religiöser Toleranz aufruft.
Die Handlung spielt in Jerusalem während eines Waffenstillstandes zur Zeit des Dritten Kreuzzuges (1189-1192). Nach seiner Rückkehr von einer Geschäftsreise erfährt der jüdische Kaufmann Nathan, dass seine Adoptivtochter Resha von einem Tempelritter aus einem Feuer gerettet wurde. Dieser Christ ist selbst ein Überlebender, der letzte Überlebende einer Gruppe von Tempelrittern, die von den Sarazenen getötet wurden. Der muslimische Sultan Saladin hat ihm, gerührt von seiner Ähnlichkeit mit seinem verstorbenen Bruder Assad, eine Begnadigung gewährt. Der Christ lehnt Nathans Dank ab und erklärt, er habe lediglich seine Pflicht getan. Saladin, der in finanziellen Schwierigkeiten steckt, lässt Nathan unter dem Vorwand, dessen Weisheit zu prüfen, zu sich rufen. Er fragt ihn, was seiner Meinung nach die wahre Religion sei, in der Hoffnung, dass Nathans beteuerte Treue zum Judentum es ihm ermöglichen werde, dessen Besitz zu beschlagnahmen. Doch Nathan gibt eine Antwort in Form einer Parabel, der berühmten Parabel vom Ring, die Saladins Verständnis der drei monotheistischen Religionen grundlegend verändert. Beeindruckt von Nathans Antwort sucht der Sultan dessen Freundschaft. Er ist hocherfreut, als ihm ungefragt ein Darlehen angeboten wird. Doch die Liebe ist stärker als religiöse Vorurteile, und so hat sich der christliche Ritter in Resha verliebt und möchte sie heiraten. Nathan scheint von diesem Heiratsantrag sehr angetan zu sein. Als er von dem christlichen Diener Daja erfährt, dass Resha nur Nathans Adoptivtochter ist und ihre Eltern Christen waren, wendet sich der Ritter an den Patriarchen von Jerusalem. Obwohl der Ritter das Problem rein hypothetisch schildert, fordert der Patriarch lautstark, dass dieser Jude, der schuldig sei, eine Christin im falschen Glauben erzogen zu haben, zu ihm gebracht und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werde. Doch ein gütiger Mönch beweist daraufhin, dass Resha, die von einem Juden erzogen wurde, in Wirklichkeit die Schwester des christlichen Ritters ist und dass beide die Kinder von Assad, Saladins Bruder, sind, der zum Christentum konvertierte. So verdeutlicht das Stück nicht nur die enge Verwandtschaft der drei Religionen, sondern auch die Tatsache, dass alle Menschen Brüder sind und dass die Wahrheit gerade in diesen brüderlichen Banden liegt, die die Menschheit vereinen, während sie in ihren Streitigkeiten fehlt.
Gotthold Ephraim Lessing (* 22. Januar 1729, † 15. Februar 1781) war der bedeutendste deutsche Dichter der Aufklärung. Mit seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften, die vor allem dem Toleranzgedanken verpflichtet sind, hat dieser Aufklärer der weiteren Entwicklung des Theaters einen wesentlichen Weg gewiesen und die öffentliche Wirkung von Literatur nachhaltig beeinflusst. Lessing ist der erste deutsche Dramatiker, dessen Werk bis heute ununterbrochen in den Theatern aufgeführt wird. Aus heutiger Sicht wäre Lessing ein Landgenosse von Karl May gewesen; aber als Lessing 1729 in Kamenz geboren wurde, gehörte diese Stadt noch nicht zu Sachsen, sondern zum Markgraftum Oberlausitz; als Karl May 1842 in Ernstthal geboren wurde, gehörte auch diese Stadt noch nicht zu Sachsen, sondern zur Grafschaft Schönburg-Hinterglauchau.
Christian Gotthilf Pollmer (* 6. Juni 1807, 26. Mai 1880) war Barbier und Chirurgus in Hohenstein. Seine Tochter Emma Ernestine Pollmer (* 17. Juni 1830, 4. Dezember 1856) starb zwei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Emma Lina Pollmer (* 22. November 1856, † 13. Dezember 1917), Karl Mays spätere erste Frau. Emma Linas Vater war, wie man sagt, Michael Zimmermann, ein Barbiergeselle aus Zittau.
Louise Johanna Maria “Kaninchen/Karnickel” Achilles verw. Häußler verw. Langenberg verw. Hübner geb. Schmidt (* 28. Oktober 1861, † vermutlich 1943) war seit 1888/89 eine Freundin von Emma May in Radebeul, später Berlin. Mit ihrem ersten Ehemann, dem Baumeister Hermann Wolfgang Hübner (* 18. Dezember 1833, † 1892), wohnte sie in Kötzschenbroda, Grenzstraße 40 (heute Heinrich-Zille-Straße 39). Der Spitzname “Karnickel” oder auch “Kaninchen” wurde ihr von Hübner gegeben als Kosename, wegen der Ausgeprägtheit ihres Begattungstriebes, wie Karl May schrieb. Nach Hübners Tod heiratete Louise einen Herrn Langenberg, der jedoch auch bald starb und im Mai 1897 vermählte sich die zweifache Witwe mit Karl Heinrich Häußler (genannt Drickes, *1. September 1863, † 5. November 1905), mit dem sie in Berlin, erst Goltzstraße 36, später Johannisstraße 14 wohnte. Nach dessen Tod, 1905, ehelichte sie den Klempner Ernst Achilles (* 1849, † 1934), mit dem sie ebenfalls in Berlin, Regentenstraße 11a, wohnte. Nach der Scheidung von Karl und Emma May erstattete Louise Häußler am 9. Oktober 1903 bei der Staatsanwaltschaft Dresden Anzeige gegen Karl May und seine nunmehrige Ehefrau Klara wegen betrügerischer Handlungen zur Ermöglichung der Ehescheidung. Am 15. Oktober ging bei der gleichen Staatsanwaltschaft Heinrich Häußlers Ergänzung zu dieser Klage ein; am 29. Oktober 1903 ging eine Mitteilung Heinrich Häußlers bei der Staatsanwaltschaft ein, Karl und Klara May würden sich nach dem Ausland begeben wollen. Da Emma Pollmer zu dieser Anzeige die Zeugenaussage verweigerte und auch ihren Rechtsanwalt Dr. Viktor Arthur Neumann (* 15. Januar 1868, † 28. März 1922) nicht von der Schweigepflicht entband, fehlte in diesem Strafverfahren das entscheidende Beweismittel, woraufhin es eingestellt wurde.
Am Freitag, dem 9. Mai 1902 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schaupsielhaus (wie Anm. 5) »Die Braut von Messina oder Die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören« (1803) von Friedrich von Schiller (wie Anm. 39).
Das Stück beginnt im Palast von Messina, Wohnsitz der kürzlich verwitweten Fürstin Isabella und ihrer beiden Söhne, Don Manuel und Don Cesar. Diese haben sich nach langem Streit wieder versöhnt. Isabella offenbart den beiden, dass sie eine Schwester haben, die verborgen in einem Kloster herangewachsen ist, die sie nun aber in den Palast holen wolle. Als Isabella mit dem Mädchen schwanger war, hatte ihr Gemahl einen Traum, welchen ein sternkundiger Araber so deutete, dass die zukünftige Tochter den Untergang des gesamten Geschlechts bewirken werde. Isabella selbst hatte einen anderen Traum, den sie von einem christlichen Mönch deuten ließ. Dieser versicherte ihr, dass die Tochter dereinst ihre streitenden Brüder in Liebe vereinen werde. Der Fürst befahl, das Kind nach der Geburt zu töten, aber Isabella, die der christlichen Traumdeutung mehr Wert beimaß, hielt das Kind in einem Kloster verborgen. Sowohl Don Manuel als auch Don Cesar waren jedoch ihrer Schwester Beatrice bereits begegnet. Beide haben sich in sie verliebt, ohne ihre Identität zu kennen oder von der Liebe des anderen zu wissen. Don Cesar findet seinen Bruder in inniger Umarmung mit Beatrice und ersticht ihn aus Eifersucht. Als Königin Isabella nach dem Mord an Don Manuel die Herkunft Beatrices enthüllt, beschließt Don Cesar, sein Verbrechen durch Selbstmord zu sühnen – weder seine Mutter, noch seine Schwester, noch der Chor können ihn von dieser Tat abbringen.
Am Dienstag, dem 13. Mai 1902 um 19 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe. Ritterschauspiel in fünf Akten« von Heinrich von Kleist (wie Anm. 37).
Die Handlung beginnt in einem geheim einberufenen Femegericht, in dem der Waffenschmied Theobald Friedeborn den Grafen Wetter vom Strahl anklagt, seine Tochter Katharina (Käthchen) mit Hilfe der Magie entführt zu haben. Denn nachdem der Graf seinen Harnisch in Theobalds Schmiede hatte richten lassen, hatte sich das Mädchen aus dem Fenster gestürzt und war ihm gefolgt, sobald ihre Knochenbrüche verheilt waren. Es stellt sich aber heraus, dass sie ihm freiwillig gefolgt ist. Der angesehene Graf wird vom Vorwurf der Belästigung von Teobaldos Tochter freigesprochen, und das Gericht stellt das Verfahren gegen ihn ein. Darauf bekundet Graf von Strahl in einem Monolog sein Verlangen nach Katharina. Es wird immer deutlicher, dass er aufgrund des Standesunterschieds nicht in der Lage ist, seinen Gefühlen nachzugeben. Wir erfahren auch von der Feindin des Grafen, Kunigunde, deren bevorstehende Prozesse einen Großteil von Strahls rechtmäßigem Besitz rauben würden. Kunigundes ehemaliger Verehrer Maximilian hat sie jedoch entführt. Strahl besiegt unwissentlich Kunigundes Entführer und befreit sie. Die damaligen Regeln der Gastfreundschaft verpflichten ihn, sie auf sein Schloss, Burg Thurneck, einzuladen, wo sie eine Vorahnung hat. Diese besagt, dass er seine zukünftige Braut in der Kaisertochter finden wird. Kunigunde stellt sich wissend als die prophezeite Frau vor. Der Graf erwägt bald darauf, Kunigunde zu heiraten. Der Rheingraf vom Stein, voriger Verlobter Kunigundes, erfährt von ihren Heiratsabsichten und will sich an ihr rächen, da Kunigunde ihn zum Narren gehalten habe. Er greift erzürnt Burg Thurneck an, die Burg in Brand gerät. Inzwischen möchte Katharine, beschämt, trotz der Einwände ihres Vaters in ein Kloster eintreten. In einem letzten verzweifelten Versuch, seine Tochter vom Kloster fernzuhalten, schlägt Theobald ihr vor, dem Grafen von Strahl zu folgen. Dankbar und von Kunigunde verraten, beschließt sie, Strahl anzugreifen. Durch eine Reihe unerwarteter Ereignisse belauscht Katharina seine Angriffspläne und eilt zu Strahl, um ihn zu warnen. Nachdem sie sich weigert, den Brief zu lesen, droht er ihr mit Auspeitschung, sollte sie zurückkehren. Schließlich liest Strahl den Brief und erfährt von dem bevorstehenden Angriff. Nachdem die Kämpfe nachgelassen haben, sieht Kunigunde eine Gelegenheit, Katharina loszuwerden, und schickt sie in ein brennendes Gebäude, um ein Gemälde des Verlobten (in dessen Futteral die Besitzurkunden für die strittigen Ländereien verborgen sind) zu bergen. Käthchen entkommt mit Hilfe eines Engels unverletzt. Graf vom Strahl erkennt die Intrige jedoch erst später, als er das im Schlaf sprechende Käthchen befragt. Er entdeckt, dass das Mädchen eine uneheliche Tochter des Kaisers ist, der bei einem Besuch in Heilbronn mit der Frau des Waffenschmieds Theobald geschlafen hatte. Nachdem der Kaiser auf Drängen des Grafen die uneheliche Tochter anerkannt und in ihren angestammten Stand versetzt hat, steht nichts eine Heirat mehr im Wege. Dabei lässt der Graf Kunigunde bis zuletzt in dem Glauben, dass er sie heiraten wolle. Strahl lädt Käthchen zu seiner Hochzeit ein, doch plötzlich erkennt sie, dass es ihre eigene ist. Geschockt von dieser unerwarteten Wendung fällt sie in Ohnmacht. Zu guter Letzt nimmt das Paar den alten Theobald in seiner Burg auf.
»Johannisfeuer. Schauspiel in vier Akten« (1900) ist ein Schauspiel von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Der Gutsbesitzer Vogelreuter ist übelgelaunt; die verwahrloste Weßkalnene treibt sich wieder im Bezirk herum, nachdem die versoffende Diebin aus dem Gefängnis loskam. Sie ist die Mutter von Marikke – im bösen Notjahre Preußisch-Litauens fanden Vogelreuters an einer Waldchaussee das Weib mit dem Säugling über dem Wege liegen; sie wollte sich totfahren lassen. Man kaufte ihr das Kind ab, was diese Landplage zu weiteren Gewinnraten von den Pflegeeltern begeisterte. An Marikkes Einsegnung (Konfirmation) machte sie der Tochter eine öffentliche Szene. Die drei Jahre jüngere (eigene) Haustochter Trude Vogelreuter soll Hochzeit halten mit dem jungen Georg von Hartwig, seines Zeichens Baumeister. Als sein Vater in jenem Notstandsjahre 1867 sein Gut nicht halten konnte, hat er im Adelsstolz sich erschossen; der junge erbte seinen empfindsamen Trotz, der nicht von Onkels Gnaden leben mag. Darum hat er dem Hochzeitsvater eine Bilanz ausgestellt, die seinen Verzicht auf die stattliche Mitgift begründet; Georg will seine Frau allein ernähren! Marikke reibt sich auf in der Zurüste zur Hochzeit. Doch ihr Blut geht unrastig – die Mutter kam ihr über den Weg.
Der geistig durchschnittliche, drollig ungelenke Hilfsprediger Haffke bemüht sich um sie. Georg, dessen Liebeslieder auf sie ihr in die Hand fielen (das blaue Heft, die blaue Blume!), treibt ihre Sehnsucht um. Ihm gesteht sie die Begegnung mit der Mutter: wenn’s schon ein litauisches Pracherweib ist- das Notstandskind muss seine Mutter sprechen; Georg wird vermitteln.
Der Tulpenbaum aus Amerika trägt seine verheißenden ersten Blüten. Trude, das Zoddelchen, leidet Pein zwischen Georg und der Marikke. Die Aussprache Vogelreuters mit seinem Neffen stößt zwei harte Steine zusammen, dass die Funken sprühen; ungeschickt sind sie beide, heimlich gut sind sich beide auch. Georg warnt Marikke vor dem Empfang der Weßkalnene; diese kommt, schnapft, stiehlt, wird hinausgeworfen gegen Finderlohn. Marikkes Heimat heißt fortan Georg.
Am Johannisabend spendiert Vater Vogelreuter, diese Seele von Mensch mit der schweren Faust, eine stramme Bowle. Für Haffke, der die Heidenrede, die der Hausherr wünscht, nicht halten mag, obschon er jeden guten Tropfen liebt, hebt Georg das Glas.
Der Funke Heidentum in aller Herzen, die unerfüllten Triebe dürfen in der Johannisnacht sich entbinden. Die Hexen reiten auf den Besenstielen, mit denen ihr Hexentum ihnen sonst ausgeprügelt wird, hohnlachend zum Blocksberg ; über den Forst streicht das wilde Heer. Die Johannisfeuer sind die Gespenster unserer ertöteten Wünsche, das rote Gefieder der Paradiesvögel. Haffke hat unbestimmte Sorgen um das Heimchen, er bietet ihr seine Hand – doch im Alleinsein mit Georg, der sie auf den Nachtzug nach Königsberg geleiten soll, werden die Johannisfeuer in dem Sproß der Landstreicherin wach; sie erzählt ihm ihre Verlobung mit dem Prediger, sie weiß, dass Georg sie vor vier Jahren redlich anschwärmte, und sie liebte ihn mit dem aussichtslosen sozialen Abstand zwischen ihnen. Er nimmt nur im Widersprechen gegen das ihm (vor der Ordnung der Gesellschaft) versagte Herzensglück die Trude – sie brennt in seinem Arm: Meine Mitter stiehlt, ich stehl auch!
Der Hochzeitstag steigt herauf. Trude hat schwer geträumt vom Häschen im Rapsfeld, auf das ein Habicht aus der Luft herunterstößt – ihr Schorschchen muss sie schützen . . . Marikke schmückt der Braut das Haar, wobei es nicht ohne Anzügliches abgeht. Dann gibt sie dem Pastor ihr Wort zurück, ohne seine Lebensmelodie, wie er pastoral auslegt, ernstlich zu stören. Sie will aus dem Hause gehen. Mit ihrem Liebsten, dem Bräutigam, beredet sie den Fluchtplan; indes wird ihre Mutter mit Diebesgut im Hauskeller abgefasst. Sie bringen jedoch den Mut nicht auf zum Treuefrevel an dem Haus, dem sie beide so dankverschuldet sind, sie würden nicht dauernd glücklich werden. Marikke recht Georg tapfer die Hand zum Abschied für immer, das Notstandskind will in Berlin untertauchen in Brotarbeit – das Johannisfeuer hat einmal auch ihr gebrannt, so kann sie nicht mehr ganz verarmen. Sie spürt, wie Georg die Augen verschließt vor all dem Unglück, dass sie erwarten würde und darum trifft Marikke eine klare Entscheidung: Die Vogelreuters hatten sich stets ihr gegenüber anständig verhalten, und so will sie keinesfalls der Grund für einen tiefen Familienzwist, der sich abzeichnet, verantwortlich sein. Sie sagt Georg, dass sie nicht, wie geplant, mit ihm fortgehen werde und entschließt sich stattdessen, selbst für immer den Vogelreuter-Hof zu verlassen, um dem Glück Trudes nicht länger im Weg zu stehen. Georg geleitet seine Trude zum Traualtar . . . . .
Am Freitag, dem 16. Mai 1902 um 19.30 besuchten Emma May und Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) zwei Komödien. Die erste ist »Die Hochzeitsreise. Tragikomödie in einem Aufzug« (1916) von Wilhelm Wolters (geboren als Friedrich Mathäus Wilhelm Wolfsohn, * 8. November 1852, 28. Februar 1915), einem Dresdner Schriftsteller und Theaterautor. Der Inhalt dieser Komödie ist (mir) unbekannt.
Die zweite Komödie an diesem Abend ist »Les pattes de mouche« (1860; in der deutschen Bearbeitung von Heinrich Laube: »Der letzte Brief. Lustspiel in drei Aufzügen», 1886) von Victorien Sardou (* 5. September 1831, † 8. November 1908), einem französischer Dramatiker.
Der deutsche Titel bezieht sich auf den Liebesbriefwechsel, um den sich die Handlung der Komödie dreht. Louise de Merival heiratet einen reichen Baron und vergisst ihre Jugendliebe Prosper, der sie unsterblich liebte. Doch dann findet sie Prospers Liebesbriefe in ihrem Besitz. Auf Drängen ihrer Cousine Suzanne beschließt sie, sie Prosper zurückzugeben. Bevor dies geschehen kann, entdeckt der Baron die Frauen bei seiner Suche. Um die Situation zu retten, gibt Suzanne vor, der Liebesbrief sei an sie gerichtet, da sie diejenige sei, die eine Affäre mit Prosper habe. Dies verkompliziert die Lage noch weiter, denn der Baron ist nun über Prospers Verhalten empört und verlangt, dass er die verführte Suzanne heiratet.
Molière (geboren als Jean-Baptiste Poquelin, getauft am 15. Januar 1622, † 17. Februar 1673) war ein französischer Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker, einer des größten europäischen Komödiendichter.
Am Sonntag, dem 18. Mai um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »LAvare« (»Der Geizige«) (1668) von Molière (wie Anm. 236). Die erste vier Akte des Stücks sind »Warenar. Dat is: Aulularia van Plautus, nae s landts gheleghentheyt verduytschet. En ghespeelt in de eenighe en eerste Nederduytsche Academi tAmsterdam« (1616) des niederländischen Dichters, Historikers und Dramatikers Pieter Corneliszoon Hooft (* 16. März 1581, † 21. Mai 1647) entnommen. Auch Hooft hat die ersten vier Akte seines Stückes den ersten vier Akten der »Aulularia« vom römischen Komödiendichter Titus Maccius Plautus (* ± 254, † ± 184 v. Chr.) mehr oder weniger entnommen. Nur der fünfte Akt, der von Plautus nicht bewahrt ist, ist bei Hooft und Molière anders. Bei Hooft ist Warenar üderdem kein Geizhals, sondern eine tragikomische Figur.
Der Geizhals im Titel heißt Harpagon, ein Name, der vom griechischen Wort ἁρπάγη (Haken, Enterhaken) abgeleitet ist. Er ist besessen von seinem angehäuften Reichtum und stets darauf bedacht, zu sparen. Nun ist er Witwer und hat einen Sohn, Cléante, und eine Tochter, Élise. Obwohl er über sechzig ist, versucht er, eine Ehe zwischen sich und der attraktiven jungen Frau Mariane zu arrangieren. Sie und Cléante sind jedoch bereits innig miteinander verbunden, und der Sohn versucht, einen Kredit aufzunehmen, um ihr und ihrer kranken, verarmten Mutter zu helfen. Élise, Harpagons Tochter, ist die Geliebte von Valère, doch ihr Vater hofft, sie mit einem reichen Mann seiner Wahl, Seigneur Anselme, zu verheiraten. Valère hat unterdessen eine Stelle als Verwalter in Harpagons Haushalt angenommen, um in der Nähe von Élise zu sein. Die Verwicklungen lösen sich erst am Ende durch die recht konventionelle Entdeckung auf, dass einige der Hauptfiguren lang verschollene Verwandte sind.
Das zweite Stück von Molière am gleichen Abend war »Les femmes savantes« (1672) (»Die gelehrten Frauen«).
Philaminte, seine Schwägerin Bélise und seine älteste Tochter Armande stehen unter dem Einfluss des Scharlatans Trissotin, der sie mit seinen Gedichten und seinem pedantischen Wissen fesselt, aber mehr am Geld der Familie als an der Gelehrsamkeit der drei Frauen interessiert ist. Diese Situation beunruhigt den Rest der Familie: den Vater Chrysale, seinen Bruder Ariste und die jüngste Tochter Henriette; doch sie stellen sich den Träumereien der anderen Frauen in der Familie nicht offen entgegen. Lange Zeit umwarb Clitandre Armande, Henriettes Schwester, doch sie wies ihn stets zurück und zog die schönen Flammen der Philosophie vor. Daraufhin verliebte Clitandre sich in Henriette, und die beiden planen zu heiraten. Dafür benötigen sie die Unterstützung der Familie. Chrysale und Ariste befürworten die Heirat, doch die drei Gelehrten sind dagegen. Philaminte möchte, dass Henriette Trissotin heiratet, um ihr Bündnis mit Wissenschaft und Philosophie zu festigen. Armande hingegen ist eifersüchtig, als sie sieht, wie ihre Schwester ihren ehemaligen Verehrer heiratet. Chrysale will sich den Wünschen seiner Frau nicht entschieden entgegenstellen, und Henriettes und Clitandres Hochzeit scheint gefährdet – zu Trissotins Vorteil. Die beiden Liebenden versuchen daraufhin, sich dem Philosophen entgegenzustellen, doch keiner von ihnen hat Erfolg, bis Ariste Trissotins Doppelzüngigkeit aufdeckt. Daraufhin kann Henriette Clitandre heiraten.
Das Gedicht »Gedulde dich« ist nicht von E. (Karl Eduard) Freiherr von Bülow (* 17. November 1803, † 16. September 1853), einem deutschen Novellendichter, sondern von Friedrich Hebbel (wie Anm. 55) und lautet richtig:
Gedulde dich! es kommt einmal der Tag,
Da tragen sie dich fort mit stillem Schritt,
Und alle, die dich kennen, müssen dann
Den schweren Weg der letzten Reise mit.
Sie legen dich ins dunkle, kalte Grab,
Und decken dich mit Erde zu; Da ruhst du aus von deinem Lebenslauf,
Und findst im Tode deine Ruh.
Maussolos oder Mausolos (Μαύσσωλος bzw. Μαύσωλος) regierte von 377 bis 353 v. Chr. als persischer Satrap in Karien). Noch zu Lebzeiten gab er sein eigenes Grabmal in Auftrag, das Mausoleion (Μαυσωλεῖον), das aber erst unter der Herrschaft seiner Schwester, Ehefrau und Nachfolgerin Artemisia II. (Ἀρτεμισία β΄) fertiggestellt wurde. Wegen seiner Pracht und Größe wurde das Mausoleum von Halikarnassos zu den Sieben Weltwundern der Antike gezählt.
»Τραχίνιαι« (Die Trachinierinnen«) (± 445 v. Chr. (?) ist eine Tragödie von Sophokles (wie Anm. 80).
Deianeira, die zweite Frau des Herakles, hatte fünfzehn Monate lang nichts von ihrem Mann gehört. Ein Orakel hatte ihr verkündet, dass er an einem Wendepunkt seines Lebens stünde: Entweder würde er glücklich bis an sein Lebensende leben oder er würde sterben, und seine Familie mit ihm. Sie rief ihren Sohn Hyllus zu sich, um seinen Vater aufzusuchen. Während Hyllus mit seinem Vater wiedervereint war, traf Lichas auf Deianeiras Anwesen ein. Lichas, Bote und Begleiter des Herakles, erschien vor dem Helden. Er berichtete Deianeira, dass Herakles von Omphale in Lydien gefangen gehalten worden war und gegen die Stadt des Eurytos, des Königs von Oichalia, in den Krieg gezogen war, von wo aus er Gefangene zurückbrachte. Ein Bote informierte Deianeira, dass Iole zu den Frauen gehörte, die Lichas begleiteten. Sie war die Tochter des Eurytos, für den Herakles gekämpft hatte. Herakles wollte Iole gegen ihren Willen zu seiner Geliebten machen. Verletzt und in der Angst, ihren Mann zurückzugewinnen, bestreicht Deianeira eine Tunika mit dem Blut des Zentauren Nessos, der zuvor mit dem Blut der Hydra von Lerna befleckt war – zwei Ungeheuer, die ihr Mann einst getötet hatte. Sie gibt die Tunika Lichas, damit er sie Herakles überbringt. Einige Zeit später kehrt Hyllus zu seiner Mutter zurück und beschuldigt sie: Die Tunika, die sie Herakles gegeben habe, habe ihn getötet. Das Blut der Ungeheuer sei kein Liebestrank, sondern Gift gewesen. Verzweifelt ersticht sich Deianeira. Hyllus kehrt zu Herakles Leichnam zurück, der in Wirklichkeit nur im Sterben liegt. Herakles, erneut von Zorn und Überheblichkeit getrieben, verlangt, dass Deianeira zu ihm gebracht werde, damit er sie töte. Der Held, der zwölf Aufgaben und unzählige Ungeheuer bezwungen hat, weiß, dass es die Hand einer Sterblichen sein wird, die sein Leben beendet. Hyllus berichtet seinem Vater vom Tod seiner Mutter. Herakles offenbart daraufhin seinen letzten Wunsch, den Hyllus zu erfüllen schwört. Herakles wünscht, zum heiligen Berg Oita gebracht und dort eingeäschert zu werden, um sein Leiden zu beenden. Nur das Feuer, das den Tod bringt, kann die Wirkung des Giftes lindern. Doch Hyllus widersetzt sich zunächst dem letzten Wunsch seines Vaters: Herakles will, dass sein Sohn Iole heiratet, die Frau, die für die Tragödie verantwortlich ist. Unter Androhung von Meineid vor den Göttern wird Hyllus gezwungen, Eurytos Tochter zu heiraten.
Pytheos (Πυθεός, * ± 390, † im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts v. Chr.) war ein griechischer Architekt und Bildhauer. Seine bekannteste Bauwerke sind das Mausoleum von Halikarnassos und der Athenatempel von Priene.
Das Pergamonmuseum (Bodestraße 1-3, Museumsinsel, Berlin) wurde zwischen 1910 und 1930 von Ludwig Ernst Emil Hoffmann (* 30. Juli 1852 in Darmstadt; † 11. November 1932 in Berlin) erbaut nach Plänen von Alfred Messel (* 22. Juli 1853 in Darmstadt; † 24. März 1909 in Berlin) als Nachfolgebau des ersten Pergamonmuseum, aus 1897-1899, das schon 1908 abgerissen wurde, weil es zu klein war.
»Der Führer durch das Pergamon Museum«, Herausgegeben von der Generalverwaltung (1902) befindet sich in Klara Mays Bibliothek (In: Hans Grunert und Joachim Biermann unter Mitwirkung von Volker Griese und Silvia Grunert, »Karl Mays Bibliothek. Katalog der Bibliothek von Karl May mit den Ergänzungen von Klara May sowie Vervollständigungen und Anhängen« unter Nummer KL1265), mit zahlreiche Anzeichnungen und Anmerkungen im Text, auf dem Deckblatt »Berlin den 25.7.02«, alles von Klara Mays Hand. Wahrscheinlich hat Klara May sich dieses Buch im Voraus bestellt in Zusammenhang mit der kommenden Reise nach Berlin mit Karl und Emma May vom 18. Juli bis zum 8. August und dann im Museum am 25. Juli die Anzeichnungen gemacht. Die Rede ist immer noch vom alten Pergamonmuseum.
Baal (oder Baal) (ugaritisch 𐎁𐎓𐎍, althebräisch בעל) ist der oberste Gott des örtlichen Pantheons bei Phöniziern, Ugaritern und Kanaanitern; eigentlich war der Name eine Bezeichnung für verschiedene Gottheiten im westsemitischen (syrischen und levantinischen) Raum, Berg-, Wetter- und Fruchtbarkeitsgott.
Melkart war der Baal von Tyrus. Auf Inschriften wird er oft als Bal Ṣūr (Herr von Tyrus) angerufen. Er wurde auch in deren Tochterstadt Karthago verehrt.
In der interpretatio graeca wird Baal dem Herakles (Ἡρακλῆς) gleichgesetzt. Herakles (Lat. Hercules) war ein Heros (Halbgott: sein Vater war Zeus (Jupiter), seine Mutter Alkmene; der Held wurde nach seinem Tod aufgenommen in den Olymp).
Gerhard Johann Robert (Gerhart) Hauptmann (* 15. November 1862, † 6. Juni 1946) war ein deutscher Dramatiker. Anfänglich schrieb er realistische Dramen, in denen er das Elend der Armen thematisierte; später verfasste er auch symbolischere Stücke und Werke, die auf der griechischen Mythologie basierten. Er gilt als Mitbegründer des deutschen Naturalismus. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Am Dienstag, dem 27. Mai 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Die versunkene Glocke. Ein deutsches Märchendrama« (1896) von Gerhart Hauptmann (wie Anm. 252).
Im Mittelpunkt des Dramas steht der Glockengießer Heinrich. Eine von ihm gegossene neue Glocke, die heller klingen sollte als alle anderen, ist beim Transport zur Kirche, in der sie aufgehängt werden sollte, abgestürzt und in einem See versunken. Sterbenskrank trifft Heinrich auf das Märchenwesen Rautendelein und gesundet durch ihren Zauber und ihre Küsse. Er zieht mit ihr ins Gebirge und lässt seine Frau Magda und die gemeinsamen Kinder zurück. Magda ertränkt sich im See, wo sie den Klöppel der versunkenen Glocke bewegt. Den Klang hört Heinrich als Stimme seines schlechten Gewissens. Schließlich stirbt Heinrich in Rautendeleins Armen. 1927 machte Ottorino Respighi (* 9. Juli 1879, † 18. April 1936) aus dem Theaterstück eine Oper.
Am Donnerstag, dem 29. Mai 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Le Misanthrope ou lAtrabilaire amoureux (1666) (in der deutschen Bearbeitung von Ludwig Fulda (* 7. Juli 1862, 7. März 1939) »Der Misanthrop», auch: »Der Menschenfeind«).
Der Idealist und Menschenfeind Alceste erhebt für sich den Anspruch, ohne Heuchelei zu leben. Obwohl er adeliger Abstammung ist, zelebriert er seine Unabhängigkeit gegenüber dem königlichen Hof und weigert sich, in seinem Reden und Verhalten Kompromisse mit der Wahrhaftigkeit zu machen. Auf seinen Freund Philinte, der ihn zur Mäßigung und einer gewissen Anpassung auffordert, will Alceste nicht hören. So zieht er sich auch gleich die Feindschaft des ihn besuchenden Höflings und Verseschmieds Oronte zu, weil er dessen schlechtes Gedicht nicht lobt, sondern verreißt. Als er erfährt, dass Oronte beleidigt vor Gericht ziehen wird, fühlt er sich in seinem negativen Menschenbild bestätigt und rechnet genussvoll damit, den Prozess zu verlieren, weil er anders als sein Gegner die Richter nicht für sich einzunehmen versuchen will. Seine Beziehung zu Célimène, einer jungen koketten Witwe, die seine Neigung nicht unerwidert lässt, führt zu dem komischen Gegensatz, der im vollständigen Originaltitel zum Ausdruck kommt. Denn Célimène genießt die Geselligkeit in ihrer adeligen Umgebung und liebt es, mit vielen Männern zu kokettieren. Dies führt zu einem kleinen Skandal, als ein Brief von ihr auftaucht, in dem sie mehrere ihrer Verehrer – darunter Alceste – verspottet. Während sich die anderen Verspotteten von ihr abwenden, bietet Alceste ihr an, sie könne sich mit ihm zusammen aus der Gesellschaft auf eines seiner Landgüter zurückziehen. Doch Célimène lehnt ab – sie fühlt sich zu jung für einen solchen Schritt und will nicht auf die Gesellschaft verzichten. So will Alceste am Ende allein gehen. Ob sein Freund Philinte ihn von diesem Plan abbringen kann, wie er im letzten Satz der Komödie ankündigt, bleibt offen.
Franz Anton Mesmer (* 23. Mai 1734, † 5. März 1815) war ein deutscher Arzt. Er führte magnetische Kuren durch und begründete den animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt.
Am Sonntag, dem 1. Juni 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Le Tartuffe ou lImposteur« (1664) (»Tartüff«) und »Le Malade imaginaire« (1673) (»Der eingebildete Kranke«) von Molière (wie Anm. 236).
Die Eröffnungsszene von »Le Tartuffe ou lImposteur« zeigt den turbulenten Abschied von Madame Pernelle, Orgons Mutter. Beide, Madame Pernelle, und Orgon, ein Familienvater, sind dem Einfluss Tartuffes, eines heuchlerischen, manipulativen und scheinheiligen Mannes, erlegen. Dieser manipuliert sie, indem er Frömmigkeit vortäuscht, und wird sogar Orgons spiritueller Berater. Madame Pernelle ist enttäuscht und empört über den Lebensstil ihrer Enkelkinder, ihrer Schwiegertochter Elmire und des Bruders von Orgons erster Frau. Dann erscheint Orgon. Mit seltsamer Rührung erzählt er Cléante, seinem Schwager, wie er Tartuffe kennengelernt hat. Orgon will die Verlobung von Valère und seiner Tochter Mariane lösen, um Mariane mit Tartuffe zu verheiraten. Tartuffe versucht gleichzeitig, Elmire, Orgons zweite Frau, die jünger ist als ihr Mann, zu verführen. Tartuffe erscheint schließlich und gesteht Elmire seine Liebe. Damis belauscht das Gespräch, unterbricht die beiden und berichtet alles seinem Vater. Orgon weigert sich jedoch, ihm zu glauben. Er verbannt und enterbt seinen Sohn und vermacht Tartuffe all seinen Besitz. Cléante versucht, Tartuffe zu überzeugen, Damis zu verteidigen und so für Gerechtigkeit zu sorgen. Tartuffe ignoriert ihn. Mariane wiederum fleht ihren Vater an, seine Meinung zu ändern. Vergeblich. Elmire beschließt daraufhin zu handeln. Angesichts der Erblindung ihres Mannes schlägt sie vor, Tartuffe eine Falle zu stellen, um ihren Mann zu überzeugen. Unter dem Tisch versteckt, will Orgon mithören können, wie sein Schützling Elmire Avancen macht, wann immer sie allein sind. Dann erscheint Tartuffe. Elmires Verführungsversuche machen ihn misstrauisch. Er verlangt einen handfesten Beweis ihrer Begierde. Orgon lässt es geschehen und bleibt verborgen. Er reagiert erst, als Tartuffe ihn als einen Mann, den man an der Nase herumführen kann bezeichnet. Orgon jagt den Verräter aus seinem Haus, doch dieser erinnert ihn daran, dass er bereits der neue Besitzer ist. Der Gerichtsvollzieher, Herr Loyal, teilt der versammelten Familie mit, dass sie das Anwesen verlassen muss. Zu allem Übel berichtet Valère Orgon, dass Tartuffe ihn beim König des Hochverrats bezichtigt und kompromittierende Dokumente vorlegt, die ihm der naive Familienvater anvertraut hatte. Ein fataler Fehler: Der König schätzt Orgon immer noch sehr, weil er ihm einst während der Fronde (Aufstand in Frankreich zwischen 1848 und 1653) treu gedient hat. Er begnadigt ihn, und Tartuffe wird verhaftet vom Herrn Loyal. Der König begnadigt Orgon für seine früheren Dienste und bestraft den Denunzianten, der bereits andere Verbrechen begangen hat. Alles ist wieder gut, der Schurke ist bestraft, und Mariane und Valère können endlich heiraten.
»Le Malade imaginaire« handelt von Argans Tochter Angélique, die Cléante liebt (auch hier ein Cléante, verwirrend, zumal da beide Stücke am gleichen Abend aufgeführt wurden). Trotz Argans guter Gesundheit und seines Wohlstands ruft er ständig Ärzte wegen seiner eingebildeten Darmprobleme und beklagt sich unentwegt über die Rechnungen. Um kostenlos medizinische Versorgung zu erhalten, versucht er, seine Tochter Angélique mit einem unattraktiven Arzt zu verheiraten. Argan erträgt die Fürsorge und den Sarkasmus der Haushälterin Toinette und wird von seiner Frau Béline hinters Licht geführt. Argan hat noch eine viel jüngere Tochter, Louisson. Als diese nach einem Streit ihren Tod vortäuscht, ist Argan zutiefst schockiert. Toinette und Béralde, Argans Bruder, bringen Argan daraufhin dazu, selbst den Tod vorzutäuschen, als Béline eintrifft. Als sie nicht sehr traurig reagiert, erkennt Argan, dass sie ihn getäuscht hat. Als Angélique später um Argan trauert, nachdem er denselben Trick erneut angewendet hat, erlaubt er ihr, ihren Cléante zu heiraten. Darüber hinaus helfen Toinette und Béralde Argan, seine Probleme loszuwerden, indem sie ihn selbst zum Arzt ernennen.
Am Mittwoch, dem 4. Juni 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Wehe dem, der lügt!« (1838) von Franz Grillparzer (wie Anm. 72).
Das Werk beginnt mit einer Szene im Haus des Bischofs Gregor, der sehr sparsam lebt. Leon, sein Koch, beschwert sich beim Hausverwalter, dass er nicht arbeiten kann, wenn er alles zurückgeben muss, was er so billig erstanden hat. Es schmerzt ihn, dass der Bischof nichts Anständiges mehr isst, und er kann nicht verstehen wieso. Der Hausverwalter ist nicht imstande Leon zurückzuhalten, seine Wut bei Gregor auszulassen. Weil Leon den Bischof einen Silberling küssen sah, denkt er, der Bischof wirtschaftet in die eigene Tasche. Leon spricht Gregor darauf an, und er bemerkt sofort dessen Wut, doch im Gespräch findet Leon heraus, was den Bischof so bedrückt: Sein Neffe Atalus war als Geisel in den fernen Rheingau hinter Trier gebracht worden, um den Frieden zu wahren. Allerdings ist die Frist schon abgelaufen, der Krieg aber von neuem ausgebrochen. Die Feinde halten nun seinen geliebten Atalus gefangen. Für die Freilassung verlangen sie 100 Pfund, die der Bischof aber nicht besitzt. Der aufrichtige Bischof kann das Kirchgeld nicht dafür verwenden, denn es gehört den Armen und Bedürftigen, argumentiert er. Deshalb spare er an allem, was ihn selbst betreffe, so auch beim Essen. Leon erklärt sich bereit, den Neffen zurückzubringen. Der Bischof zeigt sich skeptisch und sagt ihm er soll nur gehen, aber er soll nicht lügen. Hier benützt der Bischof die Phrase, die auch der Titel des Werkes ist, Weh dem, der lügt! Nach einiger Überlegung verspricht Leon, Atalus zurückzubringen, auch ohne die Sünde der Lüge zu begehen, und erhält die 10 Pfund, die der Bischof bereits gesammelt hat. Leon trifft auf einen Pilger, der auf dem Weg ins Rheingau ist. Er gibt dem Armen Geld für eine Geleitschaft bis zum Schloss Kattwald. Der Koch, der nun alles Geld dem Pilger gegeben hat, verkauft sich selbst als Sklaven an den Grafen, doch er sagt, er sei ein guter Koch. Das kommt dem Grafen sehr gelegen, da seine Tochter Edrita den dummen Galomir bald heiraten wird. Edrita erhielt den Auftrag, sich etwas von Leons Künsten abzuschauen; das gelingt ihr wegen seiner Heimlichtuerei jedoch schwer. Doch sie bemerkt, dass Leon etwas vorhat. Seine Erkundigung nach Atalus hält sie für verdächtig. Atalus soll Leon in der Küche helfen, dieser weigert sich jedoch vorerst. Mit viel Redekunst schafft Leon es, Atalus als Küchengehilfen zu gewinnen. Abends kocht Leon einen saftigen Braten, der die Gäste anregt, jede Menge Wein zu trinken. Müde und betrunken, vergisst Graf Kattwald den Schlüssel der Tür abzuziehen, der auch das Tor nach draußen öffnet. Leider kommt Leon und Atalus ein Diener zuvor, um sich den Schlüssel zu holen. Leon hat in Erfahrung gebracht, dass der Schlüssel sicher über des Grafen Bett an der Wand hängt, und beschließt, ihn zu holen. Atalus soll laut Leons Plan in derselben Zeit einen Brückenpfeiler angraben, damit dieser nach deren Flucht beim Betreten der Verfolger zusammenbricht. Leon schleicht sich in Kattwalds Schlafzimmer, es gelingt ihm den Schlüssel zu ergattern. Edrita kommt unbemerkt durch eine Hintertür hinein und zieht den Schlüssel einer Seitentür ab. Kattwald wacht auf. Sofort schleudert Leon den Schlüssel von sich und tut so, als würde er ihn suchen. Da er nicht lügen soll, erzählt er dem Grafen, dass er ihn selbst gestohlen hat, was Kattwald als einen Scherz auffasst. Edrita tritt währenddessen aus dem Schatten und tauscht die Schlüssel aus. Leon findet den falschen Schlüssel und hängt ihn zurück, obwohl er bemerkt, dass er leichter ist als zuvor. Kattwald will nichts hören und sehen und schläft wieder ein. Leon ist am Boden zerstört, da er den Schlüssel nicht stehlen konnte, und will zu Atalus zurück, der mit dem Graben beinahe fertig ist. Doch er sieht den richtigen Schlüssel in der Tür stecken. Edrita gesteht, dass sie ihn selbst dort platziert hat. Atalus und Leon können fliehen, lassen aber das Tor offen. Galomir, der die Verfolgung aufnehmen will, stürzt in den Graben, woraufhin Edrita ihn auslacht. Kattwald glaubt Edrita hat ihn verraten und droht ihr mit dem Tod. Sie beschließt nun doch mit den beiden zu fliehen. Das Tor verschließt sie von außen. Leon und Atalus streiten sich während der Flucht, bis plötzlich Edrita zu ihnen kommt. Sie hat beschlossen, niemals zurückzukehren. Galomir erscheint mit seinem Pferd, doch die drei haben sich versteckt. Edrita kommt aus dem Gebüsch und überlistet ihn wortgewandt, um ihn fesseln zu können. Etwas später kann er sich befreien und stößt in sein Horn. Am Fluss angekommen sagt Edrita dem Fährmann das Passwort für die Überfahrt. Hier überlistet Leon geschickt den Fischer. In einer Scheune vor Metz haben die drei eine Pause eingelegt, doch Leon kann nicht schlafen und geht ins Freie. Dort wird er überfallen und beginnt zu beten. In diesem Moment öffnen sich die Tore und herauskommt ein fränkischer Anführer. Die Franken haben über Nacht Metz eingenommen und alle können sich beruhigt sicher fühlen. Am Tag darauf schließt Gregor Atalus in die Arme. Edrita erklärt Gregor gegenüber ihre Absicht, Christin zu werden, und will von ihm getauft werden. Statt ins Kloster zu gehen, möchte Leon Edrita heiraten. Sie willigt sofort ein, dann klärt er die Missverständnisse, und Tricks der Flucht auf. Atalus erklärt sich bereit, Edrita, die er einst selbst zur Frau nehmen wollte, Leon zu überlassen, weil dieser ihn nach langer Zeit der Gefangenschaft endlich befreit hat und er einsieht, dass sie nur ihn liebt. Glücklich schließen sich alle in die Arme.
Am Donnerstag, dem 5. Juni 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Les femmes savantes« (1673, wie Anm. 238) und »LÉcole des femmes« (1662) (»Die Schule der Frauen«), beide von Molière (wie Anm. 236).
Das zweite Stück, das am diesen Abend aufgeführt wurde, war »LÉcole des femmes« (1662) (»Die Schule der Frauen«).
Der 42-jährige Junggeselle Arnolphe hat beschlossen zu heiraten. Was ihn bisher davon abhielt, war die Angst, das Schicksal der durch die weibliche Untreue gehörnten Männer zu teilen, über deren Einfalt er sich öffentlich lustig macht. Um nicht selbst in diese Ehefalle zu tappen, hat er von langer Hand eine eigene Strategie entwickelt. Er adoptierte ein 4-jähriges Bauernkind, ließ es 13 Jahre lang in klösterlicher Abgeschiedenheit aufwachsen und hat nun das zur Unschuld, Unwissenheit und Unterwürfigkeit erzogene Mädchen in einem seiner Häuser einquartiert – isoliert von der Außenwelt und bewacht von beschränkten Dienern –, um sie, Agnès, zu seiner Frau zu machen. Die Gefahr, dass Arnolphe als stadtbekannter Spötter selbst zum Gespött werden könnte, schwebt von Anfang an über ihm – sein Freund Chrysalde warnt ihn – und wird schnell akut durch das Auftauchen des jungen Horace. Er ist der Sohn eines anderen, auf dem Land lebenden Freundes: Oronte. Horace teilt Arnolphe dessen baldiges Kommen mit und vertraut ihm an, dass er sich in Agnès verliebt hat, die von einem reichen Sonderling, einem Herrn de la Souche, gefangen gehalten werde. Diesen Adelstitel hat sich Arnolphe seit Neuestem zugelegt, wovon Horace nichts weiß. Arnolphe versucht im Folgenden, Horace in seiner Unwissenheit und Vertrauensseligkeit zu halten, um über alles Vorgefallene und Geplante unterrichtet zu sein und seinerseits Gegenmaßnahmen zu treffen. Das gelingt. Was ihm nicht gelingt, ist, die weitere Annäherung der beiden zu verhindern und die erstmals verliebte, zur Ehe bereite Agnès zu überzeugen, dass nicht Horace, sondern er es ist, der es verdient, ihr Gatte zu werden. Schlussendlich scheint sich dennoch für Arnolphe alles zum Guten zu wenden, als Horace ihn bittet, seinen inzwischen eingetroffenen Vater Oronte davon abzubringen, ihn mit der Tochter eines gewissen Enrique zu verheiraten. Siegesgewiss und skrupellos bricht Arnolphe sein Versprechen, muss aber erfahren, dass die von Oronte Auserkorene niemand anders ist als Agnès. Ihre Eltern – eben jener Enrique und die Schwester Chrysaldes – hatten in einer Notsituation das Kind an eine Bäuerin gegeben und waren nach Amerika ausgewandert, von wo nun Enrique allein zurückgekehrt ist. So fallen die väterlichen Pläne und die Wünsche der Kinder glücklich zusammen; für Arnolphe bleibt am Ende nur der Trost durch den Freund Chrysalde: Statt sich zu grämen, sein Sie doch erfreut! / Das Schicksal meints mit Ihnen gnädig: / Wenn man sich so vorm Hörnertragen scheut, / Dann gibts nur einen Rat: man bleibe ledig!
Am Freitag, dem 6. Juni 1902 um 19.30 besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) die ersten zwei Teile der Trilogie »Das goldene Vlies« (1820) von Franz Grillparzer (wie Anm. 72): »Der Gastfreund« und »Die Argonauten«.
Die Trilogie beginnt mit dem einaktigen Prolog »Der Gastfreund« und schildert anschließend in »Die Argonauten« Jasons Abenteuer auf der Suche nach dem Goldenen Vlies.
»Der Gastfreund« macht anschaulich, wie der griechische Herrschersohn Phryxus, auf hinterhältiges Wirken seiner Stiefmutter hin, um sein Erbe betrogen und ohne Heimat und Thronanspruch, aus seiner Heimat fliehen muss,. Auf seiner Flucht erscheint ihm ein unbekannter Gott in Delphi, der mit den Worten Nimm Sieg und Rache hin! das goldene Vlies an ihn überreicht. Phryxus gelangt in das von Barbaren bewohnte Kolchis, wo er eine neue Existenz aufbauen will. In Kolchis entdeckt er eine Statue des ihm in Griechenland erschienenen Gottes, es ist Perronto, der Gott der dort ansässigen Barbaren und ihres Königs Aietes, doch dieser sieht in Phryxus einen gefährlichen Fremden und ermordet ihn und seine Gefährten hinterhältig, indem er seine Tochter Medea als unwissendes Werkzeug nutzt. Diese erkennt beim Tode des Phryxus, dass der feige und habgierige Raubmord am Gastfreund nun auf dem Vlies lastet. Von düsteren Visionen getrieben, entflieht sie am Ende des ersten Teils aus der Gesellschaft der Barbaren und ihres Vaters Aietes.
In »Den Argonauten« fordert Jason, Sohn des verstorbenen Königs Äson von Thessalien, den ihm zustehenden Thron von seinem Onkel Pelias. Dieser bittet ihn listig, vor der Übergabe des Amtes das goldene Vlies aus Kolchis zu holen, da er selbst zu alt sei, Phryxus zu rächen. Mit dem Schiff Argo gelangt Jason nach Kolchis, ihm folgen auf seiner Reise die Argonauten, darunter sein enger Freund Milo. Aietes sucht mit seinem Sohn Absyrtus Medea in einem verlassenen Turm auf, wo sie mit ihren Jungfrauen als Gefolgschaft lebt. Er überredet sie, ihm abermals beim Vertreiben der Fremden zu helfen. Medea willigt widerwillig ein und trifft im Laufe der Handlung dreimal auf Jason. Dabei kämpft sie gegen ihre Liebe zu diesem Fremden an, doch ist ihre Liebe größer als ihr Wille zur Loyalität mit Kolchis. Sie schützt Jason vor den Barbaren und stellt sich gegen ihre Familie, indem sie das goldene Vlies dem Feinde zuführt und akzeptiert, dass Jason sie zur Frau nimmt. Am Ende des zweiten Teils ist Medea von ihrer Familie verstoßen, Absyrtus nimmt sich das Leben, und Jason segelt mit dem goldenen Vlies sowie Medea und ihrer Amme Gora zurück nach Griechenland, um sein Thronerbe anzutreten.
In ihrem Tagebuch erwähnte Klara May nicht, dass sie mit den Mays am 10. Juni 1902 den dritte Teil der Trilogie besuchen wurde: »Medea«, eine Tragödie von klassischem Ausmaß, enthält den Höhepunkt der bereits oft dramatisierten Geschichte der Medea. Manche Kritiker halten Medea für Grillparzers Meisterwerk. Ähnlich wie bei »Sappho« - eine andere Tragödie Grillparzers –, jedoch in größerem Maßstab, ist diese ganze Trilogie eine Tragödie der Herzenssehnsucht, des Konflikts zwischen dem einfachen, glücklichen Leben und jener finsteren Macht – sei es Genie oder Ehrgeiz –, die das Gleichgewicht des Lebens stört. Die Darstellung der widersprüchlichen Faszination und Abneigung, die Medea und Jason füreinander empfinden, zeugt von feiner Kunstfertigkeit, und als schließlich die Abneigung die Oberhand gewinnt, verleiht Grillparzer Medeas Wut einen grandiosen Ausdruck. »Medea« erzählt von der Rückkehr des Argonautenführers Jason mit seiner Frau Medea, deren beiden Kindern und der Amme nach Korinth zu König Kreon, wo er um gastliche Aufnahme bittet. Dort trifft Jason auf seine ehemalige Geliebte, die Königstochter Kreusa, welche sich so herzlich um die beiden Kinder Jasons kümmert, dass Medea eifersüchtig wird; außerdem fühlt sie sich in Griechenland als Außenseiterin. Schließlich möchte Kreon Medea wieder fortschicken, Jason und die Kinder jedoch bei sich behalten. Medea wird schließlich vertrieben. Sie beauftragt die Amme mit der Tötung Kreusas und ermordet eigenhändig, wegen ihrer inneren Zerrissenheit, ihre beiden Kinder. Am Ende bringt Medea das verhängnisvolle Goldene Vlies zurück nach Delphi, während Jason die Sinnlosigkeit menschlichen Strebens und irdischen Glücks erkennt. Das Ende ist bittere Ernüchterung; der einzige Trost ist der Verzicht.
Am Sonntag, dem 15. Juni 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Heimath. Schauspiel in vier Akten« (1893) von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Für alle Akte umfängt und beengt uns die bürgerlich-altmodische Wohnung des verabschiedeten Oberstleutnants Schwartze, den ein Schlaganfall aus dem Dienst vertrieb. Sein Bekenntnis lautet: Kommen Sie in die stillen Heimstätten, wo dem Könige wackere Soldaten erzogen werden und sittsame Bräute für sie. Da wird kein Lärm gemacht mit Vererbung und Kampf ums Dasein und Recht der Individualität, da passieren keine Skandalgeschichten, da schert man sich den Teufel um die Ideen der Zeit, und doch ruht hier die Blüte und die Kraft des Vaterlandes. Sehn Sie dieses Heim – da gibts keinen Luxus, kaum einmal den sogenannten guten Geschmack; verschossene Decken, birkene Möbel, stockige Bilder; und doch, wenn Sie die Abendsonne durch die weißen Gardinen so freundlich auf all das Gerümpel scheinen sehen, sagt Ihnen da nicht ein Gefühl: hier wohnt das Glück? Der starrköpfige Hausherr ist ältestes Kaliber, eifernd für Sittlichkeit und Ehrbarkeit. Seine zweite Frau, von Adel, ist vollkommen bis auf ihre kleine höfische Eitelkeit; die Haustochter Marie aus der ersten Ehe zersehnt sich nach ihrem Leutnantvetter Max – die boshafte, aber wohlhabende Tante Fränze (Franziska) kann ihrem Jungferntum die Kaution für die jungen Leute nicht abgewinnen. Der gespenstige Schatten über diesen Gutgesinnten, die Karten spielen und Kaffee trinken, Staub wischen und Missionskränzchen halten, heißt Magda, die verlorene Tochter. Sie war dem Pfarrer Hefferdingk zugedacht, der sie liebte; als sie dem über sie verfügenden Vater den Gehorsam weigerte, stieße er sie aus dem Hause – nach einem Jahre meldete sie, sie gehe zur Bühne. Nun darf, seit einem Jahrzehnt, ihr Name im fromm gehüteten Heim nicht mehr genannt werden. Magda, stolz und ehrgeizig, hielt das streng reglementierte Leben ihrer Kleinstadt nicht länger aus und verließ ihr Elternhaus, um sich von der strengen väterlichen Autorität und dem erdrückenden Umfeld zu befreien. In den zehn Jahren ihrer Abwesenheit hat sie es geschafft, sich als erfolgreiche Opernsängerin einen Namen zu machen. Ein Provinzialmusikfest führt Magda in ihre Heimat, sie kommt als italienische Sängerin mit Weltruhm. Kunst aber, so erklärte der angetatterte General der Preferencepartie: Kunst ist eine Erfindung, die sich die Drückeberger zurechtgemacht haben, um im Staate zu etlicher Bedeutung zu gelangen. Breitspurig erzählt die Familienvorsehung Fränze das Stadtereignis (ihr scharfer Blick erkannte das Kind, sogar am Arm des Oberpräsidenten!). Der nazarenische Pfarrer stimmt den Eisenfresser um: die Tochter kehrt heim.
Magda im Elternhause! Mit bedachtsamen Strichen wird das Bild gepinselt. Die Theaterkönigin mit Mariechen, deren zerstochene Finger sie mit der gepflegten Hand streichelt; mit dem schönen Weißkopf, mit Franziska im ersten Wiedersehen, den Haushund missend, selig in Erinnerung versunken, wohlig müde – und alsbald vom Vater beargwöhnt. Im Hotel, wo sie abstieg, blieb ihr kleiner Hofstaat an Dingen und Menschen – natürlich soll sie zu den Eltern ziehen, und bis an ihr Lebensende wieder kuschen. Der Pfarrer unterredet sich lange mit Magda; er dämpft ihren spöttischen Ton, als sie hört, dass er ihretwegen ledig blieb, dass es in der Kleinstadt nicht nur Lavendel, Tabak und Magentropfen gibt, sondern auch selbstlosen Dienst an herzwunden Menschen, der den lachenden Jubel an der Vollpersönlichkeit, wie ihn Magda anschlägt, unterdrückt. Neugier und Scheu, Wehmut und Trotz rangen in ihr, da sie wiederkam; doch sie will fort, um ihr harterkämpftes Ich nicht zu verlieren. Als Magda von dem körperlichen und geistigen Zusammenbruch ihres Vaters hört durch ihren Absagebrief, schleicht sie ins Fangnetz der Heimat, auch um Hefferdingk für seinen Priesterdienst an ihrer Familie zu danken. Sie darf sein Friedenswerk nicht zerstören. Sie findet den Mut zur Liebe; nur soll man sie nicht nach ihrer Vergangenheit befragen.
Die grünumschirmte alte Hängelampe am häuslichen Tisch brennt friedlich. Magda macht das Schwesterlein glücklich durch Zusage der erheblichen Kaution zur Heirat, doch sie selber bleibt ein gejagtes Wild, auch wenn ihr Herz augenblicks aussieht wie die Weihnachtsnummer einer Familienzeitschrift. Sie möchte allen Widerstand niedersingen und beneidet den schlichten Pfarrer um seine Macht über die Seelen, der sie sich eröffnet. Barsch treibt der Haustyrann seinen kalten Respekt ein; die Tochter soll beichten, ob sie an Leib und Seele rein blieb – sie sagt schlicht ausweichend: Ich bin mir treu geblieben in dem, was für mich das Gute war. Nachdem sie die Stadtdamen, die ihre Cour machen, auch überstanden hat, Tante Fränze geärgert und Max das Rückgrat gesteift, sondiert der konsistoriale Regierungsrat von Keller das Terrain, der in Berlin ein halbes Jahr Magdas Geliebter war und der Vater ihres Kindes ist – er schlottert um seine Karriere. Magdas Aussprache mit dem Jammerhelden bewährt darin ihre Echtheit, dass sie ohne äußeren Antrieb von innen her wächst, unvermutet anschwellend zu Donnergang und Orgelklang, als Magda an ihre Not und die sie segnende Mutterschaft zurückdenkt, und ihr Empfindungen entreißt, die sie nicht aussprechen wollte. Ihre Seele, einst der verstaubten Windharfe im elterlichen Hauskeller (?) gleich, heult das Lied, das brausende Schicksalslied, herausfordernd in ihrem Ichstolz vor Gott und der Welt sich aufreckend. Der alte Herr kommt ahnungslos dazu, sieht die fliehende Tochter und den verwirrten Konsistorialrat, der in seiner Entmaskung zusammenknickt, fordert das Ehrenwort von dem Ehreschänder, erhält es nicht – und erzwingt sich von Magda die Beichte ihres aufgewühlten Herzens.
Magda besitzt eine Villa am Comersee und ein Landgut bei Neapel, nur keine Heimat. Si eist matt, zum Waffenstrecken matt. Ihr Fleisch und Blut, so empfindet sie, zieht sie zu ihrer Familie, deren Kummer um sie ihr Herz belastet; doch kann sie ihr Leben nur so weiter führen, wie sie es sich aufgebaut hat. Sie hat Angst vor ihnen und wird unsicher in sich selber. Der vom Kastenwahn gebundene Alte zieht seine Pistolen hervor, um der Tochter und seinem bemakelten Hause die Ehre zurückzuholen. Inzwischen bearbeitet der Pfarrer Magda und macht die Mürbe mit dem Hinweis auf seinen eigenen Verzicht des Herzens zu dem Opfer geneigt, sich von Keller durch eine Ehe als Frau veranständigen zu lassen – kann das sein?! Niemand ist um seiner selbst willen da. Aber verderben Sie ihre Heimat, verderben Sie Vater und Schwester und Kind, und dann versuchen Sie, ob Sie den Mut haben, um Ihrer selbst willen da zu sein. Keller macht, von dem unerbittlichen Schwartze bedroht, korrekt seinen Heiratsantrag. Dann hört Magda von ihm, sie müsse nicht nur ihrer Kunst entsagen, was sie halb zugab, sondern sich auch dauernd von dem konfiszierlichen Kinde trennen, um dem Herrn Gemahl nicht im Wege zu sein bei seinem ministeriellen Ehrgeiz – da fliegt das windige Gemütsgaukelspiel mit Krach um. Das Opfertier schreit. Der Vater fordert, beim Haupt ihres Kindes, von Magda die bedingungslose Zustimmung zur rettenden Ehe mit Keller, sie schleudert ihm die hemmungslose Abrechnung ins Gesicht über gebundene und freie Weltanschauung – wenn ihr uns die Freiheit gebt, so wundert euch nicht, wenn wir uns ihrer bedienen! –; er hebt den Revolver gegen sein Kind, als sie den verzweifelten Trumpf ausspielt: war jener Mann der einzige?! Doch er erschießt weder die Dirne noch sich selber; vom letzten Schlage getroffen, stirbt er unversöhnt. Magda verwünscht sich, dass sie in ihrer Heimat wiederkehrte – sie darf am Sarge ihres Vaters beten . . .
Am Donnerstag, dem 19. Juni 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Emma May sowie Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Maria Stuart« (1800) von Friedrich Schiller (wie Anm. 39).
Maria Stuart (Mary Stuart, * 8. Dezember 1542, † 8. Februar [jul.] / 18. Februar 1587 [greg.]; vom 14. Dezember 1542 bis zum 24. Juli 1567 als Mary I Königin von Schottland sowie durch ihre Ehe mit Franz II. von 1559 bis 1560 auch Königin von Frankreich) wird des Mordes an ihrem Ehemann beschuldigt. Sie flieht aus Schottland und sucht Schutz in England, wo ihre Cousine Elisabeth I. regiert.Elisabeth sieht in Maria Stuart jedoch eine Bedrohung für den Thron und lässt sie einkerkern. Dank des Eingreifens von Leicester und Mortimer, die einst um Marias Hand angehalten hatten, wandelt Elisabeth Maria Stuarts Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe um. Als es schließlich zur finalen Konfrontation zwischen Elisabeth und Maria kommt, eskaliert die Situation, und Maria Stuart wird des Hochverrats angeklagt, nachdem sie Elisabeth ihre ungeschminkte Meinung mitgeteilt hat. Leicesters und Mortimers Pläne, Maria Stuart zu befreien, drohen aufzufliegen. Nach Leicesters Verrat, der sich selbst schützen wollte, begeht Mortimer schließlich Selbstmord. Nach Maria Stuarts Hinrichtung, mit der Leicester ein letztes Mal gesprochen hatte, kommt die Wahrheit ans Licht. Elisabeth weigert sich jedoch, ihre Schuld einzugestehen und schiebt die Verantwortung auf andere. Elizabeth bleibt isoliert zurück, während Maria Stuart nach ihrem Tod Frieden mit Gott findet und Leicester nach Frankreich geflohen ist.
Schillers Inspirationsquellen waren überwiegend klassische Tragödien, dies spiegelt sich im symmetrischen Aufbau des Stückes wider:
Akt I: Maria Stuart
Akt II: Elisabeth
Akt III: Konfrontation zwischen Maria Stuart und Elizabeth
Akt IV: Elisabeth
Akt V: Maria Stuart
Jean Paul (Pseudonym von Johann Paul Friedrich Richter, * 21. März 1763, 14. November 1825), war eind deutscher Pädagoge und Autor satirischer Romane. Das Zitat kommt aus seinem »Hesperus oder 45 Hundsposttage. Eine Lebensbeschreibung« (1795).
Eduard Wertheimer der Ältere (* 1839, 1920) war ein deutscher Textilfabrikant. Ab 1867 folgte ihm sein Sohn Eduard Wertheimer der Jüngere (* 1867, 1942) nach.
Gebr. Manheimer und Valentin Manheimer (* 13. Juli 1815, † 7. Februar 1889) waren deutsche Konfektionshäuser, welche 1837 bzw. 1840 durch die Gebrüder Manheimer (Valentin, Moritz (* 1. Mai 1826, † 27. März 1916) und David (* 1818, 1882)) gegründet bzw. betrieben wurden. Valentin stieg schon 1839 aus un gründete Valentin Manheimer, Fabrik von Damenmänteln und Mantillen, welcher der erste Betrieb für Damenkonfektion war.
Ohne Emma May besuchten Karl May sowie Klara Beibler das Grab von Heinrich von Kleist (wie Anm. 37) an der Bismarckstraße am Kleinen Wannsee. An dieser Stelle erschoß der 34-jährige Heinrich von Kleist eine Freundin, Adolphine Sophie Henriette Vogel, geb. Keber (* 9. Mai 1780, † 21. November 1811), die unheilbar an einem Karzinom erkrankt war, und sich selbst. Eine kirchliche Bestattung wäre wegen des Suizids natürlich unmöglich gewesen.
Das Central-Hotel, 1880 in der unmittelbare Nähe vom Bahnhof Friedrichsstraße (von 1878) eröffnet. Das Hotel war mit einer 100 Meter langen Fassade das größte der Stadt. Es verfügte über 500 Zimmer, ein eigenes Post- und Telegrafenamt, ein Touristenbüro mit Bahn- und Hin- und Rückfahrkarten sowie ein Café-Restaurant. Im Hotel fanden regelmäßig Konzerte statt, insbesondere im Wintergarten mit 3.000 Plätzen. Die meisten Gäste waren Handelsreisende, die die amerikanische Bar und den hauseigenen Weinkeller sicherlich zu schätzen wussten. Der touristische Charakter wurde durch mehrere Restaurants unterstrichen, die sich im selben Gebäude befanden (das einen ganzen Häuserblock einnahm) und regionale Küche servierten: ein Schwarzwälder Salon, ein bayerischer Biergarten, eine Heidelberger Studentenkneipe, ein Hansa-Saal, eine schlesische Scheune, eine ostfriesische Fischerkneipe und ein Rheinland-Saal; weiter das Central Restaurant mit der Diana Bar und das Central Café.
Der Begriff Louis (abgeleitet von Zuhälter) wurde im Zweiten Deutschen Reich als umgangssprachlicher Slangausdruck für einen Zuhälter oder Straßenhändler verwendet. Die Phrase Du siehst aus wie unser Louis! war demnach eine schwere Beleidigung und diente dazu, den Partner in der Öffentlichkeit gezielt zu demütigen.
Das Bismarck-Nationaldenkmal am nördlichen Rand des Großen Sterns im Großen Tiergarten erinnert an den ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck (vollständig: Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, ab 1865 Graf von Bismarck-Schönhausen, ab 1871 Fürst von Bismarck, ab 1890 auch Herzog zu Lauenburg, * 1. April 1815, † 30. Juli 1898), von 1862 bis 1890 den Ministerpräsidenten Preußens, von 1867 bis 1871 zugleich Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes und von 1871 bis 1890 den ersten Reichskanzler des Deutschen Reiches. In den Jahren 1897-1901 von Reinhold Begas (* 15. Juli 1831, † 3. August 1911) wurde das Denkmal im Stil des Neobarock ursprünglich auf dem Königsplatz vor dem Reichstagsgebäude errichtet, 1938–1939 jedoch zusammen mit den Denkmälern Roons und Moltkes sowie der Siegessäule an den heutigen Standort versetzt. Die Statue Bismarcks stand an seinem ursprünglichen Platz beinahe symbolisch mit dem Rücken zum Reichstag, dem in der von ihm verfassten Verfassung nur sehr geringe Befugnisse eingeräumt worden waren. Bismarck wird von mehreren Statuen mythologischer Figuren flankiert, die jeweils etwas symbolisieren: Atlas mit seinem Globus symbolisiert die Macht des Deutschen Reiches, Siegfried mit seinem Schwert symbolisiert die Größe der deutschen Industrie und des deutschen Heeres, Germania symbolisiert Deutschland und die Sibylle symbolisiert die deutsche Geschichte, indem sie das Geschichtsbuch liest.
Aschinger war ein 1892 von den Brüdern August Ludwig Aschinger (* 8. April 1862, † 28. Januar 1911) und Carl Aschinger gegründeter Gastronomiebetrieb in Berlin, der insbesondere durch seine großen Stehbierhallen bekannt wurde. Mit dem Namen ist eine Erfolgsgeschichte verbunden, wie sie in dieser Dimension im deutschen Kaiserreich vor 1900 nicht aufgetreten war. Zeitweise war Aschinger Europas größter Gastronomiebetrieb.
Andererseits erklärte Emma Pollmer am 13. Dezember 1907 vor Gericht: Ich muß ganz entschieden bestreiten, jemals meinem Manne den Geschlechtsverkehr verweigert zu haben. Geschlechtsverkehr ist natürlich nicht dasselbe wie eine Hand zu fassen, aber es kommt uns doch komisch vor, dass eine Frau ihrem Mann kaum erlaube, ihre Hand zu fassen, aber ihm Geschlechtsverkehr ohne weiteres erlaube.
Eine merkwürdige Bemerkung: Die drei kamen nämlich gerade aus Berlin, wo sie im Central-Hotel wohnten.
In Hamburg wohnten sie vom 8. bis zum 19. August im Hotel St. Petersburg, Jungfernstieg. Hier wusste Klara Beibler es so zu arrangieren, dass ihr Zimmer zwischen dem von Karl und Emma lag.
Der Ratskeller (offiziell: Ratsweinkeller, heute: Parlament) wurde 1896 von Johannes Versmann (* 7. Dezember 1820, † 28. Juli 1899), damals dem 1. Bürgermeister Hamburgs, eröffnet. Trotz der massiven Bombardements Hamburgs während des Zweiten Weltkriegs blieb das zwischen 1886 und 1897 vom Architekten Martin Haller (* 1. Dezember 1835, † 25. Oktober 1925) im Stil der Neorenaissance erbaute, wunderschöne Rathaus, abgesehen von einer geringen Beschädigung am 112 m hohen Turm, völlig unversehrt, so dass der Originalzustand fast unverändert erhalten geblieben ist. Auch im Ratskeller im Rathaus ist vieles also noch wie damals als das Rathaus eröffnet wurde, einschließlich der originalen Fresken an den Wänden und der einzigartige Gewölbedecke mit den imposanten Säulen.
Hotel Hauffe (wie Anm. 24). Auch hier lag Klaras Zimmer zwischen dem von Karl und Emma. Laut Zeugenaussage von Emma Pollmer (14. Dezember 1907) soll es in diesem Hotel, wenn nicht schon früher, zum Geschlechtsverkehr zwischen Karl May und Klara Plöhn gekommen sein.
Grand Hotel Leinfelder (Lenbachplatz). Hier gab es wieder die gleiche Zimmerordnung wie in Hamburg und Leipzig; vom Zimmer Karls ging eine Verbindungstür zum Zimmer der Klara Beibler, die durch eine Chaiselongue versetzt war. Emma legte zwischen der Chaiselongue und der Tür ein Stückchen Papier, das am nächsten Morgen verschwunden war; auch die Chaiselongue war verschoben. In der nächsten Nacht waren die Türe der Zimmer von Karl und Klara verschlossen und die Schössellöcher mit Handtüchern verhängt.
Grand Hotel Penegal, auf dem Mendelpass (1.363 m Höhe), im mittleren Teil des bis zu 2.116 m hohen Mendelgebirges. In der Nacht vom 26. auf 27. Juli 1900 hatten die Ehepaare May und Plöhn hier auch schon übernachtet.
Was Klara uns hier nicht erzählt, ist, dass sie und Karl sich in der Nacht vom 27. auf 28. August 1902, wie auch schon in München, heimlich trafen und dass Emma May in der Nacht vom. 28. auf 29. August 1902 gehört habe wie Karl ins Bett der Plöhn gestiegen und später zweimal Hurra! gerufen habe. (Zeugenaussage, aufgezeichnet von Rudolf Lebius, »Die Zeugen Karl May und Klara May. Ein Beitrag zur Kriminalgeschichte unserer Zeit«, S. 54).
Rudolf Lebius (* 4. Januar 1868, † 4. April 1946) war ein deutscher Journalist zweifelhafter Sorte, Verleger, Gewerkschaftsführer und antisemitischer Politiker; nachdem seine Erpressungsversuche gegen Karl May gescheitert waren, wurde er zu dessen erbittertstem Gegner.
Karl May und Klara Beibler verließen den Mendel am 29. August 1902, ohne Emma May: Sie hatten sie befohlen, sie solle bis zum 10. Oktober im Hotel Penegal bleiben, bis der Prozess entschieden sei. Emma verließ das Hotel jedoch nach etwa drei oder vier Wochen und bezog Quartier im Hotel Schwarzen Greif in Bozen. Innerhalb ein paar Wochen zog sie um in die Villa Lener (vgl. Anm. 296).
Maria Schrott (* 23. Januar 1853, † 12. Mai 1934), war die Besitzerin des Hotel Penegal auf der Mendel. Mit ihrem Mann Alois (* 8. Dezember 1838, † 28. März 1902) hatte sie vier Kinder: Henriette, Walther, Othmar und Marianne. Nach dem Tod ihres Mannes führte sie das Hotel weiter, bis ihr Sohn Walther die Leitung übernahm. Im Hotel Penegal hatten Karl May sowie Klara Beibler verw. Plöhn Emma May 1902 zurückgelassen; Karl wurde von Maria Schrott über deren Aktivitäten auf dem Laufenden gehalten. Auch die beiden Töchter Henriette (* 24. Juni 1877, † 10. Februar 1962) und Marianne werden mit eingespannt. 1910 werden Maria, Henriette und Walther Schrott in Bozen als Zeuginnen und Zeuge vernommen.
Henriette Schrott (wie Anm. 292). Sie verbrachte den Großteil ihres Lebens in Südtirol und schrieb Lehrer-, Arzt- und Priesterromane, die in der damaligen Zeit besonders gerne gelesen wurden. Henriette Schrott wurde zu einer der wenigen Tiroler Schriftstellerinnen von Rang und Namen. Später heiratete sie einen Herrn Pelzel, Edler von Staffalo.
Josefine Josepha Meyer, verw. Kößler, fälschlich Josepha Roeßler genannt, war die Vermieterin der Pension Villa Lener (St. Johann Nr. 64, Gemeinde Zwölfmalgreien, jetzt Runkelsteinstraße 18, Bozen). Josefine Kößler wurde im November 1902 Emma Mays Zimmerwirtin in Bozen nach deren Trennung von Karl May. Zunächst hatte Emma im Hotel Schwarzer Greif gewohnt, zog aber dann auf Anraten Maria Schrotts in die billigere Pension, bie sie am 11. März nach Dresden zog und da (bis Mai oder Juni 1903) im Hospiz des Vereins für Innere Mission (Zinzendorfstraße 17-21). Josepha Kößler hatte eine Tochter, Maria Kößler.
In einer Zeugenaussage 1907 erklärte Emma Pollmer: Sie (Klara) sei (26./27. November 1902) nur zu mir gekommen, weil sie es vor Sehnsucht nach mir nicht mehr aushalten könne. Diese Aussage gab in der Sekundärliteratur vielfach Anlass zu der Vermutung, dass Emma und Klara nicht nur ein freundschaftlich, sondern auch ein intimes Verhältnis gehabt hatten, wie z.B. in Karl Mays Manuskript und Privatdruck »Frau Pollmer, eine psychologische Studie«: Auch ihre Freundschaft ging nach sinnliche Wege. Es war ihr der größte aller Genüsse, mit einer weiblichen Person im Bett zu liegen, (S. 829), sie fand sich in beiden Satteln zurecht (S. 852) und Sie aber hat mir nur alte, geifernde Weiber, alte Jungfern und liebestolle Personen dritten Geschlechtes in das Haus gezogen. (S. 854). Das "dritte Geschlecht natürlich nicht in der Bezeichnung wie die woke Gemeinschaft es heutzutage meint, sondern in der Bezeichnung von homosexuelle bzw. lesbische Menschen. Auch Klaras Bemerkung auf S. 19 dieses »Tagebuches« weist in diese Richtung: Wir gingen wieder zusammen zu Bett, genau wie das Wort Bettfreundschaft hier auf S. 22 des »Tagebuches« und die spätere leidenschaftliche Briefe von Emma an diese Maria Kößler sprechen Bände. Karl May hat »Frau Pollmer, eine psychologische Studie« als Schmachschrift gegen seine erste Frau geschrieben, aber - Du armer, lieber, blinder Karl! - auch deine zweite Frau hat sich beteiligt an diesen Taten, die zu jener Zeit als widernatürliche Handlungen galten, ob oder nicht unter Einfluss von Emma, wie sie es hier erscheinen lässt.
Die Initialen stehen für Nikolaus Lenau; das Gedicht heißt »Eitel nichts!«. Der vollständige Name des Dichters war Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau (*13. August 1802, 22. August 1850), ein österreichischer Dichter.
Martha Schurtz (wie Anm. 179). Ihre Mutter, Anna Schurtz geb. Falk, war am 25. Februar 1902 verstorben (wie Anm. 115) und Martha hatte mehr oder weniger das gleiche Problem wie Klara Beibler verw. Plöhn: Den Verkauf des Hauses oder gar die Häuser ihrer Eltern.
Hans Theodor Woldsen Storm (* 14. September 1817, † 4. Juli 1888) war ein deutscher Schriftsteller. Mit seiner Lyrik und Prosa gehört er zu den bedeutendsten Autoren des Poetischen Realismus.
Ernst Smithanders, »Der pythagoräische Lehrsatz«. Langenscheidt gab 1926 die vierte, völlig neue Bearbeitung von Smithanders »Land und Leute in Nordamerika. Mit dreifarbigen Karten von den Vereinigten Staaten von Nordamerika, New York und New York mit Umgebung« heraus. 1930 erschien Klara Mays »Mit Karl May durch Amerika«. Kannte Klara Smithanders Buch und ist sie davon beeinflusst beim Schreiben ihres Buches?
Eine oder mehrere dieser Zeilen werden öfters zitiert, sogar in der Kirche. Est ist ein Aphorismus Pestalozzis, aber welchem seiner Werke sind die Zeilen entnommen? (Mir) unbekannt.
Johann Heinrich Pestalozzi (* 12. Januar 1746, † 17. Februar 1827) war ein Schweizer Pädagoge, Philanthrop, Schul- und Sozialreformer, Philosoph und Politiker.
Am Samstag, dem 3. Januar 1902 um 19.30 Uhr besuchten Karl May und Klara Beibler im Opernhaus (wie Anm. 26) »Les contes dHoffmann. Un opéra fantastique en cinq actes« (1851) (»Hoffmanns Erzählungen. Eine Phantastische Oper in 5 Akten«), eine komische Oper von Jakob Jacques Offenbach (* 20. Juni 1819, 5. Oktober 1880), einem deutsch-französischen Komponisten und Cellisten. Sie basiert auf verschiedenen Erzählungen E. T. A. Hoffmanns (vollständig: Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, eigentlich: Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann. * 24. Januar 1776, † 25. Juni 1822), eines bedeutenden deutschen Schriftstellers der Romantik.
Das Libretto der Oper folgt dem Theaterstück, das Jules Barbier (9. März 1825, † 16. Janvier 1901) und Michel Carré (* 20. Oktober 1821, † 28. Juni 1872) 1851 nach drei Erzählungen E.T.A. Hoffmanns verfassten. Hoffmann wird in drei seiner eigenen Geschichten als Protagonist dargestellt: »Der Sandmann«, »Rat Krespel« und »Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde«. Sein moralischer und spiritueller Verfall wird in der Erzählung dreier aufeinanderfolgender Liebesaffären sichtbar: einer leichtfertigen Schwärmerei für die singende mechanische Puppe Olympia; einer echten, aber unerfüllten Liebe zur Sängerin Antonia; und einem passiven Verweilen bei der Kurtisane Giulietta. Diese Erzählungen bilden drei der fünf Akte. Im Prolog und Epilog tritt Hoffmann als Erzähler dieser Geschichten auf, während er auf die Primadonna Stella wartet, die letztlich eine Verschmelzung seiner drei früheren Lieben darstellt. Gleichzeitig wird sein ständiger Begleiter Nicklausse als seine Muse der Dichtung enthüllt. Sein Rivale und Feind Lindorf (der, wie Stella, in jedem Akt in einer anderen Gestalt erscheint) verlässt die Taverne mit Stella am Arm, während Hoffmann betrunken flieht.
Am Montag, dem 19. Januar 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl May und Klara Plöhn im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Monna Vanna« (1902), ein symbolistisches Theaterstück in drei Akten von Maurice Maeterlinck (wie Anm. 312).
Prinzivalle, ein Hauptmann aus Florenz, belagert am Ende des 15. Jahrhunderts Pisa. Er ist ein Träumer, ein Platoniker, ein Liebhaber der Schönheit. In seiner Kindheit begegnete er Monna Vanna, und seine Liebe zu ihr hat bis heute Bestand. Obwohl er ihr Herz berührt hat, hat sie ihn beinahe vergessen und ist als Ehefrau des pisanischen Adligen Guido Colonna glücklich und zufrieden. Prinzivalle ist bereit, die hungernden Pisaner zu speisen, wenn Monna Vanna, nur in einen Mantel gehüllt, nachts zu seinem Zelt geschickt wird. Er möchte, so könnte man vermuten, erfahren, ob sie zu denjenigen gehört – denn er weiß, dass sie im Leben rein war –, die die spirituelle Liebe so gut beherrschen, dass sie den Körper nicht getrennt betrachtet, oder ob sie den gesellschaftlichen Umständen verfallen ist. Dass eine tugendhafte Frau durch das Tragen eines Mantels an Tugend verliert, sollte selbst einen Prüden oder einen Wüstling in der Prüfung beunruhigen. Sei’s drum. Monna Vanna, die keinen Grund hat, Prinzivalles Identität zu hinterfragen, willigt ein. Guido, ein hochherziger, womöglich tugendhafter Mann, nimmt an, dass ihre Ehre geopfert werden soll, obwohl man ihm versichert, dass Prinzivalle sie liebt. Er tobt, fragt, ob denn keine andere Frau genüge, erklärt, unsere Liebe sei eine Lüge gewesen und er müsse alles ertragen; und befiehlt vergeblich, sie in ein Verlies zu bringen, als wäre sie sein Eigentum; d. h., dem Geist des Stücks entsprechend, liebt er sie nicht von ganzem Herzen. Prinzivalle liebt Monna Vanna wirklich. Er rührt sie nicht an. Langsam erinnert sie sich, wie auch er sich an ihre erste Begegnung in einem venezianischen Garten im Juni erinnert. Sie denkt an die spirituelle Unzulänglichkeit ihrer Ehe, aber erst nach langem Streit. Guido habe sie zumindest so glücklich gemacht, wie man es sein kann, wenn man den vagen und extravaganten Träumen entsagt hat, die jenseits des menschlichen Lebens zu liegen scheinen“. Ganz langsam stören Prinzivalles Worte die anfängliche Liebe, die unter dem dünnen, aber schweren Schleier des Eheglücks verborgen liegt. … Im Morgengrauen, mit einem Kuss auf die Stirn, bringt sie ihn zurück nach Pisa, um ihn vor seinen Feinden zu retten. Die Pisaner, die nicht länger hungern, begrüßen Vanna überschwänglich. Doch Guido zeigt keine Freude; die ganze Nacht hat er Rachepläne geschmiedet; er will von ihr die widerliche Geschichte hören, die er sich selbst erzählt hat. Er stößt sie grob zurück, als sie der Menge ihre Geschichte erzählen will. Als er hört, dass ihr Begleiter Prinzivalle ist, jubelt er. Er glaubt, Vanna habe ihm den Feind ausgeliefert. Es gibt doch Gerechtigkeit, sagt sie, größer als Lucrezia oder Judith. Zuerst hält er sie für verrückt, dann für verliebt in Prinzivalle. Daraufhin lässt er seinen Feind ins Verlies werfen und will ihn foltern sehen. Vanna lügt, um Prinzivalles willen, und bittet inständig, ihn allein foltern zu dürfen. Guido glaubt ihr und willigt ein. Ihre letzten Worte gelten ihm, als er ihr den Schlüssel zum Verlies übergibt: Ja, es war ein böser Traum … aber der schöne Traum beginnt. Der schöne Traum beginnt.
Das Ende des Schauspiels bleibt offen (wird der florentinische Hauptmann Prinzivalle gerettet oder nicht?), weshalb Klara May wahrscheinlich von einem eigenartiges Stück schreibt.
Am Dienstag, dem 20. Januar 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl May und Klara Plöhn im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Maria Stuart» von Friedrich von Schiller (wie Anm. 266 und 39). Diesmal das ganze Stück; am 19. Juni 1902 wurde das Schauspiel nach drei Akten abgebrochen wegen des Todes von König Albert (wie Anm. 266 und 267).
Am Mittwoch, dem 21. Januar 1903 um 19.30 besuchten Karl May und Klara Plöhn im Opernhaus (wie Anm. 26) den »Freischütz« von Carl Maria Friedrich Ernst von Weber (* 18. oder 19. November 1786, † 5. Juni 1826), einem deutschen Komponisten, Dirigenten und Pianisten der Romantik.
Die Geschichte spielt um 1648 in Böhmen, kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Max ist ein junger Wildhüter im Dienste des Fürsten Ottokar und gilt als der beste Schütze der Gegend. Doch er ist untröstlich, nachdem er einen Schießwettbewerb gegen Killian, einen einfachen Bauern, verloren hat. Max liebt Agathe, die Tochter des fürstlichen Erbförsters Kuno, und hofft, den Schießwettbewerb am nächsten Tag zu gewinnen. Der Preis dafür ist die Ernennung zum neuen Wildhüter und somit Agathes Hand. Unterdessen hat sein Freund Kaspar, der erste Jägerbursche, seine Seele an den bösen Samiel, den schwarzen Jager (den Teufel), verkauft. Um gerettet zu werden, muss Kaspar ihm eine neue bringen. Vom Teufel in die Enge getrieben, bietet er ihm Max’ Seele an. Unter dem Vorwand, ihm beim Schießwettbewerb zum Erfolg zu verhelfen, nimmt Max von Kaspar magische Kugeln an, die niemals ihr Ziel verfehlen – ohne Kaspars wahre, finstere Absichten zu ahnen. Agathe ist besorgt, doch Annette versucht sie zu beruhigen. Max kommt hinzu und verlässt sie unter dem Vorwand, ein Reh aus der Wolfsschlucht zu holen. Geplagt von schrecklichen Visionen und seltsamen Geräuschen, beschwört Kaspar die sieben Silberkugeln für Max. Doch Max ahnt nicht, dass die letzte Kugel nur Samiels Willen gehorchen wird. Während Agathe betet und sich auf die Hochzeit mit Max vorbereitet, plagen sie Albträume. Annette tröstet sie erneut. Am Tag des Wettkampfs überrascht Max alle mit seinem Können, und der Prinz befiehlt ihm, mit der siebten Kugel eine weiße Taube zu treffen. In diesem Moment tritt Agathe aus dem Dickicht, in dem die Taube sitzt, und ruft ihm zu, nicht zu schießen. Doch Max feuert trotzdem. Die Taube trifft Agathe im Flug, die leblos zu Boden fällt. Zum Glück überlebte sie, da ein alter Einsiedler den tödlichen Schuss auf Kaspar ablenkte, der daraufhin lästerte und von dem finsteren Samiel fortgebracht wurde. Später gestand Max öffentlich, aus Verzweiflung und Schwäche die magischen Kugeln angenommen und so den Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Zur Strafe verhängte der Fürst eine einjährige Wartezeit, bevor er Agathe heiraten durfte.
Am Mittwoch, dem 28. Januar 1903 um 19.39 besuchten Karl May und Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Maria Magdalena» (1844), ein Schauspiel von Friedrich Hebbel (wie Anm. 55).
Tischlermeister Anton erwartet von seiner Familie, dass sie seinen Ruf festigt; er fürchtet nicht, seine Kinder zu verlieren, sondern nur seinen gesellschaftlichen Status. Er behandelt seine Kinder wie Felder. Er sät sie mit dem besten Saatgut und erwartet eine reiche Ernte. Anton beklagt jedoch, dass manche Ernten ausfallen. Klara sollte das Werkzeug sein, mit dem er sich in den Augen der Gesellschaft rehabilitieren konnte, nachdem sein Sohn Karl wegen Schmuckdiebstahls verhaftet worden war. Seine Frau ist in all dem entfremdet und gehorsam. Obwohl sie die Haltung ihres Mannes kritisiert, bleibt sie passiv. Anton bemerkt nicht, dass die Zeit vergeht und dass sich die Rolle der Frau im Laufe der Jahre verändert hat. Der Vater ist die wichtigste Person im Haus. Die Kinder sprechen ihn mit er und die Mutter mit du an. Dies offenbart die tiefe Distanz der Kinder zu ihrem Vater. Der Vater verlangt von seiner Tochter, dass sie wenigstens ein tugendhaftes Leben führt, da sein Sohn ihm längst den Rücken gekehrt hat. Karl identifiziert sich nicht mit den Werten seines Vaters; er erwartet Vorteile zu Lebzeiten, nicht erst nach dem Tod. Anton greift sogar zur Erpressung. Er sagt, er könne alles ertragen außer Schande, sonst werde er Selbstmord begehen. Zum Ende des 1. Aktes klingeln zwei Gerichtsdiener an der Haustür des Tischlers. Sie kommen, um das Haus zu durchsuchen, da Karl unter dem Verdacht steht, Juwelen gestohlen zu haben. Klaras Mutter, die sich gerade von einer schweren Krankheit erholt hat, erfährt von den Vorwürfen gegen ihren Sohn und stirbt infolge des Schocks einen plötzlichen Tod. Im Folgenden betont Klaras prinzipientreuer Vater, dass er von der Schuld seines Sohnes überzeugt ist und von nun an alle seine Hoffnungen auf Klara ruhen. Leonhard dagegen löst seine Verlobung mit der schwangeren Klara, woraufhin sie fürchtet, ihren Vater als einsame Jungfrau mit Kind ins Grab zu schicken. Sie sieht sich selbst als Vatermörderin. Sie zieht es vor, sich und ihr ungeborenes Kind zu opfern. Ihre Rolle als Tochter ist ihr wichtiger als die einer zukünftigen Mutter. Anton ist unglücklich, weil er all seine Erwartungen auf seine Tochter projiziert hat und sie unter mysteriösen Umständen starb (sie beging Selbstmord durch einen Sprung in einen Brunnen). Am Ende des Stücks sagt Anton, er verstehe eine Welt nicht mehr, in der Kinder sich so verhalten. An diesem Punkt zerbricht sein Weltbild.
Prof. Dr. Friedrich Delitzsch (* 3. September 1850, † 19. Dezember 1922) war ein deutscher Assyriologe; er wurde 1877 außerordentlicher Professor der semitischen Sprachen und Assyriologie in Leipzig, 1893 ordentlicher Professor in Breslau und 1899 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Er war Direktor der Vorderasiatischen Abteilung der Königlichen Museen, Mitbegründer und Förderer der Deutschen Orientgesellschaft. Seine besonderen Verdienste liegen in der Erforschung der vorderasiatischen Sprachen und der Förderung der alttestamentlichen Kritik. Er wurde weiten Kreisen durch seine Vorträge über »Babel und Bibel« bekannt.
Friedrich Delitzsch (wie Anm. 317) vertrat er die These, dass das Alte Testament keine eigenstände literarische Schöpfung des jüdischen Volkes sei, sondern ausschließlich eine vereinfachte Wiedergabe der assyriologischen und babylonischen Geschichte darstelle. Vorbild für die Sintflut sei eine historisch nachweisbare Überflutung des Zweistromlandes, dessen literarischer Form man auch im »Gilgamesch-Epos« nachlesen kann und und die 10 Gebote seien den 330 Gesetzen des Hammurabi (* ?, 1750 v. Chr.; von 1792 bis zu seinem Tod war er der 6. König der ersten Dynastie von Babylonien und trug den Titel König von Sumer und Akkad) entnommen. Dieser Babel und Bibel-Streit entfachte in Deutschland von 1902 bis zum Ersten Weltkrieg rege Diskussionen, wobei Delitzschs Thesen besonders heftig von dem Theologen, Bibel- und Sprachwissenschaftler Friedrich Eduard König (* 15. November 1846, † 10. Februar 1936) kritisiert wurden. Friedrich Delitzsch dokumentierte seine These in verschiedenen Schriften und drei Vortragsreisen zwischen 1902 und 1905 durch Deutschland: »Babel und Bibel. Ein Vortrag« (1902), »Zweiter Vortrag über Babel und Bibel« (1903) bzw. »Babel und Bibel. Ein Rückblick« (1904). Karl May und Klara Beibler besuchten am Samstag, dem 31. Januar 1903 um 19.30 Uhr im Vereinshaus (wie Anm. 4) Delitzsch 2. Vortrag. Dieser Vortrag blieb bei Karl May nicht ohne Einfluss und regte ihn zu dem Drama »Babel und Bibel« an. Allerdings floss von den Theorien Delitzsch kaum etwas in Karl Mays Drama ein.
Ein Bibelbuch, bestehend aus zärtlichen, teilweise explizit erotischen Liebesliedern, in denen das Suchen und Finden, das Sehnen und gegenseitige Lobpreisen zweier Liebender geschildert wird.
Ziemlich fehlerhaftes und inkomplettes Zitat aus »Wir Luft-Schiffahrer des Geistes!«, aus: »Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile«, IV.575;. Der richtige Tekst von Nietzsche lautet: Alle diese kühnen Vögel, die ins Weite, Weiteste hinausfliegen – gewiß! irgendwo werden sie nicht mehr weiter können und sich auf einen Mast oder eine kärgliche Klippe niederhocken – und noch dazu so dankbar für diese erbärmliche Unterkunft! Aber wer dürfte daraus schließen, daß es vor ihnen keine ungeheure freie Bahn mehr gebe, daß sie so weit geflogen sind, als man fliegen könne! Alle unsere großen Lehrmeister und Vorläufer sind endlich stehen geblieben, und es ist nicht die edelste und anmutigste Gebärde, mit der die Müdigkeit stehen bleibt: auch mir und dir wird es so ergehen! Was geht das aber mich und dich an! Andre Vögel werden weiter fliegen! Diese unsere Einsicht und Gläubigkeit fliegt mit ihnen ...
Am Mittwoch, dem 4. Februar 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl May und Klara Beibler im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Die Hermannsschlacht» von Heinrich von Kleist (wie Anm. 37).
Hermann (Arminius, * ± 17 v. Chr., ± 21 n. Chr.), der Fürst der Cherusker, wird von zwei Seiten bedrängt. Der Suebenfürst Marbod (* ± 30 v. Chr., 37 n. Chr.), steht im Südosten seines Landes und fordert Tribut von ihm. Der römische Feldherr Varus (vollständig: Publius Quinctilius Varus, * 47/46 v. Chr., † 9 n. Chr.) bedroht ihn mit drei Legionen aus dem Westen und bietet seine Hilfe gegen Marbod an, dem er aber insgeheim angeboten hat, mit ihm gegen Hermann vorzugehen. Die bei Hermann versammelten germanischen Fürsten drängen ihn zum Krieg gegen die Römer, was er aber mit Hinweis auf die militärische Unterlegenheit der Germanen ablehnt. Hermanns Frau Thusnelda (* ± 10 v. Chr., † nach dem 26. Mai 17 n. Chr.; der Frauenname Thusnelda war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in patriotischen Kreisen beliebt, vor allem durch Kleists »Hermannsschlacht«: die Kurz- und Koseform Tussi wurde schließlich ab den 1960er Jahren auch spöttisch für Frauen allgemein verwendet) wird von dem römischen Legaten Ventidius umworben, der heimlich eine Locke ihres blonden Haares abschneidet. Ventidius überbringt ein ultimatives Hilfsangebot der Römer, das Hermann zum Schein schließlich annimmt. Gleichzeitig setzt dieser sich aber mit Marbod in Verbindung, den er über das doppelte Spiel von Varus informiert und dem er anbietet, gemeinsam gegen ihn in den Kampf zu ziehen. Die Römer marschieren in das Land der Cherusker ein und verheeren es. Hermann nutzt das Verhalten der Römer, um den Hass im Volk gegen sie zu schüren. In Teutoburg begegnet er Varus, der sich von ihm täuschen lässt. Marbod zögert zunächst, sich mit den Cheruskern zu verbünden, wird aber zum einen durch die Flucht seiner römischen Berater überzeugt, zum anderen legt Hermann zum Beweis seiner Treue das Leben seiner beiden Söhne in die Hände des Suebenfürsten. Die Vergewaltigung eines germanischen Mädchens nimmt Hermann zum Anlass, das Volk zum Aufstand gegen die Römer aufzurufen. Er zeigt Thusnelda einen Brief von Ventidius, in dem dieser seiner Kaiserin Livia die blonden Haare von Thusnelda verspricht. Die Römer irren durch den Teutoburger Wald und werden von ihren germanischen Verbündeten verlassen. Thusnelda rächt sich an Ventidius, indem sie ihn in das Gehege einer Bärin lockt, die ihn zerfleischt. In der Schlacht im Teutoburger Wald werden die römischen Legionen geschlagen und ihr Feldherr Varus getötet. Die Fürsten bestimmen Hermann zum König, man beschließt sogar nach Rom selbst mutig aufzubrechen.
Johannes Adalbert Fischer (* 3. Dezember 1855, † 7. April 1907) war ein deutscher Verleger. Seine Frau hieß Auguste Sophie Elisabet Fischer geb. Sachse (* 12. September 1860, † 16. Oktober 1907). 1892 gründete er in Leipzig einen eigenen Verlag, den er 1895 bereits wieder verkaufte. Der Buchhändler übernahm 1899 den Münchmeyer-Verlag von der Witwe Pauline Münchmeyer. Erst 1902 erhielt er das Recht, als H. G. Münchmeyer zu firmieren. Dabei kaufte er auch die Rechte an den Kolportageromanen, die – Karl May zufolge – längst an diesen zurückgefallen waren. Da die ursprünglichen Verlagsverträge zwischen Heinrich Gotthold Münchmeyer und Karl May mündlich geschlossen worden waren, zogen sich die folgenden Streitigkeiten über Jahre hinweg. Verschärft wurde das Problem durch die Schund- und Schmutzdiskussion, in die sich May plötzlich verwickelt sieht.
Adalbert Fischer verlegte im Juni 1902 den Sitz des Münchmeyer-Verlages von Dresden nach Niedersedlitz auf die Nordstraße (heute Straße des 17.Juni), zog auch privat nach Niedersedlitz und kaufte die Villa auf der Gartenstraße 4 (heute Lungkwitzer Straße).
Der Kaiserpalast war ein neobarockes Geschäftshaus in Dresden. Es war in den Jahren 1895 bis 1897 für den Apotheker und Unternehmer Friedrich Hermann Ilgen (* 22. Juli 1856, † 15. April 1940) erbaut worden und stand als repräsentativer Kopfbau an der Nordseite des Pirnaischen Platzes zwischen Moritzring und Amalienstraße. Im Dezember 1897 wurde im Ergeschoss das Restaurant Otto Scharfes eröffnet; an gleicher Stelle trieb Scharfe bis 1894 Restaurant und Café Pirnaischer Platz. Bis etwa 1920 befand Restaurant Kaiserpalast sich in diesem Gebäude, danach wurden seine Räumlichkeiten von der Commerzbank genutzt. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 brannte der Kaiserpalast aus und wurde 1951 abgerissen; an seiner Stelle befinden sich heute Grün- und Verkehrsflächen.
Ida Pauline Münchmeyer geb. Ey (* 14. Juni 1840, † 17. Mai 1928) war die Ehefrau, später Witwe, des Kolportageverlegers Heinrich Gotthold Münchmeyer (wie Anm. 18) und dessen Erbin. Sie führte zahlreiche Prozesse gegen Karl May durch, die erst nach Mays Tod endeten.
Julius Arthur Schubert (* 8. Juni 1874, † 1. Dezember 1956) war durch seine Ehe mit Charlotte Louise Emmy Fischer (* 30. August 1883, ?;; Heirat am 15. April 1905) Schwiegersohn und - nach dem Tod von Adalbert und Elisabet Fischer - Erbe und Geschäftsführer des Verlages H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18).
Carl Julius Otto Freitag (* 9. September 1839, † 26. April 1899) war ein Dresdner Redakteur und Schriftsteller; von 1873 bis 1875 war er als Redakteur für den Verlag H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18) tätig. Er betreut für diesen die Zeitschriften Der Beobachter an der Elbe sowie den nur kurzzeitig bestehenden Der Nachtwächter an der Elbe und ist laut späteren Erinnerungen von Karl May auch für die Abfassung (eigentlich aber mehr für die Plagiierung einer Berliner Vorlage) des »Venustempels« verantwortlich.
Das anonym im Verlag von Heinrich Gotthold Münchmeyer (wie Anm. 18) in Dresden erschienene »Buch der Liebe. Wissenschaftliche Darstellung der Liebe nach ihrem Wesen, ihrer Bestimmung, ihrer Geschichte und ihren geschlechtlichen Folgen, nebst eingehender Besprechung aller Geschlechts-, Frauen- und Kinderkrankheiten mit besonderer Berücksichtigung des Wochenbettes nebst Anleitung zur Heilung sämmtlicher Krankheiten. Geschrieben und herausgegeben nur für erwachsene und wissenschaftlich gebildete Leute«. Es enthält zwar auch Texte, die nicht von May stammen, ist jedoch das erste Buch, das er als verantwortlicher Redakteur veröffentlichte. Entstanden ist es, weil Münchmeyer das in seinem Verlag vertriebene, jedoch in Preußen und Österreich-Ungarn verbotene Aufklärungswerk »Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung. Mit besonderer Berücksichtigung der Syphilis, ihrer Entstehung und Folgen. Mit über 100 allopathischen, sowie homöopathischen Recepten versehen, zur Heilung aller Krankheiten, welche die Geschlechtsorgane« trotzdem noch – wegen der Zensur teilweise in neuem Gewand – verwerten wollte. May teilte den vorhandenen Text in drei Teile und entschärfte ihn, indem er durch eigene Passagen neue Aspekte hineinbrachte und die bereits vorhandenen Texte neu zusammenstellte.
Die erste Abteilung (ohne titel) ist möglicherweise vollständig von Karl May, die zwete Abteilung (Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung. Mit besonderer Berücksichtigung der Syphilis, ihrer Entstehung und Folgen) ist vermutlich nicht von May, sondern höchstens von ihm bearbeitet und die dritte Abteilung (Die Liebe nach ihrer Geschichte. Darstellung des Einflusses der Liebe und ihrer Negationen auf die Entwicklelung der menschlichen Gesellschaft ist mit Sicherheit teilweise von May verfasst.
Johann August Wilhelm Walther (* vermutlich 1. August 1827, † 7. Februar 1900 in Dresden) wurde von Karl May als Faktotum Münchmeyers bezeichnet; Walther arbeitete mit Unterbrechungen seit 1863 im Verlag H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18).
Louis Max Ludwig (* 4. Oktober 1856; † 30. April 1923) war ein Posamentenfabrikant und später Königlich Sächsischer Hoflieferant in Dresden und ein enger Freund der Familie Münchmeyer, in deren Verlag er zeitweilig arbeitete. Bei zahlreichen Prozessen Karl Mays trat Ludwig als Zeuge auf. Max Ludwig war der Lebensgefährte von Anna Marie Jäger (* 1860, † 1908), der seit 1900 verwitweten ältesten Tochter Heinrich Gotthold und Pauline Münchmeyers (oder August Walthers und Pauline Münchmeyers?). Angeblich war Ludwig der Vater Anna Maries Kindes Heinrich Rudolf Jäger (* 1898, † ?).
Emma Bertha Gorsch (* 1877, † 1902), später Frau Peters, arbeitete 1894 im Haushalt der Jägers, im Jagdweg 13II; sie wurde im Rahmen der verschiedenen Prozesse May ./. Münchmeyer 1910 als Zeugin gesucht.
Rudolf Hermann Jäger (* 15. April 1853, † 21. Juli 1900) war Buchhändler. Zeitweilig war er Prokurist des Münchmeyer-Verlags (wie Anm. 18) und Leiter der Niederlassung in Berlin in der Ruppiner Straße 44, die Karl May - vermutlich - 1875 besuchte. Jäger heiratete am 1. Dezember 1883 (standesamtlich schon am 15. April d.J.) in der Dresdner Annenkirche die älteste der Münchmeyer-Töchter, Anna Marie. Am 15. September 1898 wird ihnen ein Sohn, Heinrich Rudolf Jäger, geboren.
Eduard Moritz Lilie (* 24. Januar 1835, † 11. August 1904; Pseudonyme: M. L. von Chemnitz und Moritz Rose) war ein Schriftsteller und Redakteur sowie 1890/91 ein Nachbar und Kegelbruder von Karl May. Karl May unterstützte den armen Schriftsteller Namens Lilie [...] einige Jahre lang [...], ohne daß ich andere Leute Etwas davon merken ließ (»Frau Pollmer, eine psychologische Studie«, S. 934); 1892 kam es zum Bruch zwischen May und Lilie; Lilie war laut Karl May Derjenige, der Herrn Adalbert Fischer verführte, meine Werke von Pauline Münchmeyer zu kaufen (»Frau Pollmer, eine psychologische Studie«, S. 935). Möglicherweise wusste Fischer durch Moritz Lilie über Mays Vorstrafen Bescheid.
Oskar Hermann Gerlach (* 20. Juli 1870, † 27. September 1939) war Jurist und Notar in Dresden (Mathildenstraße 43II; ab 1906 Große Brüdergasse 2II); er wurde Rechtsanwalt der Pauline Münchmeyer und des Adalbert Fischer im Streit gegen Karl May. Auch Rechtsanwalt Dr. Felix Bondi (* 26. Oktober 1860, 17. Januar 1934; Wilsdruffer Straße 1II, Dresden) vertrat bei diesem Prozess Pauline Münchmeyer.
Paul Richard Alwin Eichler (* 17. Juni 1859, † 12. Januar 1912) war der Leiter der amerikanischen Dependancen des Münchmeyer-Verlages (wie Anm. 18) in Chicago und New York. Später gründete er einen eigenen Verlag in Dresden, Rosenstraße 107. Ab 1905 hatte er mit seinen Heftromanen über Buffalo und ab 1906 über Nick Carter einen Riesenerfolg in ganz Europa. Bei der Zeugenvernehmung am 18. März 1903 in Berlin machte Alwin Eichler eine Aussage gegen May.
Gemeint ist Emilie Kundert, eine Bekanntschaft Emma Mays, als diese 1902 nach der Trennung von Karl May allein auf der Mendel war. Die beiden Frauen lebten nicht im selben Hotel, trafen einander aber auf Spaziergängen. Sie schrieb am 8. Oktober 1902 aus Florenz einen langen Brief an Emma, in dem sie ihr rät, ihr Geschick zu ertragen und auf einen Anwalt zu verzichten.
Oskar Theodor Schaale (* 1847, 1909) war der Standesbeamte; 1896 war er noch Kirchenrechnungsführer der Kirche zu Radebeul (ab 1934: Lutherkirche). Trauzeugen waren Polizeiwachtmeister Bamnjamin Kiesel (* 1863, 1934) und der Gemeinderats-Registrator Richard Gustav Löffler (* 1875, 1944). Die Trauung fand am Montag, dem 30. März 1903 um 16.00 Uhr statt, das heißt: Außerhalb der normalen Behördenzeit.
Die kirchliche Trauung fand am Dienstag, dem 31. März 1903 in der Kirche zu Radebeul (ab 1934: Lutherkirche) statt, ohne Zuschauer, außer Wilhelmine Beibler (wie Anm. 271) und dem Pfarrer, Karl Hermann Hingst (* 1. Januar 1844, † 14. Dezember 1916). Dem Entschluss zur Ehe war eine spiritistische Erlaubnis am (vorübergehenden) Grab Richard Plöhns vorausgegangen.
»Komm, Liebling, komm, wir wollen scheiden gehen«, später auch »Karl für mich«, »Karl May an Klara May« und »Am Hochzeitstag« genannt, ist ein Gedicht von Karl May, geschrieben am 15. Dezember 1902 in Riva zur Gelegenheit der zukünftigen Hochzeit von Karl und Klara May am 30. März 1903. Offenbar stand der Beschluss zur Hochzeit schon im Dezember 1902 fest, obwohl Karl May noch nicht einmal offiziell geschieden war von seiner ersten Frau Emma.
Klara May trug das Gedicht erst am 30. März 1903 unter der Titel »Karl für mich« in ihr Tagebuch ein. Zu Mays Lebzeiten wurde dieses Gedicht nicht veröffentlicht, sondern erst im »Karl-May-Jahrbuch 1919«, S. 249–251. Hier erhielt es die Überschrift »Karl May an Klara May«.
Merkwürdig ist der letzte Zeile: Der Todestag ist unser Hochzeitstag: Karl May sollte neun Jahre später, genau am 30. März 1912, sterben.
Auch die Zeilen Er ladet uns zur stillen Jahreswende, zum neuen Sein dort in der andren Welt klingen wie eine Prophezeihung: Klara May starb am 31. Dezember 1944.
Dr. Josef Weigl (* 5. August 1870, † 1933) war Arzt in München und erster Vorsitzender des dortigen Karl-May-Clubs. Er lernte Karl May kennen während dessen Münchenbesuchs im Juni 1897; mit seinem Bruder Franz Weigl komponierte er einen »Old-Shatterhand-Marsch«, die Clubhymne des Karl-May-Clubs. 1903 und 1905 besuchte er May in Radebeul.
Bertha Margarete Rosalie Freitag (* 14. März 1870, † unbekannt; auch Rosa Freitag) war die jüngste Tochter von Otto Freitag (wie Anm. 333), von 1873 bis 1875 Redakteur beim Verlag H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18). Rosalie war von 1888 bis 1891 als Vorleserin bei Münchmeyer beschäftigt, aber ab 1902 arbeitete sie als Wirtschafterin und/oder Prostituierte in Dresden. Am 7. Juni 1902 gibt Rosalie Freitag für Karl May bei Anwalt Rudolf Bernstein (wie Anm. 130) eine Erklärung ab, dass Heinrich Gotthold Münchmeyer selbst die Bearbeitungen an den Kolportageromanen vorgenommen habe; in dem Zusammenhang erwähnte sie auch, dass Heinrich Gotthold Münchmeyer das »Waldröschen« selbst begonnen habe. Wenig später erklärte sie gegenüber Fischers Anwalt Friedrich Hans Alexander Kohlmann (* 17. Januar 1875, † 1956; er war seit Frühlahr 1902 der Anwalt Adalbert Fischers), May hätte sie zur Falschaussage angestiftet, aber später widerruft sie diese Behauptung. Am 4. April 1903, am 11. Februar 1904 und am 21. Oktober 1905 sagt sie dann vor Gericht zu Mays Gunsten aus. Ihr Leben als Prostituierte kann ihre Aussage nicht diskreditieren.
Restaurant Kgl. Belvedere, Brühlsche Terrasse, Dresden. Es war schon das 4. Belvedere, erbaut 1842, und war ein wunderbares, zweistöckiges Neorenaissancegebäude, das ein Theater, eine Banketthalle, ein Restaurant und eine Galerie mit Aussicht umfasste. An diesem fürchterlichen 13. Februar 1945 fiel es den Bomben zum Opfer.
Am Sonntag, dem 10. Mai 1903 von 15.30 bis 18.00 Uhr besuchten Karl und Klara May im Residenztheater (wie Anm. 197) »Gengangere. Et familjedrama i tre akter« (1881) (»Gespenster. Ein Familiendrama «) is ein Theaterstück von Henrik Ibsen (wie Anm. 359).
Helen Alving steht kurz vor der Einweihung eines Waisenhauses, das sie zum Gedenken an ihren verstorbenen Ehemann, Kapitän Alving, errichten ließ. Trotz der Affären ihres Mannes blieb Mrs. Alving bei ihm, um ihren Sohn Oswald vor einem Skandal zu schützen und aus Angst vor der Ächtung durch die Gemeinde. Im Laufe des Stücks entdeckt sie, dass Oswald (den sie fortgeschickt hatte, um ihn vor dem Einfluss seines Vaters zu bewahren) an Syphilis leidet, die er ihrer Ansicht nach von seinem Vater geerbt hat. Sie erfährt außerdem, dass Oswald sich in ihre Zofe Regina Engstrand verliebt hat, die sich als uneheliche Tochter von Kapitän Alving und somit als Oswalds Halbschwester herausstellt. Eine Nebenhandlung dreht sich um den Zimmermann Jacob Engstrand, der Reginas Mutter heiratete, als diese bereits schwanger war. Er betrachtet Regina als seine eigene Tochter. Er weiß nicht – oder gibt vor, es nicht zu wissen –, dass Kapitän Alving Reginas Vater ist. Nachdem Engstrand kürzlich den Bau von Mrs. Alvings Waisenhaus abgeschlossen hat, verkündet er seinen Plan, ein Wohnheim für Seeleute zu eröffnen. Er versucht, Regina zu überreden, Mrs. Alving zu verlassen und ihm bei der Leitung des Wohnheims zu helfen, doch sie weigert sich. Am Abend vor der geplanten Eröffnung bittet Engstrand Pastor Manders, dort ein Gebetstreffen abzuhalten. Später in dieser Nacht brennt das Waisenhaus nieder. Manders hatte Mrs. Alving zuvor davon überzeugt, das Waisenhaus nicht zu versichern, da dies einen Mangel an Vertrauen in die göttliche Vorsehung bedeuten würde. Engstrand behauptet, der Brand sei durch Manders' Unachtsamkeit mit einer Kerze verursacht worden und bietet an, die Schuld auf sich zu nehmen, was Manders bereitwillig akzeptiert. Im Gegenzug bietet Manders Engstrand seine Unterstützung für das Wohnheim an. Als die Geschwisterbeziehung zwischen Regina und Oswald aufgedeckt wird, verlässt Regina das Waisenhaus und lässt Oswald in tiefer Verzweiflung zurück. Er bittet seine Mutter, ihm zu helfen, eine tödliche Morphiumüberdosis und damit das fortgeschrittene Stadium der Syphilis zu verhindern. Sie stimmt zu, aber nur, wenn es notwendig wird. Das Stück endet damit, dass Mrs. Alving vor der Entscheidung steht, ob sie ihren Sohn gemäß seinem Wunsch einschläfern soll oder nicht.
Am Montag, dem 11. April 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Residenztheater (wie Anm. 197) »Rosenmontag. Eine Offiziers-Tragödie in fünf Akten« (1900), ein Theaterstück von Otto Erich Hartleben.
Leutnant Hans Rudorff ist in Gertrude Reimann, die einfache Handwerkertochter, verliebt. Diese Beziehung wird durch die Intrigen seiner Cousins Paul und Peter zerstört. Sie erzählen Gertrude, Hans sei bereits mit einer anderen Frau verlobt und sie habe eine Affäre mit einem anderen Offizier. Daraufhin verlobt sich Hans, dem Wunsch seiner Familie entsprechend, mit Käthe Schmitz, der Tochter eines Geheimen Rates. Später entdeckt Hans die Lügen seiner Cousins und gewinnt Gertrude zurück. Da er dem Oberst und dessen Familie sein Ehrenwort bezüglich seiner Verlobung mit Käthe gegeben hat, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich und Gertrude zu töten. Das Drama bezieht seine Kraft aus der detaillierten und realistischen Darstellung des Offiziersalltags in einer preußischen Kaserne im Rheinland. Die Handlung ist ein sentimentales Liebesdrama, in dem die Charaktere größtenteils schematisch und ohne Entwicklung gezeichnet sind und die Ereignisse mitunter unlogisch erscheinen. Es basiert auf der Grundstruktur von Schillers (wie Anm. 39) »Kabale und Liebe« und enthält außerdem ein direktes Zitat aus Gottfried Kellers (Gottfried Keller, * 19. Juli 1819, † 15. Juli 1890, ein Schweizer Maler, Dichter und Politiker) »Der grüne Heinrich«, das nicht als solches gekennzeichnet ist.
Am Mittwoch, dem 8. Juli 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Residenztheater (wie Anm. 197) »Die Ahnfrau. Trauerspiel in fünf Aufzügen« (1817), einem Theaterstück von Franz Grillparzer (wie Anm. 72).
Die Hauptpersonen sind Graf Zdenko von Borotin, seine Tochter Berta, Jaromir, Boleslav, Kastellan Günther, ein Hauptmann, ein Soldat und die Ahnfrau des Hauses Borotin. Der Graf erzählt seiner Tochter von der Sage der Ahnfrau, die dazu verdammt ist, solange zu wandeln, bis der letzte Zweig des Stammes der Borotin verschwindet; und Berta ist die einzige Nachkommende der Borotin. Berta liebt Jaromir und der Graf akzeptiert diese Liebe. Jaromir ist jedoch ein gesuchter Räuberhauptmann. Als der Graf von Räubern schwer verletzt wird, stellt sich heraus, dass Jaromir der Sohn des Grafen und Berta somit seine Schwester ist. Überwältigt von Verzweiflung begeht Berta Selbstmord. Jaromir findet sie tot in der Grabkammer des Schlosses und sinkt leblos neben ihr hin. Die Sage der Ahnfrau ist somit wahr geworden. Als Vorlage diente dem Autor eine südböhmische Legende unter dem Titel »Pramáti« (Die Ahnin), die sich auf die Burg Borotín im Bezirk Tábor in Südböhmen bezieht.
Am Freitag, dem 10. Juli 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Residenztheater (wie Anm. 197) »Kean, ou Désordre et génie» (1836) (»Kean oder Genie und Leidenschaft«) von Alexandre Dumas père (* 24. Juli 1802, 5. Dezember 1870), einem französischen Schriftsteller und Dramatiker.
Amy, Herzogin Goswill, informiert ihre Freundin und Gastgeberin Gräfin Helena Koefeld über Gerüchte, sie sei übermäßig mit dem berühmten Schauspieler Edmund Kean (* 4. November 1787, 15. Mai 1833) beschäftigt. Graf Koefeld, ein deutscher Diplomat, teilt seiner Frau mit, dass er Kean zum Abend eingeladen hat. Kurz darauf erhält er jedoch einen Brief, in dem ihm die Absage des Schauspielers mitgeteilt wird. Der Prinz von Wales berichtet, dass Lord Mewill vergeblich seine Hochzeit mit Anna Dumby vorbereitet, da seine Geliebte gerade mit dem Star der englischen Bühne, Edmund Kean, durchgebrannt ist. Lady Goswill vermutet, dass dies der Grund für Keans Absage ist, als dieser plötzlich vor der Tür steht. Kean holt Annas Brief und bittet Gräfin Koefeld, ihn zu lesen und für Annas Unschuld zu bürgen. Als er mit Helena allein ist, erlaubt er ihr auch, den Brief auf der Rückseite zu lesen, in dem er ihr seine Liebe gesteht und sie um ein Treffen in seiner Garderobe bittet. Helena verspricht zu erscheinen. Die nächste Gästin ist eine verschleierte Dame, Anna Dumby, die um Hilfe bittet. Gegen ihren Willen soll sie, dem Wunsch ihres Vormunds entsprechend, mit Lord Mewill verheiratet werden. Gestern ist sie von zu Hause weggelaufen und hat bei ihrer Tante Zuflucht gesucht, doch sie fürchtet, ihr Versteck könnte entdeckt werden. Sie möchte Schauspielerin werden, aber Kean versucht, ihr diesen Wunsch auszureden. Lord Mewill bucht ein Zimmer in Peter Patts Gasthaus für eine verschleierte Dame, die heute Abend eintreffen wird. Kean trifft kurz nach ihm ein, eingeladen zu einer Taufe. Anna kommt im Gasthof an und bekommt ein Zimmer. Kean überfällt Lord Mewill, reißt ihm die Maske vom Gesicht und fordert ihn zum Duell. Der Lord hält ihn jedoch nicht für würdig. Kean bricht in eine fulminante Tirade über die Adligen aus, die, um ihr Spielvermögen zu retten, schändliche Taten begehen, und lässt den Lord entkommen.
Er überlegt, die Schauspielerei aufzugeben und als Akrobat auf die Straße zurückzukehren. Gräfin Koefeld besucht Kean. Da sie ihn nicht oft genug sehen kann, bringt sie ihm ihr Porträt. Kean macht ein Eifersuchtsdrama, weil sie in letzter Zeit zu oft mit dem Prinzen von Wales gesehen wurde, und entschuldigt sich dann. Es klopft an der Tür, und Kean versteckt die Gräfin. Der Prinz von Wales und Graf Koefeld treten ein. Während ihres Gesprächs findet der Graf den Fächer seiner Frau und steckt ihn unauffällig in seine Tasche. Lady Koefelds Zofe, die den ihr vom Prinzen von Wales geschenkten Fächer dort zurückgelassen hatte, späht in die Garderobe. Kean zögert seinen Auftritt, da er unsicher ist, wie er die Gräfin warnen soll. Das Publikum pfeift, und der Regisseur droht dem Schauspieler mit Gefängnis, sollte er nicht auftreten. Schließlich willigt Kean ein, von seinen Freunden überredet. Der Regisseur führt die Szene der Trennung von Romeo und Julia vor. Kean und sein Freund spielen die Abschiedsszene. Plötzlich gerät er in Wut auf den Prinzen von Wales und wirft ihm vor, keine Frau passieren zu lassen, ohne sie zu verführen. Auch Lord Mewill beschuldigt er eines abscheulichen Entführungsversuchs. Dann fällt er in Ohnmacht und wird hinter die Bühne getragen. Der Regisseur verkündet das Ende der Vorstellung aufgrund des Blackouts des Schauspielers. Salomon überzeugt Keans Begleiter, dass der Schauspieler verrückt geworden sei, um ihn vor dem Zorn des Prinzen zu schützen. Kean weigert sich jedoch, sich zu verstecken. Er ist bereit, ins Gefängnis zu gehen. Unterdessen ist er vor Angst außer sich und wartet vergeblich auf Helena. Als die verschleierte Dame endlich erscheint, entpuppt sie sich als Anna. Sie hat ihr Vermögen von ihrem Vormund an sich gerissen und segelt nach New York, wo sie hofft, im Theater Arbeit zu finden. Kean beschließt, Anna nach New York zu folgen. Anna ist überglücklich.
Am Mittwoch, dem 15. Juli 1903 (nicht: dem 16. Juli) um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Residenztheater (wie Anm. 197) »La vida es sueño« (1635) (»Das Leben ein Traum«) von Pedro Calderón de la Barca (vollständig: Don Pedro Calderón de la Barca y Barreda González de Henao Ruiz de Blasco y Riaño, * 17. Januar 1600, 25. Mai 1681), einem spanischen Dichter und Dramatiker. In der Bearbeitung vom Karl-May-Verlag von »Am Rio de la Plata« wurde Mays ursprünglicher Text Dem Fremden klingen diese wohllautenden Worte sehr angenehm in das Ohr; wenn man sie aber in das Deutsche übersetzt, so verschwindet die Poesie und das Imponierende. Don Gänseschmalz von Ofenruß, Donna Maria Affensprung von Hobelspan und ähnliche Namen haben nur im Spanischen Wohlklang, aber im Deutschen nicht. (S. 165) ersetzt durch Dem Fremden klingen diese Wörter wohltönend ins Ohr; wenn man sie aber übersetzt, so verschwindet die Poesie. Ein Beispiel dafür bildet der Name Calderons, der im vollen Umfang Calderon de la Barca lautete. Das heißt auf Deutsch: Kesselchen vom Kahn. (»Am Rio de la Plata«, Bamberger Edition, 1005. Tausend, S. 139/140; vollständig ist der Name Calderon de la Barca allerdings nicht, wie oben erwähnt.
Basilio, der König von Polen und Amateurastronom, liest aus den Sternen, dass die Geburt seines einzigen Sohnes Segismundo unter schlechten Vorzeichen steht. Aus Sorge, der Sohn werde als sein Nachfolger eine Tyrannenherrschaft über Polen ausrufen, lässt er Segismundo bereits als Kind in ein Turmverlies werfen, in dem dieser die Welt ausschließlich aus den Erzählungen des ihm zum Lehrmeister bestellten Clotaldo kennenlernt. Als Basilio älter wird und sich die Nachfolgefrage stellt, beschließt der König, seinen Sohn und die Sterne doch auf die Probe zu stellen. Unter der Einwirkung eines Schlafmittels wird Segismundo zum ersten Mal und unvermittelt ins Königsschloss gebracht und mit allen Mitteln und Annehmlichkeiten der Macht ausgestattet. Über seine wahre Identität und Geschichte aufgeklärt, lässt Segismundo die Befürchtungen seines Vaters wahr werden. Kaum an die Macht gekommen, regiert der Sohn mit Mord und einer versuchten Vergewaltigung. Segismundo wird erneut in den Kerker geworfen. Um ihn zu trösten, soll ihm der Tag seiner Regentschaft nur als ein kurzer Traum erscheinen, aus dem er nun erneut in der Gefangenschaft erwacht. Als Aufständische Segismundo kurze Zeit später abermals aus seinem Gefängnis befreien und ihn erneut zum Regenten küren, hat Segismundo jedoch aus seinen Erfahrungen gelernt. Nach dem Kampf gegen die Truppen des Vaters erweist er sich bei der neuerlichen Verwirklichung seines Traums als weiser und gerechter Herrscher.
Es muß sich um Dr. Josef Weigl handeln (wie Anm. 329), denn der hatte am 5. August Geburtstag); im Karl-May-Wiki steht stand, dass sein Bruder Dr. Franz Xaver Weigl (* 21. November 1878, † 1952), der Pädagoge und Stadtschulrat, im August 1903 zu Besuch in Radebeul war, was nicht stimmen kann wegen des Geburtstages.
Am Montag, dem 14. September 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 4) »En Folkefiende« (1882) (»Ein Volksfeind«) von Henrik Ibsen.
Dr. Thomas Stockmann ist der leitende Arzt eines kürzlich eröffneten Kurortes in einer Kleinstadt. Das Stück beginnt mit einem Abendessen, zu dem Dr. Stockmann und seine Frau Katrine einladen. Unter den Gästen befinden sich Dr. Stockmanns Bruder Peter (der Bürgermeister) und Hovstad (der Zeitungsredakteur). Peter fragt Stockmann nach einem Gerücht, Hovstad wolle einen Artikel des Arztes über die Kurbäder veröffentlichen. Petra, Dr. Stockmanns Tochter, bringt einen Brief mit Laborergebnissen, die Dr. Stockmanns Verdacht bestätigen, dass das Kurwasser mit Bakterien verunreinigt ist. Hovstad willigt ein, Dr. Stockmanns Artikel zu veröffentlichen, obwohl die Veröffentlichung der Wahrheit die Schließung der Kurbäder und damit negative Folgen für die Wirtschaft der Stadt nach sich ziehen könnte. Dr. Stockmann reagiert gemischt auf diese Ereignisse, freut sich aber letztendlich darüber, den Schaden, den das verunreinigte Wasser angerichtet hätte, verhindert zu haben. Am nächsten Morgen kommt Morten Kiil, Dr. Stockmanns Schwiegervater, vorbei, um ihm zu dem zu gratulieren, was Kiil für einen ausgeklügelten Scherz hält. Die Behauptung, die Bäder seien verdorben, hält er nämlich für zu absurd, um wahr zu sein, insbesondere nicht für den Bürgermeister. Hovstad und der Drucker Aslaksen besuchen den Arzt, um ihre Unterstützung zu bekräftigen und ihm ihren Dank auszusprechen. Die Zeitung will die Stadtverwaltung konfrontieren und ihre Korruption aufdecken, und diese Gelegenheit ist ein guter Anfang. Peter trifft ein und erklärt Dr. Stockmann, dass er, sollte er den Artikel aus Eigennutz veröffentlichen, eine Mitschuld am Niedergang der Stadt tragen wird. Peter drängt Dr. Stockmann, das große Ganze zu bedenken, den Artikel zurückzuziehen und das Problem auf diskretere Weise zu lösen. Dr. Stockmann weigert sich; Peter warnt ihn vor schrecklichen Konsequenzen für seine Familie und ihn selbst. In der Redaktion diskutieren Hovstad und der Redakteur Billing die Vor- und Nachteile der Veröffentlichung von Dr. Stockmanns Artikel. Dr. Stockmann trifft ein und fordert die Veröffentlichung des Artikels.
Bei einer Bürgerversammlung in Captain Horsters Haus will Dr. Stockmann den Bürgern seinen Bericht über die Wasserversorgung vorlesen. Dr. Stockmann hält er eine leidenschaftliche Rede über die soziale Evolution. Er behauptet, neue, wahrheitsgemäße Ideen würden stets verurteilt, aufgrund der kolossalen Dummheit der Obrigkeit und der Engstirnigkeit der kompakten liberalen Mehrheit des Volkes, die man genauso gut ausrotten könne. Das Publikum fühlt sich durch diese Anschuldigungen beleidigt, und die Wut steigt. Am Ende der Versammlung rebelliert das Publikum und ruft wiederholt: „Er ist ein Volksfeind!“ Dr. Stockmann teilt seinem Schwiegervater Kiil mit, dass seine Gerberei den Großteil der Giftstoffe in die Bäder leitet. Als die Menge den Saal verlässt, hört man Stimmen, die drohen, Stockmanns Fenster einzuschlagen. Am nächsten Morgen ist Dr. Stockmanns Haus, insbesondere sein Arbeitszimmer, schwer beschädigt, denn die Stadt hat sich gegen seine Familie und ihn gewandt. Der Vermieter setzt sie vor die Tür; Petra wurde wegen ihrer progressiven Ansichten als Lehrerin entlassen. Peter kommt mit einem Schreiben des Vorstands des Kurzentrums, in dem sein Vertrag gekündigt wird, und einem Beschluss der Eigentümergemeinschaft, der besagt, dass niemand mehr Dr. Stockmann in dieser Stadt einstellen soll. Dr. Stockmanns Schwiegervater, Morton Kiil, erscheint und verkündet, dass er gerade mit dem Geld, das er seiner Tochter und seinen Enkelkindern hinterlassen wollte, Anteile am Kurzentrum erworben hat. Kiil hofft, dass dies seinen Schwiegersohn dazu bringt, seinen Kampf gegen den Bankrott des Kurzentrums und für eine sichere Zukunft seiner Familie einzustellen. Dr. Stockmann weist Kiils Drohung zurück und ignoriert auch Peters Rat, die Stadt für einige Monate zu verlassen. Katrine sagt Dr. Stockmann, sie befürchte, die Leute würden ihn aus der Stadt vertreiben. Dr. Stockmann erwidert jedoch, dass er beabsichtige zu bleiben und ihnen klarzumachen, dass Zweckmäßigkeitserwägungen Moral und Gerechtigkeit auf den Kopf stellen. Abschließend erklärt er sich selbst zum stärksten Mann der Stadt, weil er allein bestehen könne.
Am Mittwoch, dem 16. September 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 4) »The Merchant of Venice« (1598) (»Der Kaufmann von Venedig«) von William Shakespeare (wie Anm. 74).
Bassanio, ein junger Venezianer, möchte nach Belmont reisen, um um Portias, die reiche Erbin, Hand anzuhalten. Er leiht sich 3.000 Dukaten von seinem Freund, dem Kaufmann Antonio. Da sich alle seine Schiffe auf See befinden, leiht sich Antonio die Summe von dem jüdischen Geldverleiher Shylock. Shylock hasst Antonio, weil dieser zinslos Geld verleiht und ihn ständig schlecht behandelt. Er stellt eine Bedingung: Sollte Antonio in Zahlungsverzug geraten, darf Shylock ihm ein Pfund Fleisch abverlangen. Bassanio versucht, ihn von dem Geschäft abzubringen, doch Antonio, überrascht von der vermeintlichen Großzügigkeit des Geldverleihers, unterzeichnet den Vertrag. Um seiner Tochter eine unglückliche Ehe zu ersparen, hat Portias Vater eine Prüfung für die Freier ausgearbeitet: Sie müssen zwischen drei Kästchen wählen – einem aus Gold, einem aus Silber und einem aus Blei – und versprechen, zu gehen, falls sie die falsche Wahl treffen. Zwei Kandidaten scheitern, doch Bassanio wählt, unterstützt von Portia, das richtige Kästchen. Inzwischen erreicht die Nachricht Venedig, dass Antonios Schiffe verloren gegangen sind und er seinen Kredit daher nicht fristgerecht zurückzahlen kann. Shylock ist entschlossener denn je, sich an den Christen zu rächen, seit seine Tochter Jessica aus ihrer Heimat geflohen ist, um zum Christentum zu konvertieren und sich Lorenzo anzuschließen. Sie nahm einen Großteil ihres Vermögens mit. Mit dem Vertrag in der Hand lässt Shylock Antonio verhaften und vor den Dogen bringen. In Belmont haben Portia und Bassanio gerade geheiratet, zusammen mit ihren Freunden Gratiano und Nerissa, Portias Zofe. Sie erhalten einen Brief, der sie über Antonios Notlage informiert. Bassanio und Gratiano kehren mit Geld, das Portia ihnen geliehen hat, nach Venedig zurück, um Antonio zu retten. Was Bassanio und Gratiano nicht ahnen: Portia und Nerissa reisen als Männer verkleidet nach Venedig. Vor dem Dogenhof lehnt Shylock Bassanios Angebot ab, ihm 6.000 Dukaten (das Doppelte des geliehenen Betrags) im Tausch gegen Antonios Schulden zurückzuzahlen, und fordert stattdessen sein Pfund Fleisch. Der Doge, der Antonio retten, aber keinen gefährlichen Präzedenzfall durch Vertragsbruch schaffen will, sucht Rat bei Balthazar, einem jungen Doktor der Rechte. Balthazar ist in Wahrheit Portia in Verkleidung, und seine Schreiberin ist niemand anderes als Nerissa. Portia fleht Shylock um Gnade an, doch er bleibt stur, und das Gericht gibt ihm sein Pfund Fleisch. Jeder der Männer willigt widerwillig in die Amputation eines Pfundes Gesäß ein, doch Shylock, der behauptet, der Vertrag lege die genaue Stelle der Amputation nicht fest, verlangt, Antonio das Herz herausnehmen zu dürfen. Gerade als Shylock sich entscheiden will, bemerkt Portia, dass der Vertrag ein Pfund Fleisch vorsieht, nicht mehr und nicht weniger: Sollte auch nur ein Tropfen Blut vergossen werden, trüge er die Schuld. Shylock nimmt die Geldentschädigung an, doch Portia erinnert ihn daran, dass er auf dieses Recht verzichtet hat und dass für seinen versuchten Mord an Antonio sein Besitz konfisziert und sein Leben dem Dogen ausgeliefert wird. Der Doge begnadigt Shylock, und dank der Großzügigkeit aller Beteiligten wird ein Kompromiss erzielt. Bassanio erkennt Portia nicht und bietet dem Doktor des Gesetzes, der seinen Freund gerettet hat, aus Dankbarkeit an, was immer er sich wünscht. Balthazar-Portia weigert sich zunächst, doch als Portia nicht lockerlässt, verlangt er Ring und Handschuhe. Ohne zu zögern zieht er die Handschuhe wieder an, weigert sich aber, ihr den Ring, ein Geschenk Portias, zu geben. Balthazar gibt nicht nach, und er gibt schließlich nach. Gratiano verfährt mit dem Schreiber genauso. Zurück in Belmont fordern Portia und Nerissa ihre Ringe und geben sich empört. Doch alle versöhnen sich mit Entschuldigungen und erneuerten Eheversprechen, und alles endet gut, als Antonio erfährt, dass seine Schiffe sicher in den Hafen zurückgekehrt sind.
Friedrich Ernst Fehsenfeld (* 16. Dezember 1853, † 16. September 1933) war ab 1892 Karl Mays wichtigster Verleger und Mitbegründer des Karl-May-Verlags.
Am Montag, dem 5. Oktober 1893 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 4) »Herodes und Mariamne. Tragödie in fünf Akten« (1850) von Friedrich Hebbel (wie Anm. 55).
Ähnlich wie in »Gyges und sein Ring« (wie Anm. 56) geht es auch hier um die tragische Situation, in die eine Ehe trotz der Liebe der Gatten gerät, als die Frau in entwürdigender Weise vom Mann zum Ding herabgesetzt wird. Herodes, der König von Judäa, ein orientalischer Despot voller Misstrauen gegen seine Umgebung, hegt Argwohn auch gegen seine Frau Mariamne, obwohl sie ihm den politischen Mord an ihrem Bruder Aristobulos verziehen und so ihre unverbrüchliche Liebe und Treue bewiesen hat. Als Herodes nach Alexandria reisen muss, um mit Marcus Antonius, dem Gegner Octavians, gefährliche Verhandlungen zu führen, verlangt er von Mariamne, sie solle ihm schwören, sich zu töten, falls er nicht zurückkäme. Tief verletzt durch diesen Versuch, noch über seinen Tod hinaus über sie zu verfügen wie über einen Gegenstand, den er als seinen kostbarsten Besitz mit ins Grab nehmen möchte, verweigert sie ihm den Schwur, den sie allerdings später – nun aber aus freiem Entschluss – doch leistet, als in Abwesenheit des Königs ein Komplott gegen ihn geschmiedet wird und ihre intrigante Mutter Alexandra versucht, sie gegen den Gatten aufzuhetzen. Als sie jedoch erfährt, dass Herodes sie vor seiner Abreise unters Schwert gestellt, d. h. für den Fall seines Todes seinen Statthalter Joseph beauftragt hat, sie umzubringen, damit sie gewiss keines anderen Frau mehr werden könne, ist ihr bisher unbedingtes Vertrauen zu Herodes erschüttert. Das ist ein Frevel, wies noch keinen gab, ein Frevel gegen ihre Freiheit und menschliche Unantastbarkeit, ja gegen die Menschheit überhaupt: Du hast in mir die Menschheit / Geschändet, meinen Schmerz muß jeder teilen [...].
Herodes argwohnt eine unerlaubte Beziehung zwischen Mariamne und Joseph und läßt diesen hinrichten. Die Ausgangssituation wiederholt sich, als Herodes nach der Schlacht bei Actium Oktavian um seine Gunst angehen muß. Nach der Rückkehr wird Mariamne verdächtigt, einen Giftmordversuch gegen Herodes unternommen zu haben, und er läßt auch sie hinrichten. Reue und Schmerz führen zu Geistesverwirrung. ln den folgenden Jahren fallen auch die Söhne aus der Ehe mit Mariamne von Herodes Hand.
Wilhelm Heinrich Kreis (* 17. März 1873, † 13. August 1955) war ein deutscher Architekt, der von 1902 bis 1908 Professor für Raumkunst an der Kunstgewerbeschule in Dresden war und u.a. die Friedrich-August-Brücke in Dresden (1907-1910), die Warenhäuser der Leonhard Tietz AG in Köln und Elberfeld (1912-1914), das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden (1927-1930), die Landeszentralbank in Dortmund (1950-1952) und elf Bismarcktürme (u.a. in Radebeul) entwarf. In seiner Dresdner/Radebeuler Zeit organisierte er Künstlerabende, die u.a. von Selmar Werner, Sascha Schneider, Graf Kuno von Hardenberg und Karl May besucht wurden.
Eine Mark in 1900 entspräche heute € 8,60; 3.000 Mark entsprächen also etwa 25.800 Euro. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Währungsgeschichte). Laut Sudhoff/Steinmetz, »Karl-May-Chronik, Band III: 1902-1905«, S. 272, handelt es sich hier auch schon um Schneiders Werk »Der Chodem« (vgl. Anm. 436). Wenn das stimmen sollte, hat dieses Bild insgesamt 4.500 Mk. (€ 38.700) gekostet.
Kuno Graf von Hardenberg (* 13. August 1871, † 15. November 1938), geboren als Kuno Ferdinand Edzard Ernst Carl Alexander Graf von Hardenberg, war ein deutscher Jurist, Kunsthistoriker, Maler, Innenarchitekt, Museumsdirektor, Schriftsteller und Großherzoglicher Hofmarschall von Hessen-Darmstadt. Er unternahm 1901 eine Weltreise, die ihn vom Münchner Hauptbahnhof über Italien und Ägypten nach Sri Lanka, Indien, Indonesien und China nach Japan führte, worüber er einen ausführlichen Reisebericht veröffentlichte: »Eine Reise um die Erde im Jahre 1901«.
Selma vom Scheidt (* 26. September 1874, † 19. Februar 1959) war eine deutsche Opernsängerin und eine Freundin von Emma Pollmer. Sie wurde nach deren Scheidung 1903 eine Freundin von Emma Pollmer, korrespondierte aber auch mit Klara May und wirkte als Vermittlerin zwischen beiden Parteien; sie trat auch bei dem Prozess gegen Rudolf Lebius (wie Anm. 289) 1910 als Zeugin auf.
Ernst Wachter (eigentlich Wächter; * 19. Mai 1872, † August 1931) war ein deutscher Opernsänger (Bass) und Musikpädagoge. Ab 1894 Sänger am Hoftheater Dresden (wie Anm. 26); Gastsänger in Bayreuth (Fasolt in Richard Wagners »Das Rheingold«, 1896), (Hunding in Wagners »Die Walküre«, 1897/98) und (Gurnemanz in Wagners »Parsifal«, 1898/99).
Ferdinand Raimund (eigentlich Ferdinand Jakob Raimann; * 1. Juni 1790, † 5. September 1836) war ein österreichischer Schauspieler und Dramatiker. Sein Zaubermärchen »Der Verschwender. Original-Zaubermärchen in drei Aufzügen« (1834), vertont von Conradin Kreutzer (* 22. November 1780, † 14. Dezember 1849), ist unter anderem durch das »Hobellied« bekannt geworden.
Obwohl es heißt, die Fee Cheristane tue mit den Perlen ihrer Krone Gutes auf Erden, schenkt sie fast alle Julius Flottwell, den sie liebt. Als sie ins Feenreich zurückkehren muss, erscheint sie zunächst in ihrer wahren Gestalt und bittet ihn, ihr zum Abschied ein Jahr seines Lebens zu schenken. Schamlos ausgenutzt von seinem Diener Wolf, den er für einen guten Mann hält, ist Flottwell nur seinem einfachen Diener Valentin treu. Drei Jahre später lebt Flottwell in Luxus, Wolf umwirbt Rosa trotz Valentins Zorn, und ein mysteriöser Bettler, der immer wieder auftaucht, besteht darauf, dass Flottwell stets ein kostbares Geschenk erhält. Flottwell möchte Amalie, die Tochter von Präsident Klugheim, heiraten, doch sein Vater ist dagegen, da er den verschwenderischen Lebensstil seiner Geliebten missbilligt. Flottwell warf sogar den teuren Brautschmuck, der für Amalie bestimmt war, aus dem Fenster, weil er sie nicht liebte. Auch der Bettler holt sie zurück, doch aus Rache verdächtigt Wolf Rosa des Diebstahls. Empört kündigen Rosa und Valentin ihren Diensten. Julius verwundet Baron Flitterstein, Amalias zukünftigen Ehemann, in einem Duell und flieht mit seiner Geliebten nach England. Wolf weigert sich, sie zu begleiten, getrieben von Eigennutz, und spottet über das Geschehen. Nur zwanzig Jahre später kehrt Flottwell verarmt und allein zurück, nachdem er Frau und Kind bei einem Schiffbruch verloren hat. Als er sein ehemaliges Anwesen sieht, erfährt er, dass sein alter Kammerdiener Wolf, der Flottwell stets um hohe Summen betrogen hatte, es gekauft hat. Doch nun alt und krank, weist Wolf seinen ehemaligen Herrn zynisch vor die Tür. Nur der treue Valentin, inzwischen Tischlermeister, will ihn freudig willkommen heißen, doch Rosa wirft ihn erneut hinaus. Als Flottwell, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht, Selbstmord begehen will, erscheint der Bettler, in Wirklichkeit Azur, Cheristanes Faktotum. Da er alle Geschenke, die Flottwell weggeworfen hat, sogar den Schmuck, treu aufbewahrt hat, kann er ihr einige ihrer früheren Besitztümer zurückgeben. Valentin hat Rosa unterdessen zur Kapitulation gezwungen und ihr gedroht, sie mit den Kindern allein zu lassen. Doch Flottwell kann Valentin und seine Familie nun aus Dankbarkeit für ihre bewiesene Treue unterstützen. Zum letzten Mal erscheint Cheristane und verspricht ihrem Geliebten ein Wiedersehen.
Julius Eduard Maximilian Dittrich (* 10. Juni 1844, † 10. Mai 1917) war Schriftsteller und Redakteur verschiedener Zeitungen. Anfangs war er Angestellter in verschiedenen Unternehmen, bis er wegen Betrugs und Unterschlagung zu anderthalb Jahren Arbeitshaus verurteilt wurde. Er verbüßte die Strafe vom 13. Juli 1866 bis zum 13. Januar 1868 in Schloss Osterstein in Zwickau und hat dort vermutlich Karl May kennengelernt. Nach 1902 wurde er in der Privatklinik Waldpark-Sanatorium in Dresden-Blasewitz von Hofrat Dr. Hänel operiert und behandelt, wo Karl May ihn besuchte. Danach erholte sich Dittrich einige Wochen in der Villa Shatterhand, wo er sich May als Zeuge gegen Münchmeyer/Fischer zur Verfügung stellte. Von Dittrich erfährt May, dass Paul Staberow der Bearbeiter seiner Kolportageromane ist und kann mit diesem Kontakt aufnehmen. Als die Presseanfeindungen gegen May begannen, setzte sich Dittrich mehrfach publizistisch für May ein. »Karl May und seine Schriften. Eine literarisch-psychologische Studie für Mayfreunde und Mayfeinde« (1904) stammte aus Dittrichs Feder. Max Dittrich kehrte dann endgültig nach Dresden zurück. 1907 wurde er in die Bezirksanstalt Saalhausen bei Dresden eingeliefert, wo er im November 1908 auch vernommen wurde. Zehn Jahre später verstarb er dort.
Am Sonntag, dem 1. November 1903 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) den 2. Volkstümlichen Dichterabend, mit einem Vortrag von Oberlehrer Dr. Curt Warmuth ((mir) unbekannt; es gab jedoch einen Kurt Warmuth, der u.a. 1903 das Dresdner Dichterbuch« herausgab; Autoren waren Ferdinand Avenarius (!) und Georg Freiherr von Ompteda) über Eduard Friedrich Mörike (* 8. September 1804, † 4. Juni 1875), einen deutschen Lyriker, Erzähler und Übersetzer aus der Biedermeierzeit. Sein bekanntestes Werk ist die Novelle »Mozart auf der Reise nach Prag«.
Wie Anm. 340.
Oskar Gerlach, der Anwalt Pauline Münchmeyers, hatte deren jüngste Tochter Elisa Flora Böhler geb. Münchmeyer (* 30. August 1873, † 23. Oktober 1961) veranlasst, eine taktische Beleidigungsklage gegen May anzustrengen, um seine Glaubwürdigkeit zu untergraben. Auf diese Weise gelingt es ihm, das Gericht zur Beiziehung der Mayschen Strafakten zu veranlassen, von denen dieser glaubte, sie existierten nicht mehr. Nachdem die Akten registriert und gerichtlich festgehalten sind, zieht Gerlach die Klage zurück. Bittere Ironie der Sache: Ein halbes Jahr später war die 30-Jahre-Frist abgelaufen und hätte May sie skartieren lassen können.
Am Sonntag, dem 10. Januar 1904 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) den 3. Volkstümlichen Dichterabend, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Wilhelm Theodor Robert Scheffler (* 21. Januar 1847, † 15. April 1913), einem deutschen Romanisten und Stenografen, der 1878 die Dresdener Gesellschaft für neuere Philologie gegründet hatte) über Johann Ludwig Louis Uhland (* 26. April 1787, † 13. November 1862) einen deutschen Dichter, Literaturwissenschaftler, Juristen und Politiker.
Karl May hatte den Auftrag erhalten, eine Parodie von »Des Sängers Fluch« von Uhland zu schreiben. Die Parodie bekam den Titel »Des Schneiders Fluch« (»Mein Leben und Streben«, S. 115).
Rudolf und Emmy Bernstein (wie Anm. 130); wahrscheinlich haben Karl und Klara die beiden auf dem Rückweg von Dresden nach Radebeul auf dem Bahnhof getroffen.
Am Freitag, dem 15. Januar 1904 um 19.30 Uhr besuchten Kal rund Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Der Strom. Drama in drei Aufzügen« (1904) von Max Halbe (wie Anm. 391).
Das Stück handelt von der Geschichte einer Familie, die in einem kleinen Dorf am Fluss lebt und deren Leben durch den Strom beeinflusst wird. Peter Dorn hat in Gemeinschaftsarbeit mit seiner Großmutter das Testament seines jüngst verstorbenen Vaters beseitigt, um dadurch seine beiden Brüder Jakob und Heinrich bei der Erbschaft auszubooten. Heinrich verlässt daraufhin das elterliche Heim und zieht in die Welt hinaus, während Jakob bleibt und fortan mit seinem Leben tiefunglücklich ist. Einzig seine verstohlene Liebe zu seiner Schwägerin Renate hält ihn noch aufrecht, doch da sie ja mit seinem schurkischen Bruder Peter verheiratet ist, verstärkt ihre Präsenz letztlich auch noch Jakobs Unglücksgefühl. Peter Dorn kämpft darum, seine Familie zu ernähren und gleichzeitig den Gefahren des Flusses zu trotzen; als Herr über den Deich ist er auch für die Sicherheit des Stroms vor der Haustür bei Eisgang verantwortlich und erhält in einer solchen Situation mal wieder Besuch von einer Delegation, die den Zustand von Deich und fließendem Gewässer überprüft. Auch der Strombaumeister Heinrich Dorn kehrt aus diesem Grunde nach zwölf Jahren Abwesenheit erstmals wieder ins Elternhaus zurück. Das Wiedersehen zwischen Heinrich und Peter verläuft außerordentlich frostig und gereizt. Heinrich hält Renate vor, mit Peter den falschen der Dorns geheiratet zu haben, denn auch er hatte sie immer geliebt. Renate weiß sehr wohl, dass er recht hat, denn sie ist an Peters Seite unglücklich und weiß überdies von Peter Machenschaften bezüglich der Testamentsunterschlagung. Erst jetzt findet sie die Kraft, sich vom ungeliebten Gatten zu lösen und verspricht Heinrich, ihm zu folgen. Als Renate gerade in Heinrichs Armen liegt, stürmt Jakob in das Zimmer. Er ist entsetzt von dem was er sieht und wittert allenthalben Verrat. Renate gesteht ihm die bisherigen Heimlichkeiten, woraufhin Jakob ins Freie stürzt und in einem Anfall von unbändigem Zorn den aufgeweichten Deich durchlöchern will. Peter erfährt von dessen Absicht und stürzt ihm nach. Zwar kann Peter das Unglück eines Deichbruchs verhindern, doch fordert der Strom, der einst Peters Kinder mit sich riss, erneut seinen Tribut und reißt nun auch ihn und Bruder Jakob mit sich. Während deren Leichen mit dem Wasser forttreiben, bleiben Heinrich und Renate zurück, die nun, frei von jeder Belastung der Vergangenheit, ein neues, gemeinsames Leben beginnen können.
Das Drama thematisiert die Konflikte zwischen Tradition und Moderne, sowie zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Erwartungen. Es zeigt auch die Auswirkungen von Naturkatastrophen auf das Leben der Menschen und die Bedeutung von Zusammenhalt und Solidarität in schwierigen Zeiten.
Max Halbe (* 4. Oktober 1865, † 30. November 1944) war ein deutscher naturalistischer Schriftsteller und Dramaturg. Er gehörte zu den wichtigen Exponenten des deutschen Naturalismus. Sein Bühnenstück »Jugend« (1893) wurde neben Gerhart Hauptmanns Stück »Die Weber« zum erfolgreichsten naturalistischen Drama. »Der Strom«” ist wurde am. 19. Oktober 1903 im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Als einen der wenigen in Deutschland verbliebenen Schriftsteller von Bedeutung nahm Adolf Hitler ihm im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller auf, was seinem Ansehen im Nachkriegsdeutschland sehr geschadet hat und zur weitgehenden Missachtung seiner Werke führte.
Leonardo da Vinci (eigentlich Lionardo di ser Piero da Vinci, * 15. April 1452, † 2. Mai 1519) war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Er gilt als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten.
Am Sonntag, dem 24. Januar um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) den 3. Volkstümlichen Komponistenabend mit einem Vortrag von Dohnaer Pastor Ernst Ludwig Walter Diestel (* 1864, " 1934) über Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy (* 3. Februar 1809, † 4. November 1847), einen deutschen Komponisten, Pianisten und Organisten.
Am Montag, dem 25. Januar 1904 um 19.30 besuchten Karl und Klara May im Opernhaus (wie Anm. 26) »Lohengrin. Romantische Oper in drei Akten« (1850) von Richard Wagner (wie Anm. 410).
Die Geschichte handelt von Elsa, deren Vater, der Herzog von Brabant, stirbt. Nach dem Tod des Herzogs beschuldigt ihr der engster Vertrauter des Herzogs, Graf Frederik von Telramund, des Brudermorde: Er verdächtigt Elsa, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben, um selbst über Brabant zu herrschen. Er erhebt zudem Anspruch auf die Nachfolge des Herzogs von Brabant, zusammen mit seiner friesischen Gemahlin Ortrud. Als Elsa vor König Heinrich dem Vogler gerufen wird und um eine Erklärung gebeten wird, erzählt sie ihm von ihrem Traum, in dem ihr ein Ritter zu Hilfe kommen würde. Im letzten Moment erscheint am Horizont auf der Schelde ein Ritter in einem kleinen, von einem Schwan gezogenen Boot. Der Schwanenritter fordert Graf Telramund zum Zweikampf heraus; als Preis winkt Elsas Hand. Der Ritter gewinnt den Kampf, verschont aber Telramunds Leben. Elsa gehört nun dem Ritter: Er will sie heiraten, aber unter einer Bedingung: Sie darf niemals nach seinem Namen oder seiner Abstammung fragen. Elsa verspricht es. Tellamund ist wütend, nicht nur, weil er seine Ehre verloren hat, sondern auch, weil er seine Frau Ortrud der Lüge verdächtigt: Sie soll den Brudermord mit eigenen Augen gesehen haben. Das Paar ist entschlossen, die Sache nicht dabei bewenden zu lassen. Ortrud will sich bei Elsa einschmeicheln, um sie zu überreden, die verbotene Frage zu stellen, und Telramund will den Ritter der Hexerei bezichtigen und ihn in einem Kampf verwunden, um ihm seine vermeintliche Magie zu rauben. Am Tag der Hochzeit verkündet ein Bote des Königs, dass Telramund verbannt wird und der Schwanenritter Brabant als Beschützer von Brabant regieren soll. Am nächsten Tag muss er jedoch das Heer im Osten anführen. Als der Hochzeitszug mit Elsa an der Spitze die Kirche betritt, fordert Ortrud den Vortritt. Der König fragt Ortrud nach dem Grund des Tumults. Telramund unterbricht ihn, beschuldigt den Ritter der Hexerei und fordert ihn auf, seine Identität preiszugeben. Die Adligen sichern dem Ritter ihre Unterstützung zu, doch Telramund versucht mit listigen Worten, Elsa zum Zögern zu bringen. Der Ritter sieht Telramund mit Elsa, doch als er sie fragt, ob sie ihm die verbotene Frage stellen wolle, verneint sie, damit die Hochzeit stattfinden kann. Nach der Trauung sind Elsa und der Schwanenritter endlich allein. Doch Elsa kann sich nicht beherrschen und fragt ihn nach seinem Namen und seiner Herkunft. In diesem Moment erscheint Telramund bewaffnet. Der Schwanenritter besiegt ihn jedoch, und Telramund stirbt. Tief betrübt über Elsas Frage beschließt er, vor dem Volk und dem König Antwort zu geben. Er offenbart sich als Gralsritter Lohengrin, Sohn des Parzival, des Königs des Heiligen Grals. Nun, da er sich zu erkennen gegeben hat, muss er zurückkehren, was ihn daran hindert, die Armeen des Reiches anzuführen. Er verspricht König Heinrich den endgültigen Sieg. Er verspricht, dass Elsas Bruder Godfried nach einem Jahr zurückkehren und ihm sein gesegnetes Horn, sein Schwert und seinen Ring hinterlassen wird. Ortrud erklärt, sie habe Godfried durch Anrufung ihrer heidnischen Götter in einen Schwan verwandelt. Nach einem Gebet Lohengrins steigt eine weiße Grals-Taube vom Himmel herab, und Lohengrin befreit den Schwan von seinen Ketten. Dieser verwandelt sich zurück in Godfried, den neuen Herzog von Brabant. Von der weißen Taube gezogen, verschwindet Lohengrin in seinem kleinen Boot hinter dem Horizont. Elsa fällt tot zu Boden.
Friedrich Martin von Bodenstedt (* 22. April 1819, † 18. April 1892), kein Titel, erschienen in »Die Lieder des Mirza-Schaffy«, in: »Lieder der Klage, no. 4« (nach einem aserbaidschanischen Gedicht von Mirzə Şəfi Vazeh (* ± 1796, † 1852). Das Lied wurde vertont von Carl Heinrich Carsten Reinecke (* 23. Juni 1824, † 10. März 1910) als »Wie auf dem Feld nur die Frucht gedeiht«, op. 100 (Zehn Gesänge) no. 9 (1868).
Am Mittwoch, dem 3. Februar 1904 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) die »Missa solemnis«. Die bekannteste »Missa solemnis« ist komponiert von Ludwig van Beethoven (getauft am 17. Dezember 1770, † 26. März 1827): Opus 123 (1819-1823).
Am Sonntag, dem 7. Februar 1904 um 20.00 Uhr besuchten Karl und Klara May in der Literarischen Gesellschaft im Musenhaus (wie Anm. 25) einen Vortrag über den Philosophen Immanuel Kant (wie Anm. 136) von Prof. Dr. Georg Simmel (* 1. März 1858, † 26. September 1918) aus Berlin.
Am Mittwoch, dem 10. Februar 1904 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May die Öffentliche Gedächtnisfeier zum 100. Todestag (am 12. Februar) Immanuel Kants (wie Anm. 136) in der Aula der Technischen Hochschule Dresden (Bismarckplatz, heute Friedrich-List-Platz) mit einer Festrede »Über Kants philosophische Tat und ihre Bedeutung für unsere Zeit« von Prof. Dr. Julius August Carl Friedrich (Fritz) Schultze (* 7. Mai 1846, † 22. August 1908).
Diesen Text (ab der ersten Zeile von S. 37) hat Klara May abgeschrieben aus der Sonntagsbeilage (14.02.1904) vom Dresdner Anzeiger, wo den Vortrag Schulzes gekürzt wiedergegeben wurde.
Am Donnerstag, dem 25. Februar (Karl Mays Geburtstag) um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Der Tor und der Tod« (1898) und »Elektra. Tragödie in einem Aufzug frei nach Sophokles« (1903) von Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal (* 1. Februar 1874, † 15. Juli 1929), einem österreichischen Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker, Librettisten sowie Mitbegründer der Salzburger Festspiele.
»Der Tor und der Tod« spielt laut Angaben von Hofmannsthals in den 1820er Jahren und handelt von der Begegnung des Edelmanns Claudio mit dem Tod. Der Tod kommt zu Claudio, um ihn aus dem Leben abzuführen, und konfrontiert ihn mit bereits verstorbenen wichtigen Menschen aus seinem Leben – seiner Mutter, seiner ehemaligen Geliebten und einem Jugendfreund. In den Begegnungen wird ihm klar, dass er zu diesen Menschen keine tieferen Bindungen entwickelt hat. Er lebte nach Art eines Dandys gegenüber anderen Menschen in einer ästhetisch-distanzierten Haltung, ohne sich auf sie einzulassen und sie an sich heranzulassen. Der Moment des Sterbenmüssens macht ihm dieses Defizit bewusst und paradoxerweise ist erst die Todesstunde voller emotionaler Lebendigkeit. Da tot mein Leben war, sei Du mein Leben, Tod. Claudio sinkt am Schluss tot nieder.
»Elektra. Tragödie in einem Aufzug frei nach Sophokles« ist sehr stark an den Ablauf der Handlung bei Sophokles angelehnt, zeigt aber durchaus signifikante Abweichungen. Vor allem die Figurengestaltung ist eine ganz andere. Die Dienerinnen, die quasi den Chor repräsentieren, treten nicht als völlig geschlossene Gruppe auf, sondern nehmen unterschiedliche Haltungen gegenüber Elektra ein. Der Fokus ist von Beginn an noch stärker auf Elektra gelegt, so beginnt das Drama mit einem Auftritt der Dienerinnen und nicht mit dem des Orest, dessen Rolle deutlich reduziert wird. Klytämnestra ist eine von ihren Träumen gequälte Frau, die der ständigen Beeinflussung der Vertrauten und der Schleppträgerin ausgesetzt ist. Elektra werden seherische Fähigkeiten zugeschrieben, Klytämnestra sucht bei ihr Rat, wie sie ihre Träume loswerden kann. Chrysothemis ist es, die Elektra die Nachricht vom Tod Orests überbringt. Sie hat gehört, dass Fremde davon sprachen. Auch hier wie bei Sophokles beschließt Elektra, selbst zur Tat zu schreiten, auch hier ist Chrysothemis nicht bereit zu helfen. Orest tritt auf, berichtet vom Tod Orests, stellt Elektra Fragen, erkennt schließlich, dass die, mit der er spricht, Elektra ist. Als Orest die Erkennungsszene vorbereitet, indem er behauptet, Orest lebe, schenkt Elektra seinen Worten keinen Glauben und erkennt ihn erst, als er ihr vorwirft, die Hunde würden ihn erkennen, aber seine Schwester nicht. Elektra klagt wortreich und drastisch ihr Leid. Orest ist zur Tat entschlossen, die die Götter ihm auferlegt haben. Der Pfleger unterbricht auch hier die Wiedersehensszene und mahnt zur Tat. Orest eilt zum Palast. Elektra bleibt wie eine Wache vor der Tür stehen und verhindert, dass Chrysothemis und die Dienerinnen eingreifen. Ägisth kehrt zurück, betritt das Haus, kurzer Lärm. Er stirbt. Chrysothemis und die Frauen treten erneut auf. Es herrscht ein großer Tumult, weil hinter der Bühne ein Kampf zwischen den Unterstützern Ägisths und denen Orests ausgetragen wird, aus dem Orest siegreich hervorgeht. Ein Freudenfest beginnt. Elektra nimmt nicht teil, bleibt ganz für sich, beginnt zu tanzen und bricht schließlich zusammen.
Am Sonntag, dem 6. März 1904 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) den 5. Volkstümlichen Dichterabend mit einem Vortrag von Pfarrer Gustav Moritz Theodor Clauß (* 1871, 1909) über Friedrich Johann Michael Rückert (* 16. Mai 1788, † 31. Januar 1866), einen deutschen Dichter, Sprachgelehrter und Übersetzer sowie einen der Begründer der deutschen Orientalistik. Rückert beschäftigte sich mit mehr als 40 Sprachen und galt als Sprachgenie.
Eine Mark in 1900 entspräche heute € 8,60; 1.500 Mark entsprächen also etwa 12.900 Euro. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Währungsgeschichte). Karl May hatte Sascha Schneider im Oktober 1903 schon 3.000 Mk. bezahlt für das gleiche Werk, »Der Chodem« (Klara May, »Tagebuch 1902-1916«, S. 32).
Am Sonntag, dem 20. März 1904 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) den 5. volkstümlicher Komponistenabend, nicht nur mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (* 27. Januar 1756, † 5. Dezember 1791), sondern auch mit solchen von Georg Friedrich Händel (* 23. Februar [jul.] / 5. März 1685 [greg.], † 14. April 1759), Johann Sebastian Bach (* 21. März [jul.] / 31. März 1685[greg.], † 28. Juli 1750), Christoph Willibald Gluck (ab 1756 Ritter von Gluck, * 2. Juli 1714, † 15. November 1787), Joseph Haydn (* 31. März oder 1. April 1732, † 31. Mai 1809) und Ludwig van Beethoven (wie Anm. 423) und einem Vortrag von Pfarrer Friedrich Wilhelm (?) Oster.
Dr. med. Karl Friedrich Schiller (* 29. Juli 1856, † 3. Juni 1920) war ein Arzt und Sanitätsrat in Döbeln und der Ehemann von Ida Pauline Münchmeyer (* 23. Juli 1864, 12. August 1917), der dritte Münchmeyer-Tochter. Die Trauung fand am 19. Januar 1888 statt. Im Oktober 1894 fand bei Pauline Münchmeyer (wie Anm. 327), der Witwe des Kolportageverlegers Heinrich Gotthold Münchmeyer (wie Anm. 18) und Inhaberin des gleichnamigen Verlags ein Mittagessen statt, zu dem Karl May und seine erste Frau Emma eingeladen waren. May forderte von Frau Münchmeyer die Abrechnung seiner fünf Lieferungsromane, die er in den 1880er Jahren für diesen Verlag geschrieben hatte, und die dazu gehörigen Manuskripte. Da letztere nicht mehr vorhanden waren, erhielt Karl May kurz darauf gebundene Belegexemplare. Beim späteren Münchmeyer-Prozess spielte dieses Mittagessen eine besondere Rolle, da Karl May bereits zu diesem Zeitpunkt die Rechte an den Romanen eingefordert hatte. Am 11. Februar 1904 sagte das ehemalige Dienstmädchen im Hause Münchmeyer, Marie Therese Philipp, als Zeugin aus, dass zwischen 15. Februar und 1. März 1894 nur einmal ein gewisser Dr. Karl (aus der Lößnitz) bei der Beklagten zu Tisch gewesen; sie selbst habe dabei weiße Zwirnhandschuhe getragen. Pauline Münchmeyer, die ebenso wie Karl May und sein Rechtsanwalt Dr. Rudolf Bernstein bei der Vernehmung zugegen war, behauptete, dieser Dr. Karl sei ihr Schwiegersohn gewesen. Allerdings hat Dr. Karl Schiller – im Gegensatz zu Karl May – nicht in der Lößnitz gewohnt, sondern in Döbeln.
Karl Friedrich Schiller und Ida Pauline Münchmeyer (jun., wie Anm. 440) hatten drei Kinder: Charlotte Friederike Schmidt geb. Schiller (* 5. Februar 1889, 14. Juli 1918), Friedrich Schiller (* 10. Mai 1890, 30. März 1947) und Friedrich Wolfgang Schiller (* 26. Juli 1893, 26. September 1915; Leutnant im Res. Infanterie-Regiment 106, gefallen im Ersten Weltkrieg).
Minna Hulda Ey (* 23. Februar 1843, † 1918) war die unverheiratete Schwester von Münchmeyers Frau Pauline. Im August 1879 heiratete Minna Ey den Dresdner Eisenmöbelfabrikanten Friedrich Carl Horst Tittel (* 1826, † 1897) und zieht mit diesem zunächst nach Loschwitz, später nach Ilmenau. 1880 bekommt das Paar eine Tochter, Hedwig Rosa, und 1883 einen Sohn, Friedrich Horst. Im April 1904 wird sie von Karl und Klara May in Ilmenau besucht und macht im Zusammenhang mit dem Prozess gegen ihre Schwester Pauline eine Aussage.
Franz Eduard Krüger (* 1857, † 1926) war Lehrling im Verlag H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18); später war er Buchhändler in Außig an der Elbe, dem heutigen Ústi nad Labem. Als Karl May 1897 in Birnai an der Elbe an »Weihnacht!« arbeitete, holte er sich die benötigten Bücher und Landkarten in Krügers Buchhandlung in der Teplitzer Straße. Karl und Klara May besuchten ihn 1904 und fragten ihn einen brieflichen Ratschlag, der indirekt den Münchmeyer-Verlag betroffen haben muss. Jedenfalls veranlasst das Landgericht Dresden (wie Anm. 180) 1908, dass Mays Briefe in Außig beschlagnahmt werden und Krüger im April als Zeuge vorgeladen wird.
Wen die beiden in Königgrätz (Hradec Králové) besucht haben, ist nicht bekannt; es muss sich aber um einen oder mehrere Zeugen der Münchmeyer-Sippe handeln.
Heute gibt es immer noch ein Hotel / Pension zur Tanne (Karl-Keil-Straße 28), das aber 4 km vom Zwickauer Zentrum liegt. Sollte dieses Hotel gemeint sein? Meistens hatten die Mays Hotel in einem Stadtzentrum; es könnte aber durchaus sein, dass sie diesmal einem Hotel in der Nähe der Nordstraße – die es in Zwickau nicht mehr gibt – gesucht hatten, um Gustav Müller (wie Anm. 447) bequemer zu befragen.
Gustav Müller war ein für den Verlag H. G. Münchmeyer (wie Anm. 18) tätiger Buchhändler und Buchdrucker in Zwickau. Am 22. April 1904 suchte Klara May ihn in der Nordstraße 13 in Zwickau auf, um von ihm Informationen über den Verlag zu erfahren. In seinem Schreiben an Franz Netcke (wie Anm. 644) vom 23. April 1911 benennt Karl May den Obermaschinenmeister Gustav Müller in Zwickau als Zeugen in Sachen »Venustempel«.
Wie Anm. 118. Seit 1904 war Sascha Schneider Professor für Aktzeichnen in Weimer, auf Empfehlung Max Klingers (* 18. Februar 1857, † 4. Juli 1920), einem Bildhauer, Maler und Grafiker. Sein Werk ist vornehmlich dem Symbolismus zuzuordnen. Seit 1897 war Klinger Professor an der Königlichen Akademie der Graphischen Künste in Leipzig. Max Klinger war seit Mitte der 1890er Jahre ein Freund und Mentor von Sascha Schneider. Bei der Neubesetzung der Professur für Aktmalerei an der Großherzoglich Sächsische Kunstschule in Weimar gehörte Klinger neben Hans Olde (* 1855, † 1917) zu den Befürwortern Sascha Schneiders, der die Stelle im Herbst 1904 tatsächlich erhielt.
Kurt Magnus Richard Freiherr von Welck (* 26. September 1864, † 18. April 1903) war Geheimer Regierungsrat am sächsischen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts in Dresden. Ihm oblag im Frühjahr 1903 die Bearbeitung von Karl Mays Gesuch bezüglich dessen Doktortitels.
Dr. med. Franz Rudolf Atenstädt (* 19. Juli 1875, † ?) war praktischer Arzt in Radebeul. Er war verheiratet mit Marie Louise Atenstädt geb. Grieshammer (* 23. April 1878, † ?) und hatte mit ihr einen Sohn namens Hans Wolfgang Atenstädt (* 7. April 1906, † ?). Am 4. Juni 1904 verkaufte Karl Mays zweite Frau Klara die Radebeuler Villa (Gellertstraße 5), in der sie mit ihrem ersten Mann Richard Plöhn gewohnt hatte, für 35.000 Mark an Dr. Atenstädt. Am 17. Juni 1905 war das Ehepaar May - vermutlich nicht zum ersten Mal – zu einem einfachen Abendbrot bei Atenstädts in der ehemaligen Plöhnschen Villa eingeladen. Am 13. April 1906 dankte Rudolf Atenstädt den Mays schriftlich für deren Glückwünsche zur Geburt von Hans Wolfgang sowie für das Taufwasser aus dem Jordan.
Clara Auguste Franziska Cäcilie Schnackenburg geborene Wittich (* 1. März 1845, † 2. September 1931; Pseudonym C. Wittburg) war eine deutsche Schriftstellerin. 1863 heiratete sie den Premierleutnant Rudolf Schnackenburg. Sie lebten erst in Mainz. Rudolf Schnackenburg nahm nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 als Hauptmann den Abschied und die Familie zog nach Berlin, ab 1873 nach Dresden und zuletzt nach Blasewitz. Karl May kannte Clara Schnackenburg aus seiner Redakteurszeit bei Münchmeyer (wie Anm. 18) und hatte von ihr einige Novellen für das Deutsche Familienblatt und den Deutschen Wanderer angenommen.
August Graf von Platen-Hallermünde (geboren als Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermund, * 24. Oktober 1796, † 5. Dezember 1835) war ein deutscher Dichter. Das Zitat ist seinen »Gedichte. Vermischte und Gelegenheitsgedichte« (1821) entnommen.
Arthur Meißner (* 1848, † 13. Juli 1904) war Buchbindermeister im Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer (wie Anm. 18). Er band im Auftrag von Pauline Münchmeyer Mays Belegexemplare seiner Kolportageromane in Leder, die May im Herbst 1894 erhielt. 1904 wurd er - deswegen - als Zeuge benannt. Am 27. März 1904 suchte Klara May seine Frau, Anna Meißner, in der Schreiber-Gasse 16IV auf. Er war nicht da, kam aber am nächsten Tag verabredungsgemäß zum Mittagessen zum Hauptbahnhof. Bald darauf, am 1., 3. und 4. April, ist er in der Villa Shatterhand, um die von ihm gebundenen Belegexemplare zu prüfen und Informationen zu geben. Es entstand dabei ein für das Gericht bestimmter (undatierter) Brief, in dem Meißner May sein Wissen über Pauline Münchmeyer mitteilte. Obwohl der Brief in Meißners Handschrift geschrieben ist, zweifelte seine Frau später an, dass er tatsächlich der Verfasser sei. Adalbert Fischer, der von dem Brief wusste, kündigte Meißner wohl an, dass dieser wegen enthaltener Unwahrheiten, dafür drei Monate ins Gefängnis käme. Dieser reagierte auf die Drohung - laut May - wohl panisch und mit Selbstmordgedanken. Meißner war ein kindlich harmloser Mensch, viel zu unbefangen, als dass ihm der Gedanke gekommen wäre, dass Fischer gelogen habe. Er glaubte wirklich an die drei Wochen Gefängnis. Das warf ihn hin. Er musste in das Carolahaus – ein Dresdner Krankenhaus in der Gerokstraße 65, DD-Johannstadt (1945 zerstört) - geschafft werden. Zwei Tage vor seiner Zeugenaussage ging er ins Krankenhaus - wohl auch um der Aussage zu entgehen. Mays besuchten ihn dort am 15. Juni und klärten mit ihm ab, dass er bereit war auszusagen, wenn sie die Erlaubnis zu seinem Erscheinen vom Krankenhaus bekämen. Das gelang und so wurde Meißner am 16. Juni 1904 über eine Stunde lang vor dem Landgericht Dresden vernommen. Die Droschke vom Krankenhaus zum Gericht und zurück bezahlten Mays. Am 29. Juni 1904 wurde Meißner nach Irrsinnserscheinungen erneut ins Carolahaus eingeliefert, wo er am 13. Juli starb. Am 17. Juli 1904 fand die Beisetzug auf dem Trinitatisfriedhof statt. Mays und auch Rudolf Bernstein waren anwesend und hatten jeweils einen Kranz geschickt. Karl May übernahm auch einen Teil der Beerdigungskosten. Bei der Berufung vor dem Oberlandesgericht am 16. Mai 1905 erklärten die Sachverständigen Dr. Sigbert Ganser und Hermann Walter Enke, dass Meißner bereits bei seiner Vernehmung am 16. Juni an Geistesschwäche gelitten habe. Mays Zeugen, die Sachverständigen Dr. Carl Anton Pusinelli und Dr. Groß, erklärten am 1. Juli 1905 das Gegenteil.
Christian Ehregott Voigtländer (*31. August 1836; † 28. Februar 1906) war Inhaber der Dresdner Restauration Diana-Saal im Jagdweg 3 und ein Freund Heinrich Gotthold Münchmeyers. Er sagte 1904 während der Prozesse aus und wird hier von Klara May als Hauptzeuge bezeichnet. Nach seinem Tod erhielt seine Witwe, Auguste Marie Voigtländer geb. Naumann, von Mays eine Weihnachtsgabe. Sie versprach, die Aussagen ihres Mannes zu bestätigen.
Zitat aus Goethes Sonett »Offenbarung« (aus dem Zykus »Sonette«: Goethe schrieb diese Gedichte 1807 wegen seiner Liebe zu Minna Herzlieb). Auffällig ist, dass Klara May die meisten Goethezitate ohne Fehler niederschreibt, im Gegensatz zu Zitate anderer Autoren und Dichter.
Die Liebste ward mir endlich zum Entzücken,
Sie sagte mir: ich liebe dich von Herzen!
Da schwand mein Wahn in all den bittern Schmerzen,
Und neu erschuf sie mich mit muntern Blicken.
Nun wall’ ich froh auf blumigen Geschicken,
Ich fühle Lust in all den Lebenskreisen;
Wie könnt’ ich solche Wohltat je preisen,
Die sie mir reicht mit reichgefüllten Krücken?
Bewahre dir nur selbst die Treue,
Dann wird der Schmerz auch edle Seelennahrung,
Und quillt aus Leid und Tat die Offenbarung,
Wie innres Wachstum ewig uns erfreut.
Was wir erobern, ist uns eine Beute,
Was wir besitzen, ist uns eine Klärung.
Theresie Marie Grund geb. Ernesti (* 22. Juli 1851, † 10. Dezember 1938 in Dresden) und ihr Mann, der Gewerbeinspektor Wilhelm Hans Grund (* 1852, † 20. Februar 1910), gehörten ab etwa 1896 zu den Freunden der Familie May. Grunds lebten bis 1894 in Dresden, danach in Annaberg im Erzgebirge (seit 1949: Annaberg-Buchholz) und ab 1908 in Blasewitz (Residenzstraße 17I).
Hans Heine war ein deutscher Apotheker (Preußische Apotheke) in Beirut und ein Leser, der mit Karl May in Kontakt getreten war. Heine war verheiratet. Im Jahre 1895 hatte das Ehepaar Heine vermutlich Karl und Emma May besucht. Auf der Orientreise besuchten Mays in Begleitung des Ehepaars Richard und Klara Plöhn am 29. Mai 1900 Hans Heine und seine Frau in Beirut. Am 8. Juli 1904 besuchten Heines in Begleitung des Ehepaars Honymus Karl May und seine nunmehrige Frau Klara in Villa Shatterhand.
Max Theodor Honymus (* 1871, † 1955) war ein Radebeuler Unternehmer und Bekannter Karl Mays. 1898 übernahm Max Theodor mit seinem Bruder Alfred Honymus (* 1880, † 1954) die Teefabrik seines Vaters in der Goethestraße 1 in Radebeul. Im gleichen Jahr heiratete er; mit seiner Frau Elsa Honymus, geb. Behrmann (* 1878, † 1956) hatte er eine Tochter namens Ilse (* 1903, † 1989). Von Ernst Leberecht Steidte (* 1. Juni 1856, † 20. Juli 1942) kauften die Brüder Honymus im April 1899 die Sächsische Verbandsstoff-Fabrik R. Plöhn Nachf., die sie um 1907 in Sächsische Verbandsstoff-Fabrik GmbH umbenannten und bis 1920 weiterführten.
Johann Christian Friedrich Hölderlin (* 20. März 1770, † 7. Juni 1843) war ein deutscher evangelischer Theologe, Dramatiker und Dichter, der zu den bedeutendsten Lyrikern seiner Zeit zählt.
Hinter beendet in der getippten Fassung des Tagebuchs hat jemand mit Feder einen Asterisk gezeichnet. Am unteren Rand der Seite (43) vermerkt der Autor etwas Unleserliches als Fußnote; nur die Worte die Lektüre sind lesbar.
In »Am Jenseits« und »In Mekka« ist der Münedschi ein Hellseher in Mekka. Laut Franz Kandolf (), der Autor der Fortsetzung von Am Jenseits«: »In Mekka«, ost der Mündeschi eigentlich ein Russe, Werniloff, der in St. Petersburg lehrte. Aufgrund einer Intrige wurde er dort mit Nihilisten in Verbindung gebracht und floh nach Teheran. Dort lehrte er wieder und genoss hohes Ansehen, auch beim Schah-in-Schah selbst. Der Ghani - ein Mekkanischer Verbrecher - täuschte ihm vor, dass sein Leben in Gefahr sei (angeblich glaube der Schah-in-Schah, dass sich der Münedschi mit den Babi in Einvernehmen befinde) und brachte so die Person des Münedschi als auch dessen Vermögen in seine Gewalt. Natürlich erhält der Münedschi am Ende von »In Mekka« sein Vermögen und sein Augenlicht zurück. Ein Happy End, wie Hollywood es nicht besser hätte bedenken können!
Laura Adele Anna Katharina Lilly Gorutschko geborene Schneider (* 16. Oktober 1872, † 21. März 1966) war die Schwester Sascha Schneiders. 1927 verfasste Lilly Gorutschko ein neunseitiges Maschinoskript »Sascha Schneider«, in dem sie Erinnerungen an ihren Bruder zu Papier brachte.
Dr. med. Julius Hermann Klencke-Mannhart (* 1852, † 29. November 1904), war ein Naturarzt und Philosoph sowie der Leiter der Naturheilanstalt Kurberg - ein Heilbad mit etwa 30 Betten, Lufthütten und Wasserbecken - in Wachwitz bei (heute Stadtteil von) Dresden. Bekannte Patienten waren u.a. Max Dittrich (wie Anm. 403), der Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach (* 2. Januar 1870, † 24. Oktober 1938) und Lilly Schneider (wie Anm. 477), die unter mehreren Krankheiten (Ischias, Nervenzerrüttung und Hysterieanfälle) litt.
Obwohl dieser Satz Alphonse Marie Louis de Prat de Lamartine (* 21. Oktober 1790, † 28. Februar 1869, einem französischen Dichter, Historiker und Staatsmann) zugeschrieben wird (und gelegentlich anderen Persönlichkeiten, unter denen Blaise Pascal (wie Anm. 479)), scheint er anonym zu sein. Auf deutsch: Je mehr Menschen ich sehe, desto mehr liebe ich meinen Hund. Ein französischer Journalist namens Pierre Desprogues (* 1939) hat dem Satz die sehr misogynen Worte Plus je connais les femmes, moins jaime ma chienne hinzugefügt.
Am 20. August 1904 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Klara May im Opernhaus (wie Anm. 26) »Le nozze di Figaro. Opera buffa in quattro atti« (1786) (»Figaros Hochzeit«) von Wolfgang Amadeus Mozart (wie Anm. 439).
Die Oper spielt an einem Tag im Palast des Grafen Almaviva nahe Sevilla. Figaro ist der Diener des Grafen und steht kurz vor der Hochzeit mit Susanna, der Hofdame der Gräfin. Am Hochzeitstag entfalten sich zahlreiche Intrigen. Der Graf hat ein Auge auf Susanna geworfen, und obwohl er als moderner Mann das Recht auf die erste Nacht aus moralischen Gründen ablehnt, beabsichtigt er insgeheim, das alte Recht des Herrn auf die erste Nacht mit der Braut auszuüben. Dies ist natürlich dramatisch für die Liebenden, die alles daransetzen, dem zu entgehen. Der junge Page Cherubino hat ein Auge auf alle Frauen geworfen, besonders aber auf die Gräfin. Die Haushälterin Marcellina ist in Figaro verliebt und will ihn an sein Heiratsversprechen erinnern, falls er ihr ein Darlehen nicht zurückzahlen kann. Die Gräfin ist über den geplanten Ehebruch des Grafen betrübt und möchte die Liebe ihres Mannes neu entfachen. Schließlich schmieden Figaro, Cherubino, die Gräfin und Susanna einen Plan, um den Grafen in seine Schranken zu weisen und seinen Plan, Susanna zu verführen, zu durchkreuzen. Natürlich verläuft dies nicht ganz reibungslos, doch letztendlich wird der Graf – mehr oder weniger wie geplant – im dunklen Palastgarten von seiner eigenen Frau, die als Susanna verkleidet ist, verführt. Selbst der zutiefst schockierte Figaro fällt zunächst auf diese Verkleidung herein und glaubt, seine Susanna würde sich doch mit dem Grafen einlassen. Und wie es sich für eine heitere Oper gehört, geht alles gut aus. Figaro erfährt beiläufig, wer seine Eltern sind, seine Hochzeit mit Susanna findet statt, und der Graf sieht sich gezwungen, seine Frau um Vergebung zu bitten.
Frida Marianne Erica Erika Wedekind (* 13. November 1868, † 10. Oktober 1944) war eine deutsche Opernsängerin (Sopran). Sie erhielt 1894 ihr erstes Engagement an der Dresdner Hofoper (heute Semperoper, wie Anm. 26), wo sie bis 1909 eine gefeierte Koloratursopranistin war. Aufgrund ihres großen Erfolgs, der sie auch auf internationale Bühnen führte, erhielt sie den offiziellen Titel Königlich Sächsische Kammersängerin. 1909 wurde ihr für ihre Leistungen vom Ministerium des königlichen Hauses Sachsen die bürgerliche goldene Medaille Bene merentibus verliehen.
Gemeint ist Ludwig Auer (* 11. April 1839, † 28. Dezember 1914), ein deutscher christlicher Bildungsreformer, Volksschullehrer, Schriftsteller, Verleger und Unternehmer. Er war Direktor des Donauwörther Cassianeums, eine pädagogische Stiftung.
Dr. Carl Eser (* 8. August 1854, † 7. Februar 1915) war Geheimer Baurat in Bad Nauheim und ein Leser Karl Mays, der mit ihm in Kontakt getreten war. Auf der Rundreise 1904 fuhren Karl und Klara May am 26. Oktober 1904 von Nürnberg über Frankfurt am Main nach Bad Nauheim. Sie quartierten sich dort im Hotel Reichshof ein und besuchten die Familie Eser im Badehaus 1, Nördlicher Park 3 (heute: Ludwigstraße 10), bei der es auch zu einem Treffen mit Karl Göttelmann (wie Anm. 490), einem Freund Carl Esers, kam. Ein Leserbrief von Eser und Göttelmann an Karl May vom 30. Dezember 1897 wurde 1902 in Mays Broschüre »Karl May als Erzieher« und »Die Wahrheit über Karl May« abgedruckt (Leserbrief 34), ebenso wie ein weiterer Brief von Eser vom 14. Januar 1898 (Leserbrief 51). Am 30. Juni 1900 kaufte Karl May in Konstantinopel zwei Tschibuks, einen für für Eser und einen für Göttelmann; die Rechnung ging an Eser. Carl Eser war verheiratet mit Luise Eser geb. Weitz.
Karl Emil Göttelmann (* 3. November 1858, † 3. April 1928; von Klara May konsekwent Gättelmann buchstabiert) war von 1897 bis 1899 großherzoglich-hessischer Regierungsrat, von 1899 bis 1904 Kreisrat des Kreises Heppenheim, von 1904 bis 1905 Bürgermeister von Mainz und von September 1905 bis 11. Februar 1919 Oberbürgermeister von Mainz. Göttelmann war ein Freund Carl Esers. Ein Leserbrief von Eser und Göttelmann an Karl May vom 30. Dezember 1897 wurde 1902 in Mays Broschüre »Karl May als Erzieher« und »Die Wahrheit über Karl May« abgedruckt (Leserbrief 34), ebenso wie ein weiterer Brief von Göttelmann vom 16. Januar 1898 (Leserbrief 2). Am 30. Juni 1900 kaufte Karl May in Konstantinopel zwei Tschibuks, einen für Eser und einen für Göttelmann; die Rechnung ging an Eser.
Friedrich Willy Doenges (* 20. Dezember 1866, † 30. Mai 1932) war von 1901 bis 1922 Redaktonsvorstand beim Dresdner Journal. Das Dresdner Journal veröffentlichte nachmittags Mays offenen Brief An den Dresdner Anzeiger als Reaktion auf Marie Elise Sillings (* 22. Dezember 1845, † 12. Juni 1936) sehr negative Rezension zu Mays »Und Friede auf Erden!« u.d.T. Noch einmal Karl May im Anzeiger vom 30. Oktober 1904, die zahlreiche offene Briefe auslöste. Silling war eine Schriftstellering und Mitarbeiterin beim Dresdner Anzeiger.
Am Dienstag, dem 8. November 1904 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Uriel Acosta. Trauerspiel in fünf Akten« (1846), ein Theaterstück von Karl Ferdinand Gutzkow (* 17. März 1811, † 16. Dezember 1878), einem deutschen Schriftsteller, Dramatiker und Journalisten.
Das Trauerspiel in fünf Akten wurde am Hoftheater Dresden (wie Anm. 26) am 13. Dezember 1846 uraufgeführt und erschien 1847. Das Theaterstück hat das Leben Uriel da Costas, auch Uriël Acosta genannt (* 1583/85, † April 1640), ein portugiesischer Religionsphilosoph jüdischer Abstammung, der als Flüchtling nach Amsterdam gekommen war, als Thema. Das Märtyrerschicksal des skeptizistischen Philosophen und Theologen war von Gutzkow bereits 1843 in der Novelle »Der Sadduzäer von Amsterdam« dargestellt; im Drama hat er das Thema zur Tragödie eines Hamlets des 19. Jahrhunderts umstilisiert. Ausschließlich dem Kampf des Geistes verpflichtet, gerät Acosta unversehens in einen intrigenreichen Kampf des Herzens. Ben Jochai, ein einflussreicher jüdischer Kaufmann, macht sich die Erregung der orthodoxen Amsterdamer Juden über den Ketzer Acosta zunutze, um Judith, dessen gelehrige Schülerin und platonische Geliebte, zur Frau zu gewinnen. Während eines Gartenfestes bei Judiths Vater, dem neureichen Börsianer und Schöngeist Manasse Vanderstraten, versucht Ben Jochai seinen Nebenbuhler auszuschalten, indem er ihn als getauften Christen bezeichnet, der der Gerichtsbarkeit der Synagoge entzogen, dem aber damit zugleich auch die Ehe mit Judith für immer verwehrt sei. Von den Priestern hart bedrängt, verwahrt sich Acosta stolz gegen diese Hintertür des falschen Mitleids, gesteht zwar den Einfluss des Christentums auf seine Erziehung zu (Was ich geworden, ward ich nur als Christ), bekennt sich aber eindeutig zu seinen jüdischen Glaubensgefährten (So will ich leiden mit den Leidenden) und findet schließlich in Judith eine mutige und liebende Mitstreiterin, die sich aber nach der Hochzeit mit Ben Jochai umbringt, da sie weiterhin Uriel liebt, zugleich aber ihrem Vater schuldig war, ihn zu retten.
Gutzkow erfand für das Drama auch die Figur Ben Akiba, der durch seine Abwandlung des Bibelverses Prediger 1:9 ( Was ists, das geschehen ist? Eben das hernach geschehen wird. Was ists, das man getan hat? Eben das man hernach tun wird; und geschieht nichts Neues unter der Sonne bekannt geworden ist (siehe auch »Der Ölprinz«, S. 230).
Das Theaterstück geht auf Acostas Schrift »Exemplar humanae vitae« und auf Ideen von Herder zurück. Es sollte das erste Theaterstück in hebräischer (von Salomon Rubin) und jiddischer (von Moshe Lifshits) Übersetzung bzw. Bearbeitung überhaupt werden, und sollte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts viel gespielt werden.
Dieser Redakteur der Dresdner Rundschau war Hermann Schlichting. Im Dezember 1904 hatte Karl May ein angeblich von Max Dittrich (vgl. Anm. 403) verfasstes Manuskript an Schlichting gesandt; Schlichting war ebenso wie May von Rudolf Lebius angegrifffen worden. Dieses Manuskript was der Anlass von Schlichtings Besuch an Villa Shatterhand am 9. Dezember. Am 18. März 1905 erschien in der Dresdner Rundschau Schlichtings Artikel über Rudolf Lebius u.d.T. Ein ganzer Kerl. Darin wurden vier Bettelbriefe Lebius an Karl May – ohne dessen Namen zu nennen – zitiert, ebenso die anonyme Erpresserkarte sowie ein Schreiben an Max Dittrich.
Hans Conrad Seyfert (* 1869, † ?) war ein Dresdner Staatsanwalt, der – durch einen Trick – für Karl May zuständig war. Er war verheiratet mit Hertha Rosa Alma Seyfert geb. Müller. Er war seit Schultagen mit Oskar Gerlach (wie Anm. 340), dem Anwalt der Münchmeyer-Partei, befreundet.
Max Klinger (* 18. Februar 1857, † 4. Juli 1920) war ein Bildhauer, Maler und Grafiker. Sein Werk ist vornehmlich dem Symbolismus zuzuordnen. Seit 1897 war Klinger Professor an der Königlichen Akademie der Graphischen Künste in Leipzig. Max Klinger war seit Mitte der 1890er Jahre ein Freund und Mentor von Sascha Schneider. Bei der Neubesetzung der Professur für Aktmalerei an der Großherzoglich Sächsische Kunstschule in Weimar gehörte Klinger neben Johannes Hans Wilhelm Olde (* 27. April 1855, † 25. Oktober 1917) zu den Befürwortern Sascha Schneiders, der die Stelle im Herbst 1904 tatsächlich erhielt.
Oscar Fingal OFlahertie Wills Wilde (* 16. Oktober 1854, † 30. November 1900) war ein irischer Schriftsteller. Wilde wurde zu seiner Zeit als Schriftsteller bewundert und war im prüden viktorianischen England zugleich als Skandalautor und Dandy verschrien. Er war berühmt für geschliffene Sprachgewandtheit und extravagantes Auftreten. Das Bühnenstück, das Klara empfohlen wurde, hieß auf Englisch »A Woman of no Importance« (1893).
Das Theaterstück ist eine Satire auf die englische Oberschicht des späten 19. Jahrhunderts. Die Handlung spielt größtenteils in den Häusern der Reichen und Mächtigen, wo Lords, Ladies und Archidiakone sich unterhalten und über ihre Zeitgenossen tratschen. Das Stück beginnt im Garten des Anwesens Hunstanton, wo Lady Caroline Pontefract, eine herrische Snobistin, Hof hält und Hester Worsley, eine wohlhabende junge Amerikanerin, die zum ersten Mal England besucht, bevormundet. Als Hester ihre Bewunderung für Gerald Arbuthnot, einen jungen Angestellten, offenbart, tritt dieser aufgeregt ein, um zu verkünden, dass er zum Sekretär von Lord Illingworth ernannt wurde. Lady Hunstanton freut sich für Gerald und lädt seine Mutter ein, an der Gesellschaft auf dem Anwesen teilzunehmen. Der geistreiche und flirtende Lord Illingworth, ein wohlhabender Mann, flirtet mit der schlagfertigen Mrs. Allonby und nimmt ihre Herausforderung an, Hester in sich verliebt zu machen. Als Geralds Mutter, Mrs. Arbuthnot, eintritt, ist Lord Illingworth schockiert, sie als seine Ex-Geliebte wiederzuerkennen. Es stellt sich heraus, dass Lord Illingworth Mrs. Arbuthnot in jungen Jahren verführt, sich aber geweigert hat, sie zu heiraten, als sie mit Gerald schwanger wurde. Gerald ist frustriert über die offenkundige Abneigung seiner Mutter gegen Lord Illingworth und dessen Jobangebot, doch sie weigert sich, die Gründe für ihre Gefühle preiszugeben. Da sie weiß, dass ihr Sohn in Hester verliebt ist, aber auch um Hesters puritanische Ansichten über die Sünde einer unverheirateten Mutter weiß, beschließt Mrs. Arbuthnot, die Geschichte von Geralds Zeugung subtil in der dritten Person zu erzählen. Als Hester Gerald daraufhin erzählt, dass Lord Illingworth versucht habe, sie zu küssen, droht Gerald, seinen neuen Arbeitgeber anzugreifen, bis Mrs. Arbuthnot ihm offenbart, dass Lord Illingworth in Wirklichkeit sein Vater ist. Am nächsten Tag ist Gerald völlig geschockt und schreibt seinem Vater einen Brief, in dem er ihn bittet, seine Mutter zu heiraten. Er hat außerdem beschlossen, Lord Illingworths Angebot, dessen Sekretär zu werden, abzulehnen. Mrs. Arbuthnot erklärt Gerald jedoch, dass sie ihr Leben nicht durch eine Heirat mit Lord Illingworth jetzt entweihen wolle. Hester belauscht das Gespräch und, da sie weiß, dass Gottes Gebot die Liebe über alles stellt, unterstützt sie Mrs. Arbuthnots Entscheidung. Sie teilt Gerald und seiner Mutter außerdem mit, dass sie ihr Vermögen nutzen möchte, um für sie beide zu sorgen. Als Lord Illingworth eintrifft, bietet er Mrs. Arbuthnot die Ehe an und will Gerald als seinen Sohn annehmen, wird aber von seiner ehemaligen Geliebten umgehend zurückgewiesen. Stattdessen erklärt Mrs. Arbuthnot ihm, dass sie ihn hasst und ihn niemals heiraten könnte. Lord Illingworth gibt zu, dass ihm ihre frühere Beziehung nichts bedeutet hat, nennt Mrs. Arbuthnot leichtfertig seine Geliebte, woraufhin sie ihm mit seinem eigenen Handschuh eine Ohrfeige gibt. Als Mrs. Arbuthnot allein ist, ruft sie Gerald und Hester zu sich und bittet ihre zukünftige Schwiegertochter, sie als Mutter anzunehmen. Gerald sieht den Handschuh auf dem Boden und fragt, wer da gerade da war, doch seine Mutter antwortet nur: #132;Ein unbedeutender Mann.
Am Sonntag, dem 5. März 1905 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Vereinshaus (wie Anm. 5) den 4. volkstümliche Komponistenabend, mit einem Vortrag über Franz Liszt (ungarisch Liszt Ferencz; * 22. Oktober 1811, † 31. Juli 1886), einen österreichisch-ungarischer Komponisten, Pianisten, Dirigenten, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller mit deutscher Muttersprache. Liszt spielt auch eine kleine Rolle in Mays Kolportageroman »Der Weg zum Glück«.
Am Freitag, dem 10. März 1905 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Opernhaus (wie Anm. 26) »Le postillon de Lonjumeau« (1836), eine Opéra-comique in drei Akten von Adolphe Charles Adam (* 24. Juli 1803, † 3. Mai 1856).
Chapelou, der frisch verheiratete Postillon (Kutschenführer), und seine Wirtin und Frau Madeleine beschließen, eine Wahrsagerin zu konsultieren, um sicherzustellen, dass ihre Ehe glücklich wird. Diese prophezeit jedoch, dass es nicht reibungslos verlaufen wird, ohne genau zu beschreiben, was wann geschehen wird. Zuerst beunruhigt, überwinden die beiden bald ihre Sorgen und genießen ihre Hochzeitsnacht. Einige Tage nach der Hochzeit trifft der Marquis de Corcy, Direktor der Pariser Oper, im Gasthaus des Paares ein und ist sofort von Madeleine hingerissen, spricht sie aber nicht an. Später belauscht er Chapelou, wie er mit anderen Gästen sein übliches Lied singt, und ist von dessen Stimme beeindruckt. Er beschließt, den jungen Postillon einzuladen, der Operntruppe beizutreten, doch sie müssen sofort aufbrechen. Aufgeregt bittet Chapelou seinen Freund Biju, Madeleine zu sagen, wohin er gegangen ist und warum. Dann brechen er und der Marquis auf und lassen Madeleine schockiert zurück. Zehn Jahre später hat Madeleine ein Erbe angetreten und ist unter dem Namen Madame Latour bekannt; Chapelou ist ein Opernstar. Eines Abends gibt der Marquis nach der Vorstellung einen Empfang für die Opernbesetzung, zu dem er Latour eingeladen hat. Bei der Begegnung mit ihr verliebt sich Chapelou Hals über Kopf, ohne die Frau wiederzuerkennen, die er einst verlassen hat. Er macht ihr einen Heiratsantrag, sie nimmt an, und die Hochzeit findet statt. Der Marquis hat die Polizei informiert und die vermeintliche Bigamie angezeigt. In der Hochzeitsnacht erscheint Madeleine in ihrer alten Bauernkleidung, und Chapelou erkennt sie nun. Vor seinen Augen verwandelt sie sich in Latour, die Erbin. Als der Marquis mit der Polizei eintrifft, enthüllt sie allen ihre Täuschung: Das Paar war zweimal verheiratet und schwört, von nun an wie anständige Dorfbewohner zu lieben. Dies löst einen herzlichen Jubel im Chor aus und sorgt für ein ergreifendes Finale.
Heinrich Friedrich Bötel (* 6. März 1854, † 5. Januar 1938) war ein deutscher Opernsänger (Tenor). Am 5. März 1883 trat er als Chapelou/St. Phar in der Oper »Le postillon de Lonjumeau« in Hamburg auf. Für seine Bühnenpremiere in dieser Rolle schenkte ihm der Hamburger Droschkenkutscher-Verein eine versilberte Reitpeitsche im Wert von 500 Mark, damit er diese im sog. Peitschenlied knallen lassen konnte. In dieser Oper findet sich die Parallele zu Bötels Leben, dass darin ein einfacher Postillon ebenfalls als Opernsänger entdeckt wird. Ob in Wien oder Berlin, ob in Köln, Breslau oder Stuttgart, wo er auch immer auf Gastspielen erschien, immer wurde der seltenen Stimme Bötels unumwundene Anerkennung gezollt.
Am Sonntag, dem 12. März um 12.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) eine Vorstellung der Traumtänzerin Magdeleine G. (vollständig Magdeleine Guipet, geboren als Marie Madeleine Joséphine Emma Archinard, * 23. September 1874, † 12. August 1915), einer französischen Tänzerin, die ab 1904 in verschiedenen Städten unter Hypnose als Ausdruckstänzerin auftrat.
Am gleichen Sonntag, dem 12. März 1905 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Vereinshaus (wie Anm. 4) den 4. Volkstümlichen Dichterabend mit einem Vortrag von Geheimrat Prof. Dr. Friedrich Adolf Ernst Stern (* 14. Juni 1835, † 15. April 1907), einem deutschen Literaturhistoriker und Dichter, über Friedrich Schiller (wie Anm. 39).
Am Montag, dem 13. März 1905 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Clavigo, ein Trauerspiel in fünf Akten« von Johann Wolfgang Goethe (wie Anm. 46), mit Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (* 24. Januar 1732, † 18. Mai 1799) als Bühnenfigur. Es wurde Im Mai 1774 in nur acht Tagen geschrieben und war das erste unter Goethes Namen publiziertes Werk (“Götz von Berlichingen” war 1773 anonym erschienen).
Der erste Akt beginnt mit einem Gespräch zwischen Clavigo und seinem Freund Carlos. Clavigo plagt das schlechte Gewissen, weil er seine Verlobte Marie verlassen hat, um seine Karriere am Hof voranzutreiben. Carlos versichert ihm, dass die Trennung notwendig war. Marie wartet ungeduldig im Haus ihrer Schwester Sophie auf ihren Bruder, der Rache an seiner falschen Verlobten schwört. Beaumarchais besucht Clavigo, ist aber nicht wiederzuerkennen und beginnt erst mitten im Gespräch, die Geschichte seiner Schwester zu erzählen. Während der Erzählung erkennt Clavigo, wer sein Besucher ist, und Beaumarchais zwingt ihn schließlich, einen Brief zu schreiben, in dem er seine Schuld gesteht. Dieses Geständnis soll vor Gericht vorgelegt werden, um Clavigo zu diskreditieren und seinen weiteren beruflichen Aufstieg zu verhindern. Clavigo beschließt jedoch, seine Tat auf andere Weise wiedergutzumachen und bittet Herrn Beaumarchais um die Hand seiner Schwester. Zuerst weigert er sich, willigt aber schließlich ein, seine Schwester nicht zu behindern, wenn sie ihrem ehemaligen Verlobten vergeben will. Er verspricht auch, den Brief mit Clavigos Geständnis aufzubewahren, bis seine Schwester sich äußert, und ihn nicht zu verwenden. Clavigo besucht Maria und bittet sie und ihre Angehörigen um Vergebung. In einem Moment glücklicher Versöhnung tritt Beaumarchais auf und vernichtet daraufhin Clavigos Brief. Nur Buenco zweifelt an Clavigos Ehre, und auch Beaumarchais fragt sich, ob er den Brief zu früh vernichtet hat. Carlos nutzt Clavigos Unentschlossenheit in einem langen Gespräch aus und überzeugt ihn erneut davon, dass die Heirat mit der Französin Marie das Ende seiner Karriere bedeuten würde. Clavigo willigt schließlich ein und lässt Carlos reden, während er selbst untertaucht. Bei einem zufälligen Besuch in Clavigos Haus entdeckt Beaumarchais, dass dieser verreist ist, und beginnt, ihn zu verdächtigen. Er vertraut seinen Schwestern seine Vermutungen an, und fast zeitgleich trifft ein Kurier ein. Dieser überbringt eine Warnung des französischen Gesandten: Beaumarchais wurde von Clavigo der Körperverletzung beschuldigt und vor Gericht gestellt. Der Gesandte drängt ihn in einem Brief zur Flucht zurück nach Frankreich, bevor er gefasst wird. Nachdem Marie, bereits von den aufgewühlten Gefühlen geschwächt, von dem doppelten Verrat erfährt, stirbt sie.
Clavigo schleicht sich heimlich durch die nächtliche Stadt zu Carlos und kommt an Quilberts Haus vorbei, gerade als der Trauerzug abfährt. Als Clavigo erfährt, dass Marie begraben wird, wirft er sich bewusstlos auf den Sarg, bereut seine Tat und wünscht sich ebenfalls den Tod. Verzweifelt zieht Beaumarchais sein Schwert und ersticht Clavigo nach einem kurzen Duell. Er bricht auf Maries Sarg zusammen und fleht um Vergebung. In diesem Moment trifft Carlos bei der Prozession ein und will Clavigos Mörder der Justiz übergeben. Clavigo jedoch bittet seinen Freund inständig, Herrn Beaumarchais sicher zur französischen Grenze zu bringen. Dann umarmt er Marie und stirbt.
Anschließend an »Clavigo« wurde »Literatur« (1902) von Arthur Schnitzler (* 15. Mai 1862, † 21. Oktober 1931), einem österreichischen Arzt, Erzähler und Dramatiker, gespielt. Es ist ein Lustspiel in einem Akt, das mit drei anderen zum Einakterzyklus »Lebendige Stunden« gehört.
Gilbert schaut bei seiner ehemaligen Geliebten Margarethe vorbei. Im Dialog ergibt sich, beide haben die Geschichte ihrer verflossenen Beziehung in jeweils einem Roman verarbeitet. Natürlich hat jeder der beiden Autoren die Spuren kräftig verwischt. Ein Lapsus ist allerdings unterlaufen. Beide Schriftsteller haben ihren Briefwechsel Wort für Wort in den jeweiligen Romantext eingefügt. Die oben genannte Wahl zwischen Schriftstellerei und der Ehe mit dem Baron Clemens fällt Margarethe leicht. Stellt die Ehe doch ganz nebenbei die elegante Lösung des Problems der publizierten Liebesbriefe dar. Margarethe lässt ihren kurz vor der Auslieferung stehenden Roman einstampfen, wirft das Exemplar, das der Baron von einem Besuch des Verlegers mitbringt, ins Feuer und gibt sich heiratswillig.
Bei Cooper: one ... (aus »The Two Admirals«). Klaras (oder der Schreibkraft?) spätere Verbesserung ist freilich die phonetische Wiedergabe des Wortes one.
Das ziemlich fehlerhafte Zitat ist »The Two Admirals« (1842) entnommen, einem Roman von James Fenimore Cooper (* 15. September 1789, † 14. September 1851).
Der Osterberg ist ein Hügel in Dresden-Cossebaude. Auf dem Gipfel davon befindet sich seit 1913 ein Bismarckdenkmal; die Grundsteinlegung fand statt am 30. März 1913, genau einem Jahr nach Karl Mays Tod. Er hat das Denkmal also nie gesehen; die Aussicht über Radebeul und Dresden ist aber wunderschön. Der Hügel befindet sich entlang dem linkselbischen Weg von Dresden nach Meißen. Dachte Klara May vielleicht, dass der Osterberg in Meißen lag, oder sind die Mays und Weigl nach dem Besuch des Hügels weitergefahren nach Meißen?
Johann Heinrich Lahmann (* 30. März 1860, † 1. Juni 1905) war ein deutscher Arzt und Naturheiler. Er stand den Gedanken der Lebensreform nahe, wie z.B. auch Friedrich Eduard Bilz (* 12. Juni 1842, † 30. Januar 1922). Lahmann eröffnete 1. Januar 1888 im Dresdner Vorort (heute Stadtteil) Weißer Hirsch ein eigenes Sanatorium unter dem Namen Physiatrisches Sanatorium im Frida-Bad. Berühmte Kurgäste waren u.a. Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875, † 29. Dezember 1926) in 1901 und 1905, Franz Kafka (* 3. Juli 1883, † 3. Juni 1924) in 1903, Thomas Mann (* 6. Juni 1875, † 12. August 1955) in 1906, und im Interbellum und während des Krieges auch Hugo Junkers (* 3. Februar 1859, † 3. Februar 1935), Paul Lincke (* 7. November 1866, † 3. September 1946), Zarah Leander (* 15. März 1907, † 23. Juni 1981), Heinrich George (* 9. Oktober 1893, † 25. September 1946), Heinz Rühmann (* 7. März 1902, † 3. Oktober 1994), Johannes Heesters (* 5. Dezember 1903, † 24. Dezember 2011), Joseph Goebbels (* 29. Oktober 1897, † 1. Mai 1945), Hermann Göring (* 12. Januar 1893, † 15. Oktober 1946), Werner von Blomberg (* 2. September 1878, † 14. März 1946) und Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890, † 21. Dezember 1935). Im Sanatorium brachte die Frau des Schauspielers Willy Fritsch (* 27. Januar 1901, † 13. Juli 1973) ihrer beider zweiter Sohn Thomas (* 16. Januar 1944, † 21. April 2021) zur Welt. 1946 wurde die Familie Lahmann auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland entschädigungslos enteignet und das ehemalige Sanatorium wurde bis 1992 als Militärkrankenhaus der Sowjetarmee unter sowjetischer Verwaltung genutzt.
1905, als Josef Weigl das Sanatorium besuchte, befand sich Emma Pollmer unter den Patienten.
In der Hauptverhandlung um 8.30 Uhr vor dem Schöffengericht (Gerichtsstraße 2, Zimmer 28) am 4. Juli 1905 - Klaras Geburtstag - wurde Rudolf Lebius (wie Anm. 289) wegen Verleumdung in der Sachsenstimme vom 3. April 1905 erstinstanzlich zu 30 Mark (heute etwa 258 Euro) Geldstrafe oder fünf Tage Haft und zur Tragung der Kosten verurteilt. Da Karl May die Strafe in Anbetracht der Schwere der Lebiusschen Schmähung zu niedrig erschien, beantragte er eine Revision, bei der Lebius am 5. August 1905 wider Erwarten jedoch freigesprochen wurde.
Am Sonntag, dem 15. Oktober 1905 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Gewerbehaus (Ostra-Allee 13) einen vom Gewerbeverein Dresden veranstalteten Vortrag der österreichischen Pazifistin, Friedensforscherin, Schriftsellerin und Publizistin Bertha Sophia Felicita Freifrau von Suttner geb. Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau (* 9. Juni 1843, † 21. Juni 1914) über Die Lehren des ostasiatischen Krieges (gemeint ist der Russisch-Japanischer Krieg, 8. Februar 1904 bis 5. September 1905), Über den Kampf um die Organisation des Friedens und Persönliche Erinnerungen aus der Friedensbewegung. Sie verfasste u.a. »Die Waffen nieder« (1889) und wurde keine zwei Monate nach dem Dresdner Vortrag als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Prof. Dr. Johannes Werner (* 1864, † 1937) war ein Theologe; von 1894 bis 1899 war er Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Marburg und danach Privatgelehrter in Leipzig. Seine Spezialgebiete waren Kirchen-, Kunst- und Kulturgeschichte. Werner verfasste den einführenden Text zu Sasca Schneiders »Titelzeichnungen zu den Werken Karl Mays«, die 1905 als Mappe bei Karl Mays Verleger Fehsenfeld in Freiburg i.Br. erschienen.
Vor dem 2. Zivilsenat des Dresdner Oberlandesgerichts (Pillnitzer StraBe 41, Eingang Gerichtsstraße 2, 2. Stock; Senatspräsident Max Gustav Hallbauer und Oberlandesgerichtsräte Dr. Edmund Friedrich Günther, Wilhelm Schmidt, Dr. Oskar Kormann, Dr. Karl Walter Burdach und Dr. Karl Georg Paul Mayer) gewinnt Karl May (Rechtsanwalt Dr. Ernst Hugo Klotz, wie Anm. 415) den Prozess gegen Pauline Munchmeyer (Rechtsanwalt Dr. Felix Bondi, wie Anm. 340), die zur Rechnungslegung über die verkauften May-Romane verpflichtet wird: Die Berufung gegen das am 26. September 1904 verkündete Teilurteil der 6. Zivilkammer des K. Landgerichts zu Dresden wird zurückgewiesen. Die Kosten der Berufungsinstanz werden der Beklagten auferlegt. Auf die Vorlage von Mays Strafakten hat das Gericht verzichtet. Einen Vergleichsvorschlag Dr. Mayers hat May zurückgewiesen.
Elisabeth Li(e)sbeth Barchewitz (* 1890, † 1978) lebte in Hildesheim und wurde – samt einiger Freundinnen – eine glühende Verehrerin von Karl May. Sie verfasste u. a. 1904 ein Gedicht, »Das Licht und die Motten«, das Klara May in ihr Gästebuch eintrug. Li(e)sbeth besuchte auch Radebeul und korrespondierte mit May. Im Hildesheimer Kurier, dessen Chefredakteur ihr Onkel war, veröffentlichte sie am 22. Februar 1906 einen Bericht über ihren Lieblingsschriftsteller (Karl Mays Einfluß auf unser Leben), der im »Karl-May-Jahrbuch 1920« nachgedruckt wurde.
Zweite Fassung eines Gedichtes, das Karl May 1899/1900 während seiner Orientreise mit einer Blumenspende an seine erste Frau Emma sandte. Diese zweite Fassung sandte er Li(e)sbeth Barchewitz (wie Anm. 536) zu ihrer 16. Geburtstag, zusammen mit einem Herbarium mit gepressten Blumen und einem Skarabäus. Das Gedicht wurde zu Karl Mays Lebzeiten nie veröffentlicht.
Gemeint is der Artikel Atavistische und Jugend-Literatur von Rudolf Lebius, das am 30. Juni 1906 im Berliner Wochenblatt Die Wahrheit erschienen war.
Paul Lehmann (* 1875, † 1913) war Direktor der Union Deutsche Verlagsgesellschaft, hier von Klara abgekürzt als Univa. Aus den Worten von neuem geht hervor, dass er sich nicht zum ersten Mal darum bemühte, ein Werk Karl Mays zu veröffentlichen.
Dr. Kurt Dietze war Buchhalter und Schriftsteller in Leipzig. Am 23. September 1906 hatte dieser sich erstmals brieflich an Karl May gewandt. Vermutlich daraufhin erkundigte sich Klara May bei Marie Hannes (* 3. März 1881; † 4. Januar 1953), die in Leipzig studierte, nach Dietze. Mariechen antwortete auf diese Anfrage am 26. September: Kurt Dietze, L[eipzig] Gohlis, Lindenthalstr. 24III ist Buchhalter. Weiter sagt das Adreßbuch nichts. Auf den 2. April 1907 datiert ein Brief des mit Karl May bekannten Chefredakteurs der Zeitschrift Natur und Kultur, Dr. Franz Joseph Völler (* 26. November 1876 , † ?), an den Redakteur August Abels (* 22. März 1878, † ?) der Münchner Neuesten Nachrichten. In diesem Brief berichtete er, dass May in Radebeul von dem Schriftsteller Kurt Dietze belästigt würde. Dieser hätte auch Völler für dessen Natur und Kunst vergeblich zwei Aufsätze über Karl May (Eine persönliche Plauderei und May als Erzieher) angeboten. Völler hielt Dietze für einen Intriganten und literarischen Ausbeuter.
August Anton Abels (* 22. März 1878, † ?) war Redakteur der Münchner Neuesten Nachrichten und spätestens seit 1906 entschiedener Verteidiger Karl Mays. Abels nahm im September 1906 Kontakt mit May auf. Für ihn hatte Karl May am 1. Oktober 1906 die »Skizze zu Babel und Bibel« geschrieben. In den Münchner Neuesten Nachrichten veröffentlichte Abels am 18. November 1906 – angeblich ohne das Wissen des Chefredakteurs – einen Beitrag über »Babel und Bibel«, der sich auf Mays Zuarbeit stützt. Dieser Aufsatz wurde von Friedrich Ernst Fehsenfeld als Werbeblatt gedruckt, brachte aber angeblich nur vier neue Käufer. Dr. Paul Adolf Näcke (* 23. Januar 1851, † 18. August 1913) – Psychiater und Kriminologe - dankte Abels für dessen Kritik. Abels besuchte May um den Jahreswechsel 1906/07, erneut vom 30. März bis zum 9. April 1907 und am 29. Juli 1907 in Radebeul.
Emil Max Winkler war ein Steindruckerei-Faktor (Werkmeister) im Verlag H. G. Münchmeyer in Dresden-Niedersedlitz (wie Anm. 18). Er arbeitete dort schon zu Lebzeiten des Verlagsgründers, und auch noch zu Zeiten Adalbert Fischers und seiner Erben. Max Winkler, der Karl May nach eigenen Angaben schon 1883 im Verlag kennent gelernt hatte, war verheiratet und hatte mehrere Söhne und Töchter. 1888 - bei der Geburt seines Sohnes Ernst Martin - lebte er im Jagdweg 7. Er besuchte Mays mehrmals und wurde im Laufe der Münchmeyerprozesse mehrmals vom Gericht vernommen.
Frau E. Barchewitz war die Inhaberin der Pension Belvedere in Salzbrunn, dem heutigen Szczawno-Zdrój. Bei der Betreuung ihrer Gäste unterstützten sie ihre drei Töchter Eva, Frida und Gertrud Barchewitz. Ab Juni, als May sich mehr oder weniger erholt hatte, machten die Mays tagsüber Ausflüge in die Umgebung.
Diese Familie Barchewitz sollte nicht verwechselt werden mit Li(e)sbeth Barchewitz (wie Anm. 536).
Gemeint ist Clemens Pippow (* 17. April 1852, † 8. Februar 1913), ein Geistlicher und zwischen 1901 und 1906 Superintendent in Sonnenburg, dem heutigen Słońsk. Karl May widmete ihm am 10. Juni 1907 in Salzbrunn ein Exemplar von »Babel und Bibel«.
»Husarenfieber. Schwank in vier Akten« (1906) von Gustav Kadelburg (* 26. Juli 1851, † 11. September 1925), einem österreichischen Theaterschauspieler, Stückeschreiber und Librettisten, und Richard Skowronnek (* 12. Juli oder 12. August 1862, † 16. oder 17. Oktober oder 17. Februar 1932), einem deutschen Journalisten, Dramatiker und Schriftsteller. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Sonntag, dem 2. Juni (Besuch Mays), Donnerstag, dem 6. Juni, Montag, dem 17. Juni und Dienstag, dem 25. Juni 1907. Der Inhalt dieses Lustspiels ist (mir) unbekannt.
»Der Probekandidat. Schauspiel in vier Aufzügen« (1899) ist ein Theaterstück von Max Dreyer (* 25. September 1862, † 27. November 1946), einem deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Montag, dem 3. Juni (Besuch Mays) und Dienstag, dem 11. Juni 1907.
Dr. Fritz Heitmann, dem Probekandidaten, ist der naturwissenschaftliche Unterricht in der obersten Klasse eines Gymnasiums übertragen. Er hat den Darwinismus zur Grundlage seiner wissenschaftlichen Denkweise gemacht und möchte auch seine Schüler im Geiste dieser Wahrheit heranbilden. Auch ist er ein ehrlicher Mann, der die Unwahrheit auch dann hasst, wenn sie in der vielfach beliebten Form der Notlüge auftaucht. Feigheit gegenüber denen, die im sozialen Körper höher stehen oder mächtiger sind als wir, sei der Ursprung dieser Untugend, sagt er zu seinem Schüler, der in der Religionsstunde ihre Berechtigung gelernt haben will. Es wird dem Manne schwer, auf dem Boden der Wahrheit zu bleiben. Er erregt den Zorn des Präpositus Dr. v. Korff. Dieser, ein Verwandter des Ministers und ein Träger der Überzeugung, dass die Religion dem Volke nicht genommen werden dürfe, veranlasst den Direktor der Schule, den unkrautsäenden Lehrer zur Raison zu bringen. Der ist in einer schwierigen Lage. Er soll die Stütze seiner Familie werden, die der Vater, ein verkrachter Gutsherr, nicht mehr über Wasser halten kann. Außerdem hat er eine Braut, deren Hand er von den Eltern nur erhalten kann, wenn er als Äquivalent seine Anstellung als Lehrer bieten kann. Er lässt sich zu dem Versprechen hinreißen, in einer Probelektion vor seinen Schülern die Irrlehren zu widerrufen, die er ihnen vorgetragen hat, und dafür echt christliche Offenbarungswahrheiten in die Seelen zu pflanzen. Dafür soll er des Amtes eines Jugendbildners würdig befunden werden. Als er aber seine Schüler um sich versammelt sieht und ihnen in die lieben Augen blickt, wird ihm klar, dass diese die Wahrheit und nichts anderes von ihm verlangen, und er bestätigt vor den Ohren seiner Vorgesetzten die von ihm vertretenen Gesichtspunkte. Die dankbaren Schüler lohnen ihn mit einem Ständchen; die Braut geht ihm verloren. Er ist aber ein aufrechter Mann geblieben.
»Der Salontyroler. Lustspiel in vier Akten« (1885) ist ein Theaterstück von Gustav Albert von Moser (* 11. Mai 1825, † 23. Oktober 1903), einem deutschen Schriftsteller und Lustspieldichter. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Dienstag, dem 4. Juni 1907.
Ein wohlhabender Städter möchte sich den Schein eines naturverbundenen, einfachen Lebens geben – ein Phänomen, das im späten 19. Jahrhundert als Salon-Tiroler verspottet wurde. Er schmückt sich mit Trachten, Jägerlatein und volkstümlichen Attitüden, um in der feinen Gesellschaft Eindruck zu schinden und die Gunst einer Dame zu gewinnen. Die Situation gerät außer Kontrolle, als plötzlich echte Tiroler auf der Bildfläche erscheinen. Der städtische Fassaden-Tiroler wird mit der rauen, echten Realität und den Traditionen konfrontiert. Das führt zu urkomischen Situationen, in denen seine gestellte Maske bröckelt und er sich in seinen eigenen Lügen und Posen verstrickt. Wie es sich für ein Lustspiel gehört, klären sich die Missverständnisse nach und nach auf. Die Fassade des Möchtegern-Tirolers fällt, die wahren Charaktere kommen ans Licht, und die Liebenden finden am Ende zusammen. Die Moral der Geschichte nimmt die städtische Eitelkeit und das romantisierende Verkleidungstheater der Oberschicht liebevoll, aber deutlich aufs Korn.
»Unsere Frauen. Lustspiel in fünf Akten« (1875) ist ein Theaterstück von Gustav von Moser (wie Anm. 551) und Franz von Schönthan (eigentlich Franz Schönthan von Pernwaldt, * 20. Juni 1849, † 2. Dezember 1913), einem österreichischen Journalisten, Schauspieler und Schriftsteller. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Freitag, dem 7. Juni 1907. Der Inhalt dieses Lustspiels ist (mir) unbekannt.
»Die schöne Ungarin. Gesangsposse in vier Aufzügen« von Wilhelm Mannstädt (* 20. Mai 1837, † 13. September 1904), einem deutschen Kapellmeister, Schauspieler und Regisseur, und Carl A. Weller (Pseudonym von August Müller (* 1838, † 1900/1922?), einem deutschen Schriftsteller, Dramatiker und Gymnasiallehrer. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Sonntag, dem 9. Juni 1907. Der Inhalt dieser Posse ist (mir) unbekannt.
»Alt Heidelberg. Schauspiel in fünf Aufzügen« (1901) ist ein Theaterstück von Wilhelm Meyer-Förster (* 12. Juni 1862, † 17. März 1934), einem deutschen Schriftsteller. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Montag, dem 10. Juni 1907.
Der junge Kronprinz Karl Heinrich, sächsischer Thronfolger, wird zu seinem strengen Onkel, König Karl VII., gebracht. Der König entlässt die Amme des Jungen sofort, ohne den Jungen zu informieren, um einen emotionalen Abschied zu vermeiden. Dr. Friedrich Jüttner, sein neuer Hauslehrer, erweist sich als verständnisvoll, und die beiden werden lebenslange Freunde. Trotz der Annahme des einfachen Volkes, es müsse wunderbar sein, er zu sein, wächst der Junge einsam auf, ohne Spielkameraden in seinem Alter. Nachdem der junge Prinz 1901 mit Hilfe von Dr. Jüttner sein Abitur bestanden hat, freut er sich sehr, zu erfahren, dass er und Jüttner nach Heidelberg geschickt werden, wo er seine Ausbildung fortsetzen soll. Bei ihrer Ankunft ist Karls Diener entsetzt über die Zimmer, die dem Prinzen und Jüttner im Gasthaus von Ruder zur Verfügung gestellt werden. Als Ruders Nichte Käthie das jahrhundertealte Familienunternehmen vehement verteidigt, ist Karl von ihr fasziniert und beschließt zu bleiben. Er wird schnell Mitglied des Studentenclubs Corps Saxonia. Später am selben Tag versucht Karl, Käthie zu küssen, erfährt aber, dass sie verlobt ist. Ihre Familie ist mit ihrem Verlobten einverstanden, doch sie selbst ist sich nicht so sicher. Schließlich gesteht sie Karl, dass sie sich trotz des großen sozialen Unterschieds in ihn verliebt hat. Karl empfindet dasselbe und schwört, dass nichts sie trennen wird. Als er mit ihr eine Bootsfahrt unternimmt, dreht ihnen ihr Ruderer Johann Kellermann den Rücken zu, um ihnen etwas Privatsphäre zu gewähren. Karl scherzt mit ihm, dass er Kellermann zu seinem Kammerdiener machen werde, wenn er König sei. Dann erhält Jüttner einen Brief vom König, in dem dieser Karl mitteilt, dass er eine Prinzessin für ihn auserwählt hat. Jüttner bringt es nicht übers Herz, das Glück seines Freundes zu zerstören. Am selben Tag trifft jedoch Premierminister von Haugk mit der Nachricht ein, dass der König schwer erkrankt ist und Karl nach Hause zurückkehren und die Regierungsgeschäfte übernehmen muss. Als Karl seinen Onkel sieht, erfährt er von den Heiratsplänen. Während Karl noch unter Schock steht, stirbt der alte König, kurz darauf auch Jüttner. Später drängt von Haugk den neuen Monarchen zur Heirat. Der verzweifelte Karl unterzeichnet das Heiratsdokument. Dann erscheint Kellermann, um die von Karl angebotene Stelle anzutreten. Als Karl ihn nach Käthie fragt, erfährt er, dass sie noch immer auf ihn wartet. Er besucht sie ein letztes Mal. In der letzten Szene sieht man Karl mit seiner Braut in einer Kutsche durch die Straßen fahren. Ein Passant bemerkt, wie wunderbar es sein muss, König zu sein, ohne Karls Kummer zu ahnen.
»Alt Heidelberg« war bis in den 30er Jahren das erfolgreichste deutschsprachiges Theaterstück und wurde 1924 von Sigmund Romberg (* 29. Juli 1887, 9. November 1951) zu einer Operette, »The Student Prince«, umgearbeitet; diese Arbeit wurde mehrfach verfilmt.
»Der Veilchenfresser. Lustspiel in vier Akten« (1876) ist ein Theaterstück von Gustav von Moser (wie Anm. 551). Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Freitag, dem 14. Juni 1907.
Viktor von Ronay ist ein ebenso schmucker wie charmanter Frauenheld, der aufgrund seiner Vorliebe, die jeweilige Dame seines Herzens mit Veilchen zu beschenken, den titelgebenden Spitznamen Der Veilchenfresser angeheftet bekam. Als er mal wieder in zünftiger Lederhosentracht einen Bergurlaub antritt, lernt er vor Ort die attraktive Witwe Melitta von Arthof kennen. Die beiden beginnen sich rasch zu mögen, doch die Dame hat ein Problem: Das heißt Herr von Golitzki und ist ein ziemlich hartnäckiger Verehrer, der ihr überall hin nachreist. Auch vor Ort ist dieser aufdringliche Mann nicht davon abzubringen, Melitta ständig auf die Pelle zu rücken. Umso verärgerter ist Golitzki, dass ihm von Ronay in die Quere zu kommen scheint und bei Melitta ganz offensichtlich sehr viel bessere Karten hat. Aus diesem Grund fordert Golitzki Ronay zum Duell heraus, bei dem Golitzki verwundet wird. Dieses verbotene Duell führt erst zur Verhaftung und danach zur Verurteilung von Ronay, der anschließend eine Festungshaft antreten muss. Am Namenstag seiner geliebten Melitta bricht Ronay aus dem Gefängnis aus, um ihr den obligaten Veilchenstrauß zu überreichen. Alles scheint sich wieder zu beruhigen, und Melitta und Victor planen ihre Verlobung. Doch Golitzki lässt nicht locker und bringt das verliebte Paar durch eine gezielte Verleumdung in Turbulenzen. Melitta glaubt dem Gerücht und droht sich daraufhin von Ronay wieder zurückzuziehen. Veilchenfresser Victor ist jedoch nicht bereit, Melitta einfach so ziehen zu lassen und zwingt Golitzki vor Melitta, seine in die Welt gesetzten Lügen zu widerrufen und damit alle Missverständnisse beiseite zu räumen, sodass die Verlobten schließlich in den Hafen der Ehe steuern können.
»Das Glashaus. Lustspiel in drei Aufzügen« (1906) ist ein Theaterstück von Oscar Blumenthal (* 13. März 1852, † 24. April 1917), einem deutschen Schriftsteller, Kritiker und Dramatiker. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Sonntag, dem 16. Juni 1907.
Das Lustspiel versetzt uns in die Dilletantenwelt Berlins. Möllendorf weiß mit grossem Geschick die Schwächen der Kunstjünger auszunützen. Sein Kunstverlag und sein Theater der Werdenden sind ein Glashaus, aus welchem die Opfer sich nur durch Mithilfe des Schriftstellers Dr. Eberhard entziehen können.
Es ist laut der sehr mageren Bescheibung eine sehr gelungene Satire auf die Berliner Verhältnisse, womit Blumenthal beweist, dass er es verstanden hatte, seinen treffenden Witz und seine grosse Beobachtungsgabe ins Licht zu rücken.
In dem Lustspiel schrieb Blumenthal den prophetischen Satz Zu dem Großstadt-Lärm gehört eben auch das Großstadt-Ohr. Denn bislang vertraute Hörgewohnheiten und Klangkonventionen hatten sich um die Jahrhundertwende durch Technisierung und Industrialisierung abrupt verändert. Eine genaue Inhaltsbeschreibung dieses Lustspiels ist (mir) unbekannt.
»An Ideal Husband« (»Ein idealer Gatte«, 1894) ist ein Drama von Oscar Wilde (wie Anm. 508). Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Donnerstag, dem 20. Juni 1907.
Sir Robert Chiltern, ein einflussreicher Abgeordneter im englischen Unterhaus, und seine Frau geben während der Londoner Gesellschaftssaison einen Empfang. Zahlreiche prominente Gäste aus dem Adel sind anwesend, darunter Sir Roberts Schwester Mabel und Lord Goring, ein enger Freund der Familie. Auch Mrs. Cheveley ist da, die einst mit der Gastgeberin zur Schule ging. Die beiden Frauen hegen eine tiefe Abneigung gegeneinander. Es ist Mrs. Cheveley, die Sir Robert an diesem Abend unter Druck setzt, im Parlament einen positiven Bericht über ein geplantes, aber betrügerisches Projekt zum Bau eines Kanals in Argentinien abzugeben, in das sie beträchtlich investiert hat. Ihr Trumpf ist ein Brief, der enthüllt, dass Sir Robert vor langer Zeit ein Staatsgeheimnis an Baron Arnheim – einen verstorbenen, steinreichen Liebhaber von Mrs. Cheveley – über Investitionen in den Suezkanal verkauft hat. Dank dieses Insiderwissens konnte der Baron enorm profitieren und zahlte Chiltern dafür eine beträchtliche Summe, die den Grundstein seines Vermögens legen sollte. Unter der Drohung, sein Geheimnis zu enthüllen, von dem selbst Robert Chilterns Frau nichts weiß, gibt er dem Druck nach. Sobald Mrs. Cheveley Gertrude Chiltern von der neuen Haltung ihres Mannes in dieser Angelegenheit erzählt, ist diese tief enttäuscht von seinem Verhalten. Sie hält ihn für unbestechlich und hat ihn als idealen Ehemann idealisiert. Sie drängt ihn, seine Unterstützung für das Projekt aufzugeben. Unterdessen haben Lord Goring und Mabel eine wertvolle Brosche im Haus gefunden, die Goring einst jemandem geschenkt hatte. Er steckt das Schmuckstück ein und wartet darauf, dass jemand danach fragt. Im zweiten Akt beichtet Robert Chiltern Lord Goring die Wahrheit. Dieser drängt Robert, seiner Frau alles zu erzählen, doch Robert fürchtet, dies bedeute das Ende ihres Eheglücks. Lord Goring gesteht ihm, dass er einst kurz mit Mrs. Cheveley verlobt war. In einem Gespräch mit Gertrude rät Goring ihr, ihre Ansichten nicht so starr zu vertreten und flexibler zu werden. Dann kommt Mrs. Cheveley vorbei, um sich nach ihrer verlorenen Brosche zu erkundigen. In einem privaten Gespräch offenbart sie Gertrude die Wahrheit über ihren Mann, woraufhin beide Eheleute von Verzweiflung erfasst werden. Lord Goring erhält einen Brief von Gertrude Chiltern, in dem sie ihn um Hilfe und Rat bittet. Der Brief ist jedoch so formuliert, dass er auch als Liebeserklärung gelesen werden könnte. Sie kündigt ihren Besuch an. Währenddessen kommt Gorings Vater vorbei, um mit seinem Sohn zu sprechen, und Goring weist seinen Diener an, die erwartete Besucherin in einem anderen Zimmer warten zu lassen. Doch die unerwartet eintreffende Frau ist Mrs. Cheveley, die vom Butler ahnungslos in das besagte Zimmer gelassen wird. Dort entdeckt sie Lady Chilterns Brief und stiehlt ihn. Später wird die verlorene Brosche erwähnt, die Lord Goring hervorholt und ihr fest an den Arm heftet, sodass sie sie nicht abnehmen kann. Es stellt sich heraus, dass Mrs. Chevely die Brosche einst von Lord Gorings Nichte gestohlen hatte. Goring hält nun den Trumpf in der Hand und verlangt den belastenden Brief gegen Robert Chiltern. Schließlich händigt sie ihn ihm aus. Als Robert Chiltern kurz darauf selbst vorbeikommt, um seinen Freund zu konsultieren, entdeckt er endlich die Anwesenheit seines Feindes. Er vermutet eine heimtückische Intrige zwischen den beiden und verlässt wutentbrannt das Haus. Auch Mrs. Chevely verlässt das Haus triumphierend, im Besitz des möglicherweise belastenden Briefes von Gertrude Chiltern. Im letzten Akt finden alle Verwicklungen ein befriedigendes Ende. Lord Goring macht Mabel einen Heiratsantrag; Robert Chiltern hat den Kanalplan im Unterhaus als Betrug zurückgewiesen. Erleichterung herrscht über die Vernichtung des belastenden Briefes. Was bleibt, ist die Drohung von Lady Chilterns Brief an Lord Goring. Robert Chiltern liest den Brief jedoch, als wäre er an ihn selbst gerichtet, und schließt daraus, dass seine Frau ihm verziehen hat. Goring kann verhindern, dass sich das Paar, wie geplant, aus dem öffentlichen Leben zurückzieht. Sir Robert verweigert jedoch seine Zustimmung zur Heirat zwischen Goring und seiner Schwester, da diese offenbar Kontakt zu Mrs. Cheveley unterhält. Gertrude Chiltern sieht sich nun gezwungen, die Ereignisse des Vorabends zu erklären und die korrekte Interpretation des Briefes darzulegen. Schließlich findet jeder ein zufriedenstellendes Ende.
»Sherlock Holmes« ist eine Detektivkomödie nach Sir Arthur Conan Doyle (* 22. Mai 1859, † 7. Juli 1930), einem britischen Arzt und Schriftsteller, und William Gilette (* 24. Juli 1853, † 29. April 1937), einem amerikanischen Schauspieler und Dramatiker, der vor allem als Sherlock Holmes zeitlebens Berühmtheit erlangte, hier in der deutschen Bearbeitung von Albert Bozenhard (* 14. Februar 1860, † 13. Januar 1939), einem deutschen Theaterschauspieler und Dramatiker. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Donnerstag, dem 13. Juni 1907; Klara hat hier, wie so oft, die chronologische Reihenfolge durcheinandergebracht.
James und Madge Larrabee sind ein Kleinkriminellenpaar. Auf ihrer Reise durch den Kontinent begegnen sie Alice Faulkner, einer jungen Frau aus gutem Hause, die vom Selbstmord ihrer Schwester schwer getroffen ist. Alices Schwester hatte sich das Leben genommen, nachdem sie eine heimliche und brutale Affäre mit einem Mann aus dem höchsten deutschen Adel hatte, der sie nicht heiraten wollte. Während ihrer Affäre tauschten die Liebenden Liebesbriefe aus, und Alice gelangte in den Besitz dieser kompromittierenden Korrespondenz. Alice will ihre Schwester rächen, indem sie diese Briefe an die Verlobte des deutschen Adligen schickt, um einen Skandal auszulösen. Das Ehepaar Larrabee beschließt im Vertrauen, einen Plan zu entwickeln, die Briefe zu beschlagnahmen und sie der Familie des Adligen teuer zu verkaufen. Zu Beginn des Stücks versuchen die Larrabees, die Briefe aus der Truhe im Wohnzimmer zu holen, doch Alice hat die Kombination geändert. Sidney Prince, ein Bekannter von James Larrabee, schafft es, die Truhe zu öffnen, doch sie ist leer: Alice hat die Briefe bereits an sich genommen. James Larrabee versucht vergeblich, das Mädchen zu bedrohen, um ihr Versteck zu erfahren. Sherlock Holmes, der von der Familie des deutschen Würdenträgers kontaktiert wurde, um die Briefe zu kaufen, trifft bei Larrabee ein. Der Detektiv täuscht ein Feuer vor, woraufhin Alice instinktiv auf einen Sessel im Wohnzimmer flüchtet. Holmes untersucht den Sessel und findet die von der jungen Frau versteckten Briefe. Da er jedoch weiß, dass Alice ihn wegen Diebstahls verklagen könnte, gibt er ihr die Briefe zurück und gewinnt so ihr Vertrauen, bevor er geht. James Larrabee erkennt, dass es sinnlos ist, selbst an Alices Briefe zu gelangen, um sie zu verkaufen: Der Verkauf an die Familie des Würdenträgers muss zwangsläufig über Holmes erfolgen. In Professor Moriartys Büro dieser spricht mit Alfred Bassik, seinem engsten Vertrauten, und bemerkt, dass Sherlock Holmes seine kriminellen Pläne häufig vereitelt. Sidney Prince und das Ehepaar Larrabee kommen ins Büro, um Bassik und Moriarty zu informieren, dass Sherlock Holmes wegen der Briefangelegenheiten in ihr Haus eingedrungen ist. Moriarty beschließt, sich des Falls anzunehmen, um Sherlock Holmes näherzukommen und ihn zu töten. Er befiehlt Madge Larrabee, gefälschte Briefe zu schreiben, die Alices Briefen ähneln, und James Larrabee, Sherlock Holmes für den Abend an einen Ort einzuladen, wo er in einen Hinterhalt geraten soll. Nachdem die Befehle erteilt sind, beschließt Moriarty, Sherlock Holmes in seinem Haus in der Baker Street aufzusuchen, um ihn noch am selben Nachmittag zu beseitigen. In Sherlock Holmes Wohnung, Baker Street 221B offenbart Holmes Dr. Watson, dass er weiß, dass er Professor Moriartys neues Ziel ist. Forman, Larrabees Butler, der für Holmes arbeitet, trifft in 221B ein, um den Detektiv darüber zu informieren, dass Madge Larrabee begonnen hat, gefälschte Briefe herzustellen - ein Hinweis darauf, dass ihr eine Falle gestellt wird. Page Billy überbringt Holmes einen Brief von James Larrabee, in dem dieser ein Treffen noch am selben Abend vorschlägt, um den Verkauf der Karten zu besprechen. Holmes weiß genau, dass es sich um eine Falle handelt, beschließt aber, mitzuspielen und nimmt die Einladung an. Alle Anwesenden werden einzeln hereingerufen und verlassen Holmes Wohnung. Dem Detektiv wird etwas spät klar, dass dies ein Manöver von Moriarty ist, um sich Zugang zu 221B Baker Street zu verschaffen. Moriarty betritt 221B mit einer Pistole bewaffnet, doch Holmes, der ebenfalls bewaffnet ist, kann seine Waffe auf den Tisch legen. Der Detektiv ruft seinen Pagen Billy (der von draußen zurückgekehrt ist, nachdem er von Moriartys Handlangern angegriffen wurde), um eine zweite, von Moriarty versteckte Pistole zu holen. Dieser kann jedoch seine Waffe vom Tisch nehmen und feuert mehrmals auf Holmes. Die Schüsse fallen, weil Holmes die Waffe seines Gegners entladen hatte. Völlig entwaffnet verlässt Moriarty 221B, im Wissen, dass sich noch in derselben Nacht eine weitere Gelegenheit bieten wird, den Detective zu eliminieren. Die Handlung spielt im Haus der Träume (Stephenys Gaskammer), einem Gebäude, das als Treffpunkt für Holmes angegeben ist. Drei von Moriartys Handlangern erwarten den Detektiv. Moriarty begutachtet den Ort und macht deutlich, dass Sherlock Holmes in dem Raum eingesperrt und dann vergast werden muss. Zuvor muss es jedoch zu einem Streit zwischen James Larrabee und Holmes kommen, um ihn zum Kauf des von Madge Larrabee gefälschten Kartenspiels zu bewegen. Moriartys Handlanger verstecken sich im Raum, und Larrabee wartet auf Holmes. Zu seinem Erstaunen trifft Alice im Raum ein: Sie ist James Larrabee mit dem Taxi gefolgt. Die junge Frau wird sofort von den Handlangern überwältigt und brutal in einen Wandschrank im hinteren Teil des Raumes gesperrt. Sobald die Lage unter Kontrolle ist, trifft Sherlock Holmes ein. Der Detektiv stellt sofort fest, dass aufgrund der Abdichtung des Raumes eine Gasvergiftung zu erwarten ist. Holmes lässt sich jedoch auf das Spiel seiner Gegner ein und feilscht um den Preis der Karten, die schließlich für 1.000 Pfund eingetauscht werden. Er verrät beiläufig, dass der Schrank unten verdächtig ist, und lässt Alice frei. Daraufhin erscheinen die Handlanger, die Holmes festnehmen wollen. Alice erklärt, dass sie lieber mit Holmes sterben würde, als ihn zu verlassen. Holmes lässt die einzige Lampe fallen, die den Raum erhellt, und hüllt alle in Dunkelheit. In dem entstehenden Durcheinander und, dank des Scheins einer Zigarre, gelingt Holmes die Flucht mit Alice, während er seine vier Widersacher im Zimmer einschließt. Der letzte Akt spielt in Dr. Watsons Praxis, und die Originalfassung unterscheidet sich deutlich von der französischen. Beide Fassungen beginnen gleich: Watson erhält Besuch von Sidney Prince, der Halsschmerzen vortäuscht, um Zeit zu gewinnen und nachzusehen, ob Holmes in der Praxis ist. Watson durchschaut Sidney Princes Spiel und befiehlt ihm, sein Büro zu verlassen. Dann empfängt Watson Madge Larrabee, die sich als Sidney Prince vorstellt. Vor Watsons Büro fährt ein Taxi einen Priester an, und der Kutscher bringt ihn eilig weg, um ihn auf Verletzungen zu untersuchen. Madge erkennt Sherlock Holmes in der Verkleidung eines Priesters und will den Vorfall melden, doch Forman, ebenfalls als Kutscher verkleidet, hält sie zurück. Holmes hingegen möchte, dass Madge ein Warnsignal gibt, um Watson auf Moriarty aufmerksam zu machen. Forman lässt Madge kurz los, woraufhin sie durchs Fenster Alarm schlägt. Der Hotelpage Billy (als Zeitungsjunge verkleidet) betritt das Büro und erklärt, dass Moriarty nach dem Signal den Platz des Kutschers in dem Taxi eingenommen hat, auf das Watson wartete. Holmes schickte den Kutscher (Moriarty) los, um einen Koffer aus dem Schrank zu holen. Moriarty erscheint daraufhin als Kutscher und bückt sich, um den Koffer aufzuheben. Holmes gelingt es, Moriarty Handschellen anzulegen, bevor dieser reagieren kann. Während Moriarty Holmes mit Rache droht, wird er von Scotland Yard verhaftet. Alice trifft bei Watson ein und wird gebeten, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Graf von Stalburg und Sir Edward Leighton, die dem deutschen Würdenträger nahestehen, kommen nacheinander, um sich nach den Karten zu erkundigen. Holmes übergibt ihnen die am Vortag gekauften gefälschten Karten. Die beiden deutschen Aristokraten sind empört, als sie feststellen, dass es sich nicht um die Originale handelt. Holmes gibt sich überrascht und beschämt. Als Alice dies aus dem Wartezimmer hört, betritt sie es und gibt den Aristokraten die echten Briefe, um die Ehre des Detektivs zu retten. Der Fall ist abgeschlossen, und Watson geleitet die Aristokraten fort. Holmes und Alice sind allein am Tatort. Holmes gibt sich gelassen und gesteht Alice seinen Plan, die Karten den Aristokraten zu übergeben, doch Alice weigert sich zu glauben, dass Holmes ohne echte Gefühle für sie gehandelt hat. Holmes und Alice tauschen vielsagende Blicke aus, und der Vorhang fällt nach einer Umarmung zwischen Holmes und Alice, die ihren Kopf an Holmes Brust lehnt.
»Er und seine Schwester. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern« (1902) ist ein Theaterstück von Jean Kren (* 1862, † 1922), einem deutschen Operettenautor, Theaterregisseur und (zwischen 1899 und 1922) Leiter des Thalia-Theaters in Berlin, und Alfred Schönfeld (* 30. März 1859, † 10. Dezember 1916), einem deutschen Librettisten und Lyriker. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Sonntag, dem 23. Juni 1907.
Anny Brabcová ist Dienstmädchen der Soubrette Sabine Veldenová. Sie möchte unbedingt die Hauptrolle in dem neuen Musical Der rosa Brief ergattern, in dem auch Veldenová mitspielt. Annys Bruder, der gerissene Postbote Jarda Brabec, erhält von seiner Schwester den Text des bekanntesten Liedes des Musicals und beschließt, dass Anny es in der Postakademie direkt vor dem Postminister singen soll. Sie erhofft sich einen großen Erfolg, doch ihr Bruder wird alles durcheinanderbringen. Als die verwöhnte Veldenová schließlich doch die Rolle erhält, bleibt dem Theaterdirektor Bernhard, in den Anna verliebt ist, nichts anderes übrig, als anstelle von Sabine ein Vorsprechen für die Rolle auszuschreiben. Mit der Hilfe ihres Bruders gelingt es Anna nach einigen Verwicklungen schließlich, die Rolle zu bekommen. Dabei findet sie heraus, wer das gesamte Musical geschrieben hat – der Postminister. Doch auch Veldenová erfährt davon und will die Rolle zurück. Nach einem Streit mit Anny musste sie die Rolle erneut abgeben. Ihr Freund, der Theaterfinanzier Burda, weigert sich zu zahlen, und die Angestellten, die schon lange kein Gehalt bekommen hatten, verließen die Vorstellung kurz vor Beginn. Jardas Kollegen von der Post mussten einspringen. Die Premiere konnte gerettet werden, und Anny bekam ihren geliebten Regisseur Bernhard zurück; ohne die Hilfe ihres Bruders Jarda wäre das jedoch nicht möglich gewesen.
»Zwei glückliche Tage. Schwank in vier Akten« (1892) ist ein Theaterstück von Franz von Schönthan (wie Anm. 552) und Gustav von Kadelburg (wie Anm. 549). Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Montag, dem 24. Juni 1907.
Friedrich freut sich riesig, mit seiner Frau Bert und seiner Tochter Else aus der lauten Stadt in eine idyllische Villa auf dem Land ziehen zu können. Er hält sich für den glücklichsten Mann der Welt, doch sein Glück währt nicht lange, denn in dem neuen Anwesen scheint nichts zu funktionieren. Zu allem Überfluss umwirbt Pepi Freisinger, den er nicht ausstehen kann, seine Tochter weiterhin auf dem Land. Und als ob das nicht schon genug wäre, verkündet Freisingers Vater, dessen lautes Restaurant einer der Gründe für Friedrichs Wegzug war, dass er direkt neben der Villa ein neues Restaurant mit Vergnügungspark baut. Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Friedrich beschließt, sein neues Anwesen zu verkaufen und in die Ruhe der Stadt zurückzukehren.
»So leben wir. Lustspiel in vier Aufzügen« ist ein Theaterstück von Leo Leipziger (* 17. Dezember 1861, † 21. Dezember 1922), einem deutschen Schriftsteller und Librettist. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Donnerstag, dem 27. Juni 1907. Der Inhalt dieses Lustspiels ist (mir) unbekannt.
»Mein Leopold. Volksstück in drei Akten« (1873) ist ein Theaterstück von Adolph Henri Georg August LArronge (* 8. März 1838, † 24. Mai 1908), einem deutschen Theaterleiter, Kapellmeister und Bühnenautor. Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Sonntag, dem 30. Juni 1907.
Schuhmachermeister Gottlieb Weigelt besitzt einen eigenen, großen Laden und hat einen Werkführer sowie zwölf Gesellen angestellt. Sein Ein und Alles ist sein Sohn Leopold, ein Nichtsnutz, der sich mehr schlecht als recht als Gerichtsreferendar versucht, aber vor allem durch Abwesenheit und Faulheit glänzt. Dafür ist er im Ausgeben des väterlichen Geldes ganz groß. Seine finanzielle Situation wird zunehmend prekär, als er die Tänzerin Rosita kennenlernt, die sich als sehr kostspieliges Vergnügen erweist. Bald sieht Leopold sich dazu bemüßigt, die Unterschrift seines Vaters zu fälschen, um die Wechsel seines Geldverleihers auszulösen. Der alte Weigelt erkennt nicht, wie tief sein heißgeliebter Sohn in eine gefährliche Situation abrutscht. Er verfasst sogar einen zornigen Brief an einen Richter, weil dieser in Weigelts Augen nicht den wahren Wert von Leopold zu erkennen vermag. Weigelts Werkführer Starke versucht ebenso vergeblich dem Alten die Augen zu öffnen wie auch Klara Weigelt, die von ihrem Vater stets weniger Aufmerksamkeit und Liebe erhielt als Leopold. Sie schließt sich den Bemühungen Starkes, den sie liebt, an. Wütend wirft Weigelt Starke aus seinem Betrieb und sagt sich von Klara los. Leopolds Extravaganzen haben bald all das Vermögen des Vaters aufgezehrt. Schließlich kommt auch die väterliche Firma unter den Hammer. Kaum ist beim Alten nichts mehr zu holen, macht sich Leopold aus dem Staub. Erstmals empfindet der Vater, der nun alles verloren hat, das Verhalten des Sohnes als regelrechten Tiefschlag. Er muss sein Leben neu ordnen und beginnt wieder ganz von unten: als kleiner Flickschuster in einem fremden Betrieb. Der gewissenlose Sohn ist ebenfalls ganz unten angelangt; in Hamburg schließt er sich einem Landstreicher an und geht mit ihm auf die Walz. Er und sein Kumpan finden aber durch eine glückliche Fügung einen Arbeitsplatz in einer Maschinenfabrik. Nun findet ein Wandel in Leopolds Wesen statt: Er wird fleißig und zuverlässig, arbeitet hart und schafft eines Tages sogar den Aufstieg bis zum Teilhaber der Firma. Im Laufe der Jahre haben sich Weigelt und seine Tochter, die inzwischen Starke geheiratet hat, wieder versöhnt. Leopold, der durch seine lange Abwesenheit nichts vom Niedergang seines Vaters weiß, hat sich zuletzt vergeblich bemüht, dessen Aufenthaltsort zu ermitteln. Auch bei Vater Weigelt und Tochter Klara gilt Leopold als verschollen. Erst ihr Ehemann Starke kommt Leopolds Verbleib auf die Spur und kann eine Versöhnung zwischen Vater und Sohn arrangieren.
»Fritzchen« (1896) ist der 2. Einakter von »Morituri« (wie Anm. 205 und 207) von Hermann Sudermann (wie Anm. 59). Dass das Stück zwischen dem 2. Juni und dem 2. Juli 1907 im Salzbrunner Theater aufgeführt wurde, ist nicht im Spielplan belegt; es ist natürlich durchaus möglich, dass die Aufführung irgendwo anders, z.B. im nahegelegenen Waldenburg (dem heutigen Wałbrzych) stattgefunden hat.
Gemeint sind Ernst Freiherr von Wolzogen (* 23. April 1855, † 30. Juli 1934), ein deutscher Schriftsteller, Verlagslektor und Gründer eines der ersten literarischen Kabarette in Deutschland und seine Frau Elsa Laura Auguste Caroline von Wolzogen geb. Seemann von Mangern (* 5. August 1876, † 25. April 1945), eine Lauten-Sängerin in Berlin, Liedsammlerin und Lauten-Komponistin. Ach der zweimalige Auftritt der von Wolzogen ist nicht im Spielplan des Bad Salzbrunner Theaters belegt; vielleicht wiederum in Waldenburg?
»De nygifte« (»Die Neuvermählten«, 1865) ist ein Theaterstück von Bjørnstjerne Bjørnson (wie Anm. 107). Im Salzbrunner Theater aufgeführt am Montag, dem 1. Juli (Besuch Mays), und Dienstag, dem 2. Juli 1907.
Dieses Theaterstück besteht aus zwei Akten, die ein Jahr auseinanderliegen. Der erste Akt beginnt in einem reich möblierten Wohnzimmer im Haus eines Polizeikommissars und seiner Frau. Ihre Tochter Laura hat gerade geheiratet und lebt mit ihrem Mann Axel im Elternhaus. Auch Lauras unverheiratete Freundin Mathilde, wohnt dort – sie hatte Axel geholfen, Laura zur Heirat zu überreden. In der ersten Szene sitzt Lauras Vater lesend da und liest Zeitung, während Laura und ihre Mutter über deren angeschlagene Gesundheit sprechen. Aus Rücksicht auf ihre Mutter ist Laura der Meinung, dass sie und ihr Mann nicht zu der Feier gehen sollten, die ihre Freunde ihnen zu Ehren am Abend ausgerichtet haben. Doch schon bald geraten Laura und Axel in Streit und Axel bittet Mathilde erneut um Hilfe, damit Laura ihm und nicht ihren Eltern treu bleibt. Mathilde zögert jedoch, Axel in dieser Situation zu unterstützen. Axel schlägt seinem Schwiegervater vor, in die Hauptstadt zu ziehen, da er dort arbeiten muss. Obwohl sein Schwiegervater vehement dagegen ist, beschließt Axel dennoch zu fahren und dass Mathilde ihn und Laura begleiten soll. Ein Jahr später besuchen Lauras Eltern Laura und ihren Mann zu Hause - ein etwas überraschender Besuch. Das ältere Ehepaar ist auf dem Weg nach Italien, und der Besuch beginnt mit zwei Texten, die den Zuschauern vorgelesen werden. Der erste Text ist eine Kurzgeschichte aus einer Zeitung, deren Handlung frappierend an Axels und Lauras Geschichte erinnert - nur dass die junge Frau in der Geschichte ihren Mann nicht wirklich liebt. Mathilde liest Laura den Text vor, doch auch Axel kennt die Geschichte bereits. Sie ärgert ihn, denn er glaubt, darin das Scheitern seiner eigenen Ehe vorherzusagen.
Juliette Ewers geb. Grandjean (*19. Januar 1839, † ?) war seit 1882 Direktorin des Stadttheaters in Brieg (heute: Brzeg) und auch verantwortlich für das Kurtheater in Salzbrunn.
Heute: Obří chata (Tschechien). Das Gebäude existierte noch in den 1970er Jahren, ist später jedoch abgerissen. Gegenüber dem Riesenbaude liegt (auf der polnischen Seite) das Dom Śląski (Tschechisch: Slezský dům, Deutsch: Schlieserhaus) das es immer noch gibt, allerdings erst in den 1920er Jahren erbaut wurde.
Die Josephinenhütte war eine Kristallglas-Manufaktur, die in Schreiberhau gegründet wurde. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Herstellung von hochwertigem Kristallglas und Vasen.
Amand von Ozoróczy (* 13. Oktober 1885, † 8. September 1977) war ein Wiener Schauspieler und Schriftsteller; er wandte sich erstmals im Juni 1902 brieflich an Karl May und bot an, eine biographische Lebensskizze zu verfassen. Am 24. Januar 1904 wandte er sich noch einmal an May und erwähnte, dass die Monographie fast 700 Manuskriptseiten umfassen würde. 1907 lernte er Karl May persönlich kennen und fühlte sich diesem eng verbunden.
Hedwig Hetty Mathilde Heide geb. Huyssen (* 1885, † 6. Juli 1913) lebte in Freiburg i. Br. und informierte Karl May 1899 über die Gründung eines dortigen Karl-May-Clubs. Die 14-jährige Hetty trifft May wenig später, als er zu Beginn seiner Orientreise in Freiburg Station macht, um die Mutter ihrer Freundin Carmen Devaux zu besuchen, bei der Hetty sich gerade aufhält. Die Dame ist allerdings nicht anwesend, und May plaudert nur mit den Mädchen. 1906 beginnt ein intensiver Briefwechsel und am 18. August 1907 ein persönlicher Besuch mit ihrem Mann bei den Mays in der Villa Shatterhand.
Hans Karl Heide (geboren als Carl Johannes Heide, * 28. Juni 1878, † 31. August 1929) war ein deutscher Dichter, der unter dem Pseudonym Ewald Silvester Lyrik, Prosa und Dramen schrieb. 1912 trennte das Paar sich.
Am 4. September 1907 trafen Karl und Klara May sich mit Rudolf Lebius, seiner Frau Auguste Martha (Marle) Lebius geb. Scheithauer (* 1885, † 1968) und deren Schwester Marie Scheithauer in Café Bauer (Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße, Berlin) um eine Einigung mit dem Journalisten herbeizuführen, was aber scheiterte.
Am 8. November 1909 um 19.00 Uhr in der Semperoper (wie Anm. 26); auf dem Programm standen Joseph Haydn (wie Anm. 439), »Sinfonie Nr. 7 in C-Dur Le midi« (Hob. 7, Huss 21), Hans Pfitzner (* 5. Mai 1869, † 22. Mai 1949), »Ouvertüre zum Weihnachtsmärchen Das Christ-Elflein« (op. 20) und Robert Schumann (wie Anm. 188), »Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur Rheinische« (op. 97).
Gemeint ist Dr. Kurt Theodor Larraß (* 17. Juni 1874, † 31. Dezember 1949), ein Dresdner Jurist, zunächst Assessor, dann Untersuchungsrichter. Er war ein Freund von Seyfert, der durch einen Trick dessen Freundes Oskar Gerlach (wie Anm. 340), des Anwalts der Pauline Münchmeyer, als Staatsanwalt mit dieser Angelegenheit bertaut wurde. Seyfert wiederum holte seinen Freund Larraß als Untersuchngsrichter bei dieser Gerichtssache.
Die drei Criminalgendarmen sind Carl Bernhard Mühl aus Dresden, Heinrich Gustav August Müller aus Radebeul und Friedrich Arno Liebers aus Dresden. Außerdem war auch ein Protokollführer in dieser netten Gesellschaft dabei.
Der Bruder hieß Julius Max Eichler. Er wurde zusammen mit seinem Bruder Alwin Eichler am 21. September 1910 vom Landgericht Dresden in der Münchmeyer-Sache vernommen.
Dr. Heinrich Hoffmann ist seit 1907 Bernsteins neuer Kanzleipartner. Da Bernstein seinerseits noch als Beschuldigter in einem Verfahren wegen Anstiftung zum Meineid geführt wird, vertritt Hoffmann in der Folge gelegentlich May vor Gericht.
Carl Friedrich Jahncke (* 6. Oktober 1868, † 28. Januar 1940) von Jahnckes Internationalem Detektiv-Bureau war ein Dresdner Detektiv. Sein Büro wurde 1907 von Karl May beauftragt, Informationen über Marie Therese Philipp (ein früheres Münchmeyersches Dienstmädchen) und die Kontakte des Münchmeyer-Anwalts Oskar Gerlach zu ermitteln. Jahncke findet u.a. heraus, dass Staatsanwalt Hans Conrad Seyfert und Oskar Gerlach Schulfreunde sind und auch heute (1907) noch eine private Freundschaft pflegen.
Die Schreibmaschine, die von der Schreibkraft benutzt wurde, verfügte offenbar über eine Taste für das alte Pfund-Zeichen.
Um das Zeichen hier zu lesen, muss man hier Leipzig Fraktur Normal downloaden.
Auf dem Programm der Königlichen musikalischen Kapelle stand an diesem Abend: Joseph Anton Bruckner (* 4. September 1824, † 11. Oktober 1896), »Sinfonie Nr. 8 c-Moll« (WAB 108; Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz schrieben in »Karl-May-Chronik, Band IV: 1906-1909«, S. 329 versehentlich: E-Moll, was es natürlich nicht gibt), Bedřich Smetana (* 2. März 1824, † 12. Mai 1884), »Má Vlast« (»Mein Vaterland«) Nr. 4 (»Z českých luhů a hájů«(»Aus Böhmens Hain und Flur«) (JB 1:112/4) und Carl Heinrich Carsten Reinecke (wie Anm. 422), »Ouvertüre zu König Manfred«« (op. 93).
Karl und Klara hatten in der Semperoper (wie Anm. 26) Dauerkarten für Reihe Eins, Fauteils G und H. Aber auch im tiefer liegenden Orchesterplatz gab es Sitzplätze und Emma Pollmer saß ganz links. Laut Karl May (»Frau Pollmer, eine psychologische Studie«, S. 946) wohnte Emma wahrscheinlich im Hotel zum Goldenen Engel (Wilsdruffer Straße 7, Dresden) vom Ehepaar Meyer, Mays erbitterten Feinden aus Hohenstein-Ernstthal und von 1893 bis 1910 Besitzer dieses Hotels: Franz Meyer (* 1856, ?) und Martha Cornelia Constanze Meyer geb. Tröltzsch (* 1867, ?).
Am Freitag, dem 31. Januar 1908 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Klara May die Semperoper (wie Anm. 26); auf dem Programm der Königlichen musikalischen Kapelle stand an diesem Abend Johannes Brahms (* 7. Mai 1833, † 3. April 1897), »Serenade Nr. 1 in E-Dur« (op. 11), Johan Wagenaar (* 1. November 1862, † 17. Juni 1941), »Ouvertüre Cyrano de Bergerac« (op. 23) und Heinrich G. Noren (* 5. Januar 1861, † 6. Juni 1928), »Kaleidoskop. Variationen und Doppelfuge über ein eigenes Thema für großes Orchester« (op. 30).
Am Donnerstag, dem 6. Februar 1908 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »To Gange to er fem« (deutsch »Zweimal zwei ist fünf«, 1906), ein Lustpsiel vom dänischen Dichter Gustav Johannes Wied (* 6. März 1858, † 24. Oktober 1914). Der Inhalt dieses Lustspiels ist (mir) unbekannt.
Am Freitag, dem 21. Februar 1908 um 19.00 Uhr besuchten Karl und Klara May in der Semperoper (wie Anm. 26) das 5. Sinfoniekonzert der Königlich musikalischen Kapelle; das Konzert bestand nicht nur aus Ludwig van Beethoven (wie Anm. 423), »Sinfonie Nr. 6 in F-Dur Pastorale« (op. 68), sondern es wurden auch Johann Sebastian Bach (wie Anm. 439), eine »Suite in C-Dur« (entweder die »Orchestersuite Nr. 1 in C-Dur« (BWV 1066) oder die »Suite in C-Dur für Violoncello solo« (BWV 1009)) und Theodor Blumer jun. (* 24. März 1881, † 21. September 1964), »Karneval-Episode«.
Am Samstag, dem 29. Februar 1908 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Die Rabensteinerin. Schauspiel in vier Akten« (1907), ein Theaterstück von Ernst Adam von Wildenbruch (* 3. Februar 1845, † 15. Januar 1909 ), einem deutschen Dramatiker, der u.a. auch »Die Quitzows. Schauspiel in vier Akten« (1888) veröffentlichte. Der Inhalt des Schauspiels ist (mir) unbekannt.
Am Freitag, dem 6. März 1908 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Gewerbehaus (wie Anm. 531) den Vortrag Die Atmungskunst des Menschen im Dienste der Wissenschaft – Die Atmungskunst im Dienste der Kunst, einen künstlerisch-wissenschaftliche Vortrag mit Demonstrationen von Jeanne Sidonia Raedt van Oldenbarnevelt (* 9. Februar 1866, † 4. Dezember 1918), einer niederländischen Spezialistin für Gesang, hygienisches Sprechen und Atemgymnastik.
Am Mittwoch, dem 11. März 1908 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Vereinshaus (wie Anm. 4) den Vortrag Zentrum und Papsttum des Ultramontanismus-Gegners Paul Graf von Hoensbroech (S.J.) (* 29. Juni 1852, † 29. August 1923).
Am Donnerstag, dem 12. März 1908 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May auf Einladung des Gewerbevereins Radebeul im Albertschlössen (Göhliser Straße 1C, Radebeul) einen Vortrag des Vortragskünstlers Ado Conrad (eigentlich Adolf Calmon, * 6. Dezember 1871, † 3. April 1928), der u.a. Gedichte aus Mays »Himmelsgedanken« liest.
Am Samstag, dem 21. März 1908 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Palmengarten (früher Musenhaus, wie Anm. 25) einen Volksliederabend (Der Humor im deutschen Volkslied) mit dem Lautenspieler Robert Kothe (6. Februar 1869, † 24. Mai 1944).
Paul List (* 21. August 1869, † 30. April 1929) war ein Verleger in Leipzig, der seinen Prokurist am 1. April 1908 zur Villa Shatterhand schickte, um die Erlaubnis einen fiktiven Kolportageroman »Ein Milliardär« eines anonymen Verfassers herausgeben zu dürfen. Um nachzuweisen, dass eine Vereinbarung mit Heinrich Gotthold Münchmeyer über eine limitierte Auflage von maximal 20.000 Exemplaren möglich gewesen wäre, bot Karl May am 13. Februar 1908 etlichen Kolportageverlagen, unter denen dem von Paul List diesen fiktiven Roman an. Dazu sollten die Verleger folgende Erklärung unterzeichnen: Falls der Kolportageroman »Ein Milliardär« mir gefällt und ich mich zur Veröffentlichung desselben entschliesse, bin ich bereit, mich nur zu einer Ausgabe von höchstens 20.000, sage Zwanzigtausend, im Falle er aber nicht gut gehen sollte, zu beliebig weniger zu verpflichten. Nach dem Tode von Karl Mays Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld im Jahre 1933 verkaufte die Witwe Pauline Aloisa Katharina Fehsenfeld geb. Rheinboldt (* 9. Juni 1858, † 2. August 1947) dessen Verlag – in dem Mays Werke bereits nicht mehr erschienen, denn die wurden ja ausschließlich vom Karl-May-Verlag herausgegeben – an den Paul List Verlag, der die Fehsenfeld-Reihe Die Welt der Fahrten und Abenteuer in neuer Ausstattung veröffentlichte.
Friedrich Salomo Krauss (* 7. Oktober 1859, † 29. Mai 1938) war ein österreichischer Sexualforscher, Ethnograph und Slawist. Karl May und Friedrich Krauss lernten sich vermutlich 1907 kennen. Vom 21. Mai 1907 datiert jedenfalls ein erstes Schreiben Krauss an May, in dem er May als Mitarbeiter seiner Zeitschrift Anthropophyteia zu gewinnen sucht; dieser Brief, der May zutiefst geschmeichelt und bestätigt haben wird, könnte die Initialzündung für den Beginn der Pollmer-Studie, »Frau Pollmer, eine psychologische Studie«, gewesen sein.
Der Verlag Josef Vilímek war ein Prager Verlagshaus, das sich auf Jugendschriften spezialisiert hatte.
Der Verlag war im Jahr 1858 von Josef Richard Vilímek sen. (* 1835, † 1911) gegründet. Zunächst war er nur Herausgeber und Verleger, eine eigene Druckerei wurde erst 1871/72 erworben. Zu seinem Programm gehörte die Herausgabe der Humoristicke listy (Humoristische Blätter). 1885/86 übernahm dann Vilímeks Sohn Josef Richard Vilímek jun. (* 1860, † 1938), der vorher bereits im Verlag tätig war, das Unternehmen.
Ab 1890 erschienen im Verlag Josef Vilímek 26 hervorragend ausgestattete Bände mit May-Texten in tschechischer Sprache. Da sie sich jedoch nicht über die Vertragskonditionen einigen konnten, begann Vilímek im September 1898 mit einer unautorisierten Veröffentlichung des Orientzyklus in einer Bearbeitung, in der u. a. aus Kara Ben Nemsi ein Franzose namens Ben Han wurde. Am 2. Juni 1908 erhob May im Handelsgericht der Stadt Prag (Hybernská 8; Richter waren Vizepräsident Albert Ritter des Loges, Jindřich Ronz und Dr. Robert Isak) Klage gegen die Firma Jos. R. Vilimek wegen Gestattung der jederzeitigen Büchereinsicht. Bei der Verhandlung schlossen beide Seiten einen Vergleich (Vilímek wurde durch Dr. Leopold Katz vertreten, May durch Dr. Arthur Freund) und May erhielt Unterlagen zu Honorarzahlungen und Auflagenhöhen. 1909 stellte der Verlag Josef R. Vilimek das Erscheinen seiner May-Ausgaben ein.
Dr. Arthur Freund (* 18. Februar 1866, † ?) war ein Rechtsanwalt in Prag. Er vertrat Karl May in dessen Prozess gegen den tschechischen Verleger Josef Vilímek.
Franz Heinrich Rudolf Netcke (* 21. Mai 1871, † 23. Februar 1947) war Rechtsanwalt beim Land- und Amtsgericht Dresden und löste 1908 den bisherigen Rechtsbeistand Rudolf Bernstein als Rechtsvertreter Mays ab. Er gehörte der Dresdner Sozietät Wetzlich und Netcke an. Er war mit Marie Louise Beatrix Netcke, geb. Freiin von Falkenstein (* 1864, † 1911) verheiratet, die während des Prozesses gegen Pauline Münchmeyer am 17. Mai 1911 starb, weswegen Netcke sich zeitweise beurlauben ließ. Er hatte mehrere Kinder. Bei der Gerichtsverhandlung in Berlin-Moabit am 18. Dezember 1911 (Revisionsverhandlung des Charlottenburger Urteils gegen Rudolf Lebius) war Netcke zweiter Verteidiger neben Erich Sello. Nach Mays Tod beriet er Klara May. Er starb 1947 durch Suizid.
Am Samstag, dem 30. Januar 1909 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Schauspielhaus (wie Anm. 5) »El desdén, con el desdén« (deutsch: »Donna Diana. Lustspiel in drei Aufzügen«, ein Bühnenstück von Don Agustín Moreto y Cabaña (* April 1618, † 28. Oktober 1669), in der deutschen Bearbeitung von Carl August West (d.i. Joseph Schreyvogel, * 27. März 1768, † 28. Juli 1832).
Carlos, der Graf von Urgel, reist nach Barcelona, um an einem Turnier teilzunehmen und das Herz von Diana, der Erbin des Grafen von Barcelona, zu gewinnen. Diana tut aber so, als sei ihr dies vollkommen gleichgültig. Perin, sein Hofnarr, hatte ihm empfohlen, sich völlig gleichgültig gegenüber seinem Schwarm zu verhalten; es gelingt Carlos immer besser, diesen Rat zu befolgen. Der Hofnarr erprobt die vermittelte Strategie an Donna Floretta, der Milchschwester (von der gleichen Amme gestilltem Kind), die ihm Avancen macht. Das Volk versammelt sich und das Turnier wird gefeiert. Der Graf verkündet, seine Tochter werde den Siegerpreis verleihen, aber im gleichen Zuge beschwört er sie, unter den Finalisten einen Gatten zu wählen und Barcelona einen Erben seiner Linie in Aussicht zu stellen. Diana wehrt sich entrüstet gegen diese Vorstellung. Trotz Dianas nach außen demonstrierter Haltung zeigt Carlos Neuausrichtung erste Wirkung – nun ist sie es, die ihm untolerierbaren Stolz attestiert. Den gilt es natürlich nun zu brechen.
Die Feierlichkeiten erreichen mit einem Maskenfest ihren nächsten Höhepunkt. Durch Manipulation Dianas finden die – sowieso vorherbestimmten – Paare Hofdamen und Edelmänner zum Tanzen zueinander, auch sie und Carlos. Beide zeigen Schwächen, können jedoch vorerst ihre Fassaden aufrechterhalten. Jene Dianas bröckelt allerdings bereits merklich, was der weise Hofnarr wohl zu verstärken weiß.
Als die Masken fallen und die drei vergleichsweise unkomplizierten Paare offen Zeugnis ihrer Verbindungen ablegen, ist dies gleichzeitig eine letzte Attacke auf das marmorne Podest der alleine dastehenden Diana. Und doch wartet jenes mit einer präfinalen Parade auf: Diana behauptet, sich Vater wie Volk nicht länger verschließen zu können und wolle nun einen der beiden Edelmänner ehelichen. Ihr Hoffen, Carlos jetzt eifersüchtig zu sehen, erfüllt sich jedoch nicht. Es kommt sogar noch schlimmer: Carlos läuft in seiner Rolle zur Hochform auf und beglückwünscht sie zu ihrer guten Wahl, die ihm überdies den Weg zu einer der Hofdamen ebnen würde. Dann freut sich auch noch der Vater, der Graf von Barcelona, über den angekündigten künftigen Schwiegersohn. Das ist zu viel, Dianas stolzer Sockel zersplittert. Sie fällt in das Geständnis ihrer Liebe zu Carlos.
Perins Rat hat seine Wirkung nicht verfehlt: Begegnet sie Euch hart, thut ihr desgleichen.
In Radebeul gastiert seit Ende Januar bis zum 18.3 in Hotel Vier Jahreszeiten (Meißner Straße 79) das Zahnsche Ensemble, eine von Julius Zahn geleitete Theatertruppe. Karl und Klara May besuchten 11 Vorstellungen.
Am Mittwoch, dem 3. Februar 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Das Erwachen der Liebe« (=»Renaissance. Lustspiel in drei Akten«, 1895), ein Schauspiel von Franz von Schönthan (wie Anm. 552) und Franz von Koppel-Ellfeld (* 7. Dezember 1838, † 16. Januar 1920).
Die Handlung folgt einer Gruppe junger Charaktere und beleuchtet humorvoll die Dynamiken arrangierter Ehen, Standesunterschiede und wie echte, tiefe Zuneigung abseits gesellschaftlicher Konventionen wächst. Wie in vielen Werken Schönthans stehen hier Missverständnisse, Verwechslungen und die Heiterkeit des bürgerlichen Lebens im Mittelpunkt.
Am Donnerstag, dem 11. Februar 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Husarenfieber. Schwank in vier Akten« (1906) von Gustav Kadelburg und Richard Skowronnek (wie Anm. 549).
Am Montag, dem 22. Februar 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Das Heiratsnest. Lustspiel in drei Aufzügen« (1900) von Gustav Davis (* 3. März 1856, † 21. August 1951), einem österreichischen Journalisten, Zeitungsherausgeber, Gründer der Kronenzeitung und Dramatiker.
Der Inhalt dieses Theaterstücks ist (mir) unbekannt.
Am Montag, dem 1. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Le Contrôleur des wagons-lits« (1898) (deutsch: »Der Schlafwagen-Kontrolleur. Lustspiel in drei Akten«) von Alexandre Charles Auguste Bisson, einem französischen Dramatiker und Drehbuchautor.
Georges Godefroid lebt mit seiner Frau Lucienne und deren etwas schrägen Eltern im Pariser Quartier dAuteuil. Er hat dazu noch eine Freundin Rosine in Nangis. Um diese ungestört besuchen zu können, erzählt er seiner Familie, dass er eine Tätigkeit als Schlafwagenkontrolleur angenommen habe und deshalb drei Tage in der Woche unterwegs sei. Der Familie der Freundin erzählt er die gleiche Geschichte. Zu Hause versteckt er ein Grammophon im Zimmer, aus dem der Erzengel Michael zur Schwiegermutter spricht und ihr Dinge aufträgt, die ganz im Sinne des Schwiegersohns sind. Die Anwesenden sinken vor Ehrfurcht in die Knie. Es gibt einen tatsächlichen Schlafwagenkontrolleur Alfred Godefroid, der in Auteuil erscheint und sich über den Missbrauch seines Namens beschwert. Er verliebt sich dabei in die Ehefrau Lucienne. Sie beschließen, dem falschen Schlafwagenkontrolleur auf die Schliche zu kommen. Das Grammophon wird entdeckt und erzählt beim nächsten Heimbesuch von Georges Godefroid plötzlich ganz andere Dinge. Dieser glaubt, Halluzinationen zu haben, was von den anderen beabsichtigt war. Schließlich geht er mit einem Siphon auf den vermeintlichen Geist der Schwiegermutter los und gesundet. Am Ende kehrt Georges Godefroid reumütig zu seiner angeheirateten Familie zurück. Der tatsächliche Schlafwagenkontrolleur Alfred Godefroid heiratet dafür dessen vormalige Geliebte Rosine.
Am Donnerstag, dem 4. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Das Glück im Winkel. Schauspiel in drei Akten« (1895) von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Auf dem Wirtschaftshof des Rektors Wiedemann blüht Leben und Gedeihen, seit vor drei Jahren Elisabeth den Witwer mit drei Kindern (die blinde Helene und zwei lebhafte Jungens) heiratete. Der Graukopf und seine junge Tochter verehren die Gattin und Mutter adeliger Herkunft, es ist durch sie wie Harfen im Haus.
Da sie zwei Jahre auf dem Gut Witzlingen der Hausfrau in allem half, hebt sie auch landwirtschaftlich das Schulanwesen. Wiedemann lernte sie, als einstiger Hauslehrer beim Freiherrn von Röcknitz, auf dem Schloss später kennen; sie folgte ihm in engere Verhältnisse, da der wackere Schulmann es nicht zu akademischen Graden brachte und bei der Mittelschule hängen bleibt. Elisabeth erfüllt ihm mancherlei Pflichten, sie hegt zufrieden und mit sicherem Takt ihr Glück im Winkel. Das wilde Leben stürmt an ihre Tür und wirft sich mit Gedröhn dagegen. Zum Pferdemarkt fahren auch Röcknitzens in die Kreisstadt und logieren bei Rektors. Hier stehe ich und halte Wache vor meinem bisschen Glück,, so beschied Elisabeth den indiskreten Kreisschulinspektor, der bei ihrem Manne herumschnüffelt, breite meine Arme darüber aus, und wer dran rühren will, muss über mich hinweg. Und als Dr. Orb fort ist: Sie sollen uns in Ruh lassen. Was wollen sie von uns? Der tolle Röcknitz, eine kernechte Sudermannsche Kraftkerlnatur, wie Leo Sellenthin in dem ostelbischen Roman Es war, ist mit seiner Frau, einem harmlosen Durchschnittsweibchen, das ihm nicht zu imponieren versteht, längst zerfallen – er schickt sie immer schlafen; sie ist unter dem rüden Hohn eine gottgelassende Null geworden, die ihre Tage verdämmert. Desto sündiger begehrt er seines Nächsten Weib, das seit Witzlingen noch schöner geworden ist. Er will dem Rektor eines seiner Güter in Pacht oder zur Verwaltung überlassen, er soll seinen ehemaligen Zögling während dessen parlamentarischer Tätigkeit im Reichstag daheim in der Oberaufsicht vertreten – in Wahrheit will er Elisabeth bequem in seine Nähe bekommen mit ihrer wundervollen Mischung von Güte und Stolz; er will sie freundschaftlich aus der Krähwinkelluft ins Geraume führen. Wiedemann, der zu seiner Lebensgefährtin nicht ohne demütige Scheu aufblickt und ein angeknicktes Selbstgefühl herumschleppt, merkt keine Fuchsfalle und stimmt den Plänchen zu.
Im Wohn- und Arbeitszimmer des Rektors vollzieht sich der Einbruch in das Winkelglück. Bettina von Röcknitz spricht sich gegen Elisabeth das bekümmerte Seelchen frei, damit wir auf die Leidenschaftsattacke vorbereitet werden. Röcknitz reitet sie brillant; Elisabeth beweist Würde und hält sich lange. Er erinnert sie an all das Nette und Stillverschwiegene das zwischen ihnen in der Luft geschwebt hat; sie hält ihm vor aus der Zeit der gewissen heiteren Vertraulichkeit des Umgangs: das sie als Waise niemanden auf der Welt hatte, hätte er sie schützen sollen, statt sie zu seiner Dirne machen zu wollen. Röcknitz gibt zu, dass sein ungebärdiges Blut nach Weibern schreit; doch als die Pflichtnatur Elisabeth sich in die Hände des armseligen Schulmeisters flüchtete, um sich nicht preiszugeben, da war die (trotz Elisabeths herber Sprödigkeit dennoch) schöne gemeinsame Zeit dahin. Seither hat er sich brieflich und sonst vergeblich um die ihm Entwichene gemüht. Er zieht alle Register; er belichtet mit seinen Schweinwerfergläsern bald Elisabeth in ihrem sozialen und (damit) persönlichen Abstieg, bald den Rektor, bald sich selber, der nicht mehr lebe, nur dumpf dahintaumelt, sinnlos schuftend, ziellos schweifend, wenn sie ihm nicht Ruhe und Kraft zurückschenkt. Da gesteht ihm die Rektorsfrau: sein Vorhaben sei darum zutiefst unmöglich, weil sie – heimlich – ihn stets geliebt habe, Jubelnd küsst er das prangende Weib und fühlt sich am Ziel.
Abendgesellschaft bei Wiedemanns. Zwischen der vom Leben herumgeknufften Helene und dem sympathischen Lehrer Dangel spinnt sich ein Herzensverhältnis an (er will ohnehin Blindenlehrer werden). Elisabeth, die zerstreut ist und, wie Lenchen beobachtet, heiße Hände hat, unterstützt diese Regung. Röcknitz, der Ritter des Kusses und des Eingeständnisses der Elisabeth, will sie besitzen – und ob der ganze Bettel hier in die Luft fliegt. Die Gequälte legt, innerlich entschlossen, dem Dangel Helenes Zukunft mütterlich aufs Gewissen, unauffällig von seinem sehnlich erwarteten Lehrerpatent mit ihm sprechend. Röcknitz, aufs Ganze gehend, spart bei der süffigen Abendbowle, an der auch die neugierige Orbs teilnehmen, weitere auf Elisabeth gemünzte drohende Andeutungen nicht. Sein Opfer verspricht sich ihm für morgen. Galant bis zur Schwäche, wie er sich selber verspottet, fügt sich der Raubbaron mit der Losung: Auge in Auge, Brust gegen Brust. Es ist mein fester Wille, dass du mir gehörst; vorher schon: Haben Sie noch nie vor meinem Willen Angst gehabt? Dangel, von Helene auf das veränderte Wesen der Mutter gestoßen, meldet zur Nachtstunde dem Rektor, was er hörte und sah. Es wird klar: Elisabeth will in der Nacht im nahen Fluss aller Not und Gefahr ein Ende machen. In der Aussprache zwischen den Ehegatten kommt dreierlei zum Licht: Wiedemann glaubt Elisabeth nicht aufhalten zu dürfen, die ihm nur Liebes und Gutes getan und deren Leben er ihr zerbrochen hat; er kam in einer traurigen Stunde ihres Lebens zu ihr und darum sagte sie ihm zu, in einer fröhlichen Stunde hätte sich ihn abgelehnt; er, der ihn nur Güte und Rücksicht gab und dessen Haus sie ihm schlecht gehütet zu haben eingesteht, weil die innere Triebfeder ihres Tuns und Lassens die wahnsinnige Sehnsucht nach Röcknitz war – er, der seine Jugend hinter sich hatte, hielt sie damals, als er sie weinend im Schlossgarten fand, für das Opfer eines Verführers, so bat er die Verlassene in sein Haus; schwer litt er darunter, niemals ließ er es sie spüren – – darf sie nicht diesem sie jetzt erlösenden Vertrauen ihres Mannes an seiner Seite im Hause verbleiben, ohne vor ihm und vor sich selber als lebensunwürdig zu vergehen? Der Ältere und die Jüngere wagen es neu; die Wünsche werden stiller werden und die Sehnsucht wird einschlafen, auch der Glückliche muss sich bescheiden – und vielleicht wirds dann noch einmal ein Glück in unserm alten Winkel.
Am Donnerstag, dem 11. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Der gute Vetter Siegl oder Alle sind verliebt. Lustspiel in 3 Aufzügen« (1882) von Julius Roderich Benedix (* 21. Januar 1811, † 26. September 1873), einem deutschen Komödiendichter, Schauspieler und Theaterdirektor.
Das Theaterstück ist ein klassisches Verwechslungs- und Beziehungslustspiel. Der Handlungskern dreht sich um eine Reihe von romantischen Verwicklungen, Missverständnissen und Eifersüchteleien, in denen die Figuren ihr Herz an die falschen Personen verlieren oder ihre Gefühle nicht offenbaren.
Ein charmanter, aber auch leicht tollpatschiger Vetter (namens Siegl) und weitere Figuren geraten in einen Strudel der Liebe. Am Ende sind mehr oder weniger alle Charaktere ineinander verliebt. Die Gefühle erwidern sich jedoch oft nicht direkt. Die Figuren verstricken sich in kleine Intrigen, Verwechslungen und Missverständnisse, um die Aufmerksamkeit ihrer Angebeteten zu gewinnen. Wie in vielen traditionellen Komödien löst sich das gesamte Beziehungschaos am Ende auf. Die richtigen Paare finden zueinander und das Verwirrspiel endet mit einem allgemeinen Happy End.
Meistens wurde das Lustspiel nur unter dem Titel »Der gute Vetter« oder »Alle sind verliebt« aufgeführt.
Am 12., 13. oder 14. März besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Trompeter« von Friedrich Wilhelm Ziegler (* 1759, 21. September 1827). Der Inhalt dieses Theaterstücks ist (mir) unbekannt.
Am Montag, dem 15. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Sodoms Ende. Drama in fünf Akten« (1890) (wie Anm. 197) von Hermann Sudermann (wie Anm. 59).
Am Donnerstag, dem 18. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Dr. Klaus. Lustspiel in fünf Akten« (1879) von Adolph Henri Georg August LArronge (wie Anm. 565). Der Inhalt dieses Lustspiels ist (mir) unbekannt.
Wahrscheinlich am Montag, dem 22. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Krieg im Frieden. Lustspiel in fünf Akten« (1880) von Gustav Albert von Moser (wie Anm. 551) und Franz von Schönthan (wie Anm. 552).
Das Lustspiel behandelt den Gegensatz von Offizieren und Zivilisten in Liebesangelegenheiten, wobei die Offiziere natürlich erfolgreicher sind. Der genaue Inhalt des Stückes ist (mir) aber unbekannt.
Am Donnerstag, dem 25. März 1909 besuchten Karl und Klara May im Hotel Vier Jahreszeiten (wie Anm. 652) »Der Weiberfeind. Lustspiel in einem Akt« (1871) von Roderich Benedix (wie Anm. 659).
Die Hauptperson Vitus (oder Gustav) ist ein strikter Weiberfeind, der Frauen für oberflächlich und unzuverlässig hält und sich geschworen hat, niemals zu heiraten. Seine Überzeugungen geraten jedoch ins Wanken, als er eine völlig hilflose, schwangere junge Frau aufnimmt. Sie ist von zu Hause weggelaufen, da sie von ihrer ersten großen Liebe bitter enttäuscht wurde und nun den Glauben an Männer verloren hat. Das Trio (Vitus und seine männlichen Mitbewohner) ist plötzlich völlig damit überfordert, sich um die junge Frau und ihr neugeborenes Baby zu kümmern. Inmitten dieser chaotischen Fürsorge für das kleine Mädchen verbringen Vitus und die Mutter (Vroni) viel Zeit miteinander. Die gemeinsame Aufgabe und die wachsende Fürsorge führen dazu, dass sich die beiden immer näherkommen. Vitus erkennt, dass Frauen ganz anders sind als gedacht, und seine anfängliche Feindschaft schlägt in tiefe Liebe um. Der Weiberfeind« ist endgültig bekehrt.
Dr. Lorenz Alexander Krapp (* 18. Dezember 1882, † 21. Mai 1947) war Oberlandesgerichtsrat und ein Lyriker, der unter dem Pseudonym Arno v. Walden in jungen Jahren Gedichte veröffentlichte. Er war seit der Schulzeit mit Euchar Albrecht Schmid (wie Anm. 66) befreundet. Die Augsburger Postzeitung veröffentlichte 1906 eine apologetische Aufsatzreihe von Krapp mit dem Titel Das Problem Karl May. Er war am 9. Dezember 1908 und vom 4. bis zum 5. April 1909 Gast in der Villa Shatterhand in Radebeul. Ein Foto zeigt Krapp in Mays Jagdrock. Er ruht auf dem Bamberger Hauptfriedhof, genau wie sein Jugendfreund Euchar Albrecht Schmid.
Franz Franke (* 1889, † ?) war Journalist und ein Leser Karl Mays, der mit ihm in Kontakt stand. Er war ein Cousin Lorenz Krapps. Franke und Krapp waren am 9. Dezember 1908 und vom 4. Bis zum 5. April zu Gast in Villa Shatterhand. Kostümiert als Old Shatterhand (Krapp) und Kara Ben Nemsi (Franke) ließen sie sich von Klara May fotografieren. Am 4. September 1909 erschien im Bamberger Volksblatt Frankes Artikel Ein Besuch bei Karl May, in dem er schilderte, wie er Karl und Klara May im Dezember 1908 kennen gelernt hatte.
Martha Elisabeth Maria Marie Sauer geb. Peter (* 7. Mai 1868, † 13. März 1928) war eine Schriftstellerin sowie eine Karl-May-Leserin. Sie veröffentlichte unter dem Pseudonym M. Pierre. Marie Sauer war verheiratet mit Prof. Dr. Richard Josef Sauer und hatte mit ihm mehrere Kinder. Am Karfreitag, dem 9. April 1909, besuchte Marie Sauer mit ihren beiden ältesten Kindern Walter (*1890) und Lucie (*1892) das Ehepaar Karl und Klara May in Villa Shatterhand. Am 30. August 1910 erschien im Hohenstein-Ernstthaler Anzeiger Marie Sauers Gedicht An Karl May.
Vor dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg (Grunewaldstraße 66/67) kommt es auf Drängen des vorsitzenden Amtsrichters Willi Schenk noch vor Eintritt in die mündliche Verhandlung zu einem nicht veröffentlichten Vergleich zwischen May (mit Anwalt August Ernst Walter Bahn, * 6. Oktober 1873, † 1952) und Lebius (mit Anwalt Paul Miethke) und damit zum Ende des Rechtsstreits um die Kahl-Broschüre: Der Angeklagte bedauert die Broschüre nach Form und Inhalt veranlaßt zu haben und erklärt, daß er Herrn May in der persönlichen Ehre nicht habe treffen wollen. Durch diesen Vergleich sollen alle zwischen den Parteien und Frau May und Herrn Lebius bis heute gefallenen Beleidigungen
ausgeglichen sein. Die schwebenden Privatklagen werden von den Parteien zurückgenommen. Parteien versprechen auch, in Zukunft Frieden zu halten.
Friedrich Eduard Bilz (* 12. Juni 1842, † 30. Januar 1922) war ein deutscher Naturheilkundler. Er wird auch als Vater der volkstümlichen Naturheilkunde bezeichnet. Seine Bücher erzielten eine Auflage von ca. 3,5 Millionen Exemplaren und wurden in 12 Sprachen übersetzt. Neben seinen Büchern wurde F. E. Bilz auch durch ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk, die Bilz-Brause (später: Sinalco), weit über Europas Grenzen bekannt. Emma May geb. Pollmer kurierte sich im September 1896 im Bilz-Sanatorium Schloß Lößnitz von einer Influenza. Karl May war mit Eduard Bilz freundschaftlich verbunden. Bilz ist wahrscheinlich das Vorbild für die Figur des Hermann Rost in Karl Mays »Weihnacht!« Nach seinem Tod wurde Friedrich Eduard Bilz in unmittelbarer Nachbarschaft zum Karl-May-Mausoleum beigesetzt.
Am Mittwoch, dem 22. September 1909 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May in der Semperoper (wie Anm. 26) »Oberon, or The Elf Kings Oath« (1826) (deutsch: »Oberon, oder der Schwur des Elfenkönigs«, J. 306) ist eine romantische Oper in Drei Akten von Carl Maria Friedrich Ernst von Weber (* 18. oder 19. November 1786, † 5. Juni 1826), einem deutschen Komponisten, Dirigenten und Pianisten der Romantik.
Feen singen um den schlafenden Elfenkönig Oberon in seinem Gemach. Puck tritt ein und erzählt von Oberons Streit mit seiner Königin Titania: Oberon hatte geschworen, sich nicht mit ihr zu versöhnen, bis ein menschliches Liebespaar gefunden sei, das einander in allen Gefahren und Versuchungen treu geblieben war. Puck hatte alle Orte bereist, um solche Paare zu finden, jedoch vergeblich. Oberon erwacht und verflucht seinen leichtsinnigen Schwur. Puck berichtet ihm, dass Kaiser Karl der Große dem Ritter Sir Huon befohlen habe, nach Bagdad zu reisen, den Mann zur Rechten des Kalifen zu töten und anschließend die Tochter des Kalifen zu küssen und zu heiraten. Oberon beschließt, dass dieser Ritter und die Prinzessin ihm bei der Versöhnung mit seiner Königin helfen sollen. Huon und seinem Knappen Sherasmin erscheint Reiza, und sie erhalten ein magisches Horn, um im Notfall Oberons Hilfe herbeizurufen. Feen werden herbeigerufen, um Huon auf seiner Mission zu begleiten. Am Ufer des Tigris wird Prinz Babekan von Huon und Sherasmin vor einem Löwen gerettet. Babekan ist eigentlich Reizas Verlobter, doch als er Huon und Sherasmin angreift, schlagen sie den Prinzen und seine Gefolgschaft in die Flucht. Anschließend erzählt Namouna, eine alte Frau, Huon, dass Reiza am nächsten Tag heiraten soll, aber auch eine Vision hatte, die sie zu Huon geführt hat. Im Palast von Harun al-Rachid vertraut Reiza ihrer Dienerin an, dass sie nur den Ritter aus ihrer Vision heiraten wird. Als Fatima Huons Ankunft verkündet, freuen sich die beiden Frauen voller Vorfreude.
Am prunkvollen Hof Harun al-Rachids besingt ein Chor seinen Herrscher. Reiza wird hereingeführt, um Prinz Babekan, der zur Rechten des Kalifen sitzt, zu heiraten. Doch Huon und Sherasmin stürmen herein, töten Babekan und fliehen mit der Prinzessin und Fatima. Ein Schiff soll sie nach Griechenland bringen. Die beiden Paare bekennen sich bei ihrer Abreise ihre Liebe. Puck beschwört die Naturgewalten, um Huons Schiff zum Kentern zu bringen. Huon und Reiza überleben, und er begibt sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden, während sie von der Wut und der Bedrohung des Meeres singt. Am Ende ihrer Arie erblickt sie ein sich näherndes Schiff und gibt ihm ein Zeichen. Doch es ist ein Piratenschiff, und sie wird von Abdallah und seiner Mannschaft entführt. Huon versucht, sie zu retten, wird aber verwundet. Es gelingt ihm, das magische Horn zu blasen, und Oberon erscheint. Oberon befiehlt Puck, Huon nach Tunis zum Haus Ibrahims zu bringen. Die Meerjungfrauen singen fröhlich über dem bewusstlosen Prinzen. Im Garten des Emirhauses in Tunis singt Fatima von ihrem Schicksal als Sklavin. Sie und Sherasmin sind nun verheiratet und besingen ihre Kindheit. Puck lässt Huon erscheinen, und nachdem Fatima ihm erzählt hat, dass Reiza in einem Harem gefangen ist, planen sie ihre Befreiung. Im Harem Almanzors, des Emirs von Tunis, beklagt Reiza ihr Schicksal und kann Huon eine Nachricht zukommen lassen, der sich daraufhin aufmacht, sie zu befreien. Zufällig begegnet er jedoch Roshana, der Frau des Emirs, die versucht, Huon zu überreden, Almanzor zu töten und sie zu heiraten. Er weigert sich, doch der Emir entdeckt sie und verurteilt Huon zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Reiza fleht den Emir an, Huon zu begnadigen, doch da sie seine Annäherungsversuche zurückgewiesen hatte, verweigert der Emir ihr die Gnade und befiehlt, die beiden gemeinsam zu verbrennen. Oberon wird von Sherasmin durch das Blasen des magischen Horns herbeigerufen. Die Sklaven des Emirs beginnen zu tanzen, und nach einem zweiten Hornstoß erscheinen Oberon und Titania. Die Tunesier fliehen, die Liebenden werden an den Hof Karls des Großen gebracht, und Huon wird begnadigt.
Hubert Latham (* 10. Januar 1883, † 25. Juni 1912) war ein französischer Flugpionier und Chefpilot bei der Société Antoinette. Latham versuchte am 19. Juli 1909 als erster Pilot den Ärmelkanal zu überqueren. Nach 13 Kilometern fiel allerdings der Motor aus, Latham stürzte ins Meer und überlebte. Die Presse nahm regen Anteil; dass der notgewasserte Latham angeblich völlig entspannt und Zigarette rauchend auf seine Retter wartete, trug viel zu seiner Legende bei. Auch ein zweiter Versuch scheiterte. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Pfund (heute etwa € 169.897.000) gewann dann Louis Blériot (* 1. Juli 1872, † 2. August 1936), der es sechs Tage später schaffte. Am 27. September 1909 flog Latham in knapp 15 Minuten von Berlin-Tempelhof nach Johannisthal – der erste deutsche Überlandflug. Latham soll von der Berliner Polizei dafür ein Strafmandat über 150 Mark (heute etwa € 1.290) wegen groben Unfugs erhalten haben. Am 7. Januar 1910 erreichte Latham als erster Mensch 1.000 m Höhe mit einem Flugzeug und stellte im Laufe der nächsten zwei Jahre diverse Geschwindigkeits- und Langstreckenrekorde mit der Antoinette VII auf. Er starb bei einem Flugzeugabsturz im Alter von 29 Jahren. May war so beeindruckt von dieser Internationalen Flugwoche in Berlin, dass er den Jungen Adler in »Winnetou IV« ein Fluggerät bauen und benutzen ließ.
Marie Veronika Baer (* 12. März 1846, † 12. Januar 1927) war eine Weimarer Kaufmannsfrau und eine Bekannte der Selma vom Scheidt. Mit Emma Pollmer, die nach ihrer Scheidung 1903 in Weimar lebte, hielt sie zeitweise spiritistische Sitzungen ab.
Am Sonntag, dem 7. November 1909 um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Vereinshaus (wie Anm. 4) ein Konzert von Jan Kubelík (* 5. Juli 1880, † 5. Dezember 1940), einem Tschechischen Geiger und Komponisten, mit Ludwig Schwab (* 1880, † 1943) am Klavier; gespielt wurden Werke von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (Пётр Ильи́ч Чайко́вский, * 25. April [jul.] / 7. Mai 1840 greg], † 25. Oktober [jul.] / 6. November 1893 [greg.], Johann Sebastian Bach (wie Anm. 439), Henri Vieuxtemps (* 17. Februar 1820, † 6. Juni 1881), Niccolò Paganini (* 27. Oktober 1782, † 27. Mai 1840) und Ludwig Schwab.
Am Donnerstag, dem 4. November 1909 um 1909 besuchten Karl und Klara May im Dresdner Central-Theater (Waisenhausstraße, zwischen Prager Straße und Trompeterstraße) »Die Jüdin von Toledo. Historisches Trauerspiel in 5 Aufzügen« (1855), ein Theaterstück von Franz Seraphicus Grillparzer (wie Anm. 72).
Die Geschichte spielt im Jahr 1195 in Toledo und Umgebung. In der Eröffnungsszene spaziert der jüdische Kaufmann Isaak mit seinen beiden Töchtern durch die königlichen Gärten von Toledo: Esther, seine kluge und vernünftige Tochter aus erster Ehe, und die jüngere und lebhafte Rachel, seine Tochter aus zweiter Ehe. Isaak und Esther versuchen, Rachel von ihrem Wunsch abzubringen, König Alfons aus der Nähe zu sehen, da Juden der Zutritt zu den königlichen Gärten während der Anwesenheit des Königs verwehrt ist. Rachel, ein verwöhntes Mädchen, beharrt jedoch auf ihrem Vorhaben. Als sie den König, umgeben von der Königin und den Grafen von Lara, kommen sieht, wirft sie sich Alfons zu Füßen und umarmt seine Knie, während die Wachen Isaak und Esther verfolgen und gefangen nehmen. Der König, von Rachels Schönheit und ihrem traurigen Ausdruck ergriffen, behandelt sie gnädig. Während sein Gefolge empört abzieht, befiehlt Alfonso, Rachel und ihre Verwandten in einem Pavillon im Garten zu beherbergen, wo er sich später verkleidet zu ihr gesellt. Im Garten ist Alfonso zunehmend von Rachels Anmut und Lebensfreude bezaubert, und auch sie verliebt sich in den König. Von Liebe berauscht, vergisst König Alfonso seine Pflichten gegenüber der Königin, einer tugendhaften, aber kühlen und unnahbaren Engländerin, und gegenüber Kastilien, das am Vorabend eines neuen Krieges gegen die Mauren steht. Der König bleibt unempfänglich für die Warnungen seiner Freunde und Minister, ebenso wie Rachel sich nicht von Esthers Warnungen beirren lässt. Später kehrt Esther mit der Nachricht zurück, dass die Minister auf Einladung der Königin zusammengetreten sind und über Rachels Tod beraten haben. König Alfonso, wütend, übergibt Rachel daraufhin dem jungen Don Garcerano und begibt sich an den Hof, um seine Autorität wiederherzustellen. In einer dramatischen Szene mit Königin Eleonore, die ihn für verhext hält, verspricht Alfonso, sein Amt wieder aufzunehmen und seine Pflichten zu erfüllen, vorausgesetzt, die Königin verzichtet auf ihren Rachewunsch gegen Rachel. Doch das Urteil ist bereits gesprochen, und als Alfonso zu Rachele zurückkehrt, findet er das junge jüdische Mädchen ermordet vor. Angesichts des Leichnams fühlt sich der König von ihrem Bann befreit, erkennt seinen Irrtum, verzichtet auf jegliche Rache und zieht gegen die Mauren in den Krieg.
Am Samstag, dem 6. November um 19.30 Uhr besuchten Karl und Klara May im Central-Theater (wie Anm. 679) »Der Verschwender« von Ferdinand Raimund (wie Anm. 398). Wie so oft, hatte Klara May ein Problem mit der chronologischen Reihenfolge.
Mathilda Burghagen geb. Holzhausen (* 1862, † 1917) war die Frau von Carl Friedrich Wilhelm Burghagen (* 1860, † 1939), einem Seifenfabrikanten in Radebeul. Sie hatten mehrere Kinder, vond denen Ernst Adolf Walter Burghagen (* 1891, † 1971) im Ersten Weltkrieg Schlagzeilen machte durch einen spektakulären Ausbruch aus einem britischen Kriegsgefangenenlager; im Zweiten Weltkrieg kommandierte er die U 219 als einer der ältesten U-Boot-Kommandanten des Krieges.
Am Dienstag, dem 9. November 1909 um 19.30 besuchten Klara May und Mathilda Burghagen im Central-Theater (wie Anm. 679) »El gran Galeoto« (deutsch: »Der große Galeotto« oder »Galeoto«) von José Echegaray y Eizaguirre (wie Anm. 202).
Gesellschaftshaus an der Schießgrabenstraße, Schießgrabenstraße 20. Das Gebäude gibt es heute noch, einschließlich der Innenausstattung mit dem Festsaal mit Deckenfresko, ist aber nicht mehr öffentlich zugänglich.
Beim Vortrag Karl Mays zum Thema Sitara, das Land der Menschheitsseele. (Ein orientalisches Märchen) war u.a. der elfjährige Eugen Berthold Friedrich Brecht (der sich ab Juli 1916 Bertolt nannte, * 10. Februar 1898, † 14. August 1956) mit seinem Vater zugegen: Eugen war ein begeisterter Karl-May-Leser. 1909 hielt in Augsburg Karl May einen Lesevortrag. Ich weiß noch, daß sich Brecht für diese Veranstaltung sehr interessierte. Brecht beschäftigte sich viel früher mit Literatur als wir. Als er längst alle Karl-May-Bände durchgelesen hatte, begannen auch wir damit, schrieben W. Frisch und K.W. Oberbeier später in ihrem »Brecht in Augsburg - Erinnerungen, Texte, Fotos. Eine Dokumentation von W. Frisch und K.W. Oberbeier«, S. 51.
Adelheid Adele Maria Theresie Einsle geborene Hauck (* 1864, † 1936) war die Ehefrau des Oberamtsrichters Julius Einsle (* 1860, † 1924) und die Mutter von Wilhelm Willy Max Maria Einsle (* 24. März 1887, † 1961). Die Familie wohnte in München, Pilotystraße 4II. Mutter und Sohn (damals noch Gymnasiast) standen ab 1902 mit Karl May in regem Briefwechsel; beide besuchten Karl und Klara May 1909 in Villa Shatterhand; sie wohnten den Vortrag am 8. Dezember 1909 in Augsburg bei und trafen Mays anschließend noch in München. Später wurde Willy Psychiater.
Die heutige Maria-Ward-Realschule Augsburg, Frauentorstraße 26, Augsburg.
Im Jahr 1662 kamen sechs adlige Klosterschwestern aus England, darunter Mary Poyntz, eine Schülerin von Mary Ward (* 23. Januar 1585, † 30. Januar 1645), nach Augsburg. Sie gründeten das Kloster Herz Jesu, eine Armenschule sowie eine höhere Schule für Mädchen, auch Englisches Institut (Schule der Englischen Fräulein) genannt, in der Frauentorstraße nahe dem Augsburger Dom. Von den Nazis wurde der Unterricht durch die Ordensschwestern verboten und im Jahr 1944 wurde das Schulgebäude bei den Luftangriffen auf Augsburg nahezu vollständig zerstört. Als die Schwestern die Schule 1948 wieder führen durften, wurde das Englische Institut in Gymnasium und Realschule aufgeteilt.
Augsburg wurde 15 v. Chr. unter Kaiser Augustus (* 23. September 63 v. Chr., † 19. August 14 n. Chr.; 1. Kaiser des Römischen Reiches vom 16. Januar 27 v. Chr. bis 18. August 14 n. Chr.) als römisches Lager errichtet als Augusta Vindelicorum (später auch Augusta Vindelicum und wurde Anfangs des 2. Jahrhunderts Statthalterssitz de Provincia Raetia.
Die Fugger sind ein schwäbisches Kaufmannsgeschlecht, das seit der Zuwanderung Hans Fuggers (* ?, 1408/09) aus Graben im Jahr 1367 in Augsburg ansässig war. Ihren Namen schrieben sie ursprünglich ... Fucker. Bekanntestes Familienmitglied war Jakob Fugger von der Lilie (auch genannt Jakob Fugger der Reiche oder seltener Jakob II. Fugger, * 6. März 1459, † 30. Dezember 1525; seit 1514 Reichsgraf), zwischen etwa 1495 und 1525 der bedeutendste Kaufherr, Montanunternehmer und Bankier Europas.
Tizian (eigentlich Tiziano Vecellio, * ± 1488/90, 27. August 1576) war ein Venezianischer Maler und einder der Hauptvertreter der italienischen Hochrenaissance.
Karl V. (spanisch Carlos I, französisch Charles Quint, niederländisch Karel V, * 24. Februar 1500, † 21. September 1558) war ein Angehöriger des Herrscherhauses Habsburg; er war vom 25. September 1506 bis zum 25. Oktoeber 1555 Landesherr der burgundischen Niederlande, vom 14. März 1516 bis zum 16. Januar 1556 als Carlos I der erste König von Spanien, von 28. Februar 1519 bis 1556 römisch-deutscher König und vom 23. Oktober 1530 bis zum 3. August 1556 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches). Er war der Urheber des Augsburger Religionsfriedens nach dem cuius regio, eius religio-Prinzip, der am 25. September 1555 auf dem Reichstag in Augsburg zwischen Ferdinand I., der seinen Bruder Karl V. vertrat, und den Reichsständen geschlossen wurde.
Hans Holbein der Ältere (* ± 1465, † ± 1524) war ein vor allem in Augsburg tätiger Maler des 15. und frühen 16. Jahrhunderts; er war der Vater Hans Holbeins des Jüngeren (wie Anm. 131).
Baronin Bertha Elisabeth Aloysia Maria von Wulffen (* 14. Juli 1865, † 2. April 1945) war bis 1905/06 Erzieherin Ihrer Königlichen Hoheiten der Prinzessinnen Wiltrud (* 10. November 1884, † 28. März 1975) und Helmtrud (* 1886, † 1977) von Bayern. Nach 1906 war sie Hofdame bei beiden Prinzessinnen und lebte ab den 1920er Jahren als Hofdame mit Prinzessin Helmtrud auf Schloß Wildenwart.
Prinzessin Adelgunde Maria Augusta Therese Prinzessin von Bayern (* 17. Oktober 1870, † 4. Januar 1958) und Prinzessin Hildegard Maria Christina Therese von Bayern (* 5. März 1881, † 2. Februar 1948). Kronprinz (14. Juni 1886 – 12. Dezember 1912), Prinzregent (12. Dezember 1912 – 5. November 1913) bzw. König (5. November 1913 – 7. November 1918) Ludwig III. (vollständig: Ludwig Leopold Joseph Maria Aloys Alfred von Bayern, * 7. Januar 1845, † 18. Oktober 1921) und seine Frau Marie Therèse Henriette Dorothea von Bayern, geb. Erzherzogin von Österreich-Este, Prinzessin von Modena (* 2. Juli 1849, † 3. Februar 1919), hatten insgesamt 13 Kinder, davon 9 Mädchen.
In Wirklichkeit einen Tag später, am Donnerstag, dem 31. März 1910 um 20.00 Uhr besuchten Karl und Klara May im Dresdner Schauspielhaus (wie Anm. 5) »Hanneles Himmelfahrt. Traumdichtung in zwei Teilen« (1894) von Gerhart Hauptmann (wie Anm. 252).
Das Drama, das zunächst »Hannele Matterns Himmelfahrt« und bei der Uraufführung nur »Hannele« hieß, beschreibt das Sterben des 14-jährigen Mädchens Hannele. Nachdem das Mädchen ihre Mutter verloren hat, versucht sie sich aus entsetzlicher Angst vor dem Stiefvater, Maurer Mattern, der Hannele brutal misshandelt hat, zur Winterzeit im Dorfteich eines abgelegenen schlesischen Bergdorfes zu ertränken. Noch lebend wird sie herausgezogen. In ihrer letzten Stunde verfällt sie in einen Fiebertraum, in dem sich eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft um das Mädchen versammelt: Arzt, Amtsvorsteher, Lehrer, Arbeiter, eine zankende Schar von Heiminsassen, Engel, die tote Mutter. Wirklichkeit und Visionen vermischen sich. Zur Sprache kommen dabei die beängstigenden Erfahrungen beim gewalttätigen Stiefvater, die zarte Jugendliebe zum Lehrer Gottwald, die Erinnerung an Kindermärchen sowie schließlich der tiefe religiöse Glaube an ein schönes Sein nach dem Tod.
Die drei Kreuze sind mit Feder geschrieben. Sie waren offenbar der einzige Kommentar Klaras zum Prozess, wo Lebius freigesprochen wurde von der Beleidigung Karl May sei ein geborener Verbrecher. Beim Prozess wurden Mays Vorstrafen vorgelesen; in den nächsten Tagen berichteten fast alle deutsche und sogar einige ausländischen Zeitungen üben den Prozess.
Wilhelm Pieper (* 1885, † 1945) (Korneliusstraße 122, Düsseldorf) war ein Düsseldorfer Journalist, der sich am 8. Juni 1909, 16. Januar 1910 und 6. Februar 1910 im Düsseldorfer Tageblatt positiv über May geäußert hat . Im Hansa-Hotel in Düsseldorf traf sich am 13. Juli 1910 ein Ausschuss, dessen Ziel es u.a. war, zu verhindern, dass Karl Mays Werke aus der Öffentlichkeit verschwanden; einer der Gründer dieses Ausschusses war Wilhelm Pieper.
Hermann Waldemar Otto (eigentlich Gustav Hermann Otto, * 14. April 1863, † 11. Januar 1941) war ein Zirkusartist, Schriftsteller und Lebenskünstler aus Hohenstein-Ernstthal, der unter den Pseudonymen Signor Saltarino und Waldemar Hohenthal publizierte. Er lebte in Düsseldorf (Scheurenstraße 28) und schrieb u.a. den Beitrag Als Karl May in Düsseldorf war im »Karl-May-Jahrbuch 1932«.
Max Roeder (Pseudonym M. Moenanus, * 24. Oktober 1878, † ?) war ein Redakteur bei der Passauer Donau-Zeitung, später bei der Landauer Zeitung, dann als Chefredakteur des Aachener Volksfreunds und danach der Mühlheimer Volkszeitung; er unterstützte Karl May. Was Klara May hier meint, ist nicht ganz klar: Hatten sie und Karl eine Unterhaltung mit Max Roeder? In diesem Falle ist es sogar denkbar, dass sie von Köln weiter nach Aachen gefahren sind, eigens wegen dieser Unterhaltung.
Hermann Stürmann war ein Großkaufmann in Essen-Rüttenscheid (Alfredstraße 116); Karl und Klara May lernten Stürmann 1908 kennen als Passagier auf dem Großer Kurfürst. Am 17. September 1909 wird er als Zeuge im Münchmeyer-Prozess aufgerufen. Angeblich war er früher Metteur (Regisseur) in Dresden. Er soll am 26. April 1910 vor Gericht bestätigen, dass die erotischen Szenen in den Kolportageromanen Karl Mays nicht von diesem verfasst, sondern vom Verleger Münchmeyer nachträglich in den Korrekturbogen hineingebracht worden seien um den Geschichten eine pikante Würze zu geben.
Ernst Adam von Wildenbruch (* 3. Februar 1845, † 15. Januar 1909) war ein deutscher Schriftsteller und Diplomat; am 29. Februar 1908 hatten Karl und Klara sein Drama »Die Rabensteinerin. Schauspiel in vier Akten« (wie Anm. 631) in Dresden besucht. Das Zitat vom Wildenbruchs Grabmal ist in Klaras Tagebuch undatiert, aber da Wildenbruch seine letzte Ruhestätte auf dem Weimarer Friedhof hat, is diese Bemerkung wahrscheinlich entstanden am 22., 23. oder 24. Juni 1910, als die Mays Emma Pollmer besuchten.
Samuel Langhorne Clemens (Pseudonym: Mark Twain, * 30. November 1835, † 21. April 1910) war ein amerikanischer Schriftsteller, der vor allem als Autor der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt ist. 1870 heiratete er Olivia Langdon (* 27. November 1845, † 5. Juni 1904). Die Gräber der beiden befinden sich auf the Woodlawn Cemetery, Elmira/NY.
Karl und Klara May haben die Gräber der Twains während ihrer Amerika-Reise 1908 besucht und Klara mag diese Grabinschrift – wenn auch ziemlich fehlerhaft – abgeschrieben haben. Am 13. März 1905 notierte Klara in diesem Tagebuch noch: Habe mein Englisch wieder aufgenommen. Das scheint allerdings ohne Erfolg geblieben, denn der Unterschied zwischen wife und daughter ist ziemlich groß! Die besagte Grabinschrift is nicht auf das Grab von Twains Frau, denn die lautet nämlich: (Oberseite des Grabsteines) In this grave repose the ashes of Olivia Langdon, the beloved wife of Samuel L. Clemens (und auf der Vorderseite) who reverently raises this stone to her memory. Elmira, Nov. 27, 1845. Florence, Italy, June 5, 1904. Gott sei dir gnädig, o meine Wonne!
Das von Klara May abgeschriebene Gedicht findet man jedoch auf der Vorderseite des Grabsteines von Twains Tochter Olivia Susan Clemens (* 19. März 1872, † 18. August 1896). Zweitens ist das Gedicht ncht von Twain selbst: Es ist die letzte Strophe des Gedichts »Annette« vom australischen Journalisten, Dichter und Autor von Kinderbüchern Robert Richardson (* 1850, † 1901). Im Laufe der Zeit wurde das Gedicht Mark Twain zugeschrieben; als man ihm dies mitteilte, ordnete er an, den Namen des Dichters Robert Richardson in den Stein unterhalb der Gedichte einmeißeln zu lassen. Das muss vor dem 22. Januar 1907 geschehen sein, als Twain Teile an diesem Tag seiner Autobiografie diktierte, erinnerte er sich, dass er den Namen des Autors vergessen hatte: Wir hatten sie in einem Buch in Indien gefunden, aber das Buch und damit auch den Namen des Autors verloren. Doch durch eine Anfrage beim Herausgeber von »Notes and Queries« konnte ich den Namen des Autors herausfinden … und er wurde dem Vers auf dem Grabstein hinzugefügt.« Als die Mays Amerika im Herbst von 1908 besuchten, stand der Name Robert Richardson also schon auf dem Grabstein.
Aber wann und aus welchem Anlass Klara May gerade diese Inschrift in ihrem Tagebuch notiert hat, ist unklar.
Ziel der Bonnreise war diesmal die beeidigte Vernehmung am 28. September – Klara May gibt wieder einmal nicht die korrekte Chronologie – des Zeugen Bernhard Hermann Cardauns (wie Anm. 16) beim Amtsgericht Bonn durch Referendar Dr. Walter Löwenstein als Richter, in Anwesenheit von Rudolf Lebius, Karl May und Dr. Siegfried Gottlieb Friedrich Georg Puppe (*24. August 1880, † 1945), Mays Berliner Anwalt im Berufungsverfahren Karl Mays gegen Rudolf Lebius 1910.
Karl und Klara May besuchten den Maler Carl Deiker (* 8. März 1879, † 29. Oktober 1958) in Düsseldorf-Grafenberg (Böcklinstraße 14). Er war Mitglied des Ausschusses, dessen Ziel es u.a. war, zu verhindern, dass Karl Mays Werke aus der Öffentlichkeit verschwinden (wie Anm. 702).
Vom 22. bis zum 25. November; Ziel was das Beiwohnen der kommissarischen Vernehmung der Zeugen Maria, Henriette und Walter Schrott (wie Anm. 292), Josepha und Maria Kößler (wie Anm. 296), die nähere Angaben zu den Umständen der Ehescheidung liefern sollen; auch das Ehepaar Rudolf und Marle Lebius ist anwesend. Die Vernehmung findet statt im Kreisgericht (Gilmstraße 30, heute Dantestraße 30). Mays Anwalt is Dr. Rudolf Schlesinger (Adolf-Pichler-Straße 6, heute Carduccistraße 4).
Frieda Kloß war Dienstmädchen bei Mays. Zur selben Zeit war auch Klara Schellenberger als Hausmädchen angestellt. Ab 1911 quittierte Frieda Postzustellungsurkunden für den Erhalt von Gerichtsinformationen. Im Mai 1911 begleitete sie Karl und Klara May zur mehrwöchigen Radium-Kur nach St. Joachimsthal.
Dr. Leopold Gottlieb (*17. März 1852, † 21. Juni 1916) war seit 1889 Arzt in St. Joachimsthal und behandelte Karl May. Am 31. Mai stellte er May ein ärztliches Zeugnis für Kur und Nachkur aus und schenkte ihm wenig später sein Buch »Radiumbad St. Joachimsthal«.
Michael und Marie Weinl, die am Marktplatz 127, St. Joachimsthal ein Weinrestaurant und Delikatessengeschäft hatten und offenbar auch Zimmer vermieteten.
Wer der erste Zimmervermieter war, ist nicht eindeutig belegt. Aber aus Klaras Bemerkungen über das Haus südlich ihrer Unterkunft, eine Bäckerei und das Stampfen der Pferde die ganze Nacht hindurch können wir schließen, dass es sich höchstwahrscheinlich um Rudolf Brands Bäckerei, Könneritzstraße (heute: nám. Republiky) 496, handelt, die sich neben dem Gasthaus Fortuna, Nr. 495, befand.
Eine von tiefem Wald umgebene Wiese, nördlich von St. Joachimsthal, die urkundlich mindestens seit 1554 der Pfarrei zugeschrieben wurde. Die Wiese ist heute viel kleiner als früher; der heutige, tschechische Name ist (mir) unbekannt.
Die einst weltberühmte Tabakfabrik von St. Joachimsthal lag im Zeileisengrund, tschechischer Name (mir) unbekannt. Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1932 zeigt eine Aufnahme vom Státní továrna na tabák, Sv. Jáchymov v. Rudohoří.
Leopold Gheri (* 1. Juli 1866, † 20. Dezember 1952) war ein österreichischer Reise- und Abenteuerschriftsteller; er brachte am 1. Juli 1911 seine zweite Frau Elise mit sich mit nach Hotel Penegal.
Genannt nach dem Einsiedler Hl. Romedius von Tavon, der entweder im 4., 7./8. oder 11. Jahrhundert gelebt haben soll; seine Klause ragt am Ende des Romediotales auf einem Felsen als Konglomerat aus Kirchen und Einsiedlerzellen, verbunden durch einen 131-stufigen Treppenaufgang.
Ein Schmerz- und Fiebermittel; es wurde 1887 durch Oscar Heinrich Daniel Hinsberg (* 21. Oktober 1857, † 13. Februar 1939) synthetisiert und 1888 von den Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. (* 6. Juni 1825, † 6. Mai 1880; in 1863 in Elberfeld Gründer der Farbenfabrik Friedrich Bayer, die heutige Bayer AG) als erster Arzneistoff der Firma eingeführt.
Wieder im Hotel Victoria (heute: Hotel Vittoria, Bahnhofsplatz/Piazza della Stazione, Bozen/Bolzano), wie schon im Juli 1900, damals noch mit Emma May und Richard Plöhn.
Verbleib in, was Karl May nach dem Besitzer Hotel Hauber nannte. In Wirklichkeit heißt das Hotel, das immer noch existiert, Hotel Reutemann, Seepromenade, Lindau.
Carl Willi Ball (* 10. Dezember 1873, † 18. März 1955) war Kapellmeister und ein Leser, der in freundschaftliche Beziehung mit Karl May getreten war. Er war seit 1897 verheiratet mit Hedwig Rosalie Alwine Ball geb. Thusneck. Ball konzertierte mit seiner Kapelle vom 3. Bis zum 7. August in der Dresdner Hygiene-Ausstellung. Die Mays haben eines dieser Konzerte besucht, wahrscheinlinc am Sonntag, dem 6. August, und die Balls zu sich eingeladen. Carl Ball komponierte dann »Harfenklänge zu Karl Mays arabischer Fantasia: Babel und Bibel«, komponiert v. C. Ball, Kgl. Musikmeister«. Die Komposition wurde fertig am 23. Oktober 1911, aber Ball schickte sein Werk erst am 16. Dezember an Klara May, die es Karl am Heiligabend übergab als Weihnachtsgeschenk.
Mary Meyer, eigentlich Marie Sophie Meyer (* 1851, † 1928), war Schriftstellerin und Übersetzerin. Marie Sophie Meyer machte in den 1870er Jahren eine Ausbildung zur Diakonisse und gründete in Berlin eine Gouvernantenheimat nach englischem Vorbild. Sie war Leserin der Zeitschriften Schacht und Hütte, Unsere Zeit und Feierstunden am häuslichen Heerde. Die erste Nachricht Karl Mays an M. S. M. in Berlin, Swinemünderstraße, findet sich in der Rubrik Briefkasten von Nr. 49 (dritte Augustwoche 1876) des ersten (einzigen) Jahrgangs von Schacht und Hütte. Der kurze Text Mays ist eine Briefkastenantwort auf eine Anfrage Fräulein Meyers; ihr vierstrophige Gedicht erschien tatsächlich in Heft 51 (erste Septemberwoche 1876) unter der Rubrik Allerlei. Das Gedicht war kein von Meyer verfasstes Werk, sondern eine von ihr angefertigte Übersetzung eines Gedichts von Mary Ann Kidder, geb. Pepper (* 16. März 1820, † 25. November 1905), einer amerikanischen Schriftstellerin. Zwischen 1876 und 1912 korrespondierten Mary und Karl häufig mit einander, aber zum Besuch der Villa Shatterhand kam es erst im August 1911.
Klara May beendete den Prozess am 31. Januar 1913 in einer öffentlichen Sitzung des 3. Zivilsenats durch Vergleich mit Pauline Münchmeyer. In der Protokollanlage wurde der Vergleich wie folgt wiedergegeben:
Die Klägerin ist überzeugt, dass ihr die von ihrem verstorbenen Ehemanne Karl May erhobenen Klageansprüche gegen Frau Ida Pauline Münchmeyer zustehen. Letztere ist davon überzeugt, dass diese Forderungen unbegründet sind. Um den über diese Rechtsfragen und Ansprüche seit dem Jahre 1902 schwebenden Prozess aus der Welt zu schaffen und beiden Parteien weitere Kosten und Aufregungen zu erparen, wird folgender Vergleich geschlossen:
1.
Die Beklagte verpflichtet sich, der Klägerin fünfundzwanzigtausend Mark am 1. Oktober 1913 zu bezahlen, bis dahin aber von heute ab mit vier vom Hundert zu verzinsen, wobei die Zinsen am 31. März, 3 30. Juni und 30. September 1913 zu entrichten sind. Der Beklagten stehr es frei, die 25000 M ganz oder in Raten auch schon vor dem 1. Oktober 1913 abzuführen.
2.
Die Klägerin verzichtet gegen Empfang der 25000 M auf alle Ansprüche, die ihr gegen die Beklagte oder die deren Erben des im Jahre 1892 verstorbenen Herrn H.G. Münchmeyer zustehen oder zugestanden haben könnten; die Beklagte erklärt, dass ihr keine Ansprüche an den verstorbenen Ehemann der Klägerin oder diese selbst bekannt sind; sie verzichtet aber, falls solche doch vorhanden sein sollten, für ihre eigene Person und die Miterben ihres verstorbenen Ehemannes auf diese Ansprüche und steht dafür ein, dass ihre Ansprüche seitens ihrer Miterben gegen die Klägerin erhoben werden.
[...]
4.
Die im Prozess entstandenen Kosten, soweit darüber nicht schon in den Urteilen vom 5. Februar 1906 und 9. Januar 1907 rechtskräftig entschieden ist, werden gegeneinander aufgehoben.
Dresden, den 31. Januar 1913.
Dr. Ebert (Dr, Otto Erich Ebert, * 23. September 1879, ?; Prozessbevollmächtigter Rechtsanwalt der Klara May),
Dr. Emil Körner (Prozessbevollmächtigter Rechtsanwalt der Pauline Münchmeyer),
Klara May.
Recte: Anwälte. Klara May wurde in den Prozessen und beim Vergleich nicht nur von Dr. Erich Ebert (wie Anm. 752), sondern auch von Dr. Franz Netcke (wie Anm. 644) beigestanden.
»Fadren« (Der Vater«, 1887) ist ein Schauspiel in drei Akten vom schwedischen Schriftsteller, Dramatiker und Künstler Johan August Strindberg (* 22. Januar 1849, † 14. Mai 1912).
Hauptmann Adolph, ein Offizier der Kavallerie, und seine Frau Laura streiten sich über die Erziehung ihrer Tochter Bertha. Laura möchte, dass sie zu Hause bleibt und Künstlerin wird, während Adolph sie in die Stadt schicken und dort eine Ausbildung zur Lehrerin absolvieren lassen will. Adolph beharrt auf seiner Entscheidung und beruft sich auf das Gesetz, da die Frau, wie er argumentiert, mit der Heirat ihre Rechte abtritt. Der Streit eskaliert und wird heftig. Die gerissene und manipulative Laura deutet an, dass Adolph in dieser Angelegenheit möglicherweise gar kein Recht hat. Sie lügt den Hausarzt an und behauptet, Adolph sei womöglich verrückt, da er als Amateurwissenschaftler glaube, durch ein Mikroskop außerirdisches Leben entdeckt zu haben. Tatsächlich hat Adolph jedoch Spuren organischen Lebens durch die Untersuchung von Meteoriten mit einem Spektroskop gefunden. Laura enthüllt dem Arzt außerdem, dass sie einen Brief von Adolph erhalten habe, in dem er gesteht, er fürchte selbst, den Verstand zu verlieren. Gefangen in Lauras Manipulationsnetz, gerät Adolph in Rage und reagiert mit Gewalt – er wirft eine brennende Lampe nach seiner Frau, als sie gerade geht. In diesem Moment ist es um ihn geschehen. Er erkennt, dass Laura ihn listig zu dieser irrationalen Tat provoziert hat, die ihm nun als Vorwand für seine Einweisung dient. Während sie auf die Zwangsjacke wartet, sagt der Pfarrer zu Laura, sie sei unglaublich stark. Zeig mir deine Hand! Nicht ein einziger verräterischer Blutfleck! sagt er. Ein kleiner, unschuldiger Mord, an dem das Gesetz nichts ändern kann; ein Verbrechen im Unbewussten! In einer Szene von tiefem emotionalem Pathos ist es Margaret, die alte Krankenschwester des Hauptmanns, die den nun tatsächlich wahnsinnig gewordenen Hauptmann in die Zwangsjacke drängt. Laura wird als willensstärker dargestellt als ihr Mann, der zu ihr sagt: Du konntest mich hypnotisieren, selbst bei vollem Bewusstsein, sodass ich weder sah noch hörte, sondern nur gehorchte. Als der Hauptmann einen Schlaganfall erleidet und stirbt, eilt Bertha zu ihrer Mutter, die ausruft: Mein Kind! Mein eigenes Kind!« woraufhin der Pastor Amen sagt.
Weibliche Hauptperson aus Strindbergs »Fadren« (»Der Vater«), die ihren Mann, Rittmeister Adolph, mit ihren Manipulationen letztendlich in den Tod treibt.
Eine österreichische Krone in 1911 entspräche heute € 7,28 (Quelle: https://finanzbildung.oenb.at/docroot/waehrungsrechner/#/).
Wer es will, kann alle Ausgaben selbst nachrechnen (aber hoffentlich besser als Klara May, wie Anm. 764!)
Auf Seite 59 ihres Tagebuchs (und Anm. 718) erzählte Klara May uns, das 1 Bad 4 Kronen kostete; 20 Bäder kosteten demnach 80 Kronen! Es sei denn, die etc. kosteten 20 Kronen.
Marie Martha Luise Lu Fritsch (* 15. Januar 1890, † 22. August 1959) war eine Verehrerin des alternden Karl May. Nach Karl Mays Tod heiratete sie am 5. Oktober 1912 Dr. Adolf Droop und leitete mit diesem zwischen 1913 und 1915 die ; 1920 gründete sie mit ihrem Ehemann, Klara May und weiteren Personen u. a. auch Dr. Euchar Albrecht Schmid, die Ustad-Film-Gesellschaft und wurde Hauptinitiatorin und Produzentin der drei Karl-May-Stummfilme, »Auf den Trümmern des Paradieses« (1920), »Die Todeskarawane« (1920) und »Die Teufelsanbeter« (1921), aber bereits im Sommer 1921 musste die Gesellschaft Konkurs anmelden und wurde aufgelöst. Marie Luise Droop geb. Fritzsch gehörte in den 1920er Jahren neben Thea von Harbou (* 27. Dezember 1888, 1. Juli 1954) zu den meistbeschäftigten Drehbuchautorinnen in Deutschland. 1922 erkrankte Lu an extremer Schwerhörigkeit; ihre Ehe wurde im diesem Jahr geschieden. 1930 wurde sie Mitglied der NSDAP und später des NS-Frauenbundes. Dennoch wurde 1938 ihr Antrag um Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer trotz ihrer nationalen Gesinnung abgelehnt, was sie sehr verbitterte. Ab 1942 arbeitete sie als Übersetzerin im Amt Canaris. Wilhelm Franz Canaris (* 1. Januar 1887, 9. April 1945) war der Chef der Abwehr - offiziell: Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht -, der Nachrichtendienst der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. 1943 wurde sie nach Freiburg evakuiert. Nach dem Krieg wurde sie Mitarbeiterin der Lahrer Zeitung und lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, bis ihrem Tod 1959.
Im Sommer 1910 hatte Lu Fritzsch als Zwanzigjährige in der Stettiner Gerichts-Zeitung eine Artikelreihe veröffentlicht, in der sie in dem Streit zwischen Rudolf Lebius und Karl May klar für May Stellung bezog und Lebius in einer Weise beschrieb, die diesen zu einer Privatklage veranlasste: Die Lu-Fritzsch-Affäre.
300 Kronen ist natürlich ein Schreibfehler für 300 Mark.
Gegen das Urteil in der Lu-Fritzsch-Affäre (wie Anm. 765) war Rudolf Lebius in Berufung gegangen und in dem Berufsverfahren vor der 5. Strafkammer des Landgerichts Stettin wurde Wilhelm Karl Heinrich Ewald Durschnabel, Redakteur der Stettiner Gerichts-Zeitung, am 29. April 1911 zu einer Geldstrafe von 300 Mark verurteilt. Am 3. Juni 1911 bat Lu Fritsch Klara May, die Geldstrafe für Durschnabel zu übernehmen, da dieser sonst für einen Monat ins Gefängnis musste. Mays erfüllten diese Bitte nicht. Durschnabel selbst schrieb am 1. August einen Brief an Klara May mit der Bitte, Lu Fritsch aus dem Spiel zu lassen; Lu Fritsch äußerte am 4. August in einem Brief an Klara May, dass Durschnabel von Mays enttäuscht sei und den Anwalt Dr. Franz Herz mit der Sache beauftragt hätte. Und doch nennt Klara hier die Bezahlung von 300 Mark an Lu Fritzsch ...
Ingenieur Josef Štěp (* 1863, † 1926) war Betriebsleiter des Elias-Schachtes und Bergrat bei der Joachimsthaler Berg- und Hüttenverwaltung, die Karl und Klara May in der ersten Junihälfte 1911 besuchten.
Klara May berichtete, dass das Paket Uranium, das sie erworben hatte, Wunder gewirkt habe bei Karl Mays Nervenentzündung. Was Klara kaufte, war höchstwahrscheinlich nur die Pechblende, unbearbeitet oder ähnlich dem, was Madame Curie ursprünglich erhielt. Marie Skłodowska Curie (* 7. November 1867, † 4. Juli 1934) war eine Physikerin und Chemikerin polnischer Herkunft, die in Frankreich lebte und wirkte. Sie untersuchte die 1896 von Henri Becquerel (* 15. Dezember 1852, † 25. August 1908) beobachtete Strahlung von Uranverbindungen und prägte für diese das Wort radioaktiv. Im Rahmen ihrer Forschungen, für die ihr 1903 ein anteiliger Nobelpreis für Physik und 1911 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen wurde, entdeckte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie (* 15. Mai 1859, † 19. April 1906) die chemischen Elemente Polonium und Radium. Nur bei der Urangewinnung, die 1911 in Joachimsthal noch nicht durchgeführt wurde, wird Uran aus dem Erz freigesetzt.